Kirchenaustritte - Wer, bitte, braucht Gott?

Eine halbe Million Menschen haben die beiden großen Kirchen 2019 verlassen. Als Gründe werden immer wieder die Missbrauchsskandale und das Kirchensteuersystem genannt. Dabei liegt die Ursache für die Entfremdung der Christen von der Kirche viel länger zurück.

Ein seltenes Bild: So voll sind die meisten Kirchen nur noch an Weihnachten /dpa

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Eine Epoche geht zu Ende. Eine Epoche, die die Geschichte der Menschheit im Guten wie im Schlechten mehr geprägt hat als alle anderen Epochen zuvor: die Epoche des christlichen Abendlandes. Romanische Dome, gotische Kathedralen, das Papsttum, die Reformationen, die Renaissance, Messen, Oratorien und Lieder, christliche Theologie und Philosophie, zudem Alltagsrituale, Feste und Wertvorstellungen, die das Leben in Europa seit der Spätantike prägten: Es ist vorbei. Das Abendland, es war einmal christlich und wird es nie wieder werden. Was danach kommt, es ist ungewiss.

Eine halbe Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die beiden ehemals großen Kirchen verlassen. Einsamer Rekord. Dabei hoffte man, insbesondere in der katholischen Kirche, auf eine Trendwende. Zumindest auf eine Konsolidierung. Vergebens. Knapp 273.000 Menschen verließen im letzten Jahr die Una Sancta Catholica et Apostolica Ecclesia. Im Jahr zuvor waren es 216.000. Seit der Jahrtausendwende kehrten insgesamt 6,5 Millionen Menschen dem institutionalisierten Christentum den Rücken. Nur noch die Hälfte aller Menschen hierzulande gehört einer christlichen Kirche an. Vor siebzig Jahren waren es noch 95 Prozent, nach der Wiedervereinigung immerhin 72 Prozent.

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Alexander Mazurek | Sa, 4. Juli 2020 - 09:51

... ein Hauptgrund ist der Hedonismus, ein jeder hält sich für das Maß aller Dinge. Wie auch, so widersprüchlich es scheint, der Herdentrieb, "wer anders ist, ist unanständig", so Ortega y Gasset in "Der Aufstand der Massen", denn Anpassung sichert das Überleben (so Darwin) und ganz sicher die Karriere. Die Hybris des modernen Menschen ist nicht zu übertreffen, dabei gräbt er sein eigenes Grab. Die Tatsache, dass der Judaismus und das Christentum vernünftig sind, aber auch fordernd, was Maimonides und Thomas von Aquin bewiesen haben, hat man nie gewusst oder vergessen (lassen), auch dank Dr. Luder's Rechtfertigungslehre. Nun denn ... wie man sich bettet, so liegt man.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 4. Juli 2020 - 10:11

den Imperialismus, den 1. und 2. Weltkrieg schwerlich als Sieg des Christentums feiern kann, wie Herr Grau ja selbst sagt, sie aber evtl. u.a. auch aus dieser wohl nicht so leicht zu verwaltenden Autonomie vor Gott herrühren, was soll man da machen?
Was mit einer als Göttin angerufenen Frau Merkel oder gleich der Idee des Homo Deus ff?
Ich würde eher auf wohlgemeinte "Ermächtigung" tippen, als auf Erlösung.
So gesehen stellt sich die Frage Gottes eventuell doch noch einmal, bevor sie über-flüssig würde, oder darin. Nach anfänglichem Entsetzen, bemühe ich mich jetzt um Offenheit und Gelassenheit
Herr Grau, Sie sind Philosoph.
Hat Heidegger versucht, darauf eine Antwort zu geben?
Meine wäre, das Göttliche war, ist und wird sein und alles andere in ihm, apertus.
Woher meine Zuversicht?
Vielleicht ist es doch eher Hoffnung.
Missbrauch im Namen Gottes, Missbrauch am Göttlichen selbst, ich bete als "Tochter" nach wie vor das "Vater unser"...
Es ist vielleicht doch die spirituelle Schwäche?

den ich mir zurechtlege.
Das ist schon auch eine Beanspruchung, vielleicht sogar Anstrengung und die Zeit wollte sich Papst Benedikt der XVI. evtl. nicht nehmen lassen, auch nicht durch den ihm auferlegten Dienst an der römisch-katholischen Kirche?
"Habemus Papam" mit Michel Piccoli.
Neben der wundervollen Komik ist die Tragödie evtl. die, dass er Papst wäre, genau in diesem Zweifel und darin Christus verwandt.
Ich persönlich könnte nicht aus der evangelischen Kirche austreten, ausser bei Geldnot, weil ich erhalten möchte, woran sie mir Teilhabe ermöglicht.
Ich verstehe aber die Schmerzen, die das Ausschliessen hervorruft.
Ich kann mich nur wundern, dass die Kirche solchen Anforderungen nur so begegnen kann und Christus darin irgendwie gar nicht ähnlich.

Klaus Decker | Sa, 4. Juli 2020 - 10:19

Lieber Herr Grau, eine sehr gute Analyse - nur Sie verwechseln den Niedergang der sog. "Volkskirchen"
mit dem angeblichen Niedergang des Christentums.
Die selbstverschuldete Irrelevanz des institutionalisierten Christentums wird aus meiner Perspektive das biblische "euangelion" wieder sichtbar machen. Kultur- bzw. Zeitgeistprotestantismus haben keine Zukunft - der
auferstandene und wiederkommende Jesus Christus mit Sicherheit. Irrationaler Messianismus ist nur durch "logikä epangelia" zu überwinden!

Lieber Herr Decker, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Kirchen haben selbstverschuldet abgewirtschaftet mit ihrem hilflosen Versuch, sich über Betätigung im politischen Bereich Geltung zu verschaffen. Von den (ehemaligen) Mitgliedern bekommen sie zurecht die Quittung. Der Hunger der Menschen nach Orientierung ist grösser in denn je in unserer von überbordenden Freiheiten oder besser Beliebigkeiten gekennzeichneten Zeit. Solange die Kirchen ihre Kernaufgabe, die Verkündigung der "guten Botschaft" nicht wiederfinden, sind sie der Auflösung preisgegeben.

