Erinnerungskultur - Geschichte kann man nicht ausradieren

Kolumne Grauzone: In Freiburg berät eine Kommission darüber, welche Straßennamen akzeptabel sind oder nicht. Heraus kommen bizarre Verrenkungen

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte, gemalt um 1929 von Heinrich Plühr
Porträt von Johann Gottlieb Fichte: Menschen sind selten eindeutig / Gemälde von Heinrich Plühr, picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Vergangenheit vergeht nicht. Das macht sie mitunter zu einer Zumutung. Insbesondere die deutsche Vergangenheit will sich partout nicht auflösen im Nebel der Geschichte. Also wurden in den letzten Jahrzehnten hierzulande Psychotechniken entwickelt, an denen Sigmund Freud seine Freude gehabt hätte: die „Vergangenheitsbewältigung“ und die „Erinnerungskultur“.

Doch Vergangenheit lässt sich nicht bewältigen. Allenfalls lässt sie sich zurechtstutzen, etwa zum pädagogischen Gebrauch. Denn um aus der Geschichte zu lernen, muss man sie moralisch beurteilen. Moralische Urteile aber sind nicht zeitlos, sondern Produkte ihrer jeweiligen Gegenwart. Ergebnis: Geschichtsbetrachtung in pädagogischer Absicht verkommt zu Enthistorisierung – also zum genauen Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt war. Hier liegt die Krux.

Ähnlich verhält es sich mit der „Erinnerungskultur“. Denn eine Erinnerung, die zur Kultur wird oder zum Kult, ist das Gegenteil von abwägender historischer Versicherung. Es ist die Instrumentalisierung der Vergangenheit für die jeweilige Gegenwart. Aus diesem Grund kennt die offizielle Erinnerungskultur nicht nur Gedenktage und Mahnmale, sondern auch das gezielte Vergessen.

Straßennamen in Freiburg auf dem Prüfstand

Diese „damnatio memoriae“, die Verdammung des Andenkens, ist daher eine altbewährte Sozialtechnik. Die Ägypter kannten sie, die Römer haben sie institutionalisiert. Dabei ging es ihnen weniger darum, die Erinnerung an einen in Ungnade Gefallen wirklich auszulöschen, sondern im Gegenteil: Durch die Tilgung seines Namens und die Entfernung seiner Bildnisse sollte die Erinnerung an ihn verflucht werden – eben „damniert“.

Ein besonders spannendes Schauspiel bundesrepublikanischer Damnierung findet derzeit in Freiburg statt. 2012 setzt dort der Gemeinderat eine Kommission zur Überprüfung der etwa 1.300 Freiburger Straßennamen ein. Ihre Aufgabe: Zu sondieren, welche Straßennamen aus heutiger Sicht nicht mehr akzeptabel sind.

Letzte Woche nun stellte die Kommission ihren Abschlussbericht vor. Ergebnis: 12 Namen sollen umbenannt (Kategorie A), 15 weitere mit Zusatztafeln versehen werden (Kategorie B).

Keine Frage: Personen, die sich direkt an einer Gewaltherrschaft beteiligt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben, gehören nicht in der Öffentlichkeit gewürdigt. Das gilt nicht nur für die prominenten Täter, sondern auch diejenigen aus der zweiten oder dritten Reihe.

Wie weiter mit Heidegger?

Doch die Mehrzahl der inkriminierten Namensträger sind eher ambivalente Gestalten. Eine der Prominentesten: Martin Heidegger. Der war ohne Zweifel ein Vordenker jenes antiwestlichen und antizivilisatorischen Denkens, das auch die Nazis bedienten. Dennoch hat seine Fundamentalkritik unserer Geistesgeschichte ihre Berechtigung, auch wenn man ihr nicht zustimmt. Genau hierin liegt ja seine Herausforderung.

Oder nehmen wir den heute weniger bekannten Pathologen Ludwig Aschoff. Unbestritten eine Koryphäe seines Fachs, mit bis heute grundlegenden Arbeiten zu Herzmuskelerkrankungen (Aschoff-Knoten), zur Arteriosklerose und anderen verbreiteten Krankheiten (Magengeschwür, Tuberkulose). Zugleich aber war Aschoff ein prominenter Eugeniker und stand im Alter (geboren 1866) den Nazis nahe. Was nun?

Geschichte ist selten eindeutig, und Menschen sind es schon mal gar nicht. Zu welch bizarren intellektuellen Verrenkungen das führen kann, zeigen die Vorschläge der Freiburger Kommission zu den Zusatztafeln (Kategorie B).

Etwa die Fichtestraße. Die soll mit dem Schildchen ergänzt werden: „Nationalistischer Philosoph und erklärter Gegner Frankreichs“. Dabei gibt es zu Fichte weitaus mehr (und wichtigeres) zu sagen, als das er Nationalist war. Und seine Feindschaft gegenüber der französischen Besatzungsmacht 1807 entspricht zwar nicht dem Geist aktueller Völkerverständigung, vor dem Hintergrund seiner Zeit ist sie aber nicht vollkommen dahergeholt.

Mehr Demut üben

Eine besondere Pointe liefern die Kommissionsempfehlungen jedoch bei der Bewertung des großen schwedischen Naturforschers Carl von Linne, der Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht auf der Höhe heutiger Genderforschung war und daher als „Vordenker einer biologistisch begründeten Geschlechterhierarchie und Rassenlehre“ gilt. Ist das ernst gemeint?

Geschichte kann man nicht ausradieren. Eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit im Stadtbild tilgt, musealisiert sie. Das schürt die zwar gemütliche, jedoch gefährliche Illusion der eigenen moralischen Überlegenheit. Denn das Bewusstsein für historische Relativität bildet sich nur in direkter Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Vor allem aber wären wir gut beraten, demütiger zu sein. Denn nichts spricht dafür, dass wir moralisch besser sind als unsere Vorfahren.

Gerdi Franke | Sa, 15. Oktober 2016 - 12:22

Man sollte Geschichte Geschichte sein lassen. Es war einmal. Dieses dauernde Herausarbeiten von Folgelasten aus der Geschichte hilft nur Einzelinteressen. Mit Kultur hat das nichts zu tun. Da wollen nur einige unser Gewissen spielen!

Wolfgang Luf | Sa, 15. Oktober 2016 - 12:24

Ein wenig mehr „Demut“ würde auch unseren Eliten gut tun - und die Beherzigung von Erfahrungen unserer Vorfahren. In dem Büchlein „Der gepfefferte Spruechbeutel“ (Eulenspiegel-Verlag 1970) ist u.a. zu lesen:
- „Wir sind wir; aber die Vorfahren waren auch kluge
Leute“
- „Zuviel zerreißt den Sack“
Vielleicht sollte man dieses Büchlein unseren Eliten als Pflichtlektüre empfehlen.

Romuald Veselic | Sa, 15. Oktober 2016 - 13:19

verkommt zu Enthistorisierung – also zum genauen Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt war.
Eine Aussage, die mathematische Genauigkeit beinhaltet u. kosmische Gültigkeit hat. Bin mir dessen gewiss, dass die manischen Polittypen, die dies initialisierten u. zum Thema machten, werden von den nachfolgenden Generationen, genauso verdammt, wie es eben diesen, die vorherigen in den politkorrekten Kram nicht hineinpassten.

Petra Wilhelmi | Sa, 15. Oktober 2016 - 14:37

Da fällt einen wirklich nichts mehr ein. Wenn man denkt, es geht nicht mehr unterirdischer, dann wird einen immer wieder das Gegenteil bewiesen. Wer seine Geschichte verleugnet oder sie nur aus heutiger Sicht, z.Z. linksgrünergender, sich ansieht, kann aus der Vergangenheit nichts lernen. Wem interessiert es heutzutage, ob Fichte nun Frankreich mochte oder nicht. Ganze deutsche Epochen lebten vom Krieg gegen Frankreich. Fichte der Nationalist? Das war in der deutschen Geschichte einmal etwas Positives (auch vor Hitler). Die Befreiungskriege gegen Napoleon lebten z.B. davon. Linné! Was bilden sich denn diese Genderfuzzis ein. Sie müssten vor Scham in den Erdboden versinken, sich an solch einen Wissenschaftler vergreifen zu wollen. Haben wir in Deutschland nicht andere Probleme? Wirkliche Probleme? Jagd doch endlich dieses Linksgrünegenderzeugs davon. Es ist nicht mehr auszuhalten. Man kann, wenn man geschichtsvergessen ist, überall nur Schlechtes sehen.

Christa Wallau | Sa, 15. Oktober 2016 - 15:31

Es zeugt wirklich von großer Arroganz bzw. mangelnder Demut, wenn heutige Menschen ihre Urteile über Persönlichkeiten der Geschichte als maßgeblich erachten. Was gibt ihnen die Gewißheit, ihren eigenen Standpunkt als richtig u. endgültig anzusehen?
Daß sie in Wahrheit sehr beschränkt sind, läßt sich schon aus der Tatsache erschließen, daß sie die Auswirkungen des Zeitgeistes, in dem die berühmten Namensträger lebten, zu wenig in ihre Betrachtungen einbeziehen. Außerdem konnten die Menschen, die vor uns lebten, nicht die Erfahrungen machen, über welche wir Heutigen verfügen.
Die unsensible, moralisch überhebliche deutsche Attitüde, mit der Erinnerung an Menschen umzugehen, findet man
in anderen europäischen Staaten kaum. Dort
stehen die Denkmäler unterschiedlichster
Politiker, Künstler und Philosophen nebeneinander und zeugen von den sehr verschiedenen Zeiten u. Denkungsarten, die es im Laufe der Geschichte der Länder gegeben hat.
Niemand stört sich daran, und das ist gut so.

Herbert Trundelberg | Sa, 15. Oktober 2016 - 18:13

da sind Sie wieder die Linken ihre Meinung und Volksverdrehung zu erarbeiten indem diese Gutmenschen meinen gewisse Vorfahren hätten ja nicht die richtigen Einstellungen. Es könnte natürlich sein das die heutige Linke Klicke völlig falsch liegt und morgen nicht mehr gebraucht wird mit ihrer Erziehung.

Willi Mathes | Sa, 15. Oktober 2016 - 18:26

Treffend , Herr Grau !

Vergangenheitsbewältigung und Erinnerungskultur haben hier eine Hochblüte der " Demutskultur " oder etwa Scheinheiligkeit erzeugt.
Erinnerung ist essentiell , nicht aber praktiziert im Stile einer christlichen erbsünde !
Deutschland auf die Couch !

Danke und freundliche Grüsse

Ursula Schneider | Sa, 15. Oktober 2016 - 18:34

... Dummheit und Selbstgerechtigkeit leider auch nicht.

Joh. Gottlieb Fichte "Nationalist" und "erklärter Gegner Frankreichs"? Hat denn die Kommission geschlossen den Geschichtsunterricht geschwänzt? Das Frankreich Napoleons war eine brutale, rücksichtslose Besatzungsmacht, die bei den Deutschen Angst und Schrecken hervorrief. Seine Kriege bedeuteten für das Land Zerstörung, wirtschaftlichen Ruin und den Tod fast einer ganzen Generation. Allein dem Russland-Feldzug fielen ca. 130.000 zwangsrekrutierte junge Deutsche als "Kanonenfutter" zum Opfer.
Fichte lebte in einer völlig anderen Zeit - die "deutsch-französische Freundschaft" kam ja bekanntlich erst später ...

Und was schreibt man auf die Schildchen von Hoffmann von Fallersleben (Franzosenhasser?), Luther (Antisemit?) oder Karl dem Großen, der die Sachsen massakrierte, weil sie Heiden waren. Feind des Grundgesetzes?

(Obwohl - Ausfälle gegen das Land von Pegida sind vielleicht politisch korrekt. Wer weiß?)

Dr. Wolfgang Künzel | Sa, 15. Oktober 2016 - 20:11

Man sollte endlich aufhören, mit Straßennamen politische Duftmarken setzen zu wollen.

Erika Anderson | Sa, 15. Oktober 2016 - 22:31

Andere Staaten in Europa werden sicher auch bald anfangen mit der 'Radierung', denn hier in Amerika ist sie schon in vollem Schwung. Die Intelektuellen an Universitaeten haben nichts Besseres zu tun. Geschichte begann fuer die junge Generation im Jahr 2000. Sie wissen ueberhaupt nichts von Geschichte und die Schulen sind daran Schuld. Die hiesige PC Kultur beseitigt 'guilt and the past' zugleich. How convenient! How wrong! Wie schade auch fuer meine Heimat, Deutschland.

Man gewinnt doch heute den Eindruck, daß sich die deutsche Geschichte nur auf die Jahre 1933 - 1945 beschränkt. Es ist erschreckend zu erfahren, wie wenig die heutigen Schüler (10. - 12. Schuljahr) von der Geschichte Deutschlands nach 1945 wissen. Von der Entstehung Deutschlands nach 1800 ganz zu schweigen.

Waldemar Jensen | So, 16. Oktober 2016 - 00:04

In der gottlosen westlichen Welt wird eben die Political Correctness zur Ersatzreligion. Derzufolge müsste, um Carl von Linnes These einer Geschlechterhierarchie endgültig zu widerlegen, endlich eine Frauenquote für Nobel-Preise etabliert werden. Behauptungen zur Genetik unterschiedlichen Intelligenzen gehörten, ungeachtet wissenschaftliche Belege, auf den Index. Und nicht zuletzt sollten anstößige Begriffe und Passagen in der deutschen Literatur bereinigend korrigiert werden. Es bleibt also noch viel zu tun für deutsche Ethik-Kommissionen.

Waldemar Jensen | So, 16. Oktober 2016 - 00:23

In der gottlosen westlichen Welt wird eben die Political Correctness zur Ersatzreligion. Derzufolge müsste, um Carl von Linnes These einer Geschlechterhierarchie endgültig zu widerlegen, endlich eine Frauenquote für Nobel-Preise etabliert werden. Behauptungen zur Genetik unterschiedlichen Intelligenzen gehörten, ungeachtet wissenschaftliche Belege, auf den Index. Und nicht zuletzt sollten anstößige Begriffe und Passagen in der deutschen Literatur bereinigend korrigiert werden. Es bleibt also noch viel zu tun für deutsche Ethik-Kommissionen.

Helmut Bachmann | So, 16. Oktober 2016 - 09:21

unserer Zeit stellt sich zunehmend in eine unseelige Tradition. Ich fühle mich weniger von Nazis und Pseudonazis, ja auch von Islamisten bedroht, als von der um sich greifenden moralistschen Blockwartkultur der politischen Linken. Leider wird diese nicht nur verharmlost, sondern von den meidten Journalisten gepredigt. Und kaum jemand versteht es: Man gehört einfach zu gern zu den Guten. Und so wird aus dem Überlegenheitsgefühl der grünlinken Phantasten immer mehr ein faschistoider Moralismus.

Karin Zeitz | So, 16. Oktober 2016 - 10:53

waren immer ihrer Zeit verhaftet; ihre Ansichten haben sich auf dem Boden der damals bekannten Tatsachen entwickelt. Die heutigen Generationen sollten sich daher zurückhalten, Denkweisen zu verurteilen, die heute nicht mehr als opportun betrachtet werden und sich als "Bilderstürmer" zu betätigen. Freiburg macht sich einfach lächerlich.

Georg Dallmann | So, 16. Oktober 2016 - 12:06

Geschichte ist Geschichte. Kultur ist Kultur. Diese MIESEPETRIGEN Political-Correctness-SEKTIERER, die alles und jedes UMSCHREIBEN wollen in IHREM (!) Sinne sind FEINDE der Geschichte und der Kultur, die zu jedem Land und Volk gehört, wie das tägliche Frühstück. Das sind die Leute, die aus einem Staubsauger nun - "politisch korrekt" - eine Staubsaugerin machen wollen.
Diese PSEUDEKORREKTEN SEKTIERER dürfen nicht länger ernst genommen und thematisiert werden. Überlasst sie ihrer destruktiven Gedankenwelt, sollen sie dort phantasieren. BASTA. Es ist schlicht unerträglich. Als ob die Welt keine ECHTEN PROBLEME hätte???

Peter Voit | So, 16. Oktober 2016 - 14:04

Die Freiburger Aktion dürfte an jenen "Hans im Glück" erinnern, der seinem Herrn sieben Jahre diente und als Lohn von diesem ein Stück Gold bekam, das so groß war wie sein Kopf. So groß, daß ihm das Gold auf dem Weg nach Haus bald beschwerlich wird und auf die Schulter drückt. Was allerdings nicht heißen soll, daß jene, die das Freiburger Unternehmen aus dem Gedächtnis tilgen will, stets pures Gold produziert haben müßten.
Doch etwas von diesem "Hans", der seinen Goldklumpen ja nicht nur für ein Pferd tauscht, sondern dieses anschließend für eine Kuh, die Kuh für ein Schwein und so weiter bis er am Ende mit leeren Händen dasteht und sich auch noch einbildet, der glücklichste Mensch unter der Sonne zu sein, dürften die Freiburger Genossen allemal an sich haben.
Andere dagegen sollte deren Aktion anspornen, die Verfemden wieder einmal zu lesen. Etwa Fichtes "Reden an die deutsche Nation" oder Körners Gedicht "Männer und Buben": "Das Volk steht auf, der Sturm bricht los ..."

Siegfried Niese | So, 16. Oktober 2016 - 18:16

Der aus Ungarn stammende Nobelpreisträger und Mitglied des Ordens pour le merite Georg von Hevesy, der in Freiburg bis 1908 studierte, von 1926 bis zu seiner Emigration nach Dänemark 1934 lehrte und nach dem Krieg in Freiburg zum Dr. e. h. nat. und Dr. e. h. med. promoviert wurde, vor 50 Jahren in Freiburg starb und begraben und vor 15 Jahren nach Budapest umgebettet wurde, hat meines Erachtens einen Straßennamen in Freiburg verdient. Er wohnte auf der Rosastraße 21.

Christop Kuhlmann | So, 16. Oktober 2016 - 18:57

und entspricht nicht der Erkenntnis, dass Personen, Institutionen und Gruppen sich nur aus ihrer Zeit heraus verstehen lassen. Man kann Martin Luther als Antisemiten sehen. Ist das nun ein Grund die Lutherbibel auf den Index zu setzen, oder mit entsprechenden Kommentaren zu versehen. Die Lutherstraße mit dem Zusatz Reformator und Antisemit auszustatten? Oder sollte das Thema nicht besser in historischen und theoöogischen Seminaren bearbeitet werde. Nun ja seine Bibel, wird ja gerade gendermäßig überarbeitet. "Wie konnten die Leute im 16. Jahrhundert nur so rückständig sein?" Man sieht, die Kritik geht am Wesentlichen vorbei.

Bernd Fischer | So, 16. Oktober 2016 - 19:00

Satire On:
Ich hoffe das der Alexanderplatz ( in Berlin ) der per Dekret vom 2. November 1805 vom "Menschenschinder" Friedrich Wilhelm III. erlassen worden ist den Königs Thor Platz ersatzlos zu streichen , und der zu Ehren des russischen Zarens Alexander I. umbenannt worden ist.

Meine Begründung ist folgende: Nach heutigen Erkenntnissen( der Linksgrünen Genderforscher die immer der Wahrheit verpflichtet sind ) ist eine geistige , und diktatorische , Nähe zwischen Zar Alexander I. und Putin unzweifelhaft erkennbar .

Das dürfen wir nicht dulden.

Satire Off:

Satire off:

Siegfried Niese | Mo, 17. Oktober 2016 - 08:19

Der in Ungarn geborene Nobelpreisträger Georg von Hevesy, der in Freiburg studiert und von 1926 bis zu seiner Emigration nach Dänemark 1934 in Freiburg gelehrt hat, hätte einen Straßennamen verdient.
Nach dem Krieg hat man ihm zwar keine Professur angeboten, aber er kam trotzdem jedes Jahr für mehrere Wochen nach Freiburg, wurde hier Dr. e. h. nat. , Dr. e. h. med., Mitglied des Ordens pour le merite und Ehrenmitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften in Deutschland. Er starb vor 50 Jahren und wurde in Freiburg feierlich begraben, wo dann auch sein berühmter Bruder Paul, und seine Ehefrau beigesetzt wurden. Da man ihn danach in Freiburg vergessen hatte und nicht einmal den 100. Geburtstag dieses Universalgenies gedacht hatte, wurde seine Familie 2001 in seine Geburtsstadt umgebettet, wo man dieses Jahr mit einem Internationalen Kongress seines 50. Todesjahr gedacht hat.

Bernhard Jasper | Mo, 17. Oktober 2016 - 11:37

Allgemeines: Zunächst gab es die mündliche Überlieferung, die war begrenzt durch das menschliche Gedächtnis. In der Buchkultur gibt es die Schriftgestütztheit, gefiltert durch Sprache in Texten. Im elektronischen Zeitalter, verliert sich die kulturprägende Vorherrschaft. Es gibt künstliche Sprachen, eine ungefilterte, unbegrenzte Dokumentationsmöglichkeit, bis hin zu audiovisuellen Medien.

Die Erinnerungskultur erscheint jedoch gefährdet. In stalinistischen Staaten wurde sie unterdrückt, in demokratischen Gesellschaften wurde sie vernachlässigt.
Für den Erinnerungsauftrag gibt es kein Monopol, weder für Historiker noch für Literaten. Dieses Speichergedächnis haben alle Medien.

Ulrich Baare | Mo, 17. Oktober 2016 - 11:40

Sehr geehrter Herr Grau,

ich denke Sie sind hier auf dem Holzweg.
Zuerst einmal: es war schon immer üblich Straßen umzubenennen, Denkmäler umzuwidmen oder abzureißen. Und wie es einen Grund gibt sie umzubenennen gab es einst einen Grund sie so zu benennen. Der Punkt ist doch ein ganz anderer. 'Wir' wehren uns dagegen, dass einerseits alles unter das Primat einer (Hyper-)Moral gestellt und auf diese Art die Vielfaltigkeit der Leistungen und Beiträge zu unserer Kultur dadurch negiert wird. Und andererseits wehren 'wir' uns gegen die Machtergreifung bestimmter Gruppierungen, die uns zu beherrschen versuchen indem sie sich zu den Hütern (und Beurteilern) einer alle Lebensbereiche eingreifenden Moral erheben und damit für sich die basale Entscheidung beanspruchen, ob die Äußerungen ihrer Mitmenschen inhaltlich und der Form nach legitim oder illegitim sei.

P. S.: Darf ich fragen woher sie das haben: "Denn um aus der Geschichte zu lernen, muss man sie moralisch beurteilen"?

Dr. Lutz Wiederhold | Mo, 17. Oktober 2016 - 16:40

Danke. Herr Grau
es ist zum Haareraufen mit der PC, dem Gendergrünenwahn.Nimmt den dieser Irrsinn kein Ende!!Diese Leute werden sich, wenn sie auch mit sich selbst so totalitär konsequent umgehen, irgendwann politisch korrekt selbst entsorgen. Dann bitte auch Richard Wagner: Mord, Totschlag,usw in den Opern.
In den italienischen Opern wimmelt es nur so von Kriminalität, Rechtsbeugung.
Auch bitte kein Zigeunerschnitzel mehr bestellen, sondern ein Sinti-und Romaschnitzel!!
Gendersprache= Schnitzix!
Bei einer kommenden ROT-ROT-GRÜNregierung werden wir noch ganz andere Dinge erleben.

Chris Lock | Di, 18. Oktober 2016 - 10:46

Dass man Namen prüft und ggfs. den Straßen neue Namen verleiht, ist das Recht jeder Gemeinde oder Stadt. Die Motive der Stadt Freiburg sind mir auch nachvollziehbar.

Ärgerlich ist jedoch der Versuch, sich mit erläuternden Schildern für die eigene Entscheidung rechtfertigen zu wollen. Zugleich wird das eigene Geschichtsbild - verkürzend und damit verfälschend - den Anwohnern aufdrücken zu wollen.

Dieser Drang der Linken, ständig die richtige Gesinnung vozubeten und jede Tat nur noch nach der Gesinnung des Täters zu bewerten, hat schon fast die Form einer Zwangsneurose.

Wer sich nicht ständig demonstartiv bekennt, gilt als subversiv und verdächtig.

Dr. Waltraud Berle | Di, 18. Oktober 2016 - 13:23

gelassen. Fangen wir sie endlich wieder ein. Wo ist der freiheitliche Geist hin? Jedenfalls versteckt er sich nicht in Freiburg, denn das ist ja inzwischen eine Hochburg von rot-grünem Poststalinismus. So wo kommt man hin auf diese Art. Erinnert sich jemand eigentlich an die Greuel der chinesischen Kulturrevolution ... hat auch mit Ungroßzügigkeit im Denken angefangen und mit Rechthaberei. Wehrt Euch, wehren wir uns!!! Danke, Herr Grau.

Gottfried Meier | Di, 18. Oktober 2016 - 13:56

Wie wäre es damit, eine Quote bei den Straßennamen einzuführen: Es dürfen solange keine Straßen nach Männern benannt werden, bis eine Männlich-weiblich-Quote, Verzeihung Weiblich-männlich-Quote von 50 erreicht ist. Das wäre doch ein guter Vorschlag an die Kommission

Ruth Falk | Di, 18. Oktober 2016 - 16:41

ist etwas, das vorbei ist, und dann im jeweiligen Jetzt ein anderes Bild bekommt.
Wäre dann doch einfacher, so wie in Mannheim oder in Tokyo die Strassen zu nummerieren, dann hätte der Unsinn ein Ende.

Rudi Wiegner | Di, 18. Oktober 2016 - 17:04

Wann kommt endlich die Gutmenschenherrschaft, wann erindlich kommt der Erlöser, der ein für allemal festlegt, was richtig oder falsch ist?
Leistungen und handeln von Menschen zu beurteilen, die leider noch nicht gendermäßig beeinflußt sein können, weil sie im falschen Jahrhundert gelebt haben zeigt faschistisches Denken, da passen dann Ökofaschisten und Abendlandsfaschisten gut zusammen. Rot und Grün gibt Braun.

Ernst Laub | Di, 18. Oktober 2016 - 21:56

Eigentlich müssten die Schildbürger von Freiburg i.Br. auch die Amerikaner dazu bringen, ihr jährliches "Wernher von Braun Memorial Symposium" umzutaufen, nachdem von Braun in der BRD aus der kollektiven Erinnerung gestrichen wurde, und es weder von-Braun-Strassen noch von-Braun-Schulen mehr geben darf. Auch die unzähligen amerikanischen und internationalen Auszeichnungen, die von Braun erhalten hatte, müssen sofort zurückerstattet werden. Sonst kommt die Antifa, die SA der Gutmenschen, zum Einsatz!

Herbert Sax | Mi, 19. Oktober 2016 - 16:48

Eine der Lieblingsbeschäftigung linksgrüner Kommunalpolitiker ist die Zensur von Straßennamen und deren Anpassung an den linken Zeitgeist. Erreicht wird dabei faktisch nichts außer einer Kostenlawine für die Kommune und besonders für Bürger und Gewerbetreibende in den betroffenen Straßen. Unzählige Adressen müssen wegen der Änderung angeschrieben werden für die die neue Anschrift wichtig ist. Personalausweise benötigen einen neuen Vermerk. Es fällt viel Arbeit in den Katasterämtern an. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste müssen informiert werden und auch Unternehmen die digitalisierte Geodaten verarbeiten. Es fallen dabei hohe Folgekosten an, auch auf privater Ebene. Mein Vorschlag daher alle Kommunen die Änderungswütig sind sollten auch die Kosten die für Bürger und Unternehmem anfallen, komplett übernehmen müssen. Wer anschafft, sollte auch zahlen. So einfach ist das.

oelsner andreas | Mi, 19. Oktober 2016 - 17:11

man könnte noch tiefer graben wenns denn sein muss:hermann der cherusker hat ein riesendenkmal bekommen,oder hiess der doch arminius?er hatte römische bildung genossen war er reaktionär der im grunde hinterwäldler geblieben war?er hat wohl germanien gerettet ,aber dessen entwicklung um jahrhunderte zurückgeworfen ?und gab es nicht eine rune,einem hakenkreuz ähnlich?jaja,schon interssant.generationen von expertenkommissionen werden ihr gesichertes einkommen finden!

Ralf Karl | Mi, 19. Oktober 2016 - 18:45

Mich würde interessieren dieser Beziehung mal eines interessiern: Müssen die Bewohner der Straßen die in die Kategorie Zusätze fallen diese Zusätze mit auf ihre Adresse schreiben weil es könnte ja sein das ohne diese entsprechenden ZusatzInformationen der geschichtsvergessene Postbote den Brief nicht korrekt zustellen kann. Darüber muss die Freiburger Kommission unbedingt nachdenken denn es soll ja politisch korrekt zugehen
Fragen über Fragen

Markus Ahorner | Sa, 29. Oktober 2016 - 19:52

Meine bevorzugte Erklärung für solch ein Verhalten der betroffenen Politiker ist es, dass sie vor der Komplexität der eigentlichen Probleme (Finanzkrise, Migration, Demokratiedefizite, Politikerverdrossenheit etc.) wegen mangelnder Fähigkeit zu Reflexion oder Erkenntnis zurückschrecken und sich statt dessen auf Problemlösungen stürzen, die zwar niemand braucht, die sie aber intellektuell bewältigen können. Insgesamt ist das, denke ich, eine Frage von Prioritäten. Wer sich auf Straßennamen konzentrieren kann, hat die meisten anderen Probleme offenbar bereits gelöst. In Hannover wird ernsthaft diskutiert, ob der "Fackelläufer" am Maschsee ein zu beseitigendes Nazisymbol sei - na bitte. First things first.

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