Frau Fried fragt sich... - … warum wir Deutschen unbedingt untergehen wollen

Die Erde erwärmt sich, der Meeresspiegel steigt, die nächsten Flüchtlinge kommen. Trotzdem gehen die Deutschen dem Untergang entspannt entgegen, wundert sich unsere Kolumnistin Amelie Fried

Amelie Fried, die Titanic und der Untergang
Anja Stiehler/Jutta Fricke Illustrators

Autoreninfo

Amelie Fried ist Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin. Für Cicero schreibt sie über Männer, Frauen und was das Leben sonst noch an Fragen aufwirft

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Die Welt ist dem Untergang geweiht. Der Termin ist zwar schon ein paar Mal verschoben worden, aber das ändert nichts daran, dass wir der Apokalypse entgegentaumeln. In 30 bis 40 Jahren werden wir – wenn alles läuft wie bisher, und danach sieht es aus – in weiten Teilen der Welt nicht mehr genügend Trinkwasser haben, andere Gegenden werden überschwemmt sein.

Bis 2050 werden allein in Bangladesch 10 Prozent der Landfläche verschwinden und 5,5 Millionen Menschen auf der Flucht sein. Steigt die Durchschnittstemperatur weiter, wird anderswo das Land versteppen, Flüsse werden austrocknen, Seen verschwinden. Wer sich in Deutschland über die „Flüchtlingsflut“ beschwert, kann seine Kinder schon mal darauf einstimmen, dass sie in ihren Reihenhäuschen Platz für Millionen Klimaflüchtlinge aus Asien und Afrika einplanen sollen.

Sigmar Was-geht-mich-mein-Geschwätz-von-gestern-an-Gabriel möchte nur so viele Kohlekraftwerke abschalten, dass seine neuen Freunde in der Wirtschaft nicht böse auf ihn werden. Den Wind für die Energiewende macht er einfach selbst.

Es gibt keine größere Plage für die Erde als den Menschen


Was mich wundert: Wir nehmen das alles entspannt zur Kenntnis, legen die Zeitungen und Bücher weg, in denen wir von den zukünftigen Horrorszenarien lesen können (zum Beispiel Karen Duves „Warum die Sache schiefgeht“), und buchen den nächsten Ferienflug auf die Malediven. Ach, die Klimakatastrophe betrifft schon unsere Kinder und Enkel? Tja, jede Generation muss eben ihre eigenen Herausforderungen meistern. Unsere Eltern haben das Land ruiniert und wieder aufgebaut, wir müssen mit dem Wohlstand fertig werden, der unseren Cholesterinspiegel hochtreibt und uns zwingt, immer mehr sinnlosen Plunder zu produzieren und zu konsumieren – das ist auch kein einfaches Schicksal!

Wer heute die Welt regiert, wird tot sein, wenn die Erde kein bewohnbarer Ort mehr ist. Nach uns die Sintflut, wie schon Madame de Pompadour zu sagen pflegte. Nie stimmte dieser Ausspruch mehr als heute – und den meisten von uns geht das am Arsch vorbei.

Vielleicht sollten wir die Sache einfach positiv sehen: Es gibt keine größere Plage für die Erde als den Menschen. Wäre eigentlich prima, wenn es den nicht mehr gäbe.

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