Charlotte Basler | Sa, 4. Juli 2020 - 10:30

verantwortlichen Individuums", ist doch eine sehr schöne Idee! Ich denke schon, dass wir Menschen einen Gott brauchen. Selbst Kant bezog das in seinem "moralischen Gottesbeweis" mit ein.
Und der christliche Gott kennt Güte und Verzeihen. Das sind wichtige Wegbegleiter, falls man in Frieden leben will. Die Frage ist, braucht man dazu die Institution Kirche?
Nach mM resultieren die Kirchenaustritte auch eher aus der Unzufriedenheit mit den Würdenträgern. Gerade auch die Migrationskrise zeigt doch wieder, dass dem Gläubigen hier Mildtätigkeit gepredigt wird - aber wie trägt die Kirche bei? Die Migranten sollen zu Lasten der Steuerzahler versorgt werden. Leistungen welche die Kirche erbringt werden an den Steuerzahler weiterverrechnet. Genau so ist es mit all den wohlmeinenden Befürwortern. Engagement, eigene finanzielle Beiträge, Verantwortung? Da kommt nur wenig! Bei uns im Ort engagiert sich kein einziger "Befürworter" in der Flüchtlingshilfe. Die Vereine sollen es jetzt richten.

gabriele bondzio | Sa, 4. Juli 2020 - 10:36

traditionelle Glaubensinhalte durch einen neulinken Jargon zu ersetzen...“...hier würde ich gerne ansetzen. Im Standard war zu lesen:“Für die meisten Christen ist das Christentum eine kulturelle Gewohnheit, nicht mehr; für die meisten Muslime in Europa der Islam aber ein Lebensprinzip. Das ist der – bedeutende – Unterschied.“ https://www.derstandard.de/story/2000070913338/rueckzug-des-christentum…
Ich frage mich daher (auch aus der Evolutionsgeschichte heraus),ist eine wehrlose Religion, gegenüber einer Wehrhaften nicht auch automatisch im Nachteil?
Siehe auch.“Tatsächlich soll Papst Franziskus in kleinem Kreis von Österreichern bei einer Privataudienz gesagt haben, ihm bereite weniger die Expansion des Islam Sorgen als die indifferente Haltung der Katholiken zu ihrem Glauben.“

Eines der wichtigsten Glaubensdokumente von (protestantischen) deutsch-sprachigen Kirchen ist die berühmte Theologische Erklärung von Barmen (1934).

'... Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.' (Artikel III)
'... Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.' (Artikel VI)

Bedford-Strohm und viele EKD-Funktionäre machen genau das.
Sie stellen die 'Frohe Botschaft' in den Dienst einer 'fremden' Sache - immer wieder. Der politisierende Kirchenadel benutzt und verzweckt die 'Frohe Botschaft' für eigene (politische) Wünsche und Ziele.
Die 'Frohe Botschaft' wird so den 'herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen' angedient. Das ist Mißbrauch!

Joachim Kopic | Sa, 4. Juli 2020 - 10:52

... nichts mehr von Erbsünde und ähnlichen Schuldzuweisungen hören zu müssen ... und noch mehr, Bedford-Strohms "Unternehmen" und dessen "politische Ideen" auch noch über indirekte Kirchensteuern mitfinanzieren zu müssen; von "meiner" ehemaligen Glaubensgemeinschaft "Römisch-Katholisch" und den begangenen Widerlichkeiten ganz zu schweigen!

... macht einen aber noch nachdenklicher, wenn man sich überlegt, dass es bei uns üblich ist, schon die Säuglinge zu "diagnostizieren".
Ich hatte mich schon in den 70ern aufgeregt, wenn der Pfarrer am Wahl-Sonntag an das "richtige Kreuz" erinnerte ... und es ist nicht besser geworden, seit man das Fähnchen auf "grün-rot" bzw. deren politische Ziele geschwenkt hat! Meine letzten Zweifel hatte ich ausgeräumt, als ich bei "Kirche & 3.Reich" recherchierte ...

Lieber Herr Kopic,

es kommt sehr darauf an, bei welchen Autoren man zu 'Kirche und 3. Reich' recherchiert.
Wenn Sie Interesse am Thema haben, empfehle ich die folgende Sammlung von Original-Dokumenten zum Leben und Wirken des Bischofs von Berlin-Brandenburg Otto Dibelius.

https://ottodibelius1967-2017.blogspot.com/2019/01/otto-dibelius-1880-1…

Es macht einen Unterschied ob man Dibelius selber liest - oder seine Interpreten, Apologeten und/oder 'Kritiker'.
Ich wünsche der verlinkten Dokumentation interessierte Leser.

Man mag über Verfehlungen und Verbrechen der Kirche klagen, zurecht, dennoch frage ich mich als ausgetretener Katholik, was wäre selbst aus dem schlimmsten der Jahrhunderte geworden, dem 20., wenn es nicht die Gläubigen, wenn es nicht den Lehrsatz "Liebe deinen Nächsten" gegeben hätte? Mein Vater war einfacher Soldat in den Schützengräben vor Moskau. Für ihn, den Gläubigen Katholiken, war der Feind, auf den er schießen musste, waren die Bewohner der russischen Dörfer immer auch der Nächste.

Christa Wallau | Sa, 4. Juli 2020 - 11:07

zur Zeit stattfindenen "Untergang des christlichen Abendlandes" (!) müßte man ausführlicher antworten können. Daher nur diese Bemerkungen dazu:
1. Richtig: Die heutigen Europäer sind wieder dort angekommen, wo die ersten Menschen im Garten Eden bereits einmal waren - Sie wollen "sein wie Gott".
2. Die Bemühungen der Kirche(n), sich dem Zeitgeist anuzupassen, sind kontraproduktiv. Wer die Transzendenz Gottes u. seines Himmel-Reiches zur Nebensache macht, wirkt eifrig mit am Zerfall des Glaubens.
3. Glauben läßt sich nicht mit einem Verwaltungsakt nachweisen. Die Gleichsetzung von Kirchenzugehörigkeit mit Steuerzahlen ist
pervers - in D aber gängige Praxis.
4. Das Christentum in der westlichen Welt ist innerlich verfault. Papst Benedikt XVI. hat es auf den Punkt gebracht: Kein Skandal in der Kirche u. kein Leid der Welt kann einen wahren Gläubigen, der auf Jesus Christus baut, vom Glauben abbringen. Glauben ist nichts anderes als Vertrauen. Es muß in der Kindheit grundgelegt werden.

