75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - „Ich dachte jeden Tag, ich geh ins Gas“

Sie hat Auschwitz verlassen, aber Auschwitz hat nie sie verlassen. Als Rentnerin fand Schoschanna Kolmer Zuflucht in Israels erstem Altenheim für Überlebende des Holocausts. Seine Bewohner leiden noch stärker unter ihren Traumata als unter ihrer Altersarmut. Ein Besuch

Schoschanna Kolmer mit Simon Sabag, dem Leiter des 1. Altenheims für Holocaust-Überlebende
Auschwitz hat sie nie verlassen: Schoschanna Kolmer mit Simon Sabag, dem Leiter des 1. Heims für Holocaust-Überlebnde / Hildebrandt

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Es verfolgt sie noch immer bis in ihre Träume. Ein Neugeborenes, die Augen noch verklebt. Gerade hat es sich  seinen Weg  auf die Welt gebahnt, in einer zugigen Baracke im KZ Auschwitz. Sie sieht noch, wie eine Wärterin die Nabelschnur zur Mutter durchtrennt. Sie hört, wie das Neugeborene schreit. Und dann ist da dieser Kübel mit Wasser. Sie sieht, wie die Wärterin den Säugling hineintaucht. Und dann ist es plötzlich sehr still. 

So geht das jetzt schon seit über 70 Jahren.Jede Nacht derselbe Traum. Schoschanna Kolmer schreckt daraus hoch, ihr Körper ist schweißgebadet, ihr Puls rast. Sie beruhigt sich erst wieder, wenn Asher auf sie einredet. Ihr Sohn. Nein, das Neugeborene aus dem Traum war nicht ihr Kind. Eine Mitinsassin hat es an einem Morgen im Herbst 1944 zur Welt gebracht. Doch die Bilder haben sich in ihre Seele eingebrannt. Das Messer, der Säugling, der Eimer. Sie haben eine Urangst in ihr geweckt. Und diese Angst lässt sie nicht wieder los. Sie sagt: „Ich träume jede Nacht, sie nehmen mir mein Kind weg.“  

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Öncü-Tüncher | Mo, 27. Januar 2020 - 16:41

Gewalt: verursacht seitens Menschen in Schlüsselpositionen, in der sie ihre Ideologien/Ziele über das Gesetzt und über dem Wohl aller Menschen stellen - unabhängig ihrer Beweggründe - bleibt als die größte Zerstörung an der Menschheit. Viele Opfer verloren - ihre Familien, ihre Freunde, ihr Zuhause, die Leichtigkeit, die Zuversicht - durch unfassbare Brutalität. Das Sprechen über grausamste Taten reisst bei den Betroffenen immer wieder Narben auf: Angst, Schuldgefühle, Suche nach Antworten, Ohnmacht, Wut, Alp-Wach-Träume, zerplatzte Zukunftsträume, Raub an gemeinsame glückliche Zeiten, ein Restleben in eine Parallelwelt; Armut dürfte als eine Nebenerscheinung in Mitten vieler Grautöne zu finden sein. Meine Gedanken: "Alles was das Böse benötigt, um zu triumphieren, ist das Schweigen der Mehrheit."(Kofi Annan). Eine Wiedergutmachung kann es leider nicht; jedoch, zumindest finanziell ein rest-würdevolles-Leben bieten ohne den Hinweis: "Doch kann man das Leid in Geld wiegen".

Für diese Zeilen mit Herz & Verstand. Ja, wegen dem "Bösen" ist mein Herz & Verstand bei J.Christus geblieben, weil dieser Liebe 'Demut & Hoffnung' verkündet.
"Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern".
Deswegen ist es auch 'einer' meiner Lebensauffassungen geworden, bescheiden & in Demut & Respekt die Liebe, den Trost & die Hoffnung ein klein wenig zu verbreiten.
Aber auch an das "Erinnern" ist für mich persönlich ein Fundament der Liebe, um das Böse zu bekämpfen, aber auch das Ehren unserer Ahnen (auch wenn ich heutzutage eine andere Sichtweise habe, da diese wiederum von meiner Vergangenheit zehrt), um das "Übel" zu besiegen & die Sonne in unsere Herzen 'strahlen' zu lassen.

Dies wünsche ich allen Lesern & Cicero-Mitarbeitern

Möge Gott ALLEN Licht & Liebe in die Herzen erscheinen lassen & euch auch beschützen.
Shalom - Amen

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