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Anhänger Donald Trumps erklettern die Westwand des US-Kapitols / dpa

Internationale Presseschau zum Sturm aufs Kapitol - „Eine Gewalttat, die den Kern der US-Demokratie erschüttert“

Es war ein rein formeller Akt. Joe Biden sollte offiziell als nächster Präsident bestätigt werden. Doch die Anhänger Donald Trumps hatten andere Pläne. Sie stürmten kurzerhand das Kapitol. Die Bilder gingen um die Welt. Eine internationale Presseschau.

Autoreninfo

Jakob Arnold hospitierte bei Cicero. Er ist freier Journalist und studiert an der Universität Erfurt Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften. 

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The New York Times„Der von Trump angestachelte Mob“

Wie viele andere US-Medien auch, bezeichnet die New York Times die Demonstranten, die gestern das Kapitol stürmten, als „Pro-Trump Mob“. „Die Belagerung war der Höhepunkt einer wochenlangen Kampagne von Mr. Trump. Ein Mob von Loyalisten, die vom Präsident dazu gedrängt wurden, stürmte das Kapitol und besetzte es“. Weiter nennt die Zeitung die Vorgänge „eine Gewalttat, die den Kern der amerikanischen Demokratie erschütterte.“ 

Doch es gebe politisch auch eine positive Seite: „Einer der am meisten polarisierenden Momente der Nation hatte ein unerwartetes Fenster der Solidarität ergeben. Republikaner und Demokraten waren sich einig, die Gewalt zu verurteilen.“ Vertreter beider Parteien verurteilten die Besetzung des Kapitols scharf. 

The Washington Post„Präsident Trump sollte abgesetzt werden“

Die Washington Post fordert auch personelle Konsequenzen aus dem Angriff auf das Kapitol. „Präsident Trumps Weigerung, seine Wahlniederlage zu akzeptieren und seine unerbittliche Aufstachelung seiner Unterstützer führte zu einem Angriff auf das US-Kapitol durch einen gewalttätigen Mob.“ 

Das Blatt kommt zum Schluss, dass die Verantwortung für diesen Akt der Aufwiegelung komplett beim Präsidenten Donald Trump liege. Die Forderung der Zeitung: „Er sollte abgesetzt werden.“ Tatsächlich wird eine frühzeitige Amtsenthebung Trumps derzeit diskutiert. Ob sie jedoch so kurz vor dem regulären Ende seiner Legislatur noch zustande kommt, dürfte angezweifelt werden.

Fox News„Terroristischer Akt von unamerikanischen Anarchisten“

Fox News galt lange Zeit als Haus- und Hofsender Donald Trumps. Der Präsident konnte sich beinahe immer der Unterstützung des konservativen Mediums gewiss sein. Das hat sich geändert. In einem Meinungsbeitrag schreibt ein Autor: „Es ist schwer, meinen Schock und meine Traurigkeit auszudrücken, wenn ich sehe, wie Amerikas legislativer Palast durchbrochen wird. Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses zu sehen, die sich offenbar mit Gasmasken vor den Terrorakten verstecken, die jetzt von diesem Mob verübt werden, der Trump- und MAGA-Banner schwenkt. “Der Autor stellt die enorme historische Bedeutung der Vorgänge fest: „Das ist der schlimmste Angriff auf das Kapitol seit dem Angriff der britischen Armee 1814.“

Trotzdem verteidigt Fox News den Präsidenten Donald Trump zum Schluss des Artikels mit der folgenden Relativierung: „Diese Idioten haben es jetzt enorm schwierig für diejenigen von uns gemacht, die Präsident Trump für seine enormen innen- und außenpolitischen Leistungen bewundern.“

The Independent: Massenhafte Rücktritte in Trumps Kabinett

Der britische Independent berichtet von massenhaften Rücktritten aus dem Kabinett Donald Trumps im Zuge des „gescheiterten Aufstands“. Auch der Independent spricht von einem „gewalttätigen Mob, der einen Aufstand anzettelt hat und die Abgeordneten zwang, die Sitzung zu unterbrechen und sich in Sicherheit zu bringen und zu evakuieren.“

Darüber hinaus geht die Zeitung aus Großbritannien auf Berichte der Polizei Washingtons ein. Danach heißt es: „Die Polizei ums Kapitol erschoss eine Frau, die im nahegelegenen Krankenhaus für tot erklärt wurde. Mindestens drei weitere Menschen starben aufgrund von medizinischen Notfällen.“

CGTN (China): „Trump hatte nicht die Absicht, dass es außer Kontrolle gerät“

In einem englischsprachigen Meinungsbeitrag im internationalen Auslandsmedium CGTN aus China stellt der Autor fest: „Es gibt kein Zurück zu dem, wie Amerika vor dem 6. Januar 2021 war. Amerika sollte sich wahrscheinlich auf mehr Gewalt gefasst machen.“

Im Bezug auf den US-Präsidenten Donald Trump jedoch verweist der Artikel auf dessen Bekundungen an die Demonstranten, friedlich zu bleiben. „Dies deutet sehr stark darauf hin, dass die Trump-Administration sich von den Geschehnissen aufrichtig distanzieren will.“ Weiter heißt es: „Die Demonstranten sind dem falschen Eindruck erlegen, dass ihr politischer Held [Donald Trump] ihre Aktionen gutheißen würde. Das tat er aber nicht, weshalb er sie aufforderte, die Ordnungskräfte des Landes zu respektieren und nach Hause zu gehen. Er hatte nicht die Absicht, dass alles außer Kontrolle gerät, wie es letztlich geschah.“

Übrigens: In einer anderen Meldung ruft die Zeitung im Namen der chinesischen Botschaft in den USA die Bürger aus China, die sich derzeit in den Vereinigten Staaten aufhalten, zu erhöhter Vorsicht im Zuge der Proteste. 

Tomas Poth | Do, 7. Januar 2021 - 13:16

Hier werden Politiker unter durch einen Demonstranten-Mob unter Druck gesetzt.
Die USA zeigen sich durch solche Erstürmungen tief gespalten, gestern der Rechtskonservative Mob, davor schon die Linksliberalen Mobs der Demokratenwähler auf verschiedenen Demos.

Ist es nicht auch Demokratiegefährdung wenn AfD-Politiker durch den Linken Mob an ihren Informationsständen auf der Straße oder auf Parteiversammlungen in Sälen angegangen werden?
An den jeweiligen Entrüstungsstürmen erkennen wir die Gesinnungs-Einäugigkeit der Medien und welcher politischen Strömung sie sich verschrieben haben.

es wird jedem empfohlen, sich einfach einmal die Nachrichten und Aufrufe auf Trumps Twitteraccount durchzulesen. Danach sollten eigentlich keine Zweifel und Fragen mehr offen sein. Natürlich hat er es provoziert, gewollt und gestartet. Das was nun kommt, auch die Distanzierung von Weggefährten ist nur noch Heuchelei.
Und dann von der Familie noch ein kämpfen Video kurz vor Beginn der Ausschreitungen.

Die Twitteraufrufe hätte auch der Autor Jakob Arnold erwähnen können. Statt dessen viele Relativsätze.....

Und warum muss nun überall die AfD verteidigend erwähnt werden? Was ist denn das für ein Komplex?

Tomas Poth | Fr, 8. Januar 2021 - 14:36

In reply to by Olli Land

Es geht um die Verteidigung demokratischer Werte. Warum wollen Sie es nicht verstehen. Wollen sie es den Politikern der AfD und ihren Wählern absprechen.
Unfassbares Demokratieverständnis Ihrerseits.

Werner Kistritz | Do, 7. Januar 2021 - 17:28

Was wissen wir schon über Amerika? Was weiß Amerika über sich selbst? Das wäre zum Beispiel mal ein Thema für einen guten öffentlich rechtlichen Rundfunk.
Jenseits von knalligen Ghetto-Kids oder Superreichen. Auch jenseits der von der Politik verordneten Bilder. Nicht Farmer beim Lasso-Schwingen an irgendwelchen Festtagen, sondern ganz normale Bauern beim vergiften ihrer Felder, Leben in einer Kleinstadt oder in the middle of nowhere...das wirklich wahre Leben der Amerikaner.
Ich vermute, daß unser "nettes" Bild fundamental falsch ist. Eine gefährliche Fehleinschätzung dessen, zu was diese "Patrioten" noch alles fähig sind!

Detlev Bargatzky | Fr, 8. Januar 2021 - 06:35

„Eine Gewalttat, die den Kern der US-Demokratie erschüttert“

Die Demokratie wird erschüttert, weil ein paar Hansels in eines der Regierungsgebäude eindringen?

Wird eine Demokratie schon erschüttert, wenn die Angehörigen einer politischen Institution (und des Geldadels) plötzlich und unerwartet in ihren Ritualen gestört werden?

Oder ist die Demokratie in den USA bereits beendet?

Ich jedenfalls glaube den Medien keine einzige ihrer großen theatralischen Gesten und Dichtungen zum Thema Demokratie in den USA.

Sie haben offensichtlich nicht mitbekommen, dass fast die Hälfte aller republikanischen Wähler den Sturm auf das Capitol gut fand.

Zur Wiederholung: Ungefähr 25% der amerikanischen Wähler finden es durchaus in Ordnung, die Repräsentanten eines demokratisch gewählten Systems zu stören, vielleicht auch zu attackieren, mit illegalen Mitteln, z.T., wie man heute weiß, auch bewaffnet.

Dabei darf alleine die Wahl eines Typen wie Donald Trump als besorgniserregend und sicher nicht mustergültig demokratisch bezeichnet werden.

Richtig: Die Demokratie kann sich auch selbst abwählen. Dafür stehen Typen wie Trump (oder Putin, Orban usw.)

Daran muss man erinnern. Davor muss man warnen.