Siegfried der Moral | Sa, 4. Juli 2020 - 11:09

Das mag richtig sein, aber sie brauchen dennoch Religion, oder nennen wir es anders, „Zugehörigkeit“ zu einer Gruppe die etwas bekennt. Man glaubt dann an das Ende der Welt durch den Klimawandel, man glaubt an 40 verschiedene Geschlechter und glaubt, ein stark kontrollierender Staat ist besser als ein liberaler.
Diesen Trend kann man wunderbar feststellen und es lässt sich damit nach wie vor Recht gut ausgegrenzen. Entweder man gehört dazu oder man ist raus und ist ein Ketzer/Leugner/Ungläubiger.

Bettina Jung | Sa, 4. Juli 2020 - 11:12

Haben der Kirche den Rücken gekehrt, vielmehr war es die Kirche, die Sich vom Christentum abgewandt und es verraten haben

Albert Schultheis | Sa, 4. Juli 2020 - 11:54

So müsste eigentlich die Frage lauten, lieber Herr Grau. Denn der Bedarf nach einem Gott, nach Transzendenz und innerer Gewissheit angesichts der politischen Usurption wissenschaftlicher "Wahrheiten" und der staatlich verbreiteten "Fake News" besteht. Denn die Angst geht um in Deutschland, gerade bei den Gläubigen, die sich der christlichen Wurzeln unserer Kultur und Zivilisation noch bewusst sind. Denn diese Kultur und Bürgerlichkeit wird gerade von diesem Staat und seinen Vertretern massiv unter Belagerung genommen. Diese Belagerung ähnelt jener aus dem 15. Jahrhundert als die Horden des vertragsbrüchigen Sultans die Mauern Byzanz' beschossen und schließlich überrannten, die Bevölkerung der Stadt entweder ermordeten oder versklavten. Es sind heute die Kirche und ihre Ornate tragenden obersten Vertreter, die die Gläubigen verlassen haben, und nicht umgekehrt. Sie sind es heute, die die Kerkaporta, die Tür in der Stadtmauer, den Belagerern öffnen, damit die ihr wüstes Werk vollenden.

Klaus Funke | Sa, 4. Juli 2020 - 11:59

Der Islam, als späte Rache der Geschichte, wird in Europa obsiegen. Bitte "Unterwerfung" von Houllebecq lesen. DIeser vom Mainstream geschmähte Autor hat vorausghesagt, was uns erwartet. Die christlichen Kirchen sind den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ideologisch, vor allem aber personell nicht gewachsen. Sie haben ihren eigenen Untergang herbeitoleriert. Ein Glück, ich bin seit Jahrzehnten konfessionslos. Trotzdem tut es mir leid, eine ganzer Kultur geht den Bach runter. In 20 Jahren gibt es Kirchen nur noch als Sektierergemeinden, während der Islam an den Schulen gelehrt wird und die Lücke ausfüllen wird. So haben sich die Kreuzzüge in ihr Gegenteil verkehrt.

Albert Schultheis | Sa, 4. Juli 2020 - 21:52

In reply to by Gast

So bitter und dunkel die Gegenwart erscheint, so ist es dennoch noch längst nicht aller Tage Abend. Es sind nicht die überlegenn Natur- und Geisteswissenschaften die uns retten werden. Es ist die Religion: Die Kirchen vielleicht, aber das Christentum hat noch längst nicht abgewirtschaftet, das sage ich als ehemaliger Katholik. Denn die Belagerer sind muslimischen Glaubens und dieser Glaube ist im Vergleich zu der kulturellen Verfeinerung und moralischen Überhöhung des Christlichen - allein schon durch die Forderung des "Liebe deinen Nächsten" - primitivste Barbarei. Das zeigt sich zuallererst im Umgang mit den sogenannten Ungläubigen, aber auch in der Herabsetzung der Frauen und in der Grausamkeit der Scharia und schließlich in der Person des Stifters Mohammed selber. Der Islam wird sich nicht durchsetzen, denn er wäre ein Rückschritt um 2000 Jahre Kultur, Philosophie und Geist des Individualismus.

gerhard hellriegel | Sa, 4. Juli 2020 - 12:25

der Mohr kann gehen, neu Spiel hebt an." Nun, die geschichte war, wie sie war: ob aber das christentum die autonomie erfunden hat? Die kirchen jedenfalls wohl kaum. Vielleicht hat es auch den antisemitismus erfunden? Den faschismus? Die guten ins töpfchen, die schlechten ins kröpfchen. --- Wen es aber nach gottloser spiritualität dürstet, für den könnte zen ein angebot sein. --- Wie sagte doch herr K.? "Sage mir, ob sich dein verhalten ändert, wenn es einen gott gibt. Wenn nein, ist die frage belanglos, wenn ja, hast du dich schon entschieden: du brauchst einen gott."

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 4. Juli 2020 - 12:46

Unsere christlichen Kirchenfürsten sollten sich die Frage stellen, warum der Islam so erfolgreich ist. Sicher haben „Aufklärung“ und „Säkularisierung“ des Staates mit zum Niedergang der christlichen Religion in unserem Land beigetragen, aber gilt das für ganz Europa? Ist das Christentum nicht im Osten Europas nach der Unterdrückung durch den Sozialismus wieder erblüht? Geht bei uns der Verfall des Glaubens teilw. mit einer (politischen?) „Neuorientierung“ einher? Verfallen mit dieser Veränderung manche Werte unseres Zusammenlebens? Wie gehen wir mit den 10 Geboten des christl. Glaubens um? Wurden diese z. T. aus den Gesetzbüchern entfernt oder zumindest relativiert und spielen diese in unserem Zusammenleben überhaupt noch eine Rolle?
Muss sich die Institution Kirche nicht mehr um den Glauben und weniger um die „Rettung der Welt“ kümmern? Sollten sich deren Führer nicht weniger dem (erfolgreichen) Islam anbiedern, sondern mehr um die eig. „Schäfchen“ kümmern?

Günter Johannsen | Sa, 4. Juli 2020 - 13:20

Die Frage ist, wer braucht eine Kirchenleitung, die statt Gottes Wort linke Ideologie anbietet. Das können Parteien besser. Das ist deren Job. Grundlage der Kirche ist die Bibel und Christen glauben nicht an einen linken Zeitgeist. Auch nicht an deinen linken Bischof und EKD-Ratsvorsitzenden, sondern an Gott, der in Jesus Christus in diese Welt kam, damit wir allein ihm nachfolgen! Die Menschen treten aus den Kirchen aus, weil dort oft nur noch der linke Zeitgeist gepredigt wird, statt die erlösende Botschaft!

wäre vermutlich die einzige Rettung für die heutige linksgrüne Sekte „Kirche“.
Der würde diesen Argus Stall ausmisten.
Der hätte das Kreuz mit Jesus umgedreht, damit dieser seine Handlungen nicht sieht und anschliessend dem Kreuzableger Marx dermaßen einen verpasst, das diesem keine Kutte mehr gepasst hätte. Bedford hätte er mit einem Tritt in die Wüste geschickt. Der gehört in den Augen Don Camilos eh zur falschen Fraktion.
Fiktion. Ich weiß. Aber eine wunderschöne.

