Chemnitz - Die moralische Mehrheit

Chemnitz hat die Spaltung der Gesellschaft in links und rechts weiter vorangetrieben. Das fördert radikalere Meinungen auf beiden Seiten: Rechte seien generell Nazis, Ausländer immer kriminell. Verantwortlich für diesen Zustand sind Politiker und Journalisten

Sänger Felix Brummer der Rockband Kraftklub aus Chemnitz steht bei einem Konzert unter dem Motto «#wirsindmehr» auf dem Parkplatz vor der Johanniskirche auf der Bühne.
Links oder rechts - Wer ist moralisch in der Mehrheit? / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Ernst lebt als Schriftsteller bei Hamburg. Sein jüngster Roman heißt „Mareks Liste“ (Leda-Verlag). Seine Romane „Im Spiegellabyrinth“ (Hallenberger-Media-Verlag, 2015) und „Dunkle Schatten“ (Pendragon, 2012) kreisen um Antisemitismus. 

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Christoph Ernst

Wer Kriminalromane schreibt, nutzt politische Wirren normalerweise nur als dramaturgischen Subtext. Mitte der zwanziger Jahre schilderte Dashiell Hammett die Lichtverhältnisse in einem Zimmer mal als so düster „wie die Zukunft eines ehrlichen Politikers“. Hammett wusste, sobald Machthaber an höhere Moral appellieren, haben sie keine Lust mehr, sich beim Lügen Mühe zu geben. Für mich hat kluge Politik eine Menge mit Ethik zu tun, aber wenig mit der Art Gesinnungsethik, die Parteifunktionäre, Fernsehmoderatoren und Kolumnisten seit drei Jahren mobilisieren, um Gutgläubigen die Gehirne zu waschen. 

Aus genau diesem Grund gäbe ich auch einen lausigen politischen Journalisten ab. Wenn ich mich hier trotzdem damit beschäftige, so nur, weil die Realität den Rahmen meiner dystopischen Phantasie zu sprengen beginnt. Mein Humor geht aus. Seit der Nicht-Schließung der Grenzen im Herbst 2015 findet eine beispiellose kulturelle Transformation statt, gekoppelt an eine ähnlich monströse mediale Anstrengung diese klein zu reden. 

Medien versagen als Korrektiv

Journalisten, deren Aufgabe es wäre über die Folgen politischer Entscheidungen zu berichten, helfen den Machthabern, sie zu verschleiern. Eine Zensur findet nicht statt. Doch wer offen kritisiert, fliegt aus dem Diskurs. Viele Zuwanderer sind eben keine Kriegsflüchtlinge, wie die Medien dem Publikum einzureden versuchen, sondern Menschen, die auf ein besseres Leben bei Sozialleistungen ohne Gegenleistung hoffen. Die Regierung schleust sie durch ein völlig überfordertes Asylsystem, obwohl klar ist, dass sich nur ein Bruchteil der Ankommenden für Asyl qualifiziert und maximal ein Drittel von ihnen Anrecht auf subsidiären Schutz genießt. 

Diese Migrationsbewegung verändert das Land grundlegend. Neben Alltagsbelastungen und Kosten produziert sie massive soziale und kulturelle Verwerfungen.Trotz der steigenden Zahl einheimischer Opfer beharrt die Koalition auf einem vermeintlich übergeordneten, im Parlament nie ausgehandelten humanitären Imperativ. Wer den in Zweifel zieht, dem unterstellt sie Fremdenfeindlichkeit und verzerrte Wahrnehmung. Eigentlich wäre das die Stunde der freien Presse. Doch die Presse bleibt stumm. Vielleicht schämt sie sich für ihre euphorischen Artikel von vorgestern. Oder sie klammert sich nach wie vor daran. Jedenfalls versagt sie als Korrektiv. 

Auf den ersten Blick vernünftig

Ende August, 2018: Bei einem Stadtfest wird ein Deutscher erstochen, zwei weitere Männer wurden verletzt. Die Polizei führt zwei mutmaßliche Täter dem Haftrichter vor: einen Syrer und einen Iraker. Motive und Tathergang liegen im Dunkeln. Die SPD-Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, die Chemnitz zur Kulturhauptstadt machen möchte, bricht die Feier erst ab, als sich am Sonntag immer mehr Bürger spontan zu Protesten versammeln. Einige der Demonstranten skandieren rechtsradikale Parolen, beleidigen Polizisten und pöbeln ausländisch aussehende Menschen an. Tags darauf sagt Ludwig, sie sei „entsetzt“, dass „ein Gewaltdelikt zum Anlass genommen“ werde, „um sich an die Regeln des Rechtsstaat nicht mehr zu halten, sondern Selbstjustiz zu versuchen.“

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärt etwas kohärenter: „Was wir wissen, ist, dass in Chemnitz in der Nacht Samstag auf Sonntag ein Mensch getötet worden ist. Und das ist schrecklich. Und das wird von der Polizei mit allem Einsatz aufgeklärt werden, damit der oder die Tatverdächtigen der Justiz zugeführt werden kann. So und nicht anders geht man in einem Rechtsstaat mit Straftaten um. Was gestern in Chemnitz stellenweise zu sehen war und was ja auch in Videos festgehalten wurde, das hat in unserem Rechtsstaat keinen Platz. Also, es ist wichtig für die Bundesregierung wie für alle demokratischen Politiker, wie auch, denke ich, für die große Mehrheit der Bevölkerung, klar zu sagen, solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin. Das hat bei uns in unseren Städten keinen Platz, und das kann ich für die Bundesregierung sagen, dass wir das auf das Schärfste verurteilen.“

Beide Statements klingen vernünftig, aber so, als rotteten sich laufend ausländerfeindliche Mobs zusammen. Doch das passiert eher selten. Umgekehrt sind Attacken von „Schutzsuchenden“ auf Deutsche relativ häufig. Keine Woche vor Chemnitz erstach ein 26-jähriger Somalier einen Arzt in dessen Offenburger Praxis. 

Nicht alle Migranten begehen Straftaten

Laut Lagebild des Bundeskriminalamtes zur "Kriminalität im Kontext von Zuwanderung" wurden 2017 rund 40.000 Menschen der Bundesrepublik Opfer von Straftaten durch Asylbewerber, fast sechsmal öfter als umgekehrt, obwohl es deutlich weniger Schutzsuchende als Deutsche gibt. Die Masse der „Geflüchteten“ sind junge Männer. Junge Männer entwickeln generell mehr kriminelle Energie als Kleinkinder oder Greise. Dennoch ist die kriminelle Quote Schutzsuchender signifikant höher als die Vergleichszahl unter Einheimischen, wobei die Masse der Straftaten auf Intensivtäter zurückgeht. 

Kriminelles Verhalten wird durch soziale, individuelle und äußere Faktoren befördert. Dass Kriegserfahrungen, fehlende soziale Kontrolle und Fremdheit Hemmschwellen eher senken, liegt auf der Hand. Gesellt sich dazu ein Justizsystem, das potenziellen Delinquenten lächerlich milde erscheint, erstaunt eigentlich eher, wie viele sich trotzdem an die Regeln halten. Der Kreis derer, die laufend Straftaten begehen, ist relativ klein. Diese Menschen sind der Polizei in der Regel längst bekannt, bevor sie ernsthaften Schaden anrichten. Es wäre für die Behörden leicht sie zu isolieren. Das hätte erzieherische Effekte. Es stärkte das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Die Summe der Straftaten sänke signifikant, was wiederum dem verheerenden Eindruck entgegenwirkte, Asylbewerber seien krimineller als Einheimische und könnten sich „alles herausnehmen“.

Denn natürlich neigt die Bevölkerung dazu, sämtliche Fremden für die Angriffe einiger weniger verantwortlich zu machen. Im Zweifelsfall auch all jene, die bloß wie frisch Zugewanderte aussehen. Durch sein Nicht-Handeln stiftet der Staat Ressentiments gegen „Ausländer“ im Allgemeinen. Exzessive Nachsicht befördert weder Gesetzestreue noch Akzeptanz. Die statistisch belegten 110 Straftaten pro Tag sprechen sich herum, reisen durch soziale Netzwerke und werden aufgeblasen. Sie vermitteln das Gefühl, Polizei und Justiz hätten die Sache nicht mehr im Griff. Der Staat genießt ein Gewaltmonopol, weil er den Bürgern im Gegenzug Integrität und Unversehrtheit garantiert. Versagt er ihnen diesen Schutz, untergräbt er seine Legitimität und lädt zu Selbstjustiz ein.

Zerfall staatlicher Autorität

Ignorieren die Machthabenden den Leidensdruck der Bürger, erzeugen sie nur mehr „Druck im Kessel“. Das beschwört eine Situation herauf, in der eine von Haus aus eher gutartige Bevölkerung „Geflüchtete“ generell als Bedrohung sieht. Am Ende richtet sich ihre Wut gegen alle Fremden.

Die Chemnitzer, die spontan auf die Straße gegangen sind und die erbarmungslose Feierlaune ihrer sozialdemokratischen Bürgermeisterin haben platzen lassen, fühlten sich hilflos. Zu dieser Hilflosigkeit verdammten sie selbstgefällige Politiker, denen nichts Besseres einfiel, als sie sofort unter Generalverdacht zu stellen. Statt ihr eigenes Versagen zu begreifen, einzugestehen, zu handeln und gegenzusteuern. 

Angela Merkel nimmt den rapiden Zerfall staatlicher Autorität in Kauf. Solange es ihre Macht festigt, bemüht sie lieber braune Buhmänner. Die halten die Öffentlichkeit auf Trab und lenken vom Eigentlichen ab. So kann sie jederzeit das Symptom zur Ursache erklären. Schon ist in Talkshows von den „Anständigen“ die Rede, die sich nicht mit den Oppositionellen gemein machen dürften. 

Brot und Spiele

In Chemnitz gab es derweil ein Gratis-Konzert mit diversen Punk-Bands und 65.000 Zuschauern, zu dem der Bundespräsident persönlich einlud. Die Veranstaltung trug das Motto #wirsindmehr. Unter anderen trat dort der Rapper Maxim von der Gruppe K.I.Z. auf, der der ehemaligen Nachrichtensprecherin Eva Herman in einem Songtext androhte, es ihr „von hinten wie ein Staffelläufer“ zu „geben“ und sie „grün und blau zu ficken“.

Abgesehen davon erinnerte das Konzert ans „Festival des politischen Liedes“: Brot und Spiele, die den schönen Schein einer bunten Welt suggerieren, hinter deren Fassaden längst das Grauen tobt. Letztlich bediente der Spaß wieder nur die moralische Masturbationsgier all derer, die sich gern per Mausklick auf die Seite der vermeintlich Guten schlagen. Die Lyrik des Rappers Maxim ist genauso menschenfreundlich wie das Gekreische von Nazis. Doch #wirsindmehr genießt die Unterstützung des Bundespräsidenten, der theoretisch Präsident aller Bürger ist.

Das Gefühl, zur moralischen Mehrheit zu gehören, mag erhebend sein. Doch es ist Heuchelei. Sicher, Oppositionelle werden bei uns nicht eingesperrt. Aber man darf sie öffentlich als „Nazischweine“ diffamieren, ihnen androhen, sie grün und blau zu ficken. Mit einer reflektierten „Zivilgesellschaft“, politischer Kultur und Respekt vor der Maxime Rosa Luxemburgs, nach der Freiheit immer die Freiheit Andersdenkender ist, hat das alles jedoch nichts mehr zu tun.

Joachim Wittenbecher | Fr, 7. September 2018 - 16:24

…....zum Thema "Staatsversagen" und speziell "Chemnitz". Herrn Ernst ist zu danken, da er abseits der wutschäumenden Klischees argumentiert. Man kann sich mit der Grundausrichtung des Kommentars identifizieren, weil Herr Ernst Fragen stellt, die sich viele Menschen stellen, soweit sie ihren gesunden Menschenverstand noch nicht unter Quarantäne gestellt haben, so z.B. warum die Presse nicht ihre Korrektivfunktion gegenüber einer ignoranten Regierungspolitik wahr nimmt? Was sagt die Presse auf solche Vorwürfe, die seit längerer Zeit erhoben werden? Nichts - und macht weiter, stur ihren gewohnten Gang. Vielleicht liegt die Antwort darin, dass es traditionelle Journalisten immer weniger gibt, dafür aber überlastete Sachbearbeiter in Redaktionsbüros einer Hand voll medialer Großkonzerne. Von Untergebenen darf man kein eigenständiges Handeln mehr erwarten. Ist es das?

Reinhold Schramm | Fr, 7. September 2018 - 16:41

Musikalische Vergnügungen sind kein Antifaschismus! Beispielhaft sind auch heute noch die historischen antifaschistischen Kämpfer von vor Kriegsende 1945. Aber bitte, nichts gegen Musik, das gehört auch zum menschenwürdigen Leben! Aber mit demokratischen Kampf hat das doch kaum bzw. wenig zu tun. Also, schön auf dem Boden bleiben!

kostete kein Geld und viele kamen auch von ausserhalb, hatten mit Chemnitz nichts am Hut sondern wollten feiern. Inzwischen hat man der Jugend scheinbar jeden Anstand oder moralische Bedenken abgewöhnt, die Verblödung hat sich durchgesetzt, anders kann man das nicht bewerten, wenn gerade mal 150 m vom blunengeschmückten Tatort die Sau heraus gelassen wird, während immer noch zwei Menschen schwer verletzt durch diese Tat, in Krankenhaus liegen. Bin Chemnitzerin und obwohl doch Alter ruhig machen soll, brodelt in mir ein Vulkan, angesichts dieser moralischen Verrohung, gesteuert von diesen Politikversagern!

Karla Vetter | Fr, 7. September 2018 - 18:46

In reply to by Ursula Horvath

und wenn man sich anschaut wer als" moralische Instanzen"dieses Konzert gab ,wird einem übel.Die K.I.T.-Texte wurden oben schon erwähnt,"Feine Sahne Fischfilet" ,vom BP empfohlen ,texten noch schlimmer :"Deutschland verrecke,Deutschland ist Dreck".Noch Fragen ?

Renate Aldag | Fr, 7. September 2018 - 23:36

In reply to by Ursula Horvath

Sehr geehrte Frau Horvath, ich bin - als Hamburgerin und G20-Geschädigte - total mit ihnen und allen Sachsen. Die Regierung und deren Medien haben sich jetzt als gegen die Bevölkerung und Opfer, aber pro kriminelle ausländischen Eindringlinge geoutet und damit haben die fertig! Wir lassen das nicht mit uns machen! Wir stehen auf!

Heike Stürmer | Sa, 8. September 2018 - 13:45

In reply to by Ursula Horvath

brodelt auch in mir. Es ist nicht mehr zum Aushalten. Und ich bin keine Chemnitzerin, sondern komme aus dem Südwesten, kann aber die Stimmung nach dem feigen Mord gut nachvollziehen.

Ich würde ihnen ja gerne recht geben aber die Texte der vorgetragenen musikalischen „Vergnügungen“ hindern mich daran!!!!

Marc Gause | Fr, 7. September 2018 - 16:42

Aber CDU, SPD und Grüne finden die Spaltung der Gesellschaft gut, sie machen ja weiter wie bisher und schrauben ihre Sprache nicht runter sondern setzen immer noch einen drauf.

Die Elite will die Spaltung Deutschlands, die wissen genau was sie tun, sondern müsste man der Elite ja unterstellen, dass sie dumm sei, und dumm ist die Elite nicht. Also wissen die ganz genau was sie tun.

Also wo ist das Problem, die meisten Menschen wählen weiter CDU, SPD nd Grüne, also finden viele Bürger die Spaltung Deutschlands doch auch gut.

Dorothee Sehrt-Irrek | Fr, 7. September 2018 - 17:03

Was für ein schriftstellerisches und denkendes Juwel hat Cicero denn da aufgetan?
Eine Wohltat, den Text zu lesen.
Der Autor "hatte mich" natürlich schon im ersten Absatz einfach mit der Nennung von Dashiell Hammett.
Meine noch größere Bewunderung galt in meiner Jugend Raymond Chandler.
Derzeit geht es auch um Stimmungen in Deutschland und da kann ein Autor, dem das Halbdunkel und das Zwielicht nicht fremd sind, GROßES bewirken, weil er eben nicht ein Politischer ist, sondern zutiefst im Dickicht des Leben verwurzelt, aber in beide Bereiche hineinzuwirken vermag.
Mein Gott, ich hatte auch einmal ein Leben, das ich nicht vergessen sollte.
Meinen Dank dafür an Herrn Ernst.

Christoph Ernst | Sa, 8. September 2018 - 11:33

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

Danke für das Lob. Vielleicht darf ich Ihnen da James M. Cain ans Herz legen: Mildred Pierce, Double Indemnity und The Postman always rings twice. Allesamt sehr hübsch zu lesen. Cain war Vielschreiber und sprachlich nicht so pedantisch wie Chandler, aber diese drei Romane sind großartig. Sozialer Realismus. Reicht locker an Steinbeck heran.

Harald Schmidt | Fr, 7. September 2018 - 17:12

Glückwunsch. Der Artikel ist hervorragend geschrieben und bringt die Situation meiner Meinung nach völlig unaufgeregt auf den Punkt.

Bernhard K. Kopp | Fr, 7. September 2018 - 17:34

Er ist zunächst der Bundespräsident, der von der Bundesversammlung gewählt wurde. Er sollte der Bundespräsident aller Bürger sein, jedenfalls all derer, denen das Verfassungsamt und der Staat nicht gleichgültig sind. Bundespräsident Dr. Frank Walter Steinmeier ist seit kurzem primär der Bundespräsident von 'Feine Sahne Fischfilet', und derartiger 'Künstler', sowie deren Sympathisanten. Es gibt da kein zurück.

Herr Kopp, ich bin ob des Verhaltens von Herrn Steinmeier genauso entsetzt wie Sie. Mit der Empfehlung der Bands hat er auch meiner Meinung nach seine Gesinnung aufgedeckt. Aber das alle Konzertteilnehmer mit der Intention des Konzerts "gegen rechts und Nazis" tatsächlich etwas anfangen konnten, bezweifle ich. Auf dem obigen Foto sind überwiegend sehr junge Menschen zu sehen. Musik war schon immer eine Möglichkeit, sich gegen die "Alten" abzugrenzen. Die wollten einfach nur 'ne "geile Party" mit den derzeitigen Idolen der Musikszene. Und das war dann auch noch kostenfrei. Die wurden durch die Musiker, die Medien und natürlich die Politik für deren Zwecke missbraucht. Masse statt innerer Überzeugung.

Jürgen Keil | Fr, 7. September 2018 - 17:38

Der Text ist sachlich und wohlformuliert, aber es ist nichts wesentlich Neues an diesen Text. Bei Dushan Wegner, Vera Lengsfeld oder Roland Tichy uva. wurden ähnliche Betrachtungen angestellt. Was mich aber sehr freut ist, dass ein weiterer Schriftsteller den Mut hat, ja man braucht Mut dazu, so etwas zu schreiben. Respekt Herr Ernst.

Klaus Funke | Fr, 7. September 2018 - 17:41

Nach diesem Kommentar bin ich mit CICERO wieder ausgesöhnt. Vorher hatten mich Artikel wie der des Werner Sonne u.a. irritiert. Herr Ernst beschreibt die Lage so knallhart wie sie ist. Das tut nicht nur gut, es überdies die Wahrheit, und zwar nicht die gefühlte, sondern die tatsächliche. Wie lange, fragt man sich, wie lange wird der Deckel noch auf dem Topf halten? Ich will nicht spalten, aber entscheidend ist, wie lange die schweigende westdeutscher Mehrheit noch schweigt. Ich denke die Bayernwahl könnte ein Signal werden, endlich aufzuwachen und sich gezielt zu wehren. Natürlich, alles steht und fällt mit der Spitze der Pyramide, mit dem Kanzleramt. Wann wird dort endlich zur Kenntnis genommen, dass die Zeit des Aussitzens vorbei ist. Wir alle sind ziemlich geduldig, aber irgendwann ist "Schluss mit lustig!". Wie viele Deutsche müssen noch sterben, wie viele Frauen vergewaltigt werden, wie lange halten es noch die Sozialkassen aus? Die Bundestagswahl ist weit. Wie lange noch?

Karsten Paulsen | Sa, 8. September 2018 - 08:34

In reply to by Klaus Funke

Sehr geehrter Herr Funke,
Cicero lässt jeweils mehrere Standpunkte zu und setzt sich somit von der derzeitigen Berichterstattung ab. Ich finde das gut.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 8. September 2018 - 10:27

In reply to by Klaus Funke

erfolgreichen großen Koalition sehen.
Ich unterschätze jedoch nicht die gewaltige? innere Absetzbewegung von Merkel weg innerhalb der CDU/CSU.
Die AfD ist m.E. beredtes Beispiel hierfür.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob man Umfragen trauen kann, die im Osten die AfD schon vor der CDU sehen. Verstehen kann ich es, aber die AfD Wähler sollten nicht zuviel erwarten. Die Wahl der AfD ist genau dies, ihre Wahl und nicht etwa der Sturz der Kanzlerin.
Solange die CDU/CSU manövrieren kann, wird Merkel es ihr abverlangen.
Zuwenig sieht man m.E. die Bedeutung von Präsenz im Bundestag. Das wird, wenn, hoffentlich der Weg der AfD sein, parlamentarische Überzeugungs-Arbeit.
Ein Wort zum politischen Alltag des Wählers.
Dem stehen einige Möglichkeiten offen.
Den eingeschworenen CDU-Wählern ist kaum zu helfen. Da hilft nur überwintern.
Für andere bleibt die Möglichkeit, die FDP oder die AfD zu wählen. Medienbashing kennen wir jetzt Alle.
Die Stärke der CSU hat große Auswirkungen auf die CDU

Johannes Renz | Sa, 8. September 2018 - 14:37

In reply to by Klaus Funke

Das ist ja gerade das Gute am Cicero, dass er wirklich noch sehr unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen lässt!

Frank Grundmann | Sa, 8. September 2018 - 18:21

In reply to by Klaus Funke

A.M. ist ein Produkt ohne politische Inhaltsstoffe. Gegen den Schaden, den ihre Kakistokratie Deutschland angerichtet hat, wird die Hinterlassenschaft des Dritten Reichs einst wie ein Gabentisch aussehen. Die Durchhaltesequenzen mit den markanten Parolen wie "wir schaffen das" erinnern doch allzu sehr an die üble einstige Propaganda vom "Endsieg". Warum also ist man verwundert, wenn uns dieser Duktus ankotzt?
Alternativen? Keine!
Die SPD?
Sie ist der sterbende Stern, ein "Weißer Zwerg" ohne Strahlkraft und politische Bedeutung. Was von ihm bleiben wird ist der üble Gestank der Agenda 2010.
Die Grünen?
Fehlanzeige! Die B90/Grünen sind eher eine Sekte als eine politische Partei. Wer je Kontakt zu dieser Gruppe hatte, weiß wovon hier die Rede ist. Viele junge Menschen haben dennoch begonnen, diesen Musikanten mit der Flöte hinterher zu laufen.
Die FDP?
Sie besteht gefühlt nur aus Lindner und Kubicki. One-Man-Show mit Handpuppe.

Meine Pronose: Das wird noch lange so weitergehen!

Udo Maier | Fr, 7. September 2018 - 17:57

Volle Zustimmung. Das ist ausgewogener Journalismus! Eine einzige Wohltat.
Da könnten sich die "Lei(d)tmedien" ein Beispiel daran nehmen. Was ist nur mit der Zeit, der Welt und der FAZ in den letzten Jahren geschehen? Den Spiegel nehme ich schon gar nicht mehr in diese Aufzählung mit hinein.

Tomas Poth | Fr, 7. September 2018 - 17:58

und Gewaltfantasien wie von hinten grün und blau ficken, das geht gut zusammen im R2G-Milieu.
Ist das die spätrömische Dekadenz in diesem politischen Lager von der Guido Westerwelle einst sprach?
Wann und wo wird sprachlich zuerst abgerüstet?
Könnte der Bundespräsident nicht mal damit anfangen, einen Schritt zurückzutreten von seiner GroKo die dritte-Einfädelung und sich die Zeit zum nachdenken nehmen bevor er für solch eine Chemnitz-Veranstaltung Werbung betreibt.
Zu mindestens er hätte doch große Vorbilder aus seiner Partei an denen er sich messen und aufrichten könnte. Haben Linke überhaupt ein Vorbild aus ihrer Geschichte? Die Grünen nur den Polizistenprügler Joschka?

war der Gott Vater zumindest hat und fühlt er sich selbst so, das kann man aus seinen Statmans die er ab und an gibt noch immer erahnen. Steinmeier hätte große Vorbilder, aber dazu ist er selber zu klein, um sich mit Brandt oder Schmidt vergleichen zu können. Das trifft nicht nur auf Steinmeier zu sondern auf viele heutige SPDler. Giffrey ist noch irgendwie authentisch aber wer lange in den hohen Kreisen Berlins verkehrt, wird nicht bleiben wie er ist. Das kommt schleichend und meist unbemerkt von den Personen. Leider!

Rosa Luxemburg.
In der SPD gibt es sehr viele.
Darf ich daran erinnern, dass es die Grünen noch nicht lange gibt?
In Bezug auf die CDU/CSU dürften sich hier viele auskennen. Man konnte schlecht daran vorbeischauen. Aber deren Herleitung, Geschichte kenne ich nicht.
Vielleicht kennt man große Liberale zu wenig, überhaupt die Vorgeschichte der Liberalen, ihre verschiedenen Strömungen?
Ich kenne niemanden aus der DDR.

Natürlich haben die Linken Vorbilder: Lenin, Stalin (nun gut, der hat ein bisschen übertrieben), Pot Pot (der auch, aber gute Ansätze), Mao tse-Tung, Fidel Castro, Varoufakis (ganz großer Denker), Mitterand (die große Hoffnung), Honecker (der Eisenschädel), Hugo Chávez (mal hier gucken https://www.tagesspiegel.de/politik/die-linke-und-venezuela-ein-herz-fu…), Rosa Luxemburg....kann fortgesetzt werden

gab es heute morgen einen Kommentar, in dem es hieß dass wir Hamburger stolz daruf sein können, dass tausende von guten Menschen durch Pfiffe und anderem Lärm andere mündige Bürger daran gehindert haben ihr verbrieftes Grundrecht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung durchzusetzen.
Wenn in Chemnitz der Mob Pogrome durchführte, dann herrscht in Schweden Bürgerkrieg.....Es gibt politische Kräfte in diesem Land die ihre Mediale Macht ( berichten / nicht berichten / aufwiegeln / abwiegeln.)bedenkenlos ausnutzen um ihre Ziele zu erreichen. Wer gewinnt ist wohl noch offen.

Günter Johannsen | Fr, 7. September 2018 - 18:05

überaus offen, ehrlich und qualifiziert - die relevanten Fakten auf den Punkt gebracht. Der zentrale Hauptsatz:
"Journalisten, deren Aufgabe es wäre über die Folgen politischer Entscheidungen zu berichten, helfen den Machthabern, sie zu verschleiern."

Jürgen Waldmann | Fr, 7. September 2018 - 18:06

Damals hat das beim Spiegel Rudolf Augstein seinen Journalisten und Redakteuren eingetrichtert , das ist heute lange her im Spiegel , abgestraft wird das Blatt dafür und immer seltener gelesen ! Die Auflage halbiert ! Den Spiegel lese ich schon lange nicht mehr und vermisse ihn nicht , denn im Kiosk gibt es ja den Cicero !
Danke für die Richtigstellung des Sachverhaltes in Chemnitz , dazu gehört heute schon Mut und Redlichkeit , dafür braucht man saubere Medienarbeit !

Veit Jakof | Fr, 7. September 2018 - 18:10

Diesem Kommentar ist kaum etwas hinzuzufügen, ich stimme dem Inhalt 100%tig zu.
Es gibt in Deutschland keine wirkliche Meinungsfreiheit und Demokratie mehr. Die Bevölkerungsmehrheit merkt es wohl nicht einmal, sonst sind mir die Wahlergebnisse, wie wir sie immer noch haben, gar nicht erklärlich!
Die Gründe hierfür sind vielfältig und in Kürze nicht aufzuschreiben.
Aber ganz sicher das i-Tüpfelchen darauf ist Frau Merkel. Ihr Machtwille und ihr Geschick darin, diese Macht zu erhalten! Dabei nimmt sie Kollateralschäden billigend in Kauf, Kosten völlig egal. Das beginnt bei finanziellen Kosten, führt über fehlende Pluralität (Linksschwenk der CDU) zur Aushebelung von Gesetzen (Maastrich, Dublin, Asyl) schließlich zur Einschränkung der Meinungsfreiheit und Demokratie. Letzlich zur Spaltung der Bevölkerung und der EU.
Extreme Mitschuld tragen die (Leit-) Medien (insbesondere ÖR!), denn die Bilanz der Merkel-Jahre ist zutiefst negativ.

Willi Mathes | Fr, 7. September 2018 - 18:36

Hervorragend und treffend kommentiert !

Punktlandung Herr Ernst und herzlichen Dank !

Heidemarie Heim | Fr, 7. September 2018 - 18:38

Denn scheinbar weiß Cicero was er tut wenn er Autoren wie Ch. Ernst engagiert. Zwei Bombenartikel zu Brennpunktthemen wie aus der Pistole geschossen. In gewohnt schnörkelloser Sprache und erfrischend direkt wie man es auch von den anderen Cicero-Autoren schon kennt.
Bitte mehr davon!!! MfG

Jörg Meyer | Fr, 7. September 2018 - 18:47

Man kann daher nicht sicher sein, dass etwas Vergleichbares in zwei Jahren noch erlaubt sein wird. Inzwischen genügt schon die Denunziation des linken Blocks, Kritiker zu exkommunizieren, mit freundlicher Hilfe der Volkserziehungsmedien. Schade um den Cicero.

Sonja Noack | Fr, 7. September 2018 - 19:11

Danke! Ich habe heute an unseren B-präsidenten zu diesem ominösen Konzert einen Brief geschrieben. Der Text von Ein Affe und Ein Pferd ist insgesamt noch viel böser und erschreckend war, die Masse kannte diesen Text und schrie ihn mit.

Günter Johannsen | Fr, 7. September 2018 - 19:24

sind Joseph Stalin, Walter Ulbricht, Erich Mielke, Erich Honecker und Gregor Gysi ... oder hab ich da noch eine/n vergessen?
Meine Meinung: Wenn ein Bundespräsident eine linksfaschistische Band, die sogar vom Verfassungsschutz beobachtet wird, mit einem Aufruf unterstützt, dann hat er seinem Amt keine Ehre gemacht und sollte ehrlicherweise zurücktreten. Er ist nicht mehr der Präsident aller Deutschen!

Dimitri Gales | Fr, 7. September 2018 - 19:39

Das ist ein grosses Problem bezüglich der deutschen Presselandschaft. Vielleicht sollte man mal näher untersuchen, woran das liegt. An der ideologischen/weltanschaulichen Verbohrtheit von Journalisten, an der symbiotischen Beziehung zwischen Presse und Politik.......?

Andreas R. Klenke | Fr, 7. September 2018 - 20:13

Es ist wahrhaft einzigartig, dass in einem solchen Artikel auch die Verantwortung bei den Journalisten angesiedelt wird. Dieses wäre bei den ach so unfehlbaren Damen und Herren von ARD und ZDF unvorstellbar.

Christoph Kuhlmann | Fr, 7. September 2018 - 20:38

Es gibt halt Journalisten, die ihre Aufgabe eher in der Meinungsmache sehen, die vor der Diffamierung ganzer Regionen oder Ethnien nicht zurückschrecken und es bei der Recherche mit der Auswahl der Quellen nicht so genau nehmen. Erschütternd ist nur, dass es sich dabei oft um die Flaggschiffe der deutschen Presse- und Rundfunklandschaft handelt.

Heinrich Jäger | Fr, 7. September 2018 - 20:44

einfach den Istzustand beschreiben und fertig.Mehr verlange ich nicht ,seine Meinung kann sich jeder selbst bilden.Bravo mehr davon!!

Beat Leutwyler | Fr, 7. September 2018 - 20:45

Auch wenn es vermutlich niemand bemerkt hat, aber im ganzen Artikel ist nicht ein einziges Mal der Name einer Partei oder deren Farbe genannt worden.

Etwas das es in Deutschland praktisch nie gibt.

Der Artikel ist schlicht genial. Ich würde es als mediales Pendant zur Direkten Demokratie bezeichnen.

Dort spielt es nämlich auch keine Rolle, wer etwas sagt, sondern dass man es offen sagt und danach gemeinsam die beste Lösung gesucht wird, bleibt wichtig.

Dass man in Deutschland ein parteiisches System will, obwohl 95% aller Deutschen gar nicht in einer Partei sind und sich auch nicht einer verpflichtet fühlen, ist zumindest für mich schlicht nicht erklärbar.

Dr. Rainer Berger | Fr, 7. September 2018 - 21:16

allerdings unterstellt Herr Ernst "Versagen", also Handlungsergebnisse, die unbeabsichtigt sind. Und genau hier möchte ich ihm widersprechen. Chemnitz ist nur die Oberfläche, viel bedeutsamer ist Davos. Es geht darum den Staat als den politischen Raum, in dem die Bürger sich entfalten und entscheiden ohne Änderung der Verfassung ad absurdum zu führen. Volker Kauder nannte das Kunstwerk "Der Bevölkerung" - das den Begriff "Volk" am Reichstag ersetzen sollte - verfassungsfeindlich. Wer heute noch den Terminus der Präambel und des Artikel 20 benutzt gilt selbstverständlich sofort als Nazi. Wer aber ein Staatsvolk negiert, der negiert den Staat und seine demokratische Verfassung. Und genau das wollen die Jünger von Davos, allen voran Frau Merkel.

Robert Müller | Fr, 7. September 2018 - 21:51

Ich würde noch den internationalen Blick dazu nehmen. Kürzlich lassen wir, dass es in Südamerika Unruhe wegen der vielen "Geflüchteten" aus Venezuela gibt. Und in der Türkei soll die Stimmung wegen den 3 Mio Geflüchteten sehr mies sein und es drohen weitere Menschen aus dem syrischen Idlib fliehen zu müssen und dann wohl vor der türkischen Mauer zu stehen. Eine echte Mauer übrigens.
Diese zwei Beispiele zeigen, dass der große Zuzug von Fremden immer Probleme bereitet und das das nichts mit "Nazi" zu tun hat, höchstens das Nazis diese Probleme instrumentalisieren. Leider hat es sich bei den moralisch überlegenen "Gutbürgern" und der Politik eingebürgert auf Kritik immer mit der Nazikeule zu antworten, auch wenn das gerne verschleiert wird. Oder wie soll ich das verstehen, wenn "Rechtspopulisten" aus dem demokratischen Konsens ausgebürgert werden? Im Internet sagt man dazu, dass man sich Trolle selbst heranzüchtet. Nun, Merkel, ... und die Presse haben sich die AfD herangezüchtet.

Thomas Dorenburg | Fr, 7. September 2018 - 22:31

Zustimmung bis auf den letzten Satz. Dieser konterkariert den gesamten Beitrag.
Rosa Luxemburgs Diktum „ Freiheit ist immer nur die Freiheit des Andersdenkenden“ gilt nur für anders denkende Kommunisten, Sozialisten, nicht aber für anders denkende Liberale, Konservative, Nationale, Klerikale usw. Für diese gilt, so schreibt Rosa Luxemburg an derselben Stelle: „Der Sozialismus … hat … zur Voraussetzung eine Reihe von Gewaltmaßnahmen – gegen Eigentum…Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrümmerten Gliedern am Boden liegen bleiben“. ('Ein gewagtes Spiel', in 'Die Rote Fahne', Nov. 24, 1918 (GW 4, p. 411-414.

Dr. Roland Mock | Fr, 7. September 2018 - 22:54

Ich habe soeben das letzte Cicero- Heft gelesen und war ziemlich enttäuscht. Das übliche Trump- Bashing, Ahnungslosigkeit bei wirtschaftlichen Themen etc. etc. Kurz bevor ich es beiseite legen wollte, kam auf den letzten Seiten ein Artikel von Christoph Ernst über importierten Judenhass. Was für ein wohltuender Unterschied zu den Seiten davor: klare Analyse, kein Wischiwaschi, Vermeidung politisch korrekter Wortwahl. Herr Ernst hat das Heft gerettet. Auch dieser Artikel wieder: Es ist so wohltuend, wenn ein Autor mal nicht relativiert und
„ differenziert“ (was in der journalistischen Praxis meist heißt, keine klaren Ansagen zu machen) sondern in unverfälschter Sprache einfach die Fakten benennt. Danke, Herr Ernst.

torben bergmüller | Fr, 7. September 2018 - 23:49

Tja "durchgezaehlt.org" war wohl nicht vor Ort, trotzdem scheinen Zweifel an den 65.000 wohl angebracht...

Alexander Mazurek | Fr, 7. September 2018 - 23:59

… Moral, was ist das, was soll es sein, worauf gründet sie sich und warum? Fühlen statt denken? Jedem das Seine? #wirsindmehr? Die entgleiste Moderne kennt keine einheitliche Antwort, somit rechtfertigt eine beliebige "Moral" keine ihrer Handlungen - an den Früchten ihrer Taten werdet ihr sie erkennen - damals wie heute und in Ewigkeit, Amen!

Paul J. Meier | Sa, 8. September 2018 - 00:09

An Rosas bekannten Aphorismus denke ich immer, wenn die Linken wie Kipping bei einem Jahrestag einen Kranz niederlegen, nur deren Größe werden diese apodiktischen Kleingeister nicht ansatzweise erreichen. Wie euphemistisch die Taten der Migranten, werden dagegen diametral die Taten der Rechten aufgeblasen. Die K.I.Z. haben sie noch glimpflich davon kommen lassen, "ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse" und das bei einem Messermord, das ist schon entlarvend genug. Man stelle sich die Empörung der Linksgemeinde vor, wenn das von rechter Seite gekommen wäre. Die Verortung der vernünftigen Mitte scheint mir aber das größte Problem, diese kann unmöglich dieser gesellschaftlichen Ambivalenz gegenüber gerecht werden, weil sie wie ein Ping Pong Ball in die jeweils andere Ecke geschmettert wird. Es gibt keinen politischen Ort mehr in diesem Land für Vernunft, Weisheit und sinnvolles Interagieren, selbst in neutraler Gesellschaft spürt man diese latente Disharmonie.

bruno leutze | Sa, 8. September 2018 - 00:50

warum dieser Artikel in Recherche und Standpunkt besser sein soll als alles andere bisher verfasste. Seine "Sprache" ist so flappsig flach wie der Inhalt.
Und so falsch wie bisher alle Kommentare dazu, die dem Staat mit seinem Gewaltmonopol vorwerfen, dieses nicht situativ angepasst angewandt zu haben.
Die staatliche Gewalt, die er sich - der Staat - selbst zuschreibt und nicht das Resultat bürgerliches Zugeständnisses ist, hat doch gehandelt. Nur nicht so wie sich das klein Willi oder Doris vorstellt. Ihm Versagen oder Untätigkeit vorzuwerfen ist deshalb falsch. Sein Handeln motivisch zu beleuchten und zu hinterfragen die logische Konsequenz aus dem, was in Chemnitz lief und läuft. Da ist die Haltung eines Maaßen und Steuber nur der Spiegel staatlicher Wertung, wer für seine Existenz "gefährlich" sein könnte oder ist. Mit Sicherheit nicht die nationalistische Variante AfD, die eigentlich verbrüderungsfähig wäre, gäbe es ihre nationalsozialistischen faschistischen Auswüchse nicht.

Henryke Zimmer | Sa, 8. September 2018 - 01:13

"...weil die Realität den Rahmen meiner dystopischen Phantasie zu sprengen beginnt."

An diesem Punkt bin auch ich angelangt.
Es ist unnötig, zur Begründung für diesen Zustand all die Einzelheiten (nicht nur) der letzten Tage aufzuführen.
Nur soviel:
Kürzlich las ich im Kommentarbereich eines Artikels der WELT sinngemäß, daß die westdeutschen Linken und Grünen sich ein Leben unter linker Herrschaft nicht im mindesten vorstellen können.
DAS macht den Unterschied zum Mitteldeutschen.
"1984" oder DDR2.0 werfen ihre Schatten voraus.

Werner Kirchhoff | Sa, 8. September 2018 - 01:27

Vielen Dank dafür, Herr Ernst. Sie haben in einem relativ kurzen Artikel genau die Knackpunkte genannt, die die Spaltung und irreversible Veränderung unserer Gesellschaft durch eine unkontrollierte Zuwanderung und eine Kumpanei zwischen Politik und Medien, die sich ihrer gesetzten Aufgaben beharrlich verweigern, bewirkt hat. Stattdessen halten sich diese gegenseitig fest wie zwei Einbeinige - wenn einer loslässt fallen beide um. Rechnet man zu den 40.000 direkt Betroffenen ihre Familien, Verwandten und Freunde hinzu, sind einige Hunderttausend im letzten Jahr betroffen gewesen. Und die ignorante Kanzlerin macht es sich einfach. Sie hat die Grenzen für fragwürdige Kulturen und eine dominante Religion geöffnet und nun, da es aus dem Ruder läuft - wir haben 690.000 abgelehnte Asylbewerber im Land, können sie aber nicht abschieben - wird der Bürger als der Schuldige ausgemacht, weil sein Frust sich aufgrund der Untätigkeit der Politik steigert und er seinen Unmut immer deutlicher kundtut.

Piotr Mordel | Sa, 8. September 2018 - 03:02

Niemand in Chemnitz aber auch sonstwo (ausser vielleicht einigen wenigen geistig Verwirrten) behauptet, dass alle Ausländer kriminell sind, dagegen selbs Kanzlerin geschweige von Linken, Grünen und den meisten Journalisten behaupten, dass die Rechten Nazis sind oder zumindest schlechte Menschen. Der Autor durch die Gleichstellung versucht wieder eine bestimmte Gruppe zu diffamieren. Im Grunde, für mich, ist seine Aussage klar: Recht ist immer Schlecht, die Guten manchmal, aber ganz selten, übertreiben ein wenig irgendwie doch. Schade, dass selbst im Cicero diese Asymmetrie so oft vorkommt.

Norbert Heyer | Sa, 8. September 2018 - 09:01

Eine Analyse, die zutreffender nicht sein kann. Die deutsche Politik befindet sich auf dem Irrweg, aber man ist ja alternativlos. Wenn das Wahrnehmungsvermögen der Menschen von Politikern derartig entstellt kommentiert und kritisiert wird, der Bundespräsident zu Konzerten einlädt, die Hass und Schmutz verbreiten, solange wird die Spaltung der Nation (bewusst?) in Kauf genommen und weiter vorangetrieben. Wir reden von Rechtsradikalen, nennen die anderen Radikalen aber Linksaktivisten, im Grunde sind beide Seiten nur radikal und damit abzulehnen. Sie vertreten auch beide nur eine Minderheit unserer Gesellschaft, aber trotzdem darf ihre zerstörerische Langzeitwirkung nicht ignoriert werden. Nur eine Kehrtwende dieser unverantwortlichen Politik könnte dieses Volk wieder befrieden - leider scheint eher das Gegenteil geplant zu sein.

Armin Hiltl | Sa, 8. September 2018 - 09:28

Man kann froh sein, dass es mit Cicero noch einen Platz fuer nuecherne Analysten gibt. Fuer den politischen Alltag sehe ich aehnlich schwarz wie der Autor: Die fuehrenden Koepfe unseres Landes gefallen sich darin, das "Grauen" anzuheizen. Bleibt bloss noch die "Staatentheorie" eines Herrn Plato zu erwaehnen. Dieser Herr wusste schon vor ueber 2000 Jahren, dass ein Staat dann am Ende ist, wenn politischer Narzismus die Sachabwaegung ersetzt...

Dieter Petermann | Sa, 8. September 2018 - 09:30

Dieser Kommentar beschreibt beschreibt genau, wie auch ich die Entwicklung der Diskussionkultur und damit der Demokratie in Deutschland seit 3 Jahren sehe. In all seiner niederschmetternden Dimension.

Gut, dass es wenigstens ab und zu noch Kommentare wie diesen gibt. Ohne die hätte ich den Glauben an die Demokratie in diesem Land inzwischen vermutlich ganz verloren.

Ich weiß inzwischen tatsächlich was "innere Emigration" ist, ganz praktisch an mir selber. Was alles außer anonymer Kommentare angeht.

Dieter Hegger | Sa, 8. September 2018 - 09:44

Dieser Artikel beruhigt mich - etwas ! Und gibt mir das Gefühl du bist nicht ganz alleine.
Zum Konzert, durften diese Kinder um diese Uhrzeit überhaupt noch ohne Oma + Opa auf der Strasse sein ?

Karin Zeitz | Sa, 8. September 2018 - 10:09

ein Gratiskonzert ist bei Jugendlichen immer willkommen. Die Texte sind der Musik weitestgehend untergeordnet und meistens gar nicht zu verstehen. Wenn allerdings der Bundespräsident zu einer Band Stellung nehmen will sollte er sich die Texte vorher vorlegen lassen und auf ihren humanitären Gehalt prüfen.

Dieter Zorn | Sa, 8. September 2018 - 10:12

Medien und Merkel haben sich untrennbar aneinander gekettet und beurteilen jeden Vorfall nur noch nach seinem politischen Nutzen für sich. Kein Wunder, ist Merkel doch die letzte Wahrerin des Status Quo der Mitte einer spätbürgerlichen, sozialdemokratisierten Massengesellschaft und deshalb quasi die alleinige Vorsitzende von CDSPGrüne. Während rings um uns die Welt aus den Fugen gerät, spielt auf der Deutschland-Titanic immer noch die Musik und die Eliten der Mitte wollen, dass das Stück nie endet. Nur so ist ihr Hass auf die politischen Ränder zu erklären, den sie gekonnt in Machtdemonstrationen gegen den Gegenhass umfunktionieren. Getreue Helfer sind wieder einmal die Journalisten der Konzernmedien, die schreiben was sie immer schreiben, nämlich das was ihren Verlegern nützt. Die Journaille wird mit Merkel untergehen, weil sie ihre Verkettung nicht mehr lösen kann. Warum das alles? Weil der Wohlfahrtsstaat am Ende ist, aber immer noch seine Feste mit dem Geld anderer Leute feiert.

Volkmar du Puits | Sa, 8. September 2018 - 10:56

...die Machtergreifung der Nazis zu verhindern, wäre, Merkel, Nahles & Co. von der Macht zu trennen. Nur die brauchen die Nazis zur Rechtfertigung.

Nur Hamanda | Sa, 8. September 2018 - 11:52

Würde dieser journalistisch herausragender Beitrag in der SZ stehen oder in der Zeit, man würde es nicht glauben, und die Chefredakteuere dieser Medien müßten sich davon distanzieren. Oder besser schämen!!!

Thorsten Rosché | Sa, 8. September 2018 - 12:36

Auch irgendwie neu in der deutschen Politik ! Scheint so als wäre jetzt das Internet kein Neuland mehr für Merkel. Da hätte ich noch einen Tipp für Merkel und Seibert. Einfach mal auf you tube nach Putin googlen : Putin reitet auf dem Weißen Hai, fliegt mit Wildgänsen um die Wette, besiegt Godzilla nur mit einem Küchenmesser aus Solinger Stahl bewaffnet. Stoff für die nächste Pressekonferenz.

Hans Herzberger | Sa, 8. September 2018 - 13:00

Ihre Analyse Herr Ernst ist bemerkenswert ! Man kann sagen, dass es unter den schreibenden Menschen doch noch Leute mit Durchblick und Verstand gibt ! Leider äußern sich diese viel zu wenig und überlassen Möchtegern- und Gefälligskeitsjournalisten zu viel Wort und Schrift ! Der Anbieterungsjournalismus hat in Deutschland nicht nur Fuß gefasst, er ist auch insgesamt medial auf dem Vormarsch ( bei ARD, ZDF und der Ableger).

Jürgen Lehmann | Sa, 8. September 2018 - 13:44

Endlich einmal wieder ein Beitrag von einem Autor, der erst zum zweiten mal im CICERO aufgetreten ist.

Der Artikel ist plausibel geschrieben und muss nicht ausdiskutiert werden. Besten Dank Herr Ernst.

Klaus Dittrich | Sa, 8. September 2018 - 13:45

Volle Zustimmung!
„Journalisten, deren Aufgabe es wäre über die Folgen politischer Entscheidungen zu berichten, helfen den Machthabern, sie zu verschleiern. Eine Zensur findet nicht statt. Doch wer offen kritisiert, fliegt aus dem Diskurs.“
Beim letzten Bertelsmann-Sommerfest in Berlin haben sich doch Politiker und ihre Herolde um den Einlass gedrängelt.
„ . . . sie öffentlich als „Nazischweine“ diffamieren, ihnen androhen, sie grün und blau zu ficken. Mit einer reflektierten „Zivilgesellschaft“, politischer Kultur und Respekt vor der Maxime Rosa Luxemburgs, nach der Freiheit immer die Freiheit Andersdenkender ist, hat das alles jedoch nichts mehr zu tun.“
Tja, wenn Alice Weidel im Öffentlich-Rechtlichen als „Nazischlampe“ diffamiert wird, ist dies natürlich keine Volksverhetzung – kommt ja von einem moralischen „Saubermann“.

Hans-Hasso Stamer | Sa, 8. September 2018 - 13:51

Nach diesen Kommentar muss man nichts mehr schreiben zu Chemnitz. Danke für so viel Klarsicht.

Angelika Krüger | Sa, 8. September 2018 - 13:58

Danke für diesen so wahrhaftigen journalistischen Kommentar. Nach den tagtäglichen medialen Berichten zur "Lage der Nation aus Chemnitz" ist es beruhigend zu wissen, dass es noch - wenn auch wenige - Journalisten/Schriftsteller mit klarem Verstand und Urteilsvermögen gibt.

Juliana Keppelen | Sa, 8. September 2018 - 16:20

habe gerade den Kommentar von Rène Zeyer vom 05.09.2018 in der BAZ online "Die Welt als Wille und Wahn" gelesen und ich denke dieser Kommentar würde auch ganz gut zu Cicero passen. Ist nur ein Hinweis, weil der Kommentar diese "Pseudo-Aufgeregtheit" der hiesigen Presse und selbsternannten wichtigen Personen ziemlich auf den Punkt bringt.

Walter Meiering | Sa, 8. September 2018 - 16:55

Der Bundespräsident sollte eigentlich der Präsident aller Deutschen sein. Stattdessen vertieft er die mentale Spaltung des Landes, in dem er sich einseitig auf die Seite der vermeintlich 'Guten' schlägt. Mit einer überparteilichen Amtsführung hat das nichts mehr zu tun. Man könnte auch kritisch fragen, ob er mit seinem Handeln nicht seinen Amtseid verletzt.

Thomas Will | Sa, 8. September 2018 - 18:00

Wenn ich mich recht erinnere, so forderte Rosa Luxemburg von der damaligen SPD-Führung nicht die Freiheit der Andersdenkenden, sondern die Freiheit der andersdenkenden Sozialisten. Eine Forderung, die sicherlich sowohl innerhalb der sich als progressiv oder Elite verstehenden Minderheiten an Aktualität nichts eingebüßt hat, aber auch immer noch aktuell mit Blick auf das Verhältnis dieser Minderheiten zu ihrer Umwelt.

Richard Dallwig | Sa, 8. September 2018 - 18:17

Die beste Analyse seit langem.

Rainer Ohmacht | Sa, 8. September 2018 - 18:20

Das istl ein Schriftsteller der das Kind beim Namen nennt und keine Rosarote Brille aufhat. Für diesen wahrheitsgemäßen Artikel kann ich nur den Hut ziehen. Das zu lesen tat mir richtig gut.

Elfie Jung | Sa, 8. September 2018 - 22:45

Sehr geehrter Herr Ernst,
das ist das Beste weas ich zu diesem Thema gelesen
habe!. Danke! Mir scheint ein Teil der Medien (nicht der Cicero) haben sich zu einer Art Schicksalsgemeinschaft an Frau Merkel gekettet. Dieser Teil der
Medien sind auch die Herrschaftsgrundlage von Frau Merkel. Geht sie unter, gehen sie mit. Deshalb
halten sie verzweifelt an ihren irrigen Überzeugungen fest. Aber die Realität hat noch immer jede Ideologie eingeholt. Nochmals 1000 Dank auch an den Cicero, dass er die Veröffentlichung ermöglichte. Ich kaufe ihn jeden
Monat, schon aus Dankbarkeit.