Anschlag in Istanbul - Maximaler Horror

Bei einem Selbstmordanschlag im Touristenviertel von Istanbul sind zwölf Menschen getötet worden, darunter zehn Deutsche. Nun rächt sich, dass die Türkei den „Islamischen Staat“ stillschweigend unterstützt hat

Der mutmaßliche Attentäter ist nach türkischen Angaben ein IS-Kämpfer
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Martin Gehlen ist Journalist und berichtet aus der arabischen Welt.

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Wie kein anderes Monument am Bosporus symbolisiert die Blaue Moschee die stolze und große Geschichte des Osmanischen Reiches. Und ausgerechnet hier reißt ein Attentäter des „Islamischen Staates“ zehn Touristen mit in den Tod. Fast alle waren Besucher aus Deutschland.

Das Attentat will maximalen Horror und Schrecken verbreiten nicht nur in der Türkei, sondern auch in Europa. Denn je stärker der „Islamische Staat“ militärisch auf seinem Territorium in Syrien und Irak unter Druck gerät, desto mehr metastasieren seine Anhänger in die umliegenden Staaten und in die Nationen, die sich an dem Luftkrieg gegen ihn beteiligen.

Türkei als klammheimlicher Sponsor des IS


Die Türkei fungierte lange als Hauptdurchgangsland der Terrormiliz. Seit Ankara auf internationalen Druck stärker gegen die durchreisenden Gotteskrieger vorgeht und seine Grenzen besser kontrolliert, gerät das Land nun selbst in den Fokus der Gewalttäter. Denn ohne die stillschweigende Duldung der türkischen Führung würde der Nachschub an Extremisten, Waffen und Finanzen für das Imperium des Abu Bakr Al-Baghdadi schnell versiegen. Die Türkei ist ein Schlüsselland für die Existenz des „Islamischen Kalifates“.

Daher ist Ankaras neuer Kurs für dessen Zukunft viel bedrohlicher, als alle alliierten Luftschläge zusammen. Kein Wunder, dass sich die Angriffe der Terrorfanatiker jetzt in spektakulärer Weise auch gegen ihren langjährigen, klammheimlichen Sponsor richten. Das Attentat im Oktober auf einer Friedenskundgebung in Ankara, das mehr als hundert Menschen das Leben kostete, war der blutige Auftakt.

Es ist zu befürchten, dass dem Terrorakt neben der Blauen Moschee viele weitere folgen werden.

Update am 13.1. um 13.20 Uhr: Die Zahl der Toten hat sich auf zwölf erhöht. Das wurde ergänzt.

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