Spendet Menschen aller Herkunft Trost, auch wenn er sich die Kultur seines Freundes Freitag aneignete: Robinson Crusoe / dpa

Ungerer lauscht - Kultur für alle: Hörbuchtipps im Oktober

Michael Köhlmeier über das Schöne, Uwe Johnsons „Jahrestage“, deutsche Geschichte von 1945 bis 2000: Klaus Ungerer hat sich für uns durch allerlei „Aneignungen“ gehört.

Autoreninfo

Klaus Ungerer ist Autor, Schriftsteller und Mitbegründer der Buchreihe edition schelf. Jüngst erschienen seine Novellen „Das Fehlen“ und „Ich verlasse dich nicht mehr“.

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Kulturelle Aneignung

Das Vorhandene zu nehmen, es weiterzutreiben, ihm neuen Puls einzupusten, das ist das lebendige Wesen von Kultur. Ihm entgegen steht das sture Beharrenwollen vieler Folkloristen, die tribal, identitär und statisch im Denken sind, und die sich, wenn es im Kopf so dunkel wie im Kühlschrank wird, Konzepte überlegen wie das von der „kulturellen Aneignung“. Michael Köhlmeier ist dieser Einfrierkultur abhold. In „Das Schöne“ nimmt er sich vor, was ihm gefällt, und er wienert auch alten Schmuckstücken neuen Glanz ab: Thomas Mann, Robinson Crusoe, Bulgakow – sie spenden Menschen aller Herkunft Trost. Ergänzend wagt Köhlmeier eine Ortsbegehung der krude ausgebauten, mies beleuchteten Festung des kulturellen Identitätsgedankens, dann wendet er sich wieder dem Schönen und universell Kennenswerten zu. Youtube-Videos etwa, in denen alte rostige Scheren so lange bearbeitet und poliert werden, bis sie wieder blitzen – verbeult und gebraucht und doch wie neu.

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