Steigende Übernachtungspreise - Meerurlaub für mehr Geld

Wer im zweiten Corona-Sommer Urlaub nicht weit von zu Hause machen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Dass das Gastgewerbe die harten Verluste der vergangenen eineinhalb Jahre auszugleichen versucht, ist nur einer der Gründe.

An der Nord- und Ostsee sind die meisten Ferienhäuser und Hotelzimmer schon belegt. Foto: Christian Charisius/dpa

Autoreninfo

Alissa Kim Neu studiert Kulturwissenschaften und Romanistik in Leipzig. Derzeit hospitiert sie bei Cicero.

So erreichen Sie Alissa Kim Neu:

Immer mehr Menschen wollen nach fast zwei Jahren Corona-Stress und Einschränkungen nun erstmals wieder ihre Seele am Strand oder in den Bergen baumeln lassen. In Berlin und Hamburg sind die Ferien zwar schon fast wieder vorbei – in Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern haben sie aber gerade erst angefangen. Die kommende Woche haben deutschlandweit die meisten Schüler noch Sommerferien und auch in Europa haben die meisten Schulen derzeit noch geschlossen.

Da aber das Corona-Virus immer noch große Teile unseres Lebens bestimmt, bevorzugen viele Urlauber die heimischen Erden und entscheiden sich für einen Urlaub in der Schweiz, Deutschland oder Österreich. Laut einer Forsa-Umfrage unter Familien plante dieses Jahr mehr als die Hälfte von ihnen den Urlaub im eigenen Land zu verbringen.

Teure Kurztrips

Wer aber spontan einen Kurztrip an die Ostsee buchen will, der muss dafür nun tiefer in die Tasche greifen. 99 Prozent der Unterkünfte sind laut Booking.com für einen Trip an die Ostsee Mitte August nicht mehr verfügbar, die übrigen kosten oft mehr Geld. Laut einer Analyse des Onlineportals Check24 auf Grundlage der Buchungen im August 2019 und 2021 stiegen die Preise pro Hotelübernachtung um 26 Prozent. 2019 zahlten Kunden für eine Hotelübernachtung noch 91 Euro, im August 2021 sind es 115 Euro pro Nacht. Auch die Preise für Ferienwohnungen stiegen um 14 Prozent im Preis.

„Die Preise für Hotels und Ferienwohnungen sind zur Hauptreisezeit im Sommer generell höher“, erklärte dies  Dr. Jan Kuklinski, Geschäftsführer Hotel bei Check24 in einer Pressemitteilung. Besonders stark können Urlauber den Preisanstieg derzeit auch an den traditionellen Lieblingszielen innerhalb von Deutschland wahrnehmen: an Nord- und Ostsee sowie in Bayern.  

Schon länger steigende Preise

Ulf Sonntag ist Leiter der Marktforschung am Tourismusforschungsinstitut in Nordeuropa. Er gab gegenüber dem RND an, dass schon 2020 die Preise merkbar gestiegen seien. Der Sprecher des Verbandes der Ferienwohnungseigentümer Daniel Rousta begründete gegenüber der Ostsee-Zeitung den Preisanstieg für Ferienwohnungen mit der gestiegenen Anforderung an Reinigung- und Hygienemaßnahmen, die aber nur teilweise weitergegeben werden würden.

Doch die Preissteigerung kann nicht das ausgleichen, was in den letzten beiden Jahren in der Sommersaison ausblieb. Auch in diesem Jahr planen laut einer von Europ Assistance in Auftrag gegebenen Umfrage vom Mai 2021 nur 57 Prozent aller Europäer einen Urlaub, was sechs Prozent weniger sind als noch 2019. Viele von ihnen vermeiden zudem bestimmte Länder und überfüllte Orte.

Spontanbucher zahlen am meisten

Das merken selbst Unternehmen im Gastgewerbe an beliebten Reisezielen wie der Ostesee. Laut der Pressestelle des Landestourismusverbands in Mecklenburg-Vorpommern bezeichneten sich rund 31 Prozent der touristischen Unternehmen in der Region als akut gefährdet, im April 2021 waren es 43 Prozent gewesen. Die Nachfrage sei weiterhin hoch, liege aber um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zurück. So rechneten die Unternehmen mit einem 20 bis 30 Prozent schlechteren Juni im Vergleich zum Juni 2020. Ein Preisanstieg konnte hier nur sehr moderat betrachtet werden: Im Durchschnitt seien die Preise um rund sechs Prozent zur Vorsaison, elf Prozent für die Hauptsaison und um acht Prozent für die Nachsaison gestiegen. Von Zimmern, die um bis zu 50 Prozent mehr kosten als im Vorjahr, will man hier nichts gehört haben oder bezeichnet sie als Ausreißer.

Die Preissteigerungen beträfen vor allem die noch verfügbaren Kapazitäten. Doch gerade diese sind eben knapp. Die große Unsicherheit bringt viele dazu, ihre Reise spontan zu buchen und das verteuert die Reise deutlich. Der Wegfall des Frühbucherrabats, die Bevorzugung teurerer Pauschalreisen oder die Beratung im Reisebüro, um auf der sicheren Seite zu sein. Für die Restplätze in diesem Sommer gilt die alte Regel von Angebot und Nachfrage, wie gegenüber dem RND erklärte: „Wenn nur begrenzte Kapazitäten im Angebot sind und diese stark nachgefragt sind, dann steigen die Preise.“

Christa Wallau | Mo, 2. August 2021 - 10:06

bei dem das Gesetz gilt:
Angebot u. Nachfrage regeln den Preis.
Es kann daher nicht verwundern, wenn knappe Hotelbetten jetzt, zur Hochsaison, teuer sind. Natürlich versuchen die Hoteliers/ Gästehausbetreiber die Riesenverluste, die ihnen durch die Corona-Politik eingebrockt wurden, jetzt - halbwegs - wettzumachen.
Ich wünschte mir sehr, daß dieser Marktdruck endlich auch einmal im Bereich der Pflege zum Tragen käme!
Hier herrscht seit Jahren (!) eklatanter Mangel an Dienstleistern, t r o t z d e m kommt - durch den falschen Eingriff des Staates in diesen "Markt" - keine Erhöhung der Löhne für die Pflegenden dabei heraus. Die Folge: Schlimmste Zustände! Weder den Patienten/Bewohnern der Heime noch dem Pflegepersonal wird eine Betreuung /Bezahlung zuteil, die menschenwürdig wäre!
Es liegt fast alles im Argen dort, wo der Staat die Hände im Spiel hat.
Ach, nein, Ich vergaß: AbgeordnetenDiäten u. Gehälter i. d. aufgeblähten Verwaltung erhöhen sich geräuschlos regelmäßig alle paar Jahre!

... wie die "Pflegeindustrie" von staatlicher Stelle nicht untersagt bekommt, Festangestellte zu kündigen, um sie zu schlechteren Bedingungen als Zeitarbeiter wieder in "Tochterfirmen" einzustellen... solange warten wir umsonst, daß sich in der Pflege etwas zum Besseren ändert für die Beschäftigten. Eine Pervertierung des "Marktes"... nur die Bonzen oben dran in den Organisationen, die leben wie die Maden im Speck, die Skandale beweisen es.
Ok, wer das Geld hat, sich einen Urlaub am Meer zu leisten, dem gönne ich es. Ich habe es nicht, bin aber auch nicht traurig darüber. Unser letzter Urlaub war 2006, da war noch Frieden....

Tomas Poth | Mo, 2. August 2021 - 11:02

... regelt sich nach Angebot und Nachfrage.
Wenn die Vermieter/Anbieter darüber versuchen Verluste auszugleichen ... sie können es versuchen. Niemand ist gezwungen das Spiel mitzuspielen, Balkonien oder Gartenlaube, Tagesausflüge in die nahe Umgebung kann auch wunderbar sein und fördert gar die Besinnung, Besinnlichkeit auf wesentliches, statt im Urlaubsrudel den Lemming zu geben.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 2. August 2021 - 15:56

In reply to by Tomas Poth

Genau so sehen das meine Frau und ich auch. Wir reisen schon seit Jahrzehnten außerhalb der Saison, meistens zwei bis drei Übernachtungen mit Freunden innerhalb DE oder Österreich, verbunden mit dem Erkunden schöner Städte. Da sind die Preise relativ stabil geblieben. Wer in solch unsicheren Corona Zeiten bucht und sich dem horrenden Preisdiktat der Urlaubsdomizile hingibt, nur durch Flug und Strand glaubt abschalten zu können, soll das tun. Aber bitte dann nicht grün wählen, das passt nicht. Und daran denken, nicht nur hohe Preise fordern den Geldbeutel, auch Quarantäne bei der Rückkehr, kostenpflichtige Tests und ggfls. Verlust des Arbeitsplatzes, weil Quararantäne eben nicht mit Zusatzurlaub verwechselt werden sollte. Abgesehen von dem juristischen Ärger bei Rückforderungen von Reisevorauszahlungen usw. Wer seine Erholung durch solch einen Stress gleich wieder obsolet machen will, dem wünsche ich angenehme Reise und angenehme Rückkehr, wenn das Zielland es zulässt.

Der Artikel beleuchtete die heimische Hotellerie in Coronazeiten.
Der preiswertere Urlaub ausserhalb der Saison sei Ihnen herzlich gegönnt, Herr Konrad, und auch der im Sauerland oder sonst in einer schönen, touristisch unerschlossenen Gegend, Herr Heyer. Die Wenn Sie aber die Zeit mit Kita- oder SchulKindern genießen möchten, bietet sich vor allem der Strand an. Und leider nur in der Hauptsaison. Also heißt es zahlen. Ich persönlich finde, dass eine Preisanpassung gerechtfertigt ist. Jeder will/soll ja angemessen leben können.

Norbert Heyer | Mo, 2. August 2021 - 12:12

Das Gastgewerbe hat schwere Zeiten hinter sich, sie haben fast zwei Jahre kaum Geld verdient. Jetzt will man versuchen, die Verluste teilweise auszugleichen. Wir buchen normalerweise den nächsten Kurzurlaub im gleichen Hotel bei der Abreise: Wir bestimmen somit den Termin und auch preislich wirkt sich das aus. Da wir seit Jahren nur in Deutschland und vornehmlich in NRW urlauben, haben sich die Übernachtungskosten nicht wesentlich erhöht. Auch ist es entscheidend, ob man z.B. in Bad Pyrmont, Bad Salzuflen oder einem kleinen, unbekannten Kurort einkehrt. Wer nach Kitzbühel fährt, zahlt mehr als im Nachbarort Kirchberg, wer im Winter fährt, zahlt doppelt so viel wie im Sommer, Urlaub auf Usedom ist teurer als in Kühlungsborn. In der derzeitigen Situation kann auch ein Urlaub im Sauerland, in einem nicht so bekannten Ort - auch aus Gründen des Klimawandels - die richtige Entscheidung sein. Wir haben viele tolle Ecken mehr oder weniger direkt vor unserer Haustüre, wir müssen sie nur finden

Bernd Muhlack | Mo, 2. August 2021 - 16:40

Mein Bruder und Familie leben in der Nähe von Mainz. Sie waren kürzlich für zehn Tage am Chiemsee mit Abstechern nach Österreich.
Eine Ferienwohnung in einem Bauernhof - sie waren schon öfter dort und hatten bereits im Herbst 2020 gebucht.
Natürlich wird alles teurer, das war schon immer so! Corona und Folgen geben insoweit einen zusätzlichen Kick.
Übrigens stellte Brüderchen fest, dass man es in "tu felix austria" mit dem "maskieren" nicht so genau nimmt. Man kümmert sich wenig darum - laissez-faire.
Er hatte in 2020 Corona, war eines der ersten Opfer. Dummerweise gibt es dazu keine Unterlagen, so dass er sich qua seines Jobs impfen lassen musste.
Ein dreifach hoch auf unsere Verwaltung!
Digitalisierung?
WIR schaffen das!

Am Chiemsee ist es sehr schön; es gibt dort in der Gegend ganz tolle Motorrad-Strecken!
Eines noch:
man will also Heimkehrer testen: Flughäfen, Bahnhöfe etc.
Der Sprecher der Bundespolizei sagte schlicht, das schaffen wir nicht!

Finde den Fehler!

Rob Schuberth | Mo, 2. August 2021 - 18:57

2. Versuch:
M. E. ein Lückenfüller, oder schlimmer Ablenkungsartikel.
Alles bekannt. Nix neu.
Und alles vorhersehbar.

Mit Glück kommt dieser Komm. durch.

Heidemarie Heim | Di, 3. August 2021 - 14:11

Das war doch alles in allem zu erwarten, oder nicht?
Als auf Schulferien angewiesene Familie hat man doch seit jeher die dickere Brieftasche haben müssen. Andere konnten mit Frühbucher und Nebensaison auf günstigere Angebote zugreifen. Nach meiner Erfahrung war eine Woche trotz eigener Auto-oder Zuganreise auf unseren eigenen Inseln auch nicht günstiger als eine Pauschaltour nach Mallorca, der Türkei oder den z.Zt. ziemlich teuer gewordenen griechischen Gefilden. Ich bin eigentlich froh für bzw. um jeden Gastronomen, Ferienwohnungsbesitzer oder Hoteliers, die diese unverschuldete Durststrecke überwinden konnten, und gebe das Geld was ich wegen der Lockdowns eingespart habe jedenfalls lieber zu meinem, deren sowie deren Mitarbeiter Vorteil aus , als mich von der EZB mit Negativzinsen abzocken zu lassen. Es gehört für mich irgendwie auch zur Solidarität gegenüber meinen früheren Gastgebern deren Sozialsysteme nicht so gut gepolstert sind wie unsere. "Hasta pronto queridos amigos!" MfG

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.