Günter Johannsen | Sa, 4. Juli 2020 - 13:35

von (m)einer Kirchenleitung, dass sie sich nicht einseitig staatstragend gegen Menschen mit eigener Meinung positioniert. Kirche muss, wenn sie in der Nachfolge Christi stehen will, ein offenes Ohr für Andersdenkende haben und sich hinter diese Menschen stellen. Wenn ein Bischof seine herausgehobene Stellung dazu missbraucht, einer linken parteipolitische Position (er ist SPD-Mitglied) zur Dominanz zu verhelfen, macht er nicht nur sich selbst, sondern auch die gesamte Kirche unglaubwürdig. Eine kirchliche Amtsperson in herausgehobener Stellung (Bischof & EKD-Vorsitzender!) darf sich nicht zum Gürtel fremder Hosen(anzüge) machen. Staatsnähe ist keine zuträgliche Aufgabe der Kirche, bestenfalls eine Einträgliche! Ich erwarte allerdings von meiner Kirchenleitung, dass sie da deutlich kritische Worte in der Öffentlichkeit findet, wenn eine Bundesregierung modernste Waffen am kriegsführende Länder wie Saudi-Arabien, Türkei, Katar etc. liefert. Das ist für viele Christen der Austrittsgrund!

"Das strahlende Bild des Nazareners hat einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Es gibt nur eine Stelle in der Welt, wo wir kein Dunkel sehen. Das ist die Person Jesu Christi. In ihm hat sich Gott am deutlichsten vor uns hingestellt.
Jedem tiefen Naturforscher muß eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorzustellen vermag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden. Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. – Die gängige Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen. Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind. Nicht Gott ist relativ und nicht das Sein, sondern unser Denken."

Ernst-Günther Konrad | Sa, 4. Juli 2020 - 13:35

Wie in der Politik, so auch bei den Kirchen. Die haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden. In Zeiten von immer mehr Aufklärung, von immer mehr ideologischen Ideen und Forderungen, hat die Kirche sich dem Mainstream angepasst, anstatt ihre eigene Erzählungen neuzeitlich den Menschen zu vermitteln. Missbrauch und Kirchensteuer war nur der Brandbeschleuniger.
Ich stimme Ihnen völlig zu, die Kirche hat es versäumt, ihren Gläubigen zeitgemäße und nicht nur absolute Antworten zu geben.
Kirche ist den Weg der Alternativlosigkeit gegangen und war gegenüber dem Gläubigen unehrlich. Nur können die Menschen heute selbst lesen, denken, recherchieren, frei entscheiden was für jeden Gott ist. Da braucht es keinen Wortverdreher aus der Amtskirche und damit meine ich nicht die Männer und Frauen an der Basis und die Gläubigen, die in gutem Glauben versuchen, das Kirchenschiff im Wind zu halten.
Die Menschen brauchen einen Gott, aber nicht die Kirche. Wo Antworten fehlen wird auch nicht gefragt.

ein wunderbarer und nachdenklicher Artikel Alexander Grau´s. Die Einbindung seines Artikels vom 23.12.2017 "Es gibt keine Kultur ohne Religion" war für mich
Kultur vom feinsten.

Doch unsere Glaubenskultur suche ich vergeblich in den Kirchen. Würdige Würdenträger finden keine Antworten".

Im Detail:
Teilnahmslos verfolgt die Kirche die zerstörerische Amerikanisierung unserer Weihnachtskultur. Die Verstümmelung der deutschen Weihnachtslieder. "Stille Nacht, heilige Nacht" mit einer wunderbaren Entstehungsgeschichte, ist weltweit das andächtigste und beliebteste Weihnachtslied. Ein Heimatslied!

Ein erneuter Kulturschwund in der Berliner Regierung!
Aus einem Weihnachtsmarkt entstand ein Wintermarkt, so Kultussekretärin Monika Gülter.

Weiterhin: Der evangelische Reformationstag soll einem islamischen Feiertag weichen. Explizit an Martin Luthers Tag? Ein kirchlicher Kotau?
Dazu Bedford-Strohm: "Wir müssen unseren Glauben neutralisieren. Dem Glauben unserer neuen Mitbürger anpassen.

Hubert Sieweke | Sa, 4. Juli 2020 - 15:28

und den unvorstellbaren Grausamkeiten zigtausender SS-Schergen in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern beschäftigt, muss doch nüchtern feststellen, dass der "liebe allmächtige Gott", dessen Ebenbild ja die Menschen sein sollen, offensichtlich tatenlos zugesehen hat, nichts unternahm und so den grausigsten Massenmord hat einfach geschehen lassen.
Noch heute frage ich mich, warum Gläubige jeweils NACH Naturereignissen in die Kirchen und Tempel eilen, um für Beistand zu bitten, statt dort laute Anklage zu erheben, dass der Allmächtige entweder keine Allmacht besitzt oder sich nicht darum schert, was auf Erden alles passiert. Verhindert hat er seit 2000 Jahren bisher nichts.

die den Laden in eine falsche Richtung drehen. Dem Mainstream hinterher zu schleimen, ist nun nicht mal mehr eine einträgliche Aufgabe, denn wenn man die Kirchenaustritte bilanziert, ist es der Untergang der Volkskirche. Aber ich denke, es ist sogar gut, wenn sich die Volkskirchen verabschieden - ich sage dazu gesundschrumpfen -, denn eine kleine Gemeinschaft ohne riesigen Apparat (Wasserkopf) ist beweglicher und darauf zurückgeworfen, nur und allein Gottes Wort zu verkündigen! Da wird kein Bischof und kein EKD-Ratsvorsitzender mehr sein, der sich wie ein "großer Zampano" durch die Lande chauffieren lässt … !
Jesus Christus ist mit seinen Anhängern gewandert - immer auf Augenhöhe mit den Menschen, besonders mit den Minderbemittelten, Rechtlosen und Aussätzigen bzw. Ausgeschlossenen! Keiner verlangt, dass man in uralte Zeiten zurückfallen muss (darum geht es nicht!), aber Kirchenleitung muss Bodenhaftung behalten, die Ohren am Kirchenvolk haben und: Gottes Wort predigen!

