Gutachten zur Zukunft der SPK - Wann reden wir mal wieder über Kunst?

Seit einer Woche diskutiert man in Berlin über die Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Während ein Gutachten des Wissenschaftsrates Unterfinanzierung und strukturelle Überdehnung anprangert, vermisst man längst das Wesentliche: die Debatte um die Kunst.

kultur/stiftung-preußischer-kulturbesitz-wissenschaftsrat-monika-grütters-hermann-parzinger
Monika Grütters und Hermann Parzinger bei der Pressekonferenz des Wissenschaftsrats zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz / dpa

Autoreninfo

Ralf Hanselle leitet das Kulturresort von Cicero.

So erreichen Sie Ralf Hanselle:

ralf-hanselle

Ein Tanker ist in Seenot. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), 1957 als Stiftung des Bundes gegründet, um die Hinterlassenschaften des untergegangenen Preußens zu erhalten, steht seit der vergangenen Woche unter Dauerfeuer. Ein vorab geleaktes Gutachten, 2018 von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beim Wissenschaftsrat in Auftrag gegeben, um Deutschlands größte Kulturstiftung zu evaluieren, stelle, so das im Vorfeld bereits heißgelaufene Hauptstadt-Feuilleton, der SPK ein schlechtes Zeugnis aus.

Mit ihren insgesamt 15 Museumssammlungen, den zwei Berliner Staatsbibliotheken, dem Ibero-Amerikanischen Institut, dem Staatliche Institut für Musikforschung sowie dem Geheimen Staatsarchiv sei Deutschlands größte Kulturstiftung „strukturell überfordert“, ja „dysfunktional“. Der von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat unter Leitung der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler empfehle daher die Zerschlagung der Dachorganisation, die unter dem Logo des Preußenadlers rund 2.000 Mitarbeiter unter Vertrag hat und die bis dato zu 75 Prozent vom Bund und zu weiteren 25 Prozent von den Ländern finanziert wird. 

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Tagespass
    i
    • 24-Stunden-Zugriff auf alle Inhalte
    3,90 €
  • Monatsabo
    i
    Unsere Empfehlung
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
     
    0,00 €
  • 3-Monatsaktion
    i
    • 3 Monate lesen, 2 zahlen für 19,60 €
    • danach 9,80 pro Monat, mtl. kündbar
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte 
    19,60 €
Christa Wallau | Di, 14. Juli 2020 - 16:34

Nun, ja, so ist es eben und war es i m m e r schon: Nicht Kunstwerke und Künstler stehen im Mittelpunkt des Kunst b e t r i e b s, sondern sehr viel "drumherum".
Da wird viel, viel Geld verplempert, aber es wird nicht zielgerichtet und effizient ausgegeben.

Berlin - so sehe ich es - hat das Überdenken seiner Kultur-Arbeit gar nicht nötