100. Geburtstag von Stanislaw Lem - Der Skeptiker

Stanislaw Lem gilt als bedeutendster Vertreter der Science-Fiction. Dabei hat er dieses Genre immer verachtet. Ihn interessierte vor allem die Fremdheit des Menschen sich selbst gegenüber, seine Grenzen und Unzulänglichkeiten. Am heutigen Sonntag wäre er 100 Jahre alt geworden.

Stanislaw Lem im Jahr 2000 / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Er studierte Medizin, arbeitete als Automechaniker, Übersetzer und Monteur und war zeitweise Assistent für angewandte Psychologie in Krakau. Nebenbei studierte er Philosophie und beschäftigte sich intensiv mit Naturwissenschaften und Technologie, mit Kybernetik, künstlicher Intelligenz, Nanotechnologie, Genetik und Bioinformatik. 

Vor allem aber war er ein Bestsellerautor. Seine Werke wurden in über 50 Sprachen übersetzt, die Auflage seiner Bücher liegt weltweit bei über 40 Millionen. Er war mit Sicherheit der erfolgreichste und bekannteste Schriftsteller Polens: Stanislaw Lem. Am heutigen Sonntag wäre er 100 Jahre alt geworden. Nach eigener Auskunft wurde Lem übrigens erst am 13. September geboren und das Geburtsdatum aus Aberglauben vordatiert. So berichtet es jedenfalls sein Biograf Wojciech Orlińskis. Ob das nun Flunkerei war oder nicht – schwer zu sagen.

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Romuald Veselic | So, 12. September 2021 - 09:09

Träger. Aus Sicht der Cancel Culture Clowns ein blanker Fall von systembedingtem Rassismus, etc.

Zitat: Und anders als die Visionäre des Silicon Valley wusste Lem nur zu genau, dass die Steigerung der technischen Leistungsfähigkeit "Mit einem Verfall der Phantasie und Intelligenz der Menschen einhergeht".
In Deutschland bereits vollgezogen, mit folgenden Effekten:
AKW u. Kohle-Werke gecancelt;
Verbot der Fleischindustrie;
Ausstieg aus dem Individualverkehr...
Fortschritt Heil!

Karl-Heinz Weiß | So, 12. September 2021 - 10:52

Sinngebung durch Pillen-der sogenannte Fortschritt könnte kaum treffender beschrieben werden. Eine sehr prägnante Würdigung, die im Umfeld eines Beitrags über die technologische Weiterentwicklung des Totalitarismus auch richtig platziert ist.

W.D. Hohe | So, 12. September 2021 - 11:54

Danke für Ihre Ehrung dieses Denkers
Herr Grau.
Weniger Wissen erleichtert das Leben.
Schade um das "Prinzip Mensch"
Hochentwickelte Vernunft
Beherrscht von seinen Sinnen
Die zu ignorieren er alles gibt
"Was hätte aus dem (Menschen)nicht alles werden können :-)

Rainer Mrochen | So, 12. September 2021 - 13:14

ein echter Visionär, jedenfalls für mich, weil er die Fähigkeit zur Transzendenz besass.
Diese ist ja immer Voraussetzung, auch und insbesondere, eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten (zur Umsetzung/Durchsetzung seiner eigenen Ziele) zu erreichen.
Ganz im Gegensatz z.Bsp. eines Raymond Kurzweil (ehem. Chefentwickler von Google).
In seiner Literatur "Menschheit 2.0" (deutsche Übersetzung) zeigt sich die blinde, amerikanische Technologie Hörigkeit.
Analoge Lebewesen, auf einem analogen Planeten, digital, biologisch zu transformieren, nimmt für mich bereits die Form des Menschen verachtenden an.
Original Titel " The Singularity is near: when Humans transcend biology."
Stanislaw Lem erkannte den Menschen als "Problembeladen" sehr richtig. Dennoch wird es eben jener Mensch sein der seine, selbst gemachten, Probleme wird, analog, lösen müssen. Unsere gesamte Gehirnleistung "hoch zu laden", wird keine Lösung sein. Ich denke es kommt anders. Schöne neue Welt.

Werner Zillig | So, 12. September 2021 - 16:42

... Sind eitel arme Sünder, / Und wissen gar nicht viel; / Wir spinnen Luftgespinste, / Und suchen viele Künste, / Und kommen weiter von dem Ziel."

Lem hat, glaube ich, gewusst, dass wir eine Spezies sind, die eingesperrt ist in ihre Unfähigkeiten. Die größte dieser Unfähigkeiten: dass die meisten Menschen die Menschheit für irgendwie technisch fähig halten. Dabei sind wir eingesperrt in diesem kalten, schwarzen Raum. Kein Raketenantrieb, den wir uns heute vorstellen können, kann uns helfen, kosmische Entfernungen überbrücken. Lem hat das gespürt und ausgedrückt, auch wenn er seinen Piloten Pirx auf Weltraumreisen geschickt hat. Die Entfernungen wurden durch Phantasie überbrückt, nicht durch Technik.

Gez. Einer, der gelegentlich SF schreibt.

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