Verfassungsreform in Russland - Putins Stärke resultiert aus der Schwäche des Westens

Russland stellt sich außerhalb des internationalen Rechts. Putins neue Verfassung zementiert nicht nur seine autokratische Herrschaft. Sie ist auch eine Kampfansage an den Westen. Der muss daraus endlich Konsequenzen ziehen.

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Hybride Kriegsführung gegen westliche Demokratien: Wladimir Putin / dpa

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Richard Herzinger arbeitet als Publizist in Berlin. Seine neue Website „hold these truths“ finden Sie hier: https://herzinger.org/

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Lange Zeit hatten sich internationale Experten den Kopf darüber zerbrochen, mittels welcher Schachzüge es Wladimir Putin wohl gelingen könnte, nach Ablauf seiner Amtszeit als russischer Präsident zumindest indirekt die Fäden der Macht in der Hand zu behalten. Die Auflösung des Rätsels erwies sich als ebenso  banal wie monströs: Putin hat sich selbst eine neue Verfassung auf den Leib geschneidert, um seine Herrschaft zu verewigen. Damit dürften die letzten Zweifel daran beseitigt sein, dass wir es in Russland mit einer Autokratie zu tun haben, die zunehmend ohne scheindemokratische Fassade auszukommen glaubt. 

Putin könnte nunmehr bis 2036 Präsident bleiben – und dass er Wege finden wird, seine Regentschaft sogar noch darüber hinaus zu verlängern, ist nicht auszuschließen. Robert Mugabe etwa, der Diktator Zimbabwes, hielt sich bis ins Alter von 93 Jahren am Ruder.

Hybrider Krieg gegen westliche Demokratien 

Mit dem offensichtlich manipulierten Referendum, bei dem nach offiziellen Angaben annähernd 80 Prozent der Bevölkerung der Verfassungsreform zugestimmt haben sollen, hat Putin innerhalb einer Woche die zweite spektakuläre Demonstration seines ungebremsten Herrschaftswillens geliefert. Die trotz anhaltend akuter Covid-19-Gefahr Ende Juni auf dem Roten Platz in Moskau durchgeführte gigantische Militärparade anlässlich des Kriegsendes in Europa vor 75 Jahren sollte seinem Volk vor Augen führen, dass Stolz und Größe Russlands untrennbar mit seiner Führung verbunden seien. Doch Putin sandte damit auch ein massives Signal an den Westen: Russland sei wieder eine Großmacht, an dessen Willen vorbei keine globalen Entscheidungen mehr getroffen werden könnten.

Sein mit wachsender Aggressivität verfolgtes Bestreben, die Geschichte und Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs im Sinne seines neosowjetischen und großrussisch-nationalistischen Narrativs umzuschreiben, ist Bestandteil seiner hybriden Kriegsführung gegen die westlichen liberalen Demokratien und die auf ihren Werten basierende liberale Weltordnung. Um sie zu unterminieren, glorifiziert das Putin-Regime Russland als wahren Retter der Menschheit vor der NS-Barbarei und instrumentalisiert die Erinnerung an den opferreichen Kampf der Völker der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg zur Legitimierung seiner aktuellen neoimperialen Gewaltpolitik. 

Symbiose von Mafia und Geheimdiensten 

Die Erwartungen mancher westlicher Kommentatoren, Putins Regime werde durch sein katastrophales Missmanagement der Corona-Krise sowie durch sinkende Ölpreise auf dem Weltmarkt ins Wanken geraten, haben sich somit einstweilen als Wunschdenken erwiesen. Einmal mehr sind diese Beobachter einem im Westen weit verbreiteten Denkfehler aufgesessen: dass ökonomischer und gesellschaftlicher Niedergang eine Diktatur zwangsläufig schwächen müssten. In Wahrheit scheren sich Autokratien nicht um das Wohlergehen ihrer Bevölkerung, solange ihr Repressionsapparat intakt ist und sie über die Mittel verfügen, die Machteliten ihres Landes durch materielle und ideologische Korrumpierung bei Laune zu halten.

Wie stabil Putins Herrschaftsmodell, das sich auf die Symbiose von Mafia und Geheimdiensten stützt, auf lange Sicht tatsächlich ist, kann indes niemand mit Sicherheit sagen. Es wäre jedoch fahrlässig, nicht davon auszugehen, dass den westlichen Demokratien in Putins Russland ein dauerhafter, zu allem entschlossener Gegner erwachsen ist, den man nicht durch „Dialog“ und gutes Zureden im Zaum halten kann, sondern nur mittels konsequenter politischer und militärischer Abschreckung. 

Europarat hat vor Russland kapituliert 

Putins neue Verfassung, durch die er nunmehr unverhüllt auf die Justiz durchgreifen kann, und in der unter anderem die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare zementiert wird, zerstört nicht nur die letzten Hoffnungen auf eine innere Demokratisierung des Landes. Sie manifestiert auch die Entschlossenheit des Putin-Regimes, sich definitiv vom europäischen Rechtverständnis abzukoppeln. Durch die Verankerung der Priorität nationalen Rechts vor der Autorität internationaler Gerichtsbarkeit in Russlands Verfassung hat es die EU jetzt nicht mehr nur mit einem Staat zu tun, dessen Auslegung grundlegender europäischer Rechtsnormen von der europäischer Demokratien gravierend abweicht, sondern mit einer Macht, die die Geltung dieser Normen im Grundsatz negiert.

Eine peinliche Schlappe bedeutet diese Entwicklung nicht zuletzt für die Parlamentarische Versammlung des Europarats, die Russland im vergangenen Jahr das Stimmrecht zurückgab, obwohl sich an den Gründen für dessen Entzug – die Annexion der Krim und Moskaus Aggression in der Ostukraine – nichts geändert hat. Zur Begründung für diese Kapitulation war damals von führenden europäischen Politikern das Argument zu hören, Russland im Europarat zu halten, sichere der russischen Zivilgesellschaft die Möglichkeit, gegen gravierende Menschenrechtsverletzungen die Hilfe der europäischen Justiz in Anspruch zu nehmen. 

Bomben auf zivile Einrichtungen in Syrien 

Dabei hatte Moskau im Umgang mit supranationalen Gerichtsentscheidungen bereits seit geraumer Zeit Willkür walten lassen. So weigerte es sich wiederholt, Entscheidungen des europäischen Menschenrechtsgerichtshofs umzusetzen, und die Anordnung des Internationalen Seegerichtshofs, die bei dem Überfall der russischen Marine auf ukrainische Schiffe in der Straße von Kertsch Ende 2018 festgesetzten Seeleute freizulassen, wurde vom Kreml schlichtweg ignoriert. Nun aber hat Putin seine Untertanen qua Verfassung von der Option abgeschnitten, juristischen Beistand aus Europa einzuholen. Das Einknicken des Europarats hat ihn dazu ermutigt, in der Missachtung europäischer Institutionen noch weiter zu gehen als bisher. 

Unter Putins Führung verstößt Russland seit Jahren aggressiv gegen internationales Recht – in dem Bewusstsein, dafür keine ernsthaften Konsequenzen vonseiten der internationalen Gemeinschaft fürchten zu müssen. So  hält Moskau ohne jedes Anzeichen von Kompromissbereitschaft an der völkerrechtwidrigen Einverleibung der Krim und an der militärischen Besetzung von Teilen der Ostukraine fest. In Syrien bombardiert die russische Luftwaffe ohne Rücksicht auf das humanitäre Völkerrecht systematisch zivile Einrichtungen, und im Libyen-Krieg mischt der Kreml mittels einer Schattenarmee, bestehend aus Söldnern der „Wagner-Gruppe“, aufseiten des abtrünnigen Generals Haftar mit. 

Ergebener Günstling im Weißen Haus 

Zunehmend scheint sich das Putin-Regime auch nicht zu scheuen, Mordanschläge auf dem Territorium westlicher Länder ausführen zu lassen. Nach der Giftattacke im britischen Salisbury 2018 ist die Ermordung eines tschetschenischen Dissidenten im Berliner Tiergarten vergangenen Sommer, die nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft von der russischen Regierung in Auftrag gegeben wurde, ein weiteres Indiz dafür.

Dennoch klammert man sich im Westen mehr denn je an die Vorstellung, Russland könne und müsse als globaler Stabilitäts- und Sicherheitspartner gewonnen werden. Besonders Frankreichs Präsident tut sich gegenwärtig darin hervor, Putin in diesem Sinne zu umgarnen. Und während der US-Senat scharfe Sanktionen gegen Russland verhängt hat, amtiert im Weißen Haus ein ergebener Bewunderer und Günstling des Kreml-Herrschers, der diese Maßnahmen unterläuft. Es bleibt dabei: Putins wachsende Stärke resultiert aus der Schwäche und Desorientierung des Westens – mit fatalen Konsequenzen für die Zukunft der westlichen Demokratien. 

Romuald Veselic | Sa, 4. Juli 2020 - 16:10

der nicht beim Gender/Klimawandel/Weltrettung nach D-Rezepten mitmacht; sich sogar darüber amüsiert. Eine eiskalte russische Brause tut gut, um auszunüchtern, für den Fall, dass jemand denkt, ihm geht schlecht und ungerecht.

dass die Bevölkerung des räumlich ausgedehnten Reiches von Putin et al. aus der - mindestens nach heutigen Massstäben - zaristischen Diktatur mehr oder minder direkt in die sowjetische gerutscht ist und sich auch nach der Implosion der UDSSR nicht aus den Fängen der alten Seilschaften befreien konnte, sondern bis heute ein Untertanendasein fristen muss, seit rund 30 Jahren einfach hinter einer einer pseudo-demokratischen Kulisse, die laufend mehr Risse bekommt? Wenn dem so wäre, wovon ich persönlich nicht ausgehe, dann würde echt interessieren, was daran denn so ungemein attraktiv ist? Weit verbreiteter Wohlstand kann es kaum sein, zuverlässiger Schutz vor kriminellen und/oder behördlichen Übergriffen auch nicht, von individueller Freiheit und illimitierten Entfaltungsmöglichkeiten erst gar nicht gesprochen. Woran also liegt es? Am wohligen Gefühl, ein unbedeutendes kleines Rädchen im einem autoritär gelenkten Staatsgebilde zu sein, in dem eine kleine Minderheit ausnehmend gut lebt?

Danke für diesen Beitrag! Die Defizite, die Deutschland im Cicero-Forum regelmäßig unterstellt werden("gleichgeschaltete" Medien, Benachteiligung der Opposition, Korruption u.v.a.), über die sieht man in Russland, Ungarn und anderswo gerne hinweg.

Aaaaaaaaah, der Myth über der "russischen Seele"! Die Russen sind genauso unterschiedlich wie alle anderen Menschen auf der Welt.
Und was der Beziehungen zwischen Russland und Ukraina betrifft, es war Russland ,das Krim geklaut hat und in Donbass seine "boeviki" geschickt hat...die grüne Menschen ohne insignia( militarische Auszeihnung).

Bernd Muhlack | Sa, 4. Juli 2020 - 16:11

Nun ja, der Autor ist sicherlich kein Putin-Versteher.
Viele seiner Kritikpunkte sind wohl zutreffend, jedoch muss ich dem abschließenden Satz widersprechen.
Zitat:
"Es bleibt dabei: Putins wachsende Stärke resultiert aus der Schwäche und Desorientierung des Westens – mit fatalen Konsequenzen für die Zukunft der westlichen Demokratien."

Fatale Konsequenzen für die westlichen Demokratien beruhen mMn darauf, dass wir zunehmend einen Personenkreis bei uns aufnehmen, dulden, welcher nicht die geringste Kongruenz mit westlichen Werten und Gesellschaftssystemen aufweist.
Ganz im Gegenteil, man macht sich über unseren Staat lustig, ignoriert die Gesetze; Leistungen sind natürlich willkommen.

Eines noch:
Auf der Homepage des Autors ist ein absolut lesenswerter Artikel über Faschismus.
Das sollte Pflichtlektüre für all diese Dumpfbacken sein, welche diesen Begriff inflationär verwenden.
Wahrscheinlich ist der Artikel jedoch für diese Zeitgenossen zu kompliziert, also faschistisch.

Ich muß meinem dunkeldeutschen-Herzen mal Luft machen. Putin ist kein Heiliger! Niemand behauptet das. Und Gefühle und Interessen der Polen und Balten sollten wir immer mit im Blick haben.
Aber:
Eine Frage müssen mir West-Deutsche mal beantworten. In den achtziger Jahren führte die friedliebende Sowjetunion Krieg in Afghanistan. Polen, Ungarn, Tschechien waren besetzte Länder. SS-20 Raketen waren in der DDR stationiert und an der inner-deutschen Grenze wurden Flüchtlinge regelmäßig erschossen.
Im Westen machten alle 'Anständigen' auf 'Entspannung'. Man bekämpfte Reagan, die amerikanischen Raketen. Die Regierung von BK Schmidt stürzte über den 'NATO-Doppelbeschluß', der von der Mehrheit der SPD und pazifierenden Grünen nicht mitgetragen wurde. Für 'den Frieden' mußte und wollte man Opfer bringen. Störende DDR-Dissidenten und 'Kalte Krieger' mußten daran ab und zu erinnert werden!
Heute hetzen uns damalige 'Entspanner' in Konflikte mit Putin.

Ich will die Entspannung der 80'er zurück!

...die SPD,warum wir so handeln,wie wir handeln.Sie hat spätestens seit 2017 das ermöglicht,was sie zurecht beklagen.Über die Obrigkeit HIERZULANDE kein Wort mehr...

Militärpolitisch müssen folgende Fragen gestellt werden:
Entweder ist Putin böse, eine Gefahr und auch ein potentieller Aggressor. Wer das bejaht, müßte dafür eintreten, daß Deutschland rüstet und DEUTLICH mehr Geld in Rüstungs- und Verteidigungsausgaben steckt.
Wer den Rüstungsetat NICHT erhöhen und die Bundeswehr in ihrem beleidenswerten Zustand belassen möchte, sollte sich noch einmal genau fragen, ob Putin wirklich eine so viel grössere Gefahr darstellt als z.B. Herr Breshnew in den 80'igern.
Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die eigene lautstarke und moraltriefende Empörung, besser zu beherrschen und auch mal zurückzuhalten.
Ein Land, das seine eigenen Polzisten und Soldaten wie Dreck behandelt, kann und will nicht verteidigt werden! Präsident Trump hat das erkannt. Der angekündigte Truppenabzug ist deshalb die folgerichtige Konsequenz einer verfehlten deutschen Politik.
Wer das anders haben will, muß bei der DEUTSCHEN Politik beginnen: bei der INNEREN Sicherheit!

Juliana Keppelen | Sa, 4. Juli 2020 - 18:18

nicht zu nahe treten.
Aber dieser Artikel könnte genauso gut auch von einem der 27 000 PR-Strategen des Pentagon geschrieben sein.
Am besten gefällt mir, Zitat "den man nicht mit "Dialog" und gutem Zureden in Zaum halten kann, sondern nur mittels konsequenter politischer und militärischer Abschreckung". Aha sind wir wieder soweit, irgendwie muss ich an die alten Dokus die auf ARTE oder ZDF info gesendet wurden denken da hat ein ehemaliger Propangdaminister fast die gleichen Worte gesprochen. Mir scheint, dass es immer noch Menschen gibt die den Russen Stalingrad einfach nicht verzeihen können und meinen mit unserem "Schirmherr" in Übersee im Rücken es doch noch einmal wissen wollen.

und wenn dann auch noch jeder dieser Strategen eine eigene Strategie ausarbeitet (sonst wäre er ja kein Stratege), können Sie sicher sein, dass nichts weiter als eine große Kakophonie entsteht. Was einem der gesunde Menschenverstand sagen könnte, verliert vor dem Dauerfeuer der Desinformation zunehmend an Bedeutung. Fakten werden als falsch denunziert und Wunschdenken regiert das Bild der Welt. Das ist bei Trump so und bei jenen, die sich zu autoritären Führungspersönlichkeiten hingezogen fühlen nicht anders.
Wenn Sie wissen wollen wie Propaganda in Russland heute funktioniert sollten Sie das Buch von Peter Pomerantsev "Nichts ist wahr und alles ist möglich" lesen. Vorsicht: es könnte Ihr heiles Russlandbild beschädigen.

Niemand glaubt, dass Russland der Hort von Freiheit und Demokratie ist. Aber es liegt an der russischen Bevölkerung zu entscheiden wie sie leben wollen. Auch bestreitet niemand, dass in Russland Propaganda stattfindet das weiss man und man lernt damit umzugehen. Aber zum Thema Propaganda empfehle ich ihnen die Doku "Täuschung - die Methode Reagan" und "CIA von innen" und zu 27 000 PR-empfehle ich den Tagesanzeiger aus der Schweiz. Tatsache ist, dass Russland sich aus ihren "Herrschaftsbereichen" zurück gezogen hat und die Nato immer näher an Russland heran gerückt ist.

Ich stimme Ihrem Kommentar ja zu. Nur welcher Schirmherr. Wenn Sie Trump meinen, so regnet es bei dem nicht. Der hat seinen Schirm inzwischen zusammen geklappt und geht einen eigenen Weg. Wer also in der EU, ohne USA soll da mit Putin ein Scharmüzel beginnen. Wir Deutschen doch nicht. Da fällt mir ein alter DDR-Witz ein:
Wenn die deutsche demokratische Republik glaubt, wir hätten keine Kettenfahrzeuge, da haben sie sich aber getäuscht. Bei uns im Hinterhof stehen genug Fahrräder.
Ich fürchte, unserer BW fehlen inzwischen die Ventile für die Räder und das Personal, um sie zu fahren. Also vor uns braucht niemand Angst haben. Wir haben doch Angela.

Auch Herr Trump ist nur eine Figur auf dem Schachbrett des Militär-Komplex und des Pentagon. Und wie wir jetzt deutlich zu verstehen bekamen hat die Präsenz der US Boys in Deutschland wenig mit der Verteidigung unseres Landes zu tun sondern dient den USA eher als große Stütz- und Ausgangsbasis für ihre militärischen "Abenteuer" im nahen und mittleren Osten. Die paar Soldaten die jetz abgezogen werden sollen sind als Bonbon für Polen gedacht und weniger als Bestrafung für uns, dass Rußland darauf reagiert ist dabei einkalkuliert.

Christa Wallau | Sa, 4. Juli 2020 - 18:47

Beim Lesen dieses Textes, der ein verzerrrtes schwarz-weiß Bild vom guten,"demokratischen" Westen u. einem bösen, "autokratischen" Rußland malt, kann einem bloß übel werden.
Politik ist ein M a c h t - und I n t e r e s s e n s spiel,
und dies nicht nur zwischen Rußland u. Europa, sondern überall auf der Welt. Dies war in der Vergangenheit so, u. wird auch in Zukunft so bleiben.
Die Groß-Mächte, wie z. B. die USA, China und eben jetzt auch wieder Rußland verhalten sich daher ähnlich (chacun à son gout) weder nett noch moralisch, sondern schlicht taktisch u. ihrem eigenen (vermeintlichen) Interesse dienend.
Genau d i e s sollten unsere deutschen Politiker auch tun und sich dabei nicht von Idealisten u.
Moralisten verunsichern lassen.
Man hat Putins Angebot, sich nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in bestehende Strukturen Europas einzugliedern, unter dem Druck der USA hochnäsig abgelehnt, und nun beschwert man sich, wenn dieser Mann auf andere Karten setzt? Das ist lächerlich.

Putin hat NUR einmal beim Besuch von Bill Clinton in Kremlin zu ihm gesagt, die Russische Föderation könnte auch dem NATO beitretten. Clinton hat geantwortet:Why not?!"
Nachdem hat Russland aber NIEMALS einen offizielen Antrag an die NATO oder naderen Westlichen Organisationen gestellt. Was erzählen Sie hier, daß der Westen hochnäsig Putin's Anträge abgelent hat? Russland in in der UNO; in dem SICHERHEITSRAT der UNO; Russland ist in dem Europarat. In 2018 hat Putin NICHT die ROMA Charter ratifiziert, weil er befürchtet hat ICC( International Criminal Court) wird Russische offiziere wegen Donbas&Syrien vor dem Gericht stellen.

Reinhard Oldemeier | Sa, 4. Juli 2020 - 20:23

Dieses erinnert mich doch stark an Opas Spruch die Russe komme.
Herr Herziger versucht etwas zu konstruieren. In einigen Punkten hat er Recht. Das Verhalten der Russischen Regierung trägt nicht unbedingt zur Vertrauensbildung bei. Aber auch das Verhalten Europas und der USA sind nicht gut angekommen. Grundsätzlich ist Russland wirtschaftlich schwach. Sich nur auf Rohstoffabbau zu verlassen bei sinkenden Preisen kann eine Wirtschaft nicht verkraften. Die Landwirtschaft ist nicht effizient, man verlässt auf Importe aus der Türkei. Russland ist an sich auf die Nachbarstaaten angewiesen. Wer jetzt die Tür zuschlägt, hat keine Chance mehr für Geschäfte und politischen Einfluss, zumal Russland ein leichterer Verhandlungspartner sein wird wie China. Nicht Russland ist auf dem Sprung zur Weltmacht sondern China. Denn dieses Land greift wirtschaftlich und politisch nach der Welt nicht nur verdeckt sondern offen, dieses weiss auch Russland.

auch nicht so effizient wie bei uns.
Millionenfach Küken schreddern nur weil sie männlich sind kennen die Russsen nicht oder Schweinemastbetriebe vom unbetäubten kastrieren und "Schwänzchen Amputation" und Gitterboxen also Aufzuchten die nur dank Antibiotika am Laufen gehalten werden können davon sind sie noch ein Stück entfernt das gleiche gilt für Massenstallanlagen zur Geflügelmast, auch die Herodesprämie die bezahlt wird damit frisch geborenen Kälber, wegen des falschen Geschlechts, sofort in der Tierbeseitungsanlage gekarrt werden können. Wahrhaft die Russen könnten viel von unserer Effizienz und durchgetaktete Landwirtschaft lernen.

Romuald Veselic | Sa, 4. Juli 2020 - 21:56

waren Sie früher bei Komintern?
Eins gebe ich zu: Putin ist mir 100-mal lieber, als Erdogan oder beliebiger Ayatollah.

Ich weiß nicht was Komintern ist.
Es geht auch nicht darum wen habe ich oder wir lieber es geht darum, dass jedes Land und ihre Bevölkerung für sich entscheiden muss was es will und wie es leben will. Wenn man aber alt genug ist und diese rührende "Fürsorge" der "Guten Demokraten" sowohl zurückblickend als auch aktuell genauer Betrachtet und Miterlebt hat weiß man, dass es bei dieser "wohlwollenden" Einmischung niemals um die Völker oder Demokratie und Freheit sondern ausschließlich um knallharte Geopoliktik und um Einflußbereiche ging und geht.

Christoph Kuhlmann | So, 5. Juli 2020 - 12:23

Die Krim, ein zerstörtes Industriegebiet und einen affen in Syrien. Dafür hat er die Ukraine weitgehend verloren und dieser amerikanische Präsident mit seinem zweifelhaften Faible für Diktatoren und Autokraten ist wahrscheinlich auch bald passé. Gerade Syrien dürfte Russlands Chancen bei den arabischen Sunniten extrem geschwächt haben und der russischen Schattenarmee in Libyen stehen von der Türkei finanzierte muslimische Fundamentalisten gegenüber, die für ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit berüchtigt sind. Die USA wissen schon warum sie sich aus der Region zurück ziehen. Die Kosten lohnen den Einsatz nicht.

Wie sieht es in Europa aus? Die neuen Mitglieder im Osten rüsten was das Zeug hält, insbesondere Polen möchte mehr Panzer beschaffen als Deutschland und Frankreich zusammen und der böse Herr Trump verlegt amerikanische Truppen nach Osten und verkauft der Ukraine Waffen. Die Geister, die Putin rief, die wird er nie mehr los.

Bernhard Keim | So, 5. Juli 2020 - 12:30

Ausser Bodenschätzen und Weltraumflügen hat das Land wenig zu bieten. Vor zwanzig Jahren rief Putin die Modernisierung der russischen Wirtschaft aus. Passiert ist fast nichts. Die russischen Unternehmen verlieren mehr und mehr an Wettbewerbsfähigkeit. Kein Wunder, werden sie doch nach Strich und Faden geplündert so wie der Rest des Landes. Immer weniger, haben immer mehr, und immer mehr immer weniger. Gut für die, die zu den wenigen gehören. Schlecht für den Rest, das Volk.
Sicherheitspolitisch fällt Russland eigentlich nur dadurch auf, dass es sich jedem noch so üblen Diktator als Heilmittel gegen den Westen andient. Man weiss, dass man zum Westen nicht aufschließen können wird, als verhält man sich wie ein schlechte Fußballmannschaft, die wenigstens den Rasen des überlegenen Gegners kaputtmacht. Konstruktiv kann und will Putin nicht. Destruktiv, das kann er. Das hat er gelernt und davon macht er ausgiebig Gebrauch. Zukunft funktioniert nicht. Also preist er die Vergangenheit.

Klaus Funke | Mo, 6. Juli 2020 - 12:42

Was Sie da daherfaseln, zeugt von absoluter Unkenntnis de russischen Wirtschaft und Infrastruktur. Alles nur wohlfeiles Klischee-beladenes Gequatsche. Den schwarz-weiß Artikelschreiber wird´s freuen. Nur, es stimmt alles nicht. Die EU und Drutschland sind einfach nur nit blinder Dummheit und USA-Hörigkeit geschlagen, wenn sie weiter Russland, als größtes europäisches Land, ausgrenzen. Würden wir Russland in die EU und europäische Strukturen eingliedern, entstünde ein Wirtschaftsblock, dem weder die USA noch China gewachsen wären. Aber behalten lieber unsere Scheuklappen um und stecken den Kopf in den Sand. Die Russland-Politik Deutschlands und der Eu ist absolut unvernünftig und wird Russland und China einander zutreiben. Das Ergebnis wird sein: Europa spielt Kreisklasse, während die USA, China und Russland in die Oberliga aufsteigen bzw. dort bleiben. Aber hier in der EU und in Deutschland gibt es keine Aussicht, dass irgendjemand klug werden wird...