Der Berliner Pfarrer Carl-Heinz Mertz hat im letzten Jahr so viele Austrittsgespräche geführt wie noch nie / Julia Steinigeweg

Kirche in Deutschland - Exodus mit Sahne

Die Menschen verlassen in Scharen die Kirchen, der Austritt wird zur bürgerlichen Normalität. Ein säkularer Tsunami fegt die Kirchen als gesellschaftliche Kraft hinweg. Die Christen werden zur Minderheit. Besonders die katholische Kirche ist von Krisen geschüttelt. Schon warnt Bundespräsident Steinmeier vor Selbstmitleid. Im Auge des Orkans finden sich Verzweiflung, Gleichgültigkeit – und Gottvertrauen.

Autoreninfo

Volker Resing leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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Ausgerechnet im Café Lebensart, es gab Kuchen und ein Kännchen Kaffee, erklärte ihm die Rechtsanwältin, dass sie nun aus der Kirche austreten würde. Die Kinder hatte er mit aufwachsen sehen, über die Jahre. Erstkommunion, Messdienerzeit, Firmung. Nun der Abschied, freundlich und bestimmt – aber mit Sahne. Manchmal wird der Pfarrer auch zum Essen eingeladen. Dann serviert ihm ein älteres Ehepaar die Kündigung zum Nachtisch. Kirchenaustritt ist „Lebensart“ geworden, fast alltäglich.

Seit 17 Jahren ist Carl-Heinz Mertz Pfarrer in der katholischen Gemeinde Herz Jesu in Berlin-Zehlendorf, seit 43 Jahren ist er Priester. Doch noch nie hat er so viele Austrittsgespräche geführt wie im vergangenen Jahr. Früher gingen die Karteileichen, heute verabschieden sich diejenigen, die er persönlich kennt und schätzt. Der Abschied von der Kirche ist bürgerliche Normalität geworden. Mehr noch: Es ereignet sich fast beiläufig und nebenbei ein epochaler Kulturbruch. 

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Enka Hein | So, 7. August 2022 - 15:56

...und den Kirchenmann.
Und so sprach der König: "Halt du sie dumm. Ich halt sie arm."
Der König ist heute die Politschar in Berlin. Und die Kirche glaubte durch Kopieren von linksgrüner Allmachtsphantasie noch mitspielen zu dürfen. Sie bediente die gleiche Klaviatur der Klimahysteriker, Weltenretter und schworen sich auf den Kampf gegen räxxts ein. Ihre eigenen konservativen Wurzeln und die ihrer Klientel wurde verleugnet, auf Teufel komm raus.
Aber der Bürger ist nicht mehr so blöde. Warum soll er mit Kirchensteuer kirchliche Schlepper bezahlen. Und sich von der Kanzel als Querdenker und Nazi titulieren lassen. Warum goldene Wasserhähne in Limburg. Wer braucht eine Kirche die ihr Kreuz ablegt. Dem der Islam näher ist als die Sorge der Kirchgänger davor. Der Moscheen wie in Köln eher bejubelt. Und und und.
Als Sahnehäubchen kommt der Missbrauchsskandal.
Brauchte ich schon vor Jahren nicht.
Und wenn man aus der GEZ austreten könnte, wäre da innerhalb eines Jahres Totenstille.

und das ist auch richtig und gut so, denn DAS IST NICHT KIRCHE!
"Warum soll er mit Kirchensteuer kirchliche Schlepper bezahlen. Und sich von der Kanzel als Querdenker und Nazi titulieren lassen. Warum goldene Wasserhähne in Limburg. Wer braucht eine Kirche, die ihr Kreuz ablegt. Dem der Islam näher ist als die Sorge der Kirchgänger davor. Der Moscheen wie in Köln eher bejubelt. Und und und. Als Sahnehäubchen kommt der Missbrauchsskandal."
Die Kirchenbonzen selbst haben den christlichen Glauben in den Schmutz gezogen, so dass Kirche sich von linX-grünen "Zwangsweltverbesserern" nicht mehr unterscheidet. Warum soll jemand zum Evang. Kirchentag gehen, wenn er da einen links-grünen Parteitag vorfindet mit Work-Shops "Vulven malen", "Schöner kommen" oder "Freitagsgebet in der Moschee" vorfindet? Dann geht man doch lieber gleich zum Original!
Die verfassten Kirchen sind durch leitende Funktionäre zum lächerlichen Gesangsverein mutiert. Bekennende Christen? Leider Fehlanzeige!

Das ist der Spruch des Jahres, sehr geehrte Frau Hein und erklärt wie kein anderer Satz die unheilige Allianz zwischen Kirche und Staat. Und natürlich ist die Kirche nicht erst der willige „Wiedergeber“ der Staatsinteressen in den letzten 20 Jahren. Aber nicht die Kirche allein singt aus diesem Gesangsbuch, der ÖRR singt vielstimmig mit.
Im übrigen sehe ich gerade das Sommer Interview mit A. Weidl im ZDF. Diese sprach gerade von „Intelektueller Unterforderung“, bezeichnend die Anspielung ihrer sexuellen Orientierung. Und wenn die AFD so weit rechts ist, wie behauptet, warum wird sie nicht verboten dann ist doch alles in Butter.
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Meinen Kommentar zum Artikel, an dem ich beim Lesen bereits in Stichpunkten "gebastelt" hatte, kann ich mir jetzt sparen.
Vielen Dank, Frau Hein, genau meine Kritik an den Kirchen in D.

Joachim Kopic | So, 7. August 2022 - 16:13

Geht es den Menschen schlecht, werden sie wieder "gläubiger" ... und da hilft ja momentan der Staat tatkräftig mit (z.B. Sanktionen, die im überwiegenden Maße die eigene - unschuldige - Bevölkerung treffen). Aber ... man sollte sich da nicht täuschen! Die Menschen lassen sich kein "X" für ein "U" mehr vormachen...

Wolfgang Jäger | So, 7. August 2022 - 17:11

Die Kirche ist zum großen Teil selbst schuld.
Auch die Katholische Kirche hat sich spürbar zur links-grünen NGO verändert und steht der evangelischen Kirche in nichts nach.
Wozu brauchen wir eine zweite Reformation?
Die Evangelische Kirche ist schon gänzlich zur Propaganda - Maschine für die links-grünen Intellektuellen geworden, wenn diese überhaupt noch in der Kirche sind. Synodaler Weg ? Eine Mogelpackung. Sollen diese Leute doch evangelisch werden!
Missbrauchsfälle werden nun oft als Vorwand für den Austritt gebraucht.
Europa wird muslimisch werden. Und die Kirchen sind die maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung. Dass sich hier die Schäfchen nicht mehr beschützt sehen, darf einem nicht wundern. An die Stelle des Glaubens und der christlichen Verbundenheit tritt nun der Rettungswahn als neue Religion. Nein, es ist die woke Ideologie, die gerade dabei ist, mit großem Erfolg der christlichen Religion den Rang abzulaufen. Und die Kirchen scheinen das nicht zu merken.

@Herr Jäger, das eigentliche Problem der katholischen Kirche in Deutschland ist die Rolle der Frauen. Warum treten verstärkt bisher sehr engagierte Frauen aus ? Weil sie die Hoffnung auf Änderungen verloren haben. Der Papst ermuntert immer wieder zu "neuem Denken" (war schon in den 60er Jahrenq Thema!), kassiert dann aber drei Tage alles wieder ein. Das mag seinem südamerikanischen Temperament geschuldet sein, ist aber keine überzeugende Strategie. Ohne das Diakonat für Frauen ist die katholische Kirche in Deutschland in zehn Jahren nur noch eine leere Hülle.

Mit welcher wie ich finde Leichtfertigkeit Sie mutmaßen (unterstellen?), daß nun "Missbrauchsfälle... oft als Vorwand für den Austritt gebraucht" werden, halte ich nicht für nicht in Ordnung.
Es gibt ein ganzes Bündel von Gründen, andere Kommentatoren im akt. Forum benennen diese sehr treffend... muss ich also nicht wiederholen.
Daß Europa muslimisch wird, da gebe ich Ihnen Recht... das ist offensichtlich.
Nicht Recht geben kann ich Ihnen, wenn Sie schreiben, daß die Kirchen nicht merken würden, daß "die woke Ideologie, ... gerade dabei ist, mit großem Erfolg der christlichen Religion den Rang abzulaufen".
Das klingt, als seien die Kirchen hier "nur" (ignoranter) Zuschauer.
Nein... es ist noch viel schlimmer - die Kirchen sind inzwischen zu Hauptakteueren dieser (wie ich behaupte: Minderheiten-) Bewegung geworden.
EINER der Gründe (aus einem BÜNDEL von Gründen... hatten wir schon... siehe oben.... ) warum Menschen den Kirchen den Rücken kehren...

Gunther Freiherr von Künsberg | So, 7. August 2022 - 18:22

Eine Religionsgemeinschaft, die keine Zweifel an der Richtigkeit der Grundlagen ihres Glaubens zulässt ist eine Sekte.
Wenn der Papst in Ausübung seines obersten Hirten -und Lehramts eine Wahrheit des Glaubens und der Sitten“ Ex cathedra“ verkündet, ist nach dem entsprechenden Dogma der Papst unfehlbar. Das was der Papst“ Ex cathedra“ verkündet ist somit absolute Wahrheit und lässt keine Zweifel an der Richtigkeit zu.
Wenn die Repräsentanten einer Religionsgemeinschaft (z.B. Priester) wegen dem Zölibat pädophile Handlungen begehen und dies nicht mit der gebotenen Vehemenz vom Vatikan,der die “Excathedramöglichkeit"hat nicht nur bekämpft sondern auch aufgeklärt wird ist es nicht verwunderlich, wenn diese Religionsgemeinschaft dadurch Schaden erleidet. Wer allerdings mit dieser Begründung die katholische Kirche verlässt ist kein Christ, denn wäre er ein solcher wurde er einer anderen christlichen Religionsgemeinschaft beitreten, wenn ihm das soziale Engagement der Kirche wichtig ist.

Christoph Kuhlmann | So, 7. August 2022 - 18:46

Feudalismus. Nachdem sich Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für die Demokratie entschieden hat ist ihre Struktur ein Anachronismus. Untertan und Obrigkeitsdenken ist weitgehend abgeschafft und die Päpste sind genauso fehlbar wie die Gläubigen. Das ist ja bei den Politikern und Wirtschaftsführern auch nicht anders. Die Wissenschaft geht von Fehlbarkeit aus und hat sie zu wissenschaftlichen Methode erhoben. Damit hat sie das weit überlegene Konzept. Die Erbsünde, nach der bereits ein Neugeborenes schuldig zur Welt kommt ist zum Beispiel ein Konstrukt, welches einmal gründlich auf seine psychologischen Aspekte untersucht werden müsste. Ebenso wie den oder das Zölibat. Auch die Masse der Übergriffe auf Gläubige und Kinder müsste einmal auf Korrelationen zwischen Kirchenamt und sexueller Verfehlung überprüft werden. Bekanntlich wurden ja nie so viele Taschendiebstähle begangen wie bei der Hinrichtung von Taschendieben im Paris des 17. Jahrhunderts. Ruhet in Frieden.

"Bekanntlich wurden ja nie so viele Taschendiebstähle begangen wie bei der Hinrichtung von Taschendieben im Paris des 17. Jahrhunderts"

... und so viel CO2 erzeugt, wie bei der deutschen Energiewende - auch so ein Klimafeudalismus, mit Fixierung auf Fossilkohlenstoffzölibat; sowas kommt von sowas;)

Interessant wäre nun ein internationaler Vergleich: Hat Deutschland auch im Kirchenflucht-Ranking so eine Art Vorreiterrolle inne? Treten für jede/-n in Deutschland Ausgetretene/-n irgendwo im 'Globalen Süden' zehn Crucifixion-Gläubige wiederum bei? Spielen Hinrichtungen als Fortpflanzungsmethode da wieder eine Rolle?

Tomas Poth | So, 7. August 2022 - 19:02

Irgendetwas müssen die Kirchen dann ja wohl falsch machen!!
Sei es die lang vertuschten Mißbrauchsfälle gegenüber Schutzbefohlenen.
Sei es der Verkauf der Nächstenliebe an die Fernsten ganz anderer Religionen, sprich Unterstützung der Schlepperorganisationen (Das kann man natürlich unterschiedlich diskutieren, z.B. Gott liebt alle Menschen. Aber dann sind wir wieder bei den verschiedenen Gottheiten der verschiedenen Religionen und landen dann letztendlich doch wieder beim Klubdenken. Die katholische und evangelische Kirche verteilen hier weltweit an andere Religionsangehörige Aufenthalts-Gratis-Mitgliedschaften auf Kosten der Steuerzahler. Da muß man doch seine Steuerlast halt bei der Kirchensteuer reduzieren!)
Selbst der Schutz des werdenden Lebens im Mutterleib wird immer mehr zur Disposition gestellt.
Die Amtskirche menschelt sehr, wird sie eigentlich noch gebraucht?
Das Christentum kann auch ohne die Amtskirche auskommen und eine stärkere Bastion sein als mit.

Günter Johannsen | Mo, 8. August 2022 - 11:29

In reply to by Tomas Poth

"Das Christentum kann auch ohne die Amtskirche auskommen und eine stärkere Bastion sein als mit."
Das ist der zentrale Satz. Ich hatte in der untergegangenen DDR eine authentische Kirchen erlebt, wo Kirche nicht ein großer Bau aus Stein war oder eine riesige Institution, sondern allein die christliche Gemeinschaft!
Die Amtskirche ist das große Hindernis, dass bisher zumeist dem Eigentlichen - Jesu Tun und Predigen - im Weg steht und immer schon stand.
Heute schleimt man sich (die oberen Funktionäre) den Linken (bzw. dem Staat) an, von dem man Zuspruch und finanzielle Unterstützung erhofft. Um es deutlich zu sagen: Die Botschaft wird verkauft. Dass aber offiziell der Staat eher den Islam befördert, das hat man an oberster bischöflicher Stelle wohl noch nicht registriert. Das ist der Grund für die massenhaften Kirchenaustritte, die ich gut verstehen kann. Ist das vielleicht das von mir schon beschriebene Gesundschrumpfen: eine erzwungene Rückkehr zu den Kernaufgaben der Kirche??

Achim Koester | So, 7. August 2022 - 19:23

hierzulande habe ich früher einmal für wichtig und gut befunden, aber seitdem sich deren "Oberhirten" Marx und Bedford-Strohm demonstrativ in Jerusalem ihrer Kreuze entledigten (wie damals Judas?), hege ich doch starke Zweifel, sowohl am Willen wie auch an der Wirksamkeit. So gesehen bin ich heilfroh, vor 40 Jahren ausgetreten zu sein.

Gerhard Lenz | Mo, 8. August 2022 - 10:51

Denn fast überall - der Osten Europas (siehe Russland oder Polen) ausgenommen, wo nach dem Ende des gottlosen Kommunismus die institutionalisierte Kirche einen enormen Aufschwung nahm - ist die gleiche Entwicklung zu beobachten.
Was haben die Kirchen den Menschen denn noch zu bieten? Das Christentum ist alles andere als eine Idee, die heutzutage die Massen verzaubert. Oder, wie im Mittelalter, als nach dem Tod noch ein unmittelbarer Aufenthalt in der Hölle drohte, auch schon mal verängstigt . Wenn überhaupt, glauben Menschen außerhalb von Kirchengebäuden, schaffen sich irgendeinen Glauben a la carte.

Das äußere Erscheinungsbild der Institution Kirche ist dank Missbrauch und Festklammern an alten Zöpfen verheerend.
Nur da, wo Kirche wirklich Gutes tut, bei der Hilfe für sozial Benachteiligte, Flüchtlinge und sonstige Hilfsbedürftige und ihrer Positionierung gegen Rassismus und Hetze hat sie stabile Unterstützung.
Da, wo Nächstenliebe umgesetzt wird.