Macron und Le Pen
Französische Wahlkampfplakate, 07.04.2022 / dpa

Stichwahl in Frankreich - „Le Pen würde Frankreich aus dem westlichen Bündnis herausführen“

Im Interview mit Cicero skizziert Ronja Kempin die möglichen Szenarien, falls der französische Präsident Emmanuel Macron im Amt bleibt – und was drohen würde, wenn Marine Le Pen die Stichwahl am Sonntag gewinnt.  Im Wahlkampf werden vor allem die unentschiedenen Wähler umgarnt, so die Politikwissenschaftlerin.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Dr. phil. Ronja Kempin ist Senior Fellow an der Stiftung Wissenschaft und Politik. Sie publiziert vor allem über Frankreich, die EU und deutsch-französische Beziehungen in der Außen- und Sicherheitspolitik. 2014 beriet sie das Auswärtige Amt in sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen.

Frau Kempin, Frankreich steuert am Sonntag auf eine Stichwahl zu. Die Franzosen haben die Wahl zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Wie haben sich beide Kandidaten im Fernsehduell präsentiert?

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Ann-Kathrin Grönhall | So, 24. April 2022 - 08:35

aus dem Interview:

"Sie müssen eines beachten: Le Pen richtet sich sehr nach der Stimmung in der Bevölkerung. Weil ihre Position zum Thema aktuell nicht die entscheidende Rolle spielt, könnte es auch erst einmal in den Hintergrund rücken."

Ist das nicht die gleiche Strategie die Angela Merkel 16 Jahre gefahren ist ?

"Im Inland hat Le Pen den Islam und die Muslime zu ihren Feinden erkoren."

Da liegt Le Pen wohl nicht ganz falsch.

Der Ausgang der Wahl bleibt spannend aber Macron wird höchstwahrscheinlich als Gewinner daraus hervorgehen.
Wir werden sehen.

Gerhard Lenz | So, 24. April 2022 - 09:47

wäre ein weiterer Erfolg des Vladimir Adolf Putins in seinem Kreuzzug gegen die dekadente westliche Welt.

Selbstverständlich hängt Le Pen auch am Gängelband Putins. So wie zuvor die Faschisten der FPÖ in Österreich, die Lega des Anti-Migranten Rambos Salvini in Italien und andere "patriotische Parteien", die alle Unterstützung der einen oder anderen Art durch den Kreml erhielten. Auch die AfD ging regelmäßig in Moskau ein und aus; sie präsentiert ihre Putin-Papageien (Schmidt, Frohnmeier etc.) höchst öffentlich im Bundestag.

Eine Le Pen würde selbstverständlich versuchen, die EU zu schwächen. Zwar behauptet sie momentan, sie wolle nicht mehr Frankreichs Mitgliedschaft beenden - gleichwohl lehnt sie zahlreiche europäische Projekte ab. Le Pen würde mit destruktiver Politik nach dem Beispiels Orbans die EU weiter schwächen, bis eines Tages der Austritt der Grande Nation unvermeidlich wäre.
In der NATO gälte ein Le-Pen-Frankreich als massiver Unsicherheitsfaktor.

Zur Freude Putins.

die linke Presse die Finger blutig über Putins „Gängelbänder“ aus Ihrer SPD (oder wählen sie gar die Linke??), Steinmeier und Schröder aber auch der ebenso linken Merkel und Sie poltern hier über die Kontakte der Blauen zum Kreml, die es zwar gab, die aber die Welt so viel beeinflussten wie die berühmten umgefallenen Säcke Reis in China.
Da sollten Sie also besser gar nichts sagen oder ein wenigsten einmal im Leben zugeben, dass auch Ihre Lieblinge nicht immer richtig lagen...
Wobei ich persönlich keinem der oben Genannten ihre Russland – Politik zum Vorwurf mache.
Nachtreten ist einfach. Und die Ursache für diesen Krieg liegen m.M. nach ganz woanders.
Zu Frankreich:
Wenn Le Pen gewinnt, wird die Welt ebenso wenig untergehen wie bei der Wahl von Trump (auch bei der nächsten, sollte es so kommen).
Man nennt dies Demokratie, Lieber Herr Lenz, auch wenn Sie in guter linker Tradition immer dann mit ihr hadern, wenn das Ergebnis nicht stimmt.

Aber in einem Punkt haben Sie recht: Ich hadere schon mal mit dem Ausgang demokratischer Wahlen.

Die Demokratie hat nämlich eine große Schwäche: Sie kann sich selbst abwählen.

Auch Putin wurde gewählt - dank der vom Kreml gesteuerten Volks-Verblödungspropaganda. Ungarn oder Polen entwickeln sich ähnlich, auch wenn Orban kein zweiter Putin sein dürfte.

