Entschädigungs-Streit um Hohenzollern - „Ich halte es für ein Unding“

Haben die Hohenzollern den Nazis zur Machtübernahme verholfen? Von dieser Frage hängt ab, ob die Adelsfamilie für Enteignungen entschädigt wird. Historiker, die sich kritisch dazu geäußert haben, bekamen unterdessen Post vom Anwalt der Familie. Einer von ihnen wehrt sich nun öffentlich

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Die Hohenzollern kämpfen mit juristischen Mitteln um das Ansehen seiner Vorfahren / picture alliance

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Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Martin Sabrow ist Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam. Weil er kritisiert hatte, die Hohenzollern versuchten auf die Darstellung ihrer Rolle im Dritten Reich Einfluss zu nehmen, hat er eine Unterlassungserklärung vom Anwalt der Familie bekommen – wie viele andere Historiker und Journalisten. In einem offenen Brief im „Tagesspiegel“ hatte er dem Ururenkel von Kaiser Willhelm II. einen Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft sowie Einschüchterung vorgeworfen.  

Herr Sabrow, Sie haben gerade eine einstweilige Verfügung vom Anwalt der Hohenzollern-Familie bekommen. Danach müssen Sie 250.000 Euro bezahlen, wenn Ihr Mitarbeiter Winfried Süß bestimmte Einschätzungen zur Rolle der Hohenzollern im Dritten Reich wiederholt. Worum geht es da eigentlich genau?
Die einstweilige Verfügung erging gegen Herrn Süß, der einer an das ZZF gerichteten Interviewanfrage nachkam. An mich richtete das Haus Hohenzollern bislang lediglich ein Unterlassungsbegehren, das allerdings dasselbe Gesamturteil betraf: dass die Hohenzollern nämlich eine geschichtspolitische Einflussnahme auf die museale Repräsentation ihres Hauses durch ein entsprechendes Mitspracherecht anstrebten. Dieser Streit hat aber nichts mit der fachhistorischen Einschätzung des Beitrags der Hohenzollern zur nationalsozialistischen Machtergreifung 1932/33 zu tun. Dazu liegen vier - sich fundamental widersprechende - Fachgutachten vor, die bis zu ihrer Enthüllung durch den Satiriker Jan Böhmermann irritierenderweise unter Verschluss gehalten worden waren.

In einem offenen Brief im Tagesspiegel haben Sie dem Chef der Hohenzollern jetzt vorgeworfen, er greife die Freiheit der Wissenschaft an und wolle Sie mundtot machen. Warum war es Ihnen wichtig, den Streit öffentlich zu machen?
Mir geht es nicht darum, eine bestimmte Sicht durchzusetzen, wohl aber darum, die Freiheit der zeithistorischen Diskussion zu sichern. Ich halte es für ein Unding, dass die öffentliche Meinungsbildung durch den juristischen Druck der Hohenzollern auf eine Ebene gewandert ist, auf der haarspalterisch etwa darum gerungen wird, ob eine angegriffene Äußerung sich auf einzelne Leihgaben oder aber auf Dauerleihgaben oder aber auf Ausstellungen bezog – und deswegen rechtlich jeweils unterschiedlich zu bewerten sei. Historische und juristische Erkenntnisbildung sind eben nicht deckungsgleich. Wie wollen wir in unserem Land in Zukunft über historische Fragen streiten, wenn unwillkommene Einlassungen von Anwälten für „unzulässige Meinungsbildungen“ erklärt werden können, weil es ihnen angeblich „an ausreichenden sogenannten Anknüpfungstatsachen ermangelt“?

Wie hat die Familie auf Ihren Brief reagiert?
Bislang noch gar nicht. Ich erwarte nach wie vor, dass die Hohenzollern die einstweilige Verfügung gegen meinen Kollegen und ZZF-Mitarbeiter Winfried Süß zurückziehen und darüber hinaus explizit von ihrer Strategie abrücken, die fachliche wie allgemeine Urteilsbildung mit anwaltlichem Vorgehen gegen Kritiker steuern zu wollen, statt mit nüchterner Darstellung der eigenen Position und gegebenenfalls öffentlicher Richtigstellung zur Klärung strittiger Sachverhalte beizutragen.

