Woodstock - Von der Bong zur Biomarktkette

Woodstock hat seinen Weg in unsere Alltagskultur gefunden. Auch vor 50 Jahren markierte es keinen Triumph einer Alternativbewegung, sondern das Ende ihrer Ideale. Als konsumkritische Massenbewegung war sie von Anfang an zum Scheitern verurteilt

Woodstock-Souvenirshop
Ein Woodstock-Souvenirshop: Auch 1969 war das Festival Teil einer Marketing-Kampagne / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Pop lebt von Illusionen. Der Illusion der Authentizität, der Illusion der Eigentlichkeit, der Illusion der Relevanz. Hier geht es um Mythen, um Projektionen und um Emotionen. Deshalb hat in der Popkultur auch das Bedeutungslose Bedeutung. Zumal im Nachhinein.

Als die Musikproduzenten Artie Kornfeld und Michael Lang im Jahr 1968 auf die Idee kamen, zur besseren Vermarktung ihres neuen Aufnahmestudios ein Konzert zu veranstalteten, konnten sie nicht ahnen, dass sie dabei waren, einen popkulturellen Mythos zu schaffen. Die drei Tage im Schlamm nahe der Kleinstadt Bethel wurden sehr bald als Symbol gedeutet, als Umschlagpunkt der westlichen Gesellschaft, als Triumph der Alternativkultur.

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Ernst-Günther Konrad | Sa, 17. August 2019 - 09:54

Wieder ein Genuß Ihr Artikel. Die Geschichte wiederholt sich irgendwie immer wieder oder?
Das alles erleben wir doch gerade mit der Klimahysterie und der Klimaprophetin Greta wieder. Ihre Aussagen lassen sich 1 zu 1 in die Jetztzeit übertragen. Auch bei Greta stehen Management und Geldgeber dahinter, die diesen Hype gnadenlos vermarkten, ihr Geld damit verdienen und dieses Mädchen fallen lassen werden, sobald es eine neue Ikone oder einen neuen Messias gibt, den man ausrufen kann. Und wieder stehen aufgeklärte Menschen mit offenem Mund und staunend einem vermeintlich Phänomen gegenüber, dass es leicht zu demaskieren möglich wäre. Stattdessen Angst vor einem 16 jährigen Mädchen, das wie 12 aussieht, verstörende Blicke in die Welt sendet, inhaltlose Sätze spricht und gar nicht merkt, wie es seelisch missbraucht wird. Und die deutsche Politik versteckt sich hinter einem jugendlichen Kind und huldigt deren Anhänger, die passend nach den Schulferien wieder den Unterricht boykottieren.

Christa Wallau | Sa, 17. August 2019 - 10:25

Wo gibt es in Staaten mit kapitalistischer Grundstruktur eine Bewegung, die n i c h t vermarktet wird? Nirgendwo.
Immer geschieht zwangsläufig das, was wir momentan auch bei der ganzen Umweltdebatte erleben: Die Geschäftemacher sind sofort zur Stelle!
Es ist tatsächlich n a i v , wie Sie zu recht schreiben, lieber Herr Grau, an eine konsumkritische Massengesellschaft zu glauben.

Ganz davon abgesehen, daß die Hippies vermarktet wurden: Die Blumenkinder-Bewegung zerstörte sich auch selbst. Die totale Enthemmung mündete in Morden und Tausenden von - durch Alkohol und Drogen - zerstörten Menschen.

Was also ist das tolle "Vermächtnis" von Woodstock, von dem jetzt überall geschwafelt wird? Ich kann es nicht erkennen.

Wer "aussteigen" will in die Freiheit, kann dies als starke Persönlichkeit leisten - individuell und in
Eigenverantwortung. Er darf/kann damit
andere ermutigen, es ihm gleichzutun, aber nur dann, wenn er seinen klaren, kritischen Verstand dabei niemals verliert.

Wolf-Dieter Hohe | Sa, 17. August 2019 - 10:44

Der Kandidat hat.... 100 Punkte !
Hossa! Hossa !
.
.
.
... könnte von mir sein :-):-):-) mit Ihren Worten

Klaus Decker | Sa, 17. August 2019 - 14:13

Wie immer, ein hervorragender Beitrag, Herr Grau.
Der irrationale Messianismus wird es dann der Nüchternheit Platz machen, wenn der SUV durch das Biogärtlein ersetzt wird.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 17. August 2019 - 21:08

ich halte Ihre Analyse bei allem Respekt für völlig verkehrt und die Geschichte auf den Kopf stellend.
Woodstock politisierte die US-Gesellschaft in einem ungeheuren Ausmass und beendete den Vietnamkrieg.
Die Subkulturszene mit Drogen etc. hat mich nie interessiert und damit legte diese Bewegung evtl. Hand an sich selbst, aber diese Musik - was hat die denn mit Pop zutun? - und diese wenn auch geschädigten Persönlichkeiten haben Geschichte geschrieben UND gezeigt, dass das Kapital keine einsamen Bewegungen in luftleere Räumen zeichnet.
Vielleicht bin ich ein bisschen frühreif gewesen, aber auch wegen Woodstock konnte ich z.B. mit Adornos "Negative(r) Dialektik" nur wenig anfangen oder der klassischen Kapitalismuskritik.
Ich hatte eine Kraft gesehen, die bewegte, nicht bewegt wurde.
Freundlichst

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