Selbst die USA waren auf einem bedenklichen Weg - der nur durch Trumps Abwahl gestoppt wurde.
Und Frankreich unter einer - demokratisch gewählten - Le Pen würde sich ebenfalls allmählich aus dem demokratischen Lager verabschieden.

Auch die Nazis wurden gewählt, in besten Zeiten mit 43% (!). Dank nationalkonservativer Helfershelfer konnten sie die halbe Welt ins Unglück stürzten.
Sie haben recht: Damit hadere ich.

Während die Foren-AfD - Zitat - "die Leistungen der Vorfahren würdigt!"

Davon abgesehen: Muss ich Ihre ständigen Beschimpfungen AfD-ferner Politiker/ Wähler wiederholen?

Das ist dann doch unter meinem Niveau.

Sie eh meist vorlegen. Wobei ich hier – falls Sie es nicht verstanden haben – die erwähnten Politiker (Schröder, etc.) gelobt habe.
Immer wieder interessant, wo Sie „Volksverblödung“ durch einseitige Medien erkennen.
Haben Sie den Bericht neulich hier über die Verstrickungen von Politik und Medien in dieser Bilderbuch – Demokratie Deutschland nicht gelesen? Bestimmt haben Sie es, nur halt durch Ihre rote Brille. Und da ist ja alles in Ordnung. Solange die Medien Links – Grün dirigiert werden, ist die „Demokratie“ in Ordnung.
Aber wehe wehe, wenn mal andere regieren, dann hadert der Sozialist...
Sorry, aber wer ex D noch über Ungarn, Polen oder gar Russland lästert, sollte seine Scheuklappen neu justieren.
Das Schlimmste dabei: in D „muss“ niemand Gewalt anwenden, um die Medien an objektiver Berichterstattung zu hindern.
Die machen das freiwillig.
Noch was: die Nazis wurden nie an d Macht gewählt, der Schnauzer wurde eingesetzt. Von einer blinden Obrigkeit. Daran scheitert's meist.

Martin Höllriegl | So, 24. April 2022 - 10:25

LePen 55% Macron 45%.
Wir werden sehen ob sich meine Prognose einstellen wird.
Aber ich kenne zu viele Ex Macronwähler die sich lieber der Wahl verweigern als nochmal solch einen Antifranzosen zu wählen.

Karl-Heinz Weiß | So, 24. April 2022 - 10:43

Ein gutes Stimmungsbild. Leider wird aber ein wichtiger Aspekt nicht erörtert: warum punktet Frau Le PEN vor allem bei jüngeren Wählern? Wenn diese Wählerschicht in französischen Hochgefühlen schwelgt, dann sieht es für die EU tatsächlich schlecht aus. Deutschland hat im Gegensatz zu Frankreich noch eine industrielle Basis mit vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen. Wenn sich die Tendenz zur Abschottung auch dort fortsetzt, ist es damit bald vorbei. Und der dünkelhafte Macron ist ebenso wie seinerzeit Obama die falsche Person, einer solchen Entwicklung glaubhaft entgegenzuwirken.

Ernst-Günther Konrad | So, 24. April 2022 - 11:42

Ich warte den heutigen Tag ab. Nur eines. Le Pen ist nicht gegen Deutschland, sondern gegen die deutsche Politik der bisherigen hauptsächlich von Deutschland bestimmten Politik in der EU. Sie ist gegen den Alleingang bei der Migration und sie ist gegen eine Aufblähung der Institutionen der EU, gegen die Übergriffigkeit dieser EU und sie dürfte sich auch der Wurzel der EWG erinnern, die bis heute verfault sind und nur noch durch den Geld Dünger am Leben gehalten wird. Und ja, ich hätte gegen eine Le Pen nichts einzuwenden. Ob sie letztlich alles so machen könnte, wie sie angekündigt hat, wage ich wie bei jedem Kandidaten zu bezweifeln. Nur eines steht für mich fest, sie würde den satten, miefigen Gestank aus der EU hinaus wehen lassen. Jedenfalls würde sie ihr Volk nicht in eine wahnsinnige energiepolitische und klimaverrückte Selbstzerstörung treiben.
Aber warten wir es ab. Heute Abend wissen wir mehr.

Jens Böhme | So, 24. April 2022 - 11:47

Hier sei an Wahlversprechen der deutschen Ampelregierung erinnert. Ist man dann an der Macht, holt einen die Realität ein. Ein Machtwechsel in Frankreich ist keineswegs ein Kurswechsel auf 90 Grad. Zudem könnte sich Frankreich politisch den Visegrad-Staaten annähern und der EU ein wenig frischen Wind einhauchen. Viel mehr Sorgen sollte Deutschland der derzeitige EU-Kurs machen, der lediglich Freiheit und Selbstbestimmung den Mitgliedsstaaten vorgaukelt.

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