Die Brücke über die Krim am Morgen nach der Attacke / Quelle: soziale Netzwerke

Halbinsel Krim - Angriff auf Putins Brücke

Die Brücke vom russischen Festland auf die Krim wurde in den frühen Morgenstunden bei einem Angriff schwer beschädigt. Es ist ein schwerer Schlag gegen Russland, symbolisch wie praktisch.

Autoreninfo

Moritz Gathmann ist Chefreporter bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

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Um etwa sechs Uhr am Samstagmorgen wurde die Brücke, die die Halbinsel Krim mit dem russischen Festland verbindet, von einer heftigen Explosion erschüttert. Bilder und Videos aus den sozialen Netzwerken zeigen, dass bei der Explosion sowohl eine Fahrbahn komplett eingestürzt ist, als auch einen brennenden, aus mehreren Tankwaggons bestehenden Zug auf dem Eisenbahnteil der Brücke.

Unklar ist bislang, wie es zur Explosion kam: Auf Videos von Überwachungskameras ist zu sehen, wie kurz vor der Explosion LKW und PKW die Brücke passieren. Wahrscheinliche Versionen sind ein Selbstmordanschlag mit einem LKW, eine von der Ukraine abgeschossene Rakete, eine Unterwasserdrohne, oder ein mit Sprengstoff beladenes Boot, das die Brücke getroffen hat. Die offizielle Version der russischen Seite: Eine Autobombe sei auf der Brücke gezündet worden, daraufhin seien sieben Tankwaggons in Brand geraten. Inzwischen sei das Feuer aber gelöscht.

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Martin Falter | Sa., 8. Oktober 2022 - 12:50

wendet sich die Aggression des Angreifers und Schlächters gegen ihn selbst.

Pudding hatte noch im Sommer getönt, daß er mit dem Krieg noch gar nicht richtig angefangen habe, wie recht er doch hatte.... denn jetzt kommt der Krieg zu ihm zurück.

Stefan Elsen | Sa., 8. Oktober 2022 - 13:44

Wer steckt hinter der Zerstörung der Kertsch-Brücke? Aus Sicht des CDU-Sicherheitsexperten Roderich Kiesewetter und der FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann führen die meisten Spuren nach Moskau. Putin wolle Angst verbreiten, Zweifel am Staat säen und die Gesellschaft spalten, so die Vermutung. „Je länger und brutaler der russische Überfall auf die Ukraine andauert, desto größer ist auch die Gefahr, dass es zu solch enthemmten Anschlägen kommt“, sagte Strack-Zimmermann dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Nach dem Eigenbeschuss des AKWs Saporischja und der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines ist dies nun schon der dritte Anschlag auf russische Infrastruktur. Mit dieser Sabotage solle demzufolge das Schreckensszenario eines Angriffs auf kritische Infrastruktur geschaffen und Verunsicherung verbreitet werden!

Verschwörungsfans mutmaßen indes, der ADAC stecke hinter den Anschlägen, da er bereits im Frühjahr 2022 vor 2.000 maroden Brücken in Deutschland warnte.

Armin Latell | Sa., 8. Oktober 2022 - 14:54

Schrauben zudrehen: nach fest kommt ab. Ich bin (nicht) gespannt, wann es so weit ist.

Dr.Andreas Oltmann | Sa., 8. Oktober 2022 - 16:23

Weitere Eskalation in der Ukraine. Untermalt von dem propagantistischen Siegesgeschrei von Podolak. Nach den Anschlägen auffiel Munitionslager vor einigen Wochen dort. Naheliegend, dass ukrainische Saboteure in Aktion waren. Naheliegend auch, dass die USA Unterstützung leisteten. Kurz zuvor die Anschläge auf die Pipelines in der Ostsee, bei deren Aufklärung sich die westlichen Regierung verdächtig still und desinteressiert verhalten. Die Antwort wird leider nicht auf sich warten lassen. Die Chancen auf eine friedliche Lösung schwinden immer weiter.

Kai Hügle | So., 9. Oktober 2022 - 07:47

Antwort auf von Dr.Andreas Oltmann

Falls die Ukraine für den Angriff auf die Brücke verantwortlich sein sollte, so kann man ihr das nicht zum Vorwurf machen. Die Krim wurde 2014 widerrechtlich von Russland annektiert, über die Halbinsel wird der Nachschub der Besatzungstruppen im Süden organisiert. Kurz: die Brücke ist und bleibt ein legitimes Ziel im Rahmen der Selbstverteidigung. Diese als "Eskalation" zu framen, ist schon ziemlich absurd.
Zur Erinnerung: Russland hat die Ukraine überfallen (in den befreiten Gebieten werden ständig neue Massengräber ausgehoben), eine "Teilmobilmachung" angeordnet, besetzte Gebiete annektiert und droht mit dem Einsatz von Atomwaffen. Der Schlüssel bzw. die Bringschuld für eine friedliche Lösung liegt naturgemäß beim Aggressor: in Moskau/St. Petersburg.

Urban Will | So., 9. Oktober 2022 - 17:39

Antwort auf von Kai Hügle

beim Angriff auf die Brücke wurde der Tod von Zivilisten in Kauf genommen und es sind auch welche gestorben.
Ob es die Ukraine war oder nicht, man hat dort diesen Anschlag bejubelt.
Sie selbst stellen ihn als gerechtfertigten Angriff dar, weil diese Brücke auch dem Krieg dient. Das ist zu akzeptieren. Allerdings können Sie dann nicht leugnen, dass der Tod russischer Zivilisten aus Ihrer Sicht offensichtlich ok ist, während sie den der ukrainischen als Verbrechen werten. Ich werte beides als Verbrechen, ebenso die Massenbombardements der Alliierten in WK II auf rein zivil genutzte, militärisch völlig bedeutungslose deutsche Innenstädte, die Massenbombardements der Amerikaner in Vietnam, etc. und, wie gesagt, auch die der Russen in diesem Krieg.
Durch ihren Jubel und der Ankündigung weiterer solcher Angriffe hat die Ukraine ihre Unschuld verloren, man möchte nun auch russische Zivilisten treffen.
Nennen Sie mir bitte den Unterschied zwischen unschuldigen . ukr. und russ. Toten.

Ich habe nicht behauptet, dass der Tod russischer Zivilsten "ok" ist. Bitte unterlassen Sie solche Unterstellungen.
Schätzungen der UN zufolge (Stand: 19. September) sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine knapp 6000 Zivilisten, darunter 350 Kinder, getötet worden. Bei den Angaben handelt es sich um durch die UN bestätigte zivile Opfer. "Das OHCHR geht davon aus, dass die tatsächliche Anzahl an Verletzten und Toten in der ukrainischen Zivilbevölkerung wesentlich höher ist, viele Berichte lassen sich jedoch in vielen Fällen erst zu einem späteren Zeitpunkt oder gar nicht verifizieren." Auf eine Verlinkung verzichte ich ausnahmsweise, da dies zu viele Zeichen kostet.
So weit mir bekannt ist, jubelt die Ukraine über die Zerstörung der Brücke, nicht über drei Tote, die offensichtlich Treibstoff in ein Kriegsgebiet transportiert haben. Auch das eine ziemlich gewagte Unterstellung Ihrerseits.

Sabine Lehmann | Sa., 8. Oktober 2022 - 16:53

Die Nachrichten erinnern zusehends an Hollywood-Blockbuster, leider kann man nicht nach 90 Minuten entspannt einfach abschalten. Diese bittere und brutale Realität ist nur einen Katzensprung(unsere betagte, von Arthrose etwas geplagte Katze möge mir verzeihen) von uns entfernt.
Ich befürchte, die jüngsten Anschläge auf die Ostsee-Pipelines und vor allem auf diese Krim-Brücke werden zum eskalierenden Game-Changer in diesem Krieg. An manchen Tagen erwische ich mich schon dabei, wie mein erster Blick morgens Richtung Osten den Himmel absucht nach einem Pilz, einem Atom-Pilz......

Peter Sommerhalder | Sa., 8. Oktober 2022 - 23:12

Antwort auf von Sabine Lehmann

noch in der Phase wo ich mir den Atompilz „nur“ geistig vorstelle. Aber er wird als wie deutlicher...

Ich habe schon in den Himmel geschaut, eine grosse Wolke beobachtet und mir vorgestellt wie sich diese in ein riesengrosses Ei verwandelt...

Han Hube | Sa., 8. Oktober 2022 - 17:11

Bin nicht sicher, ob die Jubelrufe aus dem Westen wirklich nachhaltig sind - und sich auch für unser Schicksal und unsere Überlebenswahrscheinlichkeit positiv auswirken wird. Treibt man ein verwundetes Tier in eine aussichtslose Situation - und Putin kommt diesem Moment immer näher, wird keine Rücksicht mehr genommen. Erweiterter Suizid, da sehen auch wir dann den Atompilz, können uns aber rühmen, es dem russischen Bösewicht gezeigt zu haben und moralisch unversehrt den Weg ins ewige Dunkel angetreten zu haben.

was es einen Herrn Selenskij, Herrn Putin oder Herrn Biden interessiert, was mit uns, den Menschen, die einfach nur in Frieden leben wollen, passiert???
Wir sind ihnen völlig egal, wenn es um das Errreichen "höherer" Ziele geht, nämlich darum, wer in Zukunft über die meiste Macht und das meiste Geld auf der Welt verfügt. Russische und ukrainische Soldaten sind schon zuhauf gefallen, und ukrainische Zivilisten haben den Krieg mit ihrem Leben bezahlt. Wieso wollen wir dann jammern, wenn uns ein Atombömbchen bedroht? In einem Krieg sind Menschen Verfügungsmasse - sonst nichts.

Ach, nein, ich vergaß: N a t ü r l i c h geht es in e r s t e r Linie um unsere Freiheit!!!
Der Satan Putin hatte ja vor, über kurz oder lang ganz Europa zu erobern. Und dann wären wir alle nur noch Sklaven eines Diktators geworden.
Da sterben wir dann doch lieber vorher, oder?
Wie Sie richtig schreiben: Wir treten dann wenigstens ehrenvoll ab, weil wir "es dem russischen Bösewicht gezeigt haben"

Urban Will | Sa., 8. Oktober 2022 - 20:25

doch die Reaktionen aus der Ukraine, dass Angriffe oder Anschläge auf russischem Territorium, auch wenn dabei Zivilisten sterben, großes Wohlgefallen finden.
Es wird sicher weitere geben.
Der Hass auf den russischen Aggressor ist grenzenlos und das ist nachvollziehbar, doch muss man dann auch die Frage stellen dürfen, was Ukrainer und Russen noch unterscheidet, wenn bei beiden der Tod von Zivilisten zum Kriegsgeschäft gehört.

Es waren jetzt viele Tiefschläge für Putin in den letzten Wochen und gerade diejenigen, die in ihm den blutrünstigen Diktator sehen, werden kaum erwarten, dass er mit Heulen und Zähneklappern nun um Frieden bettelt.

Es wird eine Reaktion geben und die Russen – so mein Eindruck – neigen nicht dazu, schnell zu handeln, wohl aber gezielt und brutal.
Daher werden die Jubelgesänge auf Seiten der Ukraine wohl irgendwann dann wieder in Hassgebrüll umschwenken, man wird nach Gegenschlägen schreien, usw.
Dieser Krieg beginnt wohl gerade erst richtig.

Tomas Poth | Sa., 8. Oktober 2022 - 21:01

Die Schraube der Eskalation wird weiter gedreht.
Was wird folgen?
Bisher wurde die Infrastruktur der Ukraine nicht im wesentlichen Angegriffen, z.B. Kraftwerke, Flughäfen, Bahnverbindungen, Häfen.
Das könnte sich jetzt ändern, oder?

Ernst-Günther Konrad | So., 9. Oktober 2022 - 09:11

Da liest man fast überall die üblichen Propaganda Artikel und alle laufen irgendwie wieder darauf hinaus, dass es die Russen selbst gewesen sein sollen, mit aberwitzigen Argumenten. Im Live-Ticker beim Fokus gestern um 10.52 Uhr eingestellt, liest man aber, das eine bekannte ukrainische Zeitung veröffentlicht hat, dass sich der SBU zum Anschlag bekannt haben soll, also der ukrainische Geheimdienst hätte es getan als quasi Provokation und als Beweis dafür, wie schwach die Russen seien usw.
Dann hört und liest man eine Menge Vermutungen und Scheinanalysen, warum es doch die Russen selbst waren. Fürchtet aber deren Rache? Was soll ein neutraler Beobachter davon halten? Warum sollte Russland selbst die Brücke sprengen, die Putin bauen ließ als Versorgungsstrecke und zur Demonstration seiner Macht konnte niemand mir erklären. Wenn Putin Härte in diesem Krieg zeigen will, hätte es dieser Sprengung nicht bedurft. Die Russen melden, es wäre ein russ. Lkw mit Bombe gewesen. Ich bin verwirrt.

Gerhard Lenz | So., 9. Oktober 2022 - 10:40

Die Furcht vor dem Kreml-Boss, soweit nicht politisch inszeniert, nimmt bei manchem mittlerweile pathologische Züge an!

Egal, was die Ukrainer tun, sie sollen es nur nicht so doll treiben, denn sonst droht - natürlich - die Bombe!

Damit hat man nahtlos Putins Drohkulisse in die eigene Argumentation eingebaut.

Läuft es nicht so, wie Putin möchte, droht uns allen die nukleare Vernichtung!

Das ist, wie schon gesagt, zwar meist ideologisch begründet: Von Anhängern des harten Hundes, des "richtigen Kerles" (Tillschneider, AfD), der doch unser natürlicher Freund ist (Hoecke).
Die plötzlich und über Nacht zu Friedensbewegten mutiert sind.

Aber auch für manch anderen, der sich einfach davor fürchtet, dass der Bekloppte im Kreml durchdrehen könnte, und lieber die Ukraine opfert ("was gehen die uns an?") scheint deren vollständige und bedingungslose Kapitulation für uns die bequemste Lösung.
Die natürlich grundfalsch ist: welches Land ist als nächstes dran? Die Balten? Polen?

Ich weiss, differenzieren ist nicht mehr so angesagt, der grobe Klotz scheint ungemein attraktiver, speziell auch für einfacher gestrickte Gemüter. Wie man jetzt allerdings immer noch das Narrativ von Putin dem Polen- und Baltikumangreifer ventilieren kann, zeigt von einer doch bedenklichen kognitiven Dissonanz. Die Ukraine schafft er nicht, aber Polen dann locker. Eigentlich müsste man noch - in Ihrer Denkstrukur - noch ‚Putin vor Berlin‘ erwähnen … OMG.
Und dass Sie sich über Menschen, die Angst um ihre Familien, ihre Kinder, ihre Betriebe mit der Putinkeule lächerlich machen, sagt mehr über Ihr Menschenbild aus, als Ihnen lieb sein dürfte …

Gerhard Lenz | So., 9. Oktober 2022 - 19:03

Antwort auf von Han Hube

Kann sein, dass der Schläcther Putin die Ukraine nicht schafft.

Gäbe es den von Putins friedensbewegten Anhängern gewünschten Diktatfrieden - sonst fällt ja die Bombe - hätte er die Ukraine aber doch geschafft.

Verstanden? Was hätte Putin daraus gelernt? Überfalle ein Land, besetze es ganz oder zum Teil, drohe der Weltgemeinschaft mit der Bombe, und schon wird die den Schwanz einziehen.

Und da Putin der untergegangenen Sowjetunion nachtrauert - was das Territorium angeht, denn mit der Sowjetideologie hat der Faschist sicher nichts am Hut - wären die Balten fast schon zwangsläufig die nächsten, die "zur Friedenssicherung" ihr Land auf- und abgeben dürfen.

Ich belustige mich durchaus nicht über jene, die aus ehrlichen Gründen - nicht der versteckten Putinhörigkeit wegen - sich vor "der Bombe" sorgen.

Allerdings ist eine Argumentation, die Ukrainer sollten Putin bloß nicht zu sehr aufregen, da wir sonst die Konsequenzen spüren würden, weltfremd, ja hochgradig albern.