Wladimir Putin - Skrupellos und geschickt

In seiner Januar-Ausgabe kürt Cicero Wladimir Putin zur Person des Jahres. Chefredakteur Christoph Schwennicke erklärt, warum wir noch lange mit dem russischen Präsidenten rechnen müssen

Wladimir Putin als Dalí-Bild
Putin Universe/kuratiert von Lee West

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Vor etwa einem Jahr schrieb der Schriftsteller und Regimekritiker Michail Schischkin in Cicero einen Aufsatz über das „Imperium der Lügen“ des Wladimir Putin. Nicht der einzige, aber der pointierteste Text, der sich in diesem Magazin kritisch mit dem Moskauer Machthaber auseinandergesetzt hat. Niemand kann uns also vorhalten, dass wir bei Cicero den russischen Präsidenten in den vergangenen Monaten für sein Vorgehen auf der Krim und in der Ostukraine nicht angemessen hart kritisiert hätten. Und dennoch kommt man nicht umhin anzuerkennen, dass es Putin mit einer Mischung aus Skrupellosigkeit und Geschick geschafft hat, sich zur Schlüsselfigur der Weltpolitik zu machen. Ohne Russland geht nichts, das haben die Atomverhandlungen mit dem Iran erwiesen, das zeigt sich nun auch im Syrienkrieg und in den Wiener Verhandlungen zu einer politischen Lösung des Syrienkonflikts.

Der Historiker Gregor Schöllgen zeichnet in unserer Titelgeschichte das Porträt eines Mannes, der sich und sein Reich vom Westen gedemütigt sah und auf Vergeltung sann. Hätte man früher erkennen können, wo Putin hinsteuert? Dieser Frage geht unser Reporter Constantin Magnis nach. 2007 hielt der russische Präsident eine polternde Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz, die dennoch ungehört verhallte. Magnis traf sich neun Jahre später mit Augen- und Ohrenzeugen. Er rekonstruierte den historischen Auftritt. Und Judith Hart hat sich mit dem Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, über den richtigen Umgang des Westens mit Putins Russland unterhalten. Aber auch im Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) spielt Putin eine Rolle. Denn Tillich plädiert dafür, die verhängten Sanktionen gegen Russland zu überdenken.

Meine Lehre aus der Lektüre: Man muss Putin nicht mögen. Aber man muss mit ihm rechnen. Mehr denn je.

Die Januar-Ausgabe des Cicero erhalten Sie ab sofort am Kiosk oder in unserem Onlineshop. Lesen Sie das Magazin auch als App auf ihrem iPad oder Android-Tablet sowie als ePaper. Die Titelgeschichten über Putin können Sie auch als Einzelartikel bei Blendle lesen.

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