es ist sehr verständlich, angesichts des vielgestaltigen, oft unverschuldeten Leides in der Menschheitsgeschichte an der Realität eines "lieben, allmächtigen Gottes" zu zweifeln. Ich persönlich kann mir ein Christsein ohne Verzweifeln am in aller Regel unbegreiflichen Handeln Gottes nicht vorstellen. Einem Kleinkind muss das Handeln seiner Eltern oft willkürlich und "grausam" vorkommen und in seinem subjektiven Empfinden hat das Kind recht. Und alle Eltern kennen den schmerzlichen Satz des Kindes:"Ihr seid aber böse!" Diese Spannung ist für die Eltern und das Kind schmerzhaft, aber unvermeidlich. Das Gefälle zwischen Gott und mir ist unendlich viel größer als das Gefälle zwischen Eltern und Kind. Wir können dieses reale Gefälle nicht durch Vernunft überbrücken, wir sind zu "klein". Und das kann sehr leidvoll sein. Mir hilft in Zweifelzeiten, die unvermeidlich sind, oft ein Wort von C.S.Lewis:"Dem menschlichen Geist erscheint alles planlos, weil es mehr Pläne gibt, als er sucht".

Vor einigen Millionen Jahren hat der Mensch im Vergleich zu den meisten Tieren ein Bewusstsein, sein Selbstbewusstsein, entwickelt. Seitdem wissen wir was Gut und was Böse ist. Gott greift doch nicht in unser Verhalten ein ! Jeder von uns hat seit es menschliches Bewusstsein gibt die Freiheit, gut oder böse zu sein. Jeder trägt die Verantwortung über sein Verhalten. Wir Menschen sind nicht mehr unmündig, nein, wir sind Schuld am Versagen, nicht Gott. Es ist äußerst bequem, kindisch und überheblich, einen fernen Gott für unsere Verbrechen verantwortlich zu machen.
Zur göttlichen Allmacht wäre auch viel Erhellendes zu sagen. Auch zu göttlicher Menschenevolution. Lesen Sie Hoimar von Dithfurt, Drewermann und R.D. Precht.

Christoph Kuhlmann | Sa, 4. Juli 2020 - 15:33

als Ausdruck des Willens des allmächtigen Gottes postulieren und auf die Frage, warum lässt er diese beklagenswerten Zustände denn überhaupt zu wenn er allmächtig ist nur die Antwort geben können:"Die Wege des Herren sind unergründlich," beschleunigen die Kirchen ihren Bedeutungsverlust in einer von Rationalität geprägten Zeit. Sie schließen große Teile politisch Andersdenkender aus, ohne irgendeinen Nachweis für die Richtigkeit ihrer Thesen und ihres Glaubens zu erbringen. Das Denken in kausalen Zusammenhängen, aber vielmehr noch die Prägung durch Effizienzkriterien führen zu der Erkenntnis, dass Kirchen moralische Krisen als Dauerzustand brauchen um Erlösung aus dem Jammertal versprechen zu können. So ist die christliche Entwicklungshilfe eher an einer Linderung der Not orientiert, nicht aber an ihrer Abschaffung. Beispielsweise durch Geburtenkontrolle. Denn solange das BIP nicht deutlich über der Geburtenrate liegt wird die Not nicht weniger. Doch die Dogmen sind ihnen wichtiger.

Markus Michaelis | Sa, 4. Juli 2020 - 16:07

Ja, die europäischen "Staatskirchen" schüttelt es. Ich glaube nicht, dass es das Ende des Christentums ist - selbst nicht in Europa. Zum einen ist das Christentum seit der Trennung von Staat und Kirche nach dem Ende des Frankenreiches ein Pfeiler der bipolaren Ordnung (Staat/Fürst und Kirche), die sich als stärker als Unipolare Ordnungen oder wild multipolare Ordnungen (gibt es kaum) erwiesen hat. Kein anderer zweiter Pfeiler wäre in Sicht.

Zum anderen hat auch der moderne Mensch einen ungebremsten Drang die Welt als eine Interpretation einer klaren und universellen Wahrheit zu sehen. Zweifel, Tasten und Widersprüche sind für viele Menschen "unmenschlich". Für die Wahrheit probiert man sich etwa in Wissenschaft, was aber mehr zu einer religiösen Entartung der Wissenschaft führt (Thea Dorn). Auch andere mögliche zweite Pfeiler humpeln.

Ich kann mir eine christliche Renaissance vorstellen. Ob die mir gefallen wird, ist eine andere Frage.

Gerhard Schwedes | Sa, 4. Juli 2020 - 16:10

Die Frage nach Gott lässt sich nicht ausmerzen. Sie läuft nur darauf hinaus, ob man sich einer Antwort enthält oder sie mit Inhalten füllt. Auch der Atheist kann sich dieser Frage nicht entledigen. Irgendjemand hat eine Art modernen Glaubensbeweis geliefert mit der Überlegung: Angenommen, ein Flugzeug sei am Abstürzen; die Passagiere wissen darum; sie werden noch schnell danach gefragt, ob sie an Gott glaubten oder nicht. Antwort: Wahrscheinlich wird man keinen unter ihnen finden, der in dieser Situation die Gottesfrage verneint. Seit Kant ist es endgültig vorbei mit den Versuchen, einen Gottesbeweis liefern zu wollen. Gleichwohl spricht er davon, dass uns diese Idee eingepflanzt sei. Aber es ist halt nur die eingepflanzte Idee und keine wissenschaftliche Angelegenheit. Dies macht die Verlorenheit des Menschen aus. Die Kirchen sind gegenwärtig zu einem Anhängsel einer links-grünen Ersatzreligion geworden, haben sich verrannt, sich einen Ersatzgott geschaffen: die links-grüne Moral.

es ist bei Kant nicht "NUR" eingepflanzt, sondern als Eingepflanztes im Zuge des Sapere Aude ein Zu-Sich-Selbst-Kommen.
Der Mensch wird sich selbst in diesem Prozess nicht zum Alien.
Aus der Erinnerung würde ich sagen, Kant ist nicht so ganz einfach, aber irgendwo auch. Da sehe ich die große Ähnlichkeit zu Mozart.
Sonst hätte ich wenig Hoffnung.
Und es vollzieht sich eben nicht "hinter dem Rücken" der Menschen, die sich davon befreien müßten, sie sind genau vor allem darin frei, weshalb ich die evtl. heutzutage nach vorne getragene Apokalypse nur bei ganz wenigen Menschen vermute, die aber noch viel Zeit haben, sich davon zu kurieren bzw. kurieren zu lassen, wenn sie es wollen.
Diese Zeit nehme ich ihnen nicht.

Markus Michaelis | Sa, 4. Juli 2020 - 16:15

Wenn ich sage, dass ich mir eine christliche Renaissance vorstellen kann, sind da zwei Punkte, die mir zu denken geben: zum Einen, wird das glaube nicht in Richtung "Bedford-Strohm" gehen. Sozusagen einem "angepassten" Christentum, dass mit dem Staat und der Gesellschaft eine Symbiose zur einen universellen Wahrheit eingeht. Da fehlt das "bipolare", der zweite Pfeiler. Das hat glaube ich keine Dauer.

Zum Anderen ist es die aktuelle Frage der Religionsfreiheit und Weltoffenheit: christlicher Glaube lebt von der einen Wahrheit und dem einen Gott. Auf der einen Seite treiben Widersprüche an (das ist gut), auf der anderen Seite frage ich mich, ob der Widerspruch zur "religiösen Beliebigkeit" (alles ist gleich und gut und Teil und aktiv einzubeziehen) nicht eine Nummer zu groß ist für den Aspekt der Wahrheit, den das Christentum bedient.

Gerhard Schwedes | Sa, 4. Juli 2020 - 16:27

Schweren Herzens werde ich meiner protest. Kirche den Rücken kehren. Gründe dafür: Glockengebimmle, wenn Stürzenberger auf öffentlichen Plätzen auftritt und die wunden Punkte des politischen Islams anspricht. Ein Pfarrer, der wie ein Halbstarker mit Pfeifen dessen Auftritt zum Schweigen bringen will. Pharisäerhafter Ausschluss der AfD aus dem Kirchentag bei gleichzeitiger Einladung islamischer Verbände. Kopfloses Befürworten der Massenmigration ohne sich mit den Konsequenzen für die Gesellschaft auseinanderzusetzen. Kungelei mit dem Ditib-Verband. Einführung der Gendersprache in kirchlichen Amtsstuben, ohne sich zu überlegen, ob die Mehrheit der Kirchenmitglieder dies überhaupt will oder nicht. Ein Hamburger Pastor, der vom Bismarckdenkmal den Kopf entfernen lassen möchte, um ein Zeichen gegen den Rassismus zu setzen. Feiges Schweigen oder durch die Finger sehen gegenüber der Christenverfolgung in meist muslimischen Ländern. Meine protestantische Kirche ist zu einer Sekte verkommen.

Mir ist es ähnlich ergangen wie Ihnen: Mit schwerem Herzen bin ich vor zwei Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten, der ich von den ersten Tagen meines Lebens angehörte. Meine Familie und Glaube /die Kirche bildeten eine Einheit.
Meine Großeltern mütterlicherseits sind noch heute große Vorbilder für mich. Opa wurde nach dem Krieg als bekannter Hitler-Gegner von den Franzosen zum Ortsbürgermeister ernannt. Er setzte sich unermüdlich für Vertriebene, Flüchtlinge u. auch für den Wiederaufbau von Dorf und Kirche ein.

Aber, glauben Sie mir: Seit ich den Schritt des Kirchenaustritts - aus denselben Gründen, die auch Sie anführen - vollzogen habe, fühle ich mich b e f r e i t!
Jetzt kann ich meinen Glauben so leben, wie ich ihn kenne bzw. gelehrt bekommen habe. Ich fühle und betrachte mich weiterhin als Mitglied der geistigen Gemeinschaft aller wahrhaft Christ-Gläubigen. Man muß Gott und seinem Gewissen mehr gehorchen als den Menschen.
Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!

liebe Frau Wallau.
lange Zeit dachte ich über meinen Kirchenaustritt nach, Grübelte ja, nein, ja nein.
Der Mauerfall 1989 entschied meinen Austritt. Die unrühmliche Bigotterie vieler
SED-Pastoren war für mich entsetzlich. Ihre "Pastorenerie" gab ihnen Schutz und
schenkte ihnen Vorteile. Das schätzte auch Merkels Vater. Er wurde als der "Rote
Kasner" gefürchtet.

Meinen Kirchenaustritt bedauerte die evangelische Kirche. Die Leistung meiner Kirchensteuer entfiel. Das mißfiel der Kirche. Sie wehrte sich mit einem Mahnbescheid. Und: Meinen Austritt werde ich noch bedauern. Im Gegenteil.
Ich werde immer Christin sein und bleiben. Der Besuch einer leeren Kirche wird mir ewig bleiben.

Wahrscheinlich würde wohl nicht eine davon die von Ihnen aufgezählten Austritts-Punkte durchführen! - Nun ja, Christ bleiben Sie ja trotzdem durch Ihre Taufe, auch wenn Sie künftig keiner Kirche mehr angehören würden.
Bedfort-Strom will ja nun eine Studie in Auftrag geben, die die Austrittsgründe erforschen soll. Dabei wäre es so einfach und effektiv, beim Austrittsgesuch im Amtsgericht die Gründe ankreuzen zu lassen. Bei einer Warenrücksendung gibt es ja auch die Rubrik "Rücksendungsgründe". Dies könnte als kostenneutrales, gangbares Beispiel dienen. Eine Studie kann das nicht annähernd leisten!

Bernd Muhlack | Sa, 4. Juli 2020 - 16:41

Es gibt einen wunderschönen Cartoon:
Zwei Zeugen Jehovas klingeln an der Haustür, ein alter Mann mit langem Bart öffnet; eine Zigarette und eine Dose Bier in den Händen.
"Wir möchten mit Ihnen über Gott reden."
"Sehr gerne. Was möchten Sie denn wissen?"

Heinrich Böll: Dr. Murkes gesammeltes Schweigen.
Dr. M hatte einmal ein Interview gegeben, darin sehr oft GOTT erwähnt. Jahre später wollte er GOTT durch "jenes höhere Wesen welches wir verehren" ersetzen lassen. Okay, wir brauchen das jedoch in Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ.
Lassen Sie es bei GOTT.

Als Kind, Jugendlicher wurde ich wöchentlich zum Gottesdienst geschleift, insofern also eine belastbare theologische Basis.
Inzwischen bin ich bekennender Atheist.

Wenn ich mir den Zeitgenossen Bedford-Strohm anschaue, dann ... brrr, ruhig.
Ein Dauerlächler wie Frau Dr. Giffey.

Kirchen sind für das "Seelenheil" zuständig, nicht für Tagespolitik; zumal wenn man Unsinn fabriziert.
"Vater vergib ihm, denn er weiß nicht was er tut"

Die Kirche ist mittlerweile grün. Vorher war sie schwarz. Und davor, naja. Die Grünen wollen immerhin die Schöpfung bewahren, also die Reste der ursprünglichen, keine Flugsaurier oder Riesenlibellen.

Unsere französischen Freunde, die auch sehr christlich sind, setzen dafür noch immer auf Kernenergie. Wir dagegen haben Bedford-Strohm.

Für michist dieser EKD-Ratsvorsitzende ein Häretiker, der alle Probleme weggrinst! Die Kirche nimmt heute leider ihre tatsächliche Herausforderung nicht mehr an, dass zunehmend mehr Menschen die relevanten Lebensfragen nicht mehr an sie stellen, sondern sich billige Antworten im Supermarkt der grün-linken Beliebigkeits-Ideologie kaufen. Aber dass es dort nur Antworten zum Preis der Aufgabe des eigenständigen Denkens gibt, scheint keinen Menschen zu stören. Dazu fällt mir ein Zitat von Peter Hahne ein: „Der Weg in die Zukunft funktioniert nicht auf einem Weg, dessen Untergrund durch banale Beliebigkeitswerte brüchig und sumpfig geworden ist … wenn alles gleich gültig ist, ist alles gleichgültig.“ Die zentrale Frage für unsere Zukunft ist doch die nach unserer Identität und Herkunft. Eine (Volks)Kirche, die nur noch einem Zeitgeist hinterher läuft und billige Angebote in ihr Schaufenster stellt, hat ihre Existenzberechtigung selbst vernichtet und wird auf nicht überleben können.

Achim Koester | Sa, 4. Juli 2020 - 17:17

der katholischen wie evangelischen Kirche demonstrativ auf dem Tempelberg ihre Kreuze ablegen, also, wie einst Petrus, den sie als ihren Vorgänger sehen, ihren Glauben "noch ehe der Hahn kräht, dreimal verleugnen", kann man natürlich von der Masse der Christen keine Gefolgstreue erwarten. Die Institution Kirche hat sich längst überholt, das merken die Menschen und glauben entweder im Stillen oder überhaupt nicht.

lieber Herr Koester, Landesbischof Bedford-Strohm gab nach einem sehr
heftigen Disput zu, daß er nicht genügend" Sensibilität" walten ließ. Dies
führte zu einem gewissen Mißverständnis.
Seine versuchte Wahrheit war unwahr. Sein devoter Segen war mir nicht
willkommen.
MfG.

Helmut Bachmann | Sa, 4. Juli 2020 - 19:47

Es ist nicht das Narrativ des Christentums, dass nicht in eine moderne Welt passt. Sondern das der Kirchen. Ein Narrativ, welches aus Machtgier heraus gezimmert wurde. Wer Macht und Religion zusammen bringt geht den Weg der alten Kirche, oder des Islam. Das braucht heute wirklich keiner mehr. Doch gab es immer schon die "andere Kirche", da geht es nicht um Wunderglaube, sondern um das Erleben des Wunders des Lebens. Vielleicht muss die Amtskirche, egal ob lutherisch-grün, oder katholisch-altbacken erst einmal am Boden sein, damit Fruchtbareres entstehen kann. Hauptsache, der Islamismus breitet sich nicht weiter aus, dann kommen wir vom Regen in die Traufe.

Dieter Erkelenz | So, 5. Juli 2020 - 07:42

"Ihre Werke der Liebe wiegen es nicht auf.
Glaubt nicht, dass ich fasele, dass ich dichte.Geht hin und findet andre Gestalt: Es ist
die ganze Kirchengeschichte ein Mischmasch von Irrtum und Gewalt."

Allein, wir suchen zu gefallen;
drum lügen wir und schmeicheln allen.“
(Goethe, „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilen“)

Dieter Erkelenz | So, 5. Juli 2020 - 07:47

"Zu unserem abendländischen Erbe gehört der schiere Wahn-
sinn. Soll ich Ihnen Einzelheiten der kirchlichen Beteiligung
daran aufzählen:
"Ausübung seelischer und körperlicher Grausamkeit.
Verfolgung und Ächtung Unschuldiger. Volksverdummung .
Machtanmaßung. Wissenschaftsunterdrückung.Mordanstif -
tung. Frauenfeindlichkeit. Spitzel-, Intrigenwesen. Kriegs -
hetze und Kriegsführung.
Keine Einrichtung hat davon so viel vorzuweisen wie die
christliche Kirche.
aus Hans Bergel:
„Die Wieder-
derkehr der Wölfe“
Dem ist nichts hinzuzufügen!!

Armin Latell | So, 5. Juli 2020 - 10:22

Islam so, wie er schon seit knapp 1.400 Jahren ist? Warum werden die Anhänger dieser Gesellschaftsform nicht weniger, sondern mehr? Haben Hinduismus, Buddhismus oder Shintoismus ähnliche Probleme? Alle haben auch schlimme Kriege und Katastrophen erlebt. Warum also nur das Christentum? Mein Entschluss, die Kirche zu verlassen, ohne das Christ sein abzulegen, war: wenn ich einer politischen Partei beitreten möchte, entschließe ich mich aktiv dazu. Für mich ist Kirche schon lange nicht mehr was sie einst war, sondern sie ist mutiert und degeneriert zu einer schrecklichen, alle eigenen Werte, alles was sie ausmacht verleugnenden, politischen NGO. Das ist ihr Problem, politische Parteien mit gleicher Zielsetzung gibt es genug. Bezeichnend für die bunte Toleranz und Weltoffenseinwollensbesoffenheit: wieder einmal der Ausschluss von polit. Parias am ÖKT 2021. Diese von Pharisäern betriebene NGO hat mit demchristlichen Glaube nichts mehr zu tun.

Josef Olbrich | So, 5. Juli 2020 - 10:49

Was haben 70 Jahre Frieden in so manchen Köpfen für Ideen entwickelt, die glauben machen wollen, der Mensch kann ohne Gott leben. Keiner von dieser Spezies „Homo sapiens“ hat erlebt, wie selbst Atheisten im Chaos des Krieges beten lernten, um Trost in diesem Elend zu finden. Dies nur zur Erinnerung, da solche Zeiten uns plötzlich wieder einholen können.
Das Virus, das nun unser Leben beeinträchtig, sehe ich als Spiegel an, damit wir erkennen, welche Fehler, der im Auftrag „die Schöpfung zu erhalten“, gemacht worden sind. Weder durch die Individualität noch durch Verbote werden wir diesem Auftrag gerecht werden, da der Mensch sich nicht über die Schöpfung Gottes hinweg setzen darf – er würde immer verlieren!

Josef Olbrich | So, 5. Juli 2020 - 10:51

Kann dies ein Hinweis auf die Austrittswelle sein, die die beiden christlichen Kirchen nun erleben. Und soll die Verkrustung, die als Grund angeführt wird, wirklich der Anlass sein? Oder wird er nur vorgeschoben, weil der Zeitgeist den Menschen etwas vorgaukelt, das im Nebel der Selbstbestätigung und Selbstüberschätzung alles möglich sei und so Gott nicht mehr gebraucht wird. Ich denke da nur an den 8. Mai 1945 wo das Trümmerfeld einer Selbstüberschätzung für jeden sichtbar war. Auch da stand die Frage im Raum – weshalb hat Gott das zugelassen. Wahrlich, so umgeht man die Verantwortung, die aus dem freien Willen erwächst, den Gott uns auf unseren Lebensweg mit gegeben hat. Er lässt uns gewähren – nimmt uns aber die Ergebnisse unseres Handelns auf dieser seiner Schöpfung nicht ab.

Günter Johannsen | So, 5. Juli 2020 - 11:12

„Die Menschen haben Gott vergessen, und das ist der Grund für die Probleme des 20. Jahrhunderts. Wir werden keine Lösungen finden ohne die Umkehr des Menschen zum Schöpfer aller Dinge.“
(Alexander Solschenizyn)

aber in "dem", mit dem alle Dinge sind?
Das macht dann wohl den Kosmos.
Leben sollte das Einfachste und Höchste sein im christlichen Gott, mit ihm, nach ihm, allein, nicht wenige haben Schwierigkeiten damit.
Ein gerechter Gott sollte, wenn er die Übel dieser Welt betrachtet, nicht sich selbst per se davon ausnehmen.
Ich würde ihn damit nicht der Kritik an ihm anheimgeben, ihn aber nicht vor der Prüfung schützen.
Und dann gibt es da noch das, was Gott m.E. evtl. ausmachen könnte, das Leben als Einfachstes und Höchstes.
Das hat man schon für Christus unterbunden und ich weiss nicht, ob es seither allgemein besser geworden ist.
Ich weiss mit anderen Worten nicht wirklich, ob "er" noch lebt.
Aber auch dafür gibt es ein Gedicht:
"Die Blätter fallen, fallen wie von weit...
Was hätte man zum 1. Weltkrieg auch anderes sagen sollen?
Rilke dürfte Nietzsche schon verstanden haben, aber auch dessen Schwermut.
Wie die schmale Hoffnung des Gedichtes heben?
Es ist keine Frage des Wollens.

"Das strahlende Bild des Nazareners hat einen überwältigenden Eindruck auf mich gemacht. Es gibt nur eine Stelle in der Welt, wo wir kein Dunkel sehen. Das ist die Person Jesu Christi. In ihm hat sich Gott am deutlichsten vor uns hingestellt. Jedem tiefen Naturforscher muß eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorzustellen vermag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum erstenmal gedacht werden. Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. – Die gängige Vorstellung, ich sei Atheist, beruht auf einem großen Irrtum. Wer sie aus meinen wissenschaftlichen Theorien herausliest, hat sie kaum begriffen. Im unbegreiflichen Weltall offenbart sich eine grenzenlos überlegene Vernunft. Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind. Nicht Gott ist relativ und nicht das Sein, sondern unser Denken."
Albert Einstein (1879-1955)

Gisela Fimiani | So, 5. Juli 2020 - 13:34

Ich glaube, dass besonders das „autonome“, das freie Individuum ein Bewusstsein davon hat, dass ihm neben dem Leib, der Seele auch der freie Geist eignet. Dieser wurde mit der Institutionalisierung des Christentums zerstört. Nun wagen „Christen“ es, verstehen und wissen zu wollen, wie Gott sich offenbart, was sein Wille ist, während sie ihm doch nur ihre kleinen historischen Interpretationen unterzuschieben versuchen. In seinem „Credo“ sagt Karl Barth: „Im Gegenteil, wir müssen mit dem Eingeständnis beginnen... daß alles, was wir zu glauben wissen, wenn wir >Gott< sagen, ihn nicht erreicht oder erfaßt... sondern immer nur eines unserer selbsterdachten und selbstverfertigten Idole ist, sei es nun der der >Geist<, die >Natur<, das >Schicksal< , oder die >Idee<...“ Welch arrogante, anti-christliche Einstellung, denn das Christentum lehrt, dass der weltliche Erfolg nicht entscheidend ist. Die frühen Christen brauchten keine weltliche „aufmunternde“ Institution.

Gisela Fimiani | So, 5. Juli 2020 - 13:50

Unsere staatlichen institutionalisierten Kirchen bedürfen dringend der „Purgation“, um zum Christentum, zu Christus zurückzukommen. Sie mögen sich auf eigene, wirklich unabhängige und vor allem staatsfreie Beine stellen. Erst wenn sie den Schritt zur Eigenverantwortung, zur materiellen Eigenversorgung gehen können sie beginnen, Christus nachzufolgen. Alles andere sichert nur ihren unchristlichen Macht- und Einflusserhalt...und steht Christus entgegen.

Wunderbar Ihre beiden Kommentare. Es wäre arrogant von mir, Weiteres hinzuzu-fügen. Wir befassen uns in nahezu allen Kommentaren ausschließlich mit Gott. Eine kleine persönliche Anmerkung: Ich habe zu Jesus, Sie schreiben Christus, den größeren Bezug. Ich kann ihn mir visuell vorstellen, er wird für mich ein ansprech-barer Partner.
MfG.