Der Anwalt der Familie wirft Kritikern unter anderem vor, sie argumentierten mit falschen Tatsachen. Es stimme zum Beispiel nicht, dass die Familie Wissenschaftlern den Zugang zu ihrem Archiv verwehrt habe. 
In Bezug auf den Archivzugang liegen unterschiedliche Berichte vor. Von einer generellen Untersagung ist mir nichts bekannt, wohl aber auch aufgrund eigener Erfahrung in der Vergangenheit eine ausgeprägt dilatorische Behandlung von Anträgen auf Einsichtnahme und die Verweigerung jeder selbständigen Recherche. Ob diese Zurückhaltung auf eine generelle Abwehrhaltung oder interne Erschließungsdefizite zurückzuführen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf seiner Website versichert der Hohenzollernsche Familienverband jetzt jedenfalls, dass sein Hausarchiv der Wissenschaft uneingeschränkt zur Verfügung stehe.

Auf dieser Website beantwortet die Familie jetzt auch die wichtigsten Fragen zu dem Streit. Lenkt die Familie jetzt in dem Streit ein? 
Gestern hätte ich diese Frage noch mit „ja“ beanwortet. Aber heute hat der Kollege Süß wieder Post vom Anwalt der Familie bekommen. Die Hohenzollern halten unbeirrt an ihrer Strategie fest und setzen den Rechtsstreit gegen ihn fort. 

Die Hohenzollern verhandeln seit Jahren mit dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg über Entschädigungen für Enteignungen von Liegenschaften in der ehemaligen Sowjetischen Besatzungszone. Es geht um 1,2 Millionen Euro. Der Familie wird deswegen Habgier vorgeworfen. Teilen Sie die Kritik? 
Nein. Aber es geht um mehr. Mit der Geldentschädigung wäre die Rückgabe von umfangreichem Inventar aus den ehemaligen Hohenzollernschlössern verbunden; viele kulturhistorisch wichtige Gegenstände gehören heute zum Sammlungsbestand der Berlin-Brandenburgischen Museen. Hier sind erheblich größere Werte betroffen.

Einige Kritiker vergleichen die Hohenzollern sogar mit den kriminellen arabischen Clans. Woher, glauben Sie, rührt der Hass auf die Familie?
Dieser Vergleich ist absurd; er bedient eine Denkweise, die Sache und Satire nicht mehr trennen mag. Dass Geschichte sich gerne zweimal ereigne, zuerst als Tragödie und dann als Farce, wusste schon Karl Marx. Die Wiederholung dieses Stücks gibt der aktuellen Auseinandersetzung eine peinlich kleinkarierte Note und zeugt von einer geradezu grotesken Imagepolitik des Familienverbands. Mit seinem juristischen Vorgehen gegen Kritiker schädigt er ja nicht nur sein eigenes öffentliches Ansehen, sondern verdunkelt auch das historische Bild der Hohenzollerndynastie insgesamt, wie sich an der gegenwärtigen Debatte um die Rolle der Hohenzollern bei der nationalsozialistischen Machtergreifung zeigt. Manche Häme in den sozialen Medien wiederum, die sich über alles ergießt, was Privileg und Prominenz vermuten lässt, macht sich im Maß der geäußerten Verachtung nur selbst verächtlich. Insgesamt aber signalisiert das fast einhellige Kopfschütteln über die Forderungen der Hohenzollern, dass die Auseinandersetzung an das Selbstverständnis der Bundesrepublik und ihres geschichtskulturellen Hoheitsanspruchs rührt, der als bedroht empfunden wird.

Die Monarchie wurde vor über 100 Jahren abgeschafft. Ist der Rechtsstreit nicht ein Anachronismus?
Nein. Der Umgang mit den Erben von Monarchien ist immer schwierig, weil personelle Herrschaft die klare Trennung von staatlichem und privatem Eigentum kompliziert macht. Er ist in diesem Fall besonders schwierig, weil der preußische Fürstenausgleich von 1926 den Hohenzollern zahlreiche Besitztümer zusprach, die aber überwiegend in der späteren Sowjetischen Besatzungszone lagen und 1945 enteignet wurden. Das Ausgleichsleistungsgesetz von 1994 sicherte dafür Entschädigung unter der Bedingung zu, dass keine erhebliche Vorschubleistung für die beiden großen Diktatursysteme des 20. Jahrhunderts vorliege. Damit wurden auf unglückliche Weise juristische und historische Wahrheitsfindung zusammengebunden. Ein Ausgleich lässt sich angesichts dieser Voraussetzung heute nur mehr finden, wenn alle Beteiligten in gemeinsamer Verantwortung für das kulturelle Erbe des Landes konsensorientiert zu verhandeln bereit sind. Davon sind wir leider weit entfernt.

Martin Sabrow
Martin Sabrow / picture alliance 

Kann man die Frage, ob die Familie dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet hat, aus heutiger Sicht überhaupt noch eindeutig beantworten?
Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht eher nicht, das zeigen schon die vier vorliegenden Gutachten, die aus ihrem jeweils herangezogenen Quellenmaterial gegensätzliche Schlussfolgerungen ableiten. Historische Urteile folgen nie der Ja-oder-nein-Logik der gerichtlichen Entscheidungsfindung, sondern verstehen sich immer als zeitbedingt, revisionsfähig und perspektivenabhängig. Natürlich tragen Prinz August-Wilhelm als SA-Standartenführer (später sogar Obergruppenführer) und preußischer Spitzenkandidat der NSDAP sowie Kronprinz Wilhelm als zeitweiliger Hitler-Verbündeter eine in ihrem Ausmaß kontrovers diskutierte Mitverantwortung für die nationalsozialistische Machtübernahme.

Aber trägt diese Mitverantwortung nicht auch jeder einzelne der vielen Millionen Deutschen, die den Nationalsozialismus unterstützten? 
Der ehemalige Kronprinz war ein monarchischer Reaktionär, kein brauner Revolutionär. Er wollte sich Hitlers Macht zunutze machen, um eine neue Monarchie zu schaffen, und er musste erleben, dass umgekehrt Hitler sich seiner bediente und ihn dann abschüttelte. Das gilt im übrigen für den monarchisch gesinnten Adel überhaupt und auch für den preußischen Symbolort Potsdam, den Hitler nach dem Handschlag mit Hindenburg im März 1933 auffällig mied. 

Definiert sich Mitverantwortung nur juristisch? 
Nein, aber in rechtlicher Hinsicht liegt die Frage der Mitverantwortung womöglich einfacher als in fachwissenschaftlicher. Im Falle des deutschnationalen Pressezaren und Hitler-Unterstützers Alfred Hugenberg hat das Bundesverwaltungsgericht 2005 Kriterien dafür entwickelt, wie der Begriff des „erheblichen Vorschubs“ rechtssicher zu fassen ist: als fortgesetzte und erfolgreiche Verbesserung der Bedingungen für die Errichtung und Festigung der NS-Herrschaft, bei der es auf die subjektive Motivation nicht ankomme. Auf dieser Grundlage entschied das Bundesverwaltungsgericht übrigens, dass die Ausschlussklausel anzuwenden sei, und schloss Entschädigungsansprüche der Erben Hugenbergs aus.

Der Streit über die Rolle der Hohenzollern wird jetzt ausgetragen in einer Zeit, in der rechte und linke Ideologen um die Deutungshoheit kämpfen. Wie können Sie und die  hohenzollern-kritischen Historiker sich von dem Vorwurf befreien, Sie seien voreingenommen?  
Den Vorwurf finde ich befremdlich. Historiker forschen üblicherweise, weil sie Antworten auf drängende historische Fragen suchen, und nicht, weil sie für oder gegen etwas sind. Einem solchen Verdacht bin ich auch nicht begegnet, wohl aber einer überraschend breiten Solidarisierung mit der von mir getroffenen Feststellung, dass Historiker und Medien sich durch das anwaltliche Vorgehen gegen ihre Äußerungen in der Hohenzollernfrage eingeschüchtert oder gar existenziell bedroht sähen. Diese öffentliche Aufmerksamkeit tut der Sache gut, denn tatsächlich herrscht in der Auseinandersetzung um das Hohenzollernerbe keine Waffengleichheit.

Was meinen Sie damit?
Der Streit der Argumente und der Vergleich der Perspektiven werden durch juristische Spiegelfechterei ersetzt, wenn die von vier Gutachtern eingebrachte Expertise über die Stellung der Hohenzollern zu Hitler jahrelang verschlossen blieb, oder wenn der Hohenzollernanwalt in seinen Unterlassungsbegehren die fehlende Einbeziehung von Verhandlungsdokumenten rügt, die das Haus Hohenzollernaber seinerseits vor der Öffentlichkeit verborgen hielt.

Klingt völlig absurd.  
Das ist es auch. Was wir brauchen, ist eine entschlossene Entkopplung von juristischer und historischer Betrachtung. Die Sprache von Unterlassungsaufforderungen taugt nicht, um historische Sachverhalte in ihren verschiedenen Facetten und Betrachtungswinkeln zu erhellen und die Diskussion über den angemessenen Umgang mit dem Hohenzollernerbe so zu führen, wie es der sensiblen und ausdifferenzierten Geschichtskultur unserer Gegenwartsgesellschaft ansteht.

Wolfgang Tröbner | Fr, 3. Januar 2020 - 15:30

Wäre die Hohenzollern auch enteignet worden, wenn ihre Besitztümer auf dem Territorium der alten Bundesrepublik gelegen hätten? Anders gefragt: Was unterscheidet die Hohenzollern-Familie von den Adelshäusern aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen etc., die ja zum größten Teil nicht enteignet wurden? Die Enteignung der Hohenzollern auf dem Gebiet der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone ist ja wohl vornehmlich ein Werk der damaligen DDR und der kommunistischen Besatzungsmacht UdSSR. Macht man sich jetzt etwa deren Argumente für die Enteignung zu eigen? Aus meiner Sicht wird damit auch eine aus heutiger Sicht rechtswidrige Entscheidung legitimiert. Man muss nicht gleich die Museen und Schlösser leeren, um die Hohenzollern zu entschädigen. Ein angemessener Geldbetrag würde ausreichen. Wir sind doch ein reiches Land, oder? Man sollte auch offiziell anerkennen, dass die damalige Begründung für die Enteignung an den Haaren herbeigezogen ist.

auch normale Kleinbauern entschädigungslos enteignet wurden – dies wurde im Einigungsvertrag festgehalten, dass dies endgültig sei und nicht zu weiteren Prozessen führen dürfe. Punkt. Modrow damals: "Niemand soll ohne Eigentum in die Wiedervereinigung gehen." Republikflüchtlinge hatten und haben keinen Anspruch auf Entschädigung des enteigneten Grund und Bodens sowie der Immobilien. Die neuen (SED-)Eigentümer waren im Grundbuch eingetragen. Daran war nicht mehr zu rütteln. Es sollte Ruhe im Karton einkehren. Weshalb nicht im Hohenzollern-Fall? Ihr Pech, dass sie Besitztümer in der ehemaligen DDR hatten, hatten andere auch. Aber danach kräht kein Hahn mehr – und teure Anwälte können sich die ehemaligen Eigentümer auch nicht leisten.

DDR-Herrschaft nicht vorwerfen, dass ihre Kraft evtl. noch dazu reicht, auf evtl. ebenfalls Gebeutelte und wie diese nicht nur der SED-Herrschaft, sondern zuvor der faschistischen Diktatur, zu zeigen und zu fragen, warum soll es denen besser gehen als mir.
Das ist nicht mein Stil, aber ich kann es nachvollziehen.
Was wären denn noch günstigere Voraussetzungen gewesen für Entschädigungen als eine CDU-Regierung in der alten und neuen Bundesrepublik?
Wenn dennoch Fehler unterliefen, rate ich zu einem "Verhalten" wie dem der Hohenzollern.
Sie fechten ihre Ansprüche hoffentlich mit den lauteren Mitteln unseres Rechtsstaates aus.
Manchmal frage ich mich, wie wir in Deutschland unter `normalen´Umständen leben würden.
Hitler war nur möglich durch die "Enthauptung" einer - aber im Wandel begriffenen Ordnung, die dann zu schwach war.
Die DDR war nur möglich durch die Niederlage Nazi-Deutschlands und einer SED-Herrschaft im Schatten der Sieger.
Kurz: Wir lebten heute in unserer Bundesrepublik:)

Ihre Frage Herr Töbner geht zwar in die richtige Richtung - Gleichbehandlung, was gut ist! Aber es ist wie beim Oma-Umweltlied (alla Judensa.). Es wird alles "Relativ" betrachtet, jedoch einseitig.
Ort, Zeit & welche "Juristen" die "ausgeklügelsten Antworten" parat haben, entscheiden über "Recht & Gerechtigkeit". Und wer viel hat, kann auch viel für die gewünschte Richtung ausgeben. Das Herz (für mich die 10 Gebote) bleiben leider da leider auf der Strecke.
Mit der Gerechtigkeit ist es wie mit den Statistiken. Statistiken sind wie ein Bikini, sie zeigen zwar viel, verdecken aber das Wesentliche. Sind die "Verantwortlichen der Übeltaten" in Ost & West gleichermaßen mit gleichen Maßstäben zur Verantwortung gezogen? Da denke ich an den Börsenguru Müller: "Die 'Kleinen' hängt man, die 'Großen' lässt man laufen".
Die, die Verantwortung & Macht besaßen, konnten in allen Diktaturen Ihr "Wissen" & ihre "Stellung" mit "Ablasshandel" sich ihrer Sünden auf Erden entledigen. Damals wie heute.

Wenn ich Richter wäre, wurde ich persönlich folgendes Urteil erlassen:
Die Hohenzollern bekommen für die Finanzierung einer gemeinnützigen wissenschaftlichen Organisation im technischen Bereich eine jährlichen Abfindung von .... für ..... Jahre. Dieses Geld steht nur zur Verfügung, wenn der Nachweis erbracht wird, dass es sich wirklich um Wissenschaftliche Arbeit mit neuen Erkenntnissen handelt :-]
PS: Hatte jetzt eine Dokumentation gesehen, wo ein Dieselauto 1989 (!!!) durchschnittlich 1,7 Liter verbrauchte.
Ein Schelm, der was dahinter .....
Darüber nachgesinnt
Nimmerklug, der auch ein kleines Lächeln in Ihrem Gesicht verbreiten will :-)

Ich zwinge mich, wie Sie, in dieser Causa zur Sachlichkeit. Auch bin ich weder Historikerin noch Juristin. Möglicherweise hat das Adelshaus tatsächlich ein juristisch berechtigtes Interesse und Historikerstreite über Schuld sind schwer zu beurteilen. Allerdings habe ich mich seit meiner Schulzeit für Geschichte interessiert und in Jahrzehnten des Interesses gelernt, dass Adelsvermögen meist dadurch zustande kam, dass die jeweilige „Herrschaft“ die „Untertanen“ bis aufs Blut auspresste. Formen und Beispiele der Auspressung gibt es zur Genüge. Wenn also diese ehemaligen „Herrschaften“ nach heutigem demokratischen Verständnis auch nur einen Funken Anstand und einen weiteren der gesellschaftlichen Verantwortung in sich trügen, gäben sie nun dem Volke das zurück, was seit Jahrhunderten schon (eigentlich) des Volkes war und hielten sich, anstatt zu poltern, vornehm zurück. Dazu gehörte allerdings neben dem Sinn für Gerechtigkeit auch ein gerüttelt Maß an Geschichtsbewusstsein.

"Dazu gehörte allerdings neben dem Sinn für Gerechtigkeit auch ein gerüttelt Maß an Geschichtsbewusstsein."
Sie vergassen Ehre !

Klaus Peitzmeier | Fr, 3. Januar 2020 - 16:25

Ich finde es entbehrt nicht einer gewissen Dreistigkeit, daß sich die Hohenzollern zu Recht verlorenes Eigentum versuchen durch die Hintertür wieder unter den Nagel zu reißen. Millionen Menschen haben sie ins Unheil getrieben u Millionen Menschen haben durch deren Politik Haus, Hof u nicht selten ihr Leben verloren. Das die Justiz sich ganz ernsthaft mit dem Ansinnen der nachträglichen Bereicherung auseinandersetzt u diese unselige Adelsmischpoke nicht ganz deutlich in die Schranken weißt, ist für mich nur schwer erträglich. Da könnte man schon wieder zum Kommunisten werden.

Tomas Poth | Fr, 3. Januar 2020 - 16:29

Wofür sollen die Hohenzollern entschädigt werden? Dafür dass sie Deutschland 1914 in die Erste Katastrophe geführt haben.
Dafür müssen sie bezahlen, bis runter auf Hartz4.

Wolfgang Tröbner | Fr, 3. Januar 2020 - 17:33

In reply to by Gast

Den ersten Weltkrieg zur Begründung für die Enteignung der Hohenzollern heranzuziehen, finde ich etwas abenteuerlich. Und zwar aus verschiedenen Gründen. Nicht zuletzt, weil heutige Historiker Deutschland nicht als alleinigen Schuldigen für den 1. Weltkrieg sehen. Schuld waren wohl fast alle europäischen Großmächte. Lesen Sie mal "Die Schlafwandler" von Christopher Clark. Und nun zu den Hohenzollern. Weil der eine oder andere von ihnen möglicherweise mit den Nazis sympathisiert hat, heißt das noch lange nicht, dass sie hauptverantwortlich für die Verbrechen im dritten Reich waren.

Habe das von Ihnen erwähnte Buch, Hr. Tröbner.
Es geht mir auch nicht um die Anteile wer wieviel Schuld am Ausbruch des WKI hatte und an den Ursachen der Entwicklung dazu beteiligt war.
Hier wurde ein Volk von seiner Führung mit Hurra in den Krieg getrieben. Diese aktive Beteiligung daran allein genügt mir als Begründung meiner Forderung.

Wolfgang Tröbner | So, 5. Januar 2020 - 13:55

In reply to by Gast

Dann muss aber auch unbedingt erwähnt werden, dass selbst die gute alte SPD schon damals den Kriegseinsatz Deutschlands bedingungslos unterstützt hat. Ihrer Logik folgend, müsste also auch gefordert werden, die SPD zu enteignen. Dürfte sich lohnen!

Tomas Poth | So, 5. Januar 2020 - 21:45

In reply to by Gast

Die SPD (Sein Name ist Hase) hat da innerhalb kurzer Zeit eine 180°C Drehung hingelegt.
Das ist wahr, später hat die SPD aber unter den Nazis schwer bezahlen müssen, darf man in der Gesamtbetrachtung auch nicht vergessen.

Tomas Poth | Mo, 6. Januar 2020 - 18:26

In reply to by Gast

Darf man das Umfallen der SPD als gleichwertig sehen, verglichen mit der Kriegstreiberei der Hohenzollern?

Gerd Steiner | Sa, 4. Januar 2020 - 09:57

Kein Fürstenhaus hat sein Altvermögen das vor mehr als 100 Jahren entstand, durch ehrliche Arbeit erworben. Etwas Demut dieser Leute wäre hier schon angebracht. Ich habe keinerlei Probleme mit Adelshäusern, viele leisten heute gute Arbeit und machen sich verdient um Staat und Gesellschaft. Das Bewusstsein, wie ihr Vermögen entstand, sollte allerdings bei allen vorhanden sein.

Das sehe ich genauso Herr Steiner Auch wenn vielleicht die heute lebenden Adligen selbst dem Volk ihr Vermögen nicht abgepresst haben, steht doch wohl außer Frage, wie dieses Vermögen über Jahrhunderte erlangt, erweitert und auch missbraucht wurde. Ansprüche nur im Zusammenhang mit ihrem möglicherweise vorwerfbaren Fehlverhalten ihrer Vorfahren während des vergangenen Jahrhunderts zu sehen ist kurzsichtig.
Immerhin gibt es dieses Geschlecht lt. Wiki bereits seit 1061.

Peter Silie | Sa, 4. Januar 2020 - 18:32

Gerade die Adelshäuser waren es doch, die spätestens seit 1618 immer wieder Krieg geführt haben. Und da hat man schonmal ein Stück Land, eine Burg etc. "verloren" ! Und der 2. Weltkrieg findet doch schon seine Ursachen in 1870 ff. ! Und 1945 waren eben mal wieder eine paar Gebiete "verloren" ! So ein Pech! Was habe ich (Steuerzahler der BRD) überhaupt damit zu tun? Sollnse doch zu Wladimir gehen.

Hubert Sieweke | So, 5. Januar 2020 - 00:04

Diskutanten, die mangels fehlendem geschichtlichen Hintergrund, den Hohenzollern die Kriegsschuld aufbürden wollen. Am Besten mal das Buch "Die Schlafwandler" lesen, um besser informiert zu sein. Übrigens: Hitler hat seinen Generälen und SS-Schergen seit 1933 jeweils Dotationen, d.h. riesige Geldsummen oder große Ländereien zukommen lassen. Ganz selten wurden Vermögen ab 1946 eingezogen, die vielen Adelsfamilien, die ja ihre Söhne meist in die Spitze der SS schickten, haben, sofern nicht in der DDR gelegen, alle ihre Ländereien und Vermögen behalten. Auch die arisierten jüdischen Vermögen, siehe Quandt etc.
Hier einfach mal Kaiserbashing zu betreiben ist doch erkenntnislos.

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