Kunstprojekt für Flüchtlinge - Die Suche nach Geborgenheit

Die Berliner Künstlerin Mia Florentine Weiss hat Flüchtlinge entlang der Mittelmeer-Route begleitet. Ab Freitag werden ihre Arbeiten in der Frankfurter Ausstellung „Der Nabel der Welt“ gezeigt

Flüchtlingskinder reiten auf Pegasus
Mia Florentine Weiss

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Scholz, Claudia

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Wie fühlen sich Menschen im Alltag oder in Krisensituationen geborgen? Was ist für sie ein Schutzraum in Lebensgefahr oder in Glücksmomenten?

Seit 1999 hat die Berliner Künstlerin Mia Florentine Weiss Menschen unterschiedlichster Nationen und Altersstufen mit stets der gleichen Frage konfrontiert: „What is your place of protection?“ - „Wo fühlst Du Dich geborgen?“ In den letzten Jahren besuchte sie die indigenen Völker Afrikas genauso wie Obdachlose in Kalifornien, nun begleitete sie im Frühjahr diesen Jahres Flüchtlinge aus dem Nahen Osten auf ihrem Weg übers Mittelmeer.

Flüchtlinge spielen in ihrem Kunstprojekt eine zentrale Rolle. „Diese Menschen sind doppelt schutzlos: da wo sie herkommen, werden sie verfolgt - und dort, wohin sie aufbrechen, sind sie selten gewollt“, sagt Mia Florentine Weiss.

Fast einen Monat reiste die Künstlerin im April und Mai mit der 400 Kilogramm schweren Dermoplastik eines weißen Pferdes entlang der Flüchtlingsroute im Mittelmeer – zu Wasser und zu Land, von der Türkei über die Ägäis nach Griechenland und weiter nach Italien. Die Figur trägt Flügel mit einer Spannweite von fünf Metern und erinnert damit an Pegasus, das geflügelte Pferd in der griechischen Mythologie: ein Symbol für Hoffnung. In die Flügel setzte sie alle Objekte ein, die sie im Laufe der Zeit gefunden, gekauft, getauscht oder von Menschen auf ihren Reisen geschenkt bekam.

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Auf der griechischen Insel Kos schenkte ihr ein iranischer Flüchtlingsjunge seinen letzten Geldschein, damit sie ihn noch in die Flügel des Pegasus einfüge. Auf einmal stand eine Schlange Menschen vor der Figur, erzählt Weiss. Alle hielten irgendetwas in den Händen, einen Stein, einen Ring, Münzen, Socken, Glücksbringer, Dominosteine, Kettchen, Fotografien. „Jeder wollte Pegasus etwas Persönliches von sich mit auf den Weg geben“, erzählt Mia Florentine Weiss.

Durch die aktuelle Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten hat ihre Pegasus-Performance eine neue Aktualität erhalten. „Zum Zeitpunkt der Reise war die Dimension des Flüchtlingsstromes noch nicht absehbar. Heute – nur ein halbes Jahr später – wäre die gleiche Performance nicht mehr möglich“, sagt Weiss.

Die Sonderausstellung „Der Nabel der Welt“ im Frankfurter Senckenberg Museum zeigt Fotografien und Objekte ihrer Performances von 1999 bis 2015. In ihren Installationen und Performances beschäftigt sich die Berliner Künstlerin immer wieder mit den Extremen menschlicher Existenz wie Schönheit, Schmerz, Angst, Hoffnung und Liebe.

Die Ausstellung „Der Nabel der Welt“ im Senckenberg Museum Frankfurt ist ab Freitag, den 13.11., für das Publikum geöffnet und endet am 7. Februar 2016. Die Vernissage ist am Donnerstag, den 12.11.

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