Listenplatz trotz heftiger Kritik - Warum tut sich Sahra Wagenknecht das noch an?

Trotz heftiger innerparteilicher Kritik hat sich Sahra Wagenknecht bei der Nominierung für den Bundestag in NRW durchgesetzt. In ihrem neuen Buch schreibt sie gegen jene Parteigenossen an, die das Eintreten für soziale Gerechtigkeit durch Diversität und Lifestyle-Politik ersetzen wollen.

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Sahra Wagenknecht bei ihrer Bewerbungsrede für die NRW-Landesliste zur Bundestagswahl / dpa

Autoreninfo

Rainer Balcerowiak ist Journalist und Autor und wohnt in Berlin. Im Februar 2017 erschien von ihm „Die Heuchelei von der Reform: Wie die Politik Meinungen macht, desinformiert und falsche Hoffnungen weckt (edition berolina). Er betreibt den Blog „Genuss ist Notwehr“.

So erreichen Sie Rainer Balcerowiak:

Es hat dann doch noch gereicht. Mit 61 Prozent der Stimmen setzten die Landesdelegierten in Nordrhein-Westfalen Sahra Wagenknecht auf Platz eins der Landesliste für die kommende Bundestagswahl. Der Wahl vorangegangen war eine auch für linke Verhältnisse bemerkenswerte Schmutzkampagne gegen die mit Abstand populärste Vertreterin der Partei. 

Stein des Anstoßes war für die Wagenknecht-Gegner ihr offiziell noch gar nicht veröffentlichtes neues Buch „Die Selbstgerechten – Mein Gegenprogramm für Gemeinsinn und Zusammenhalt“. Schnell kursierten in sozialen Medien und diversen Foren einige aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, die belegen sollten, dass Wagenknecht eine „völkische Rassistin“ sei, die „Minderheiten verunglimpft“ und eigentlich einen AfD-Kurs vertrete.

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Peter Sommerhalder | Sa, 10. April 2021 - 15:41

ist halt einfach gut.
Schade, dass es nicht allzu viele Politiker gibt, die wirklich gut sind. Egal von welcher Partei.
Daran muss man sich leider gewöhnen/abfinden...

Gerhard Lenz | So, 11. April 2021 - 08:44

In reply to by Peter Sommerhalder

Warum tut Sahra Wagenknecht Ihrer Partei das an?

Gleichwohl wehrt sie sich gegen die Interpretation, dass ihr Buch eine Abrechnung mit gewissen Strömungen innerhalb der Linke sei. Sie möchte nur die klassischen Themen der Linken wieder in den Vordergrund stellen.

Das ist mindestens zum Teil altbacken und rückwärtsgewandt und wahrscheinlich auch auf den Einfluss des ewigen Arbeiterführers an ihrer Seite, Oskar Lafontaine, zurückzuführen. Der noch immer den Verrat Gerhard Schröders an der Arbeiterklasse beweint. Was jetzt auch bei Frau Wagenknecht zum Ausdruck kommt, wenn auch in anderer Konstellation.

Richtig ist: Die neue, urbane Linke feiert höchstens in ein paar Großstädten Erfolg. Im Osten dürfte noch viel mehr die soziale Ausrichtung eine Rolle spielen. Aber auch da verliert die Linke, mal von Thüringen abgesehen.

Ein Teil der potentiellen Wählerschaft scheint überdies rechtsextremem Gedankengut gegenüber aufgeschlossen, wählt AfD - will Wagenknecht das schlicht ignorieren?

Karl-Heinz Weiß | Sa, 10. April 2021 - 15:45

Der Herbst 2021 wird mit großer Wahrscheinlichkeit die politisch spannendste Zeit in Deutschland seit 1998. Da wäre es schade, wenn Frau Wagenknecht die Entwicklung nur von der literarischen Seitenlinie kommentieren könnte. Stachel im Fleisch: sowas duldete Frau Merkel bis zur Abwahl ihres Paladins Kauder nicht.

Andre Möller | Sa, 10. April 2021 - 15:53

sie hatte und hat immer noch meine Sympathie. Leicht unterkühlte Souveränität im Denken und Aussprechen der Dinge, die wichtig sind. Sie kann Mitdenken, hat einen weiten Horizont - anders als die Salonlinken und Aktivisten. Die Linke von heute hat ein Problem mit dem Denken ganz allgemein und ist ein erstes Opfer der deutschen Bildungskatastrophe. Allgemeinbildung, Dialektik, Denken in Zusammenhängen, Interesse für Wirtschaft ist bei denen Fehlanzeige. Die haben sich selbst besiegt. Ich verstehe auch nicht, warum sie sich das noch antut...

Damit vielleicht mal eine neue Idee
- eine neue, andere Regierungsform wie bisher mit qualitativen & quantitativen Fortschritt - eine wirkliche Bürgerregierung -
als Traum geboren wird & diese dann auch noch vom Volk friedlich eingefordert wird & nicht von den Eliten, damit die "Teufelshand" (Gier, Eitelkeit, Geltungssucht, Machtsucht) wie immer wieder alles unterwandert & unterminiert.
Wie sagte meine Großmutter:
"Nichts auf dieser Welt geschieht aus Zufall. Alles Gottes Plan, wenn wir diesen so oft nicht verstehen.

Tomas Poth | Sa, 10. April 2021 - 15:54

Wir sollten dankbar sein daß sie es sich antut! Sie ist eine der wenigen Figuren im linken Lager die man wirklich ernst nehmen kann, mit der man auch gerne in den Diskurs tritt um die eigene Position und Argumente zu prüfen und ggf. anzupassen.
In diesem Fall ruhig weiter so!
Stichwort: "diversität und bindungsloser Selbstverwirklichungs-Individualismus".
Dieses Spielfeld hat die Kapitalselite gerne dem Links-Grünen Lager überlassen, da dürfen sie sich abarbeiten und kommen den "Kapitalisten" nicht mit der "Diktatur des Proletariats" in die Quere. Im Gegenteil das ergänzt sich sogar weil Wachstum durch neue "Diversitätsprodukte" neue Märkte möglich ist.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 10. April 2021 - 16:37

Die Frage habe ich mir nicht nur bei ihr gestellt. Es ist inzwischen parteipolitischer Alltag, das unbequeme Mitglieder, in diesem Fall die prominenteste LINKE Sarah Wagenknecht, versucht wird zu diskreditieren und auch ihr, wie vielen anderen Kritikern ihrer jeweiligen Parteien auch, die Worte im Mund herum gedreht und sofort in eine rechtsextreme Ecke gedrängt werden. Thierse, Maaßen, Palmer, Gauweiler, Kemmerich, sie alle ziehen keine Konsequenzen, sondern versuchen weiterhin, in ihren jeweiligen Parteien ihre Linie aufrecht zu erhalten. Diese Politiker haben doch nicht wirklich existenzielle Probleme, würden sie ihre Parteien verlassen. Selbst der berufslose und Parteienaufsteiger Palmer könnte auch außerhalb der GRÜNEN einen gut dotierten Job finden. Alle anderen haben gute Berufe. Vieleicht sind es Idealisten, die noch immer an die ehemals geltenden Ideen ihrer Parteigründer und deren Ausrichtungen glauben. Vielleicht hoffen sie auf Rückbesinnung. Man müsste jeden interviewen.

Man kann die Frage auch anders stellen: Was sagt diese ganze Diffamierungskampagne über die Haltung der Linken/Kommunisten zu dem Recht auf freie Meinung und Menschenwürde aus? Wenn man die letzten 120 Jahre der linken/kommunistischen Geschichte ansieht dann wird man fündig: Andersdenkende wurden immer ausgegrenzt einschließlich Intellektueller und physischer Vernichtung. Das gilt für alle linken Strömungen einschließlich Lenin, Stalin, Mao und Pol Pot. Linke Politik erträgt andere Meinungen nicht wenn sie einmal die Macht hat.

Maria Arenz | Sa, 10. April 2021 - 16:42

geworfen ist eine Frau Wagenknecht bei dem "intellektuellen Lumpenproletariat", zu dem die Linkspartei und die aktuell maßgeblichen Kreise der Sozialdemokraten inzwischen verkommen sind. Glauben sich im Besitz ewiger Wahrheiten, sind aber durchweg so ungebildet und dumm, daß allein schon die Tatsache ihres Abiturs das erschreckende Ausmaß des Niedergangs unseres Bildungswesens beweist. Das eigentliche Drama ist aber, daß in der aktuellen Parteienlandschaft trotz einer nach 16 Jahren Merkel denkbar verfahrenen Lage für eine Frau Wagenkenecht nirgendwo mehr Platz ist- die Grünen stellen demnächst wohl die muntere Annalena als Kanzlerkandidatin auf- man stelle sich das Schlachtfest vor, wenn diese beiden einmal zusammen ein Fernsehduell bestreiten! Von der CDU wollen wir grad eh nicht reden und Christian Lindner würd niemals so jemand neben sich dulden. Der hat ja schon Frau Teuteberg nicht ertragen und das war doch im Vergleich zu Wagenknecht eine ganz liebe.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 10. April 2021 - 17:12

einen Fehler macht, wenn sie die Moderne der Linke, die im Artikel als "Diversität und Lifestyle-Politik" beschrieben wird, ausgrenzt aus der Sicht einer traditionellen Linken.
Die Frage der Zeit scheint mir eher, wie man es einbindet, zusammenführt zu einer neuen, modernen Linken.
Da fragt sich hier im Forum evtl. der eine oder andere, ob ich ständig "meine Kleider" wechsle, von der Linken bis hin zu den Konservativen:)
Mein Interesse an den auch historisch gewachsenen politischen Gruppen oder eben neuen, ist echt.
Ich war lange bei diversen Linken und meine es ernst, wenn ich sage, dass ich sie nicht angreifen werde.
Frau Wagenknecht ist noch viel zu jung, um mit der Tradition zu kommen.
Sie hat meines Wissens genau da angefangen, bei der Tradition.
Wir leben in einer Moderne, ein Grund, warum die CDU Merkel nicht vor die Tür setzt.
Deren evtl. "Nicht-Können" einer kohärenten CDU-Linie, bringt die CDU doch mit allem in Berührung.
Wagenknecht schafft hoffentlich eine NEUE linke Linie

Entgegen allem Geschwurbel von "Moderne Linke", "traditionelle Linke", "wie man es einbindet .... " ist für mich Frau Wagenknecht eine sehr intelligente Frau, die sich und ihre Überzeugung darzustellen weiß ... und die man nicht moderieren muss, weil man glaubt, es besser zu wissen. Das Besserwissen gegenüber einer Frau mit Intellekt und Charisma wirkt stümperhaft und peinlich und fühlt sich an wie "ach hätte sie doch geschwiegen"!
In Wirklichkeit scheint Sahra W. zu begreifen, dass es sich bei der DIE LINKE um ein Schwindeletikett handelt und dass die Drahtzieher im Hintergrund sich nicht in die purpur-rote (unverdaulichen) Suppe spucken lassen. Auch nicht von einer superintelligenten ehrlich linken Frau! Die führenden Genossen von vor der Wende sind auch die führenden Genossen von heute ... es sickert langsam bei den meisten denkenden Menschen durch!

Sie sehen das mal wieder zu menschenfreundlich, liebe Frau Sehrt-Irrek. Wenn eine Spitzenkandidatin der Grünen Rechenschaft über ihre humorvoll genannten Kindheitsträume leisten muss und dies auch noch tut, befinden wir uns in einem Irrenhaus! Dies muss auch so benannt werden. Diese sich breit machende zelebrale Insuffizienz hat mit Modernität nunwirklich nichts zu tun.

Allein ihre weitere Anwesenheit unter den Tortenwerfern freut mich jedenfalls sehr.

Klaus Funke | Sa, 10. April 2021 - 17:40

Es ehrt Frau Wagenknecht, wenn sie sich um politische Aufrichtigkeit bemüht. Sicherlich weiß sie, dass solche Mühe (auch) bei der Linken völlig aussichtslos ist. Die Linke hat sich seit Gysis und Wagenknechts "Weggang" völlig verrannt, verrannt wie übrigens auch die SPD. Das ist eben die Krux, wenn die führenden Genossen glauben, sie müssten dem vermeintlichen Zeitgeist hinterherhecheln. Lifestyle, Identitätspolitik u.ä. sind "Nebenkriegsschauplätze". Und je weiter weg sich diese Parteien von ihrer eigentlichen Klientel entfernen und sich ein paar bunten Krakeelern annähern, desto sicherer wird ihr Aus kommen. Haben sich die Parteiführungen mal ins Volk bewegt, um herauszufinden, wie es dort tickt? Nein. Weiter als in ein Szenecafé sind sie nicht gekommen. Diese Genossen wissen nicht, was los ist, sie hocken in ihrem roten Türmen und klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Dennoch macht Wagenknecht den Don Quichotte. Sie handelt sich Häme ein. Ich halte zu ihr, aber es nützt nicht

Maria Fischer | Sa, 10. April 2021 - 18:28

Weil sie nicht anders kann.
Ihr Gerechtigkeitssinn lässt das nicht zu.

Sie ist klug, gebildet, apart, unabhängig.
Das macht Intellektuelle- Attrappen einfach Angst und rasend vor Neid.
Solche Frauen/Männer hatten es noch nie leicht.
Obwohl sie auch zu einer "Minderheit" gehören, werden sie entsetzlich angefeindet und diskriminiert.
Der Schutz von Minderheiten ist anscheinend nur von Interesse, wenn die Überlegenheit der
"Minderheits-Beschützer" gewährleistet bleibt.

Werner Kistritz | Sa, 10. April 2021 - 18:57

Eine Steilvorlage für alle Demagogen! Es ist ungefähr hundert Jahre her, da habe ich mal live eine Rede von einem Politiker namens Hasselmann, CDU, gehört. Er hat alle Politiker der gegnerischen Parteien über den grünen Klee gelobt, die in irgendeiner Weise bei ihren eigenen Leuten in Ungnade gefallen waren. Stoßrichtung: Der war ja wirklich noch einer, aber leider ist seine Partei ... Es hat mich angewidert.
Trump hat es zum Programm gemacht. Wir sollten uns nicht vergiften lassen und uns gegen jede Form von Hetze und Demagogie wehren!

Rob Schuberth | Sa, 10. April 2021 - 19:32

...und eckt damit eben jene Aspekte auf die die Linken Idealisten u. Ideologen nicht sehen wollen.

So etwas tut nat. weh und daher der heftige Gegenwind.

Schön, dass sie es dennoch geschafft hat.
Sie ist eine der wenigen Politiker denen man noch gerne zuhören mag.
Ihre Aussagen haben echten Hand u. Fuß-Charakter.

Christoph Kuhlmann | So, 11. April 2021 - 07:46

sind bei Linke und SPD nicht gut aufgehoben. Dann lieber Gewerkschaft, die sind nicht bewusstseinsfähig und verfügen über einen weitgehend ungetrübten "gesunden Menschenverstand."

Tobias Schmitt | So, 11. April 2021 - 10:24

"Das Wagenknecht eine völkische Rassistin sei" - den Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jeder, ob liberal, links oder konservativ, sollte sich mal ganz ehrlich fragen, ob der Typ Mensch, der Frau Wagenknecht da attackiert, nicht jegliches Maß verloren hat. Und mit Typ Mensch meine ich alle, die der woken Ideologie angehören, der Ideologie vom "besseren Menschen". Das betrifft Feministen, die LGBTQ Community, die Ökolobby, die Migrantenlobby und diverse schwer einzuordnende Gruppierungen. All diese Gruppen gehören in einen Topf, weil sie dieselbe Grundstruktur haben, vom selben Typ Mensch unterstützt werden - den Dauerempörten. Diese Leute haben den Boden unter den Füßen verloren und schwimmen auf einer ideologischen Welle, die so ziemlich alle großen westlichen Kulturen erfasst hat. Aber mit der Realität hat das schon lange nichts mehr zu tun. Ich freue mich, dass die Gruppe der Kritiker wächst. Reichlich spät. Langsam geht wohl manchen ein Licht auf.

Dieter Freundlieb | So, 11. April 2021 - 11:12

Ich bewundere den Idealismus von Frau Wagenknecht. Aber ich fürchte der Zug ist abgefahren. Auch Frau Wagenknecht, mit all ihrer Intelligenz und ihrer Urteilskraft, kann nicht verhindern, dass die Linke sich nicht als ernst zu nehmende Partei etablieren kann. Die Zahl der Politiker, die heute glauben, sie könnten sich mit der richtigen Moral auch ganz ohne Sachverstand und Allgemeinbildung profilieren und Anspruch auf hohe politische Ämter erheben, wird immer größer. Und das nicht nur bei den Linken.

Immerhin spürt sie jetzt einmal, wie es ist, auf genau dieselbe Art diskriminiert zu werden, wie sie seit Jahren gegenüber der AfD praktiziert wird. In diesem Fall sogar von den eigenen Parteigenossen.

Brigitte Simon | So, 11. April 2021 - 14:15

Als geborene und gebliebene Konservative wünsche ich mir eine pragmatische Koalition mit Dr. Sahra
Wagenknecht und Prof. Dr. Jörg Meuthen.

Nach 16 ausgeblutenen Jahren Merkels benötigt
Deutschland glaubhafte, unbestechliche Politiker.
Voller Intelligenz und Weitsicht. Ein Wiederauf-
leben unserer unumstrittenen Demokratie garan-tierend.

Wagenknecht bekennt sich zu ihrer "politischen
Vergangenheit". Merkel hingegen verheimlicht
ihr SED-Gedankengut. Verlinkste (meine Wort-
schöpfung) die ehemals konservative CDU. Sie
hat weder moralisch noch geistig dazugelernt.
Anders sehe ich Dr. Wagenknechts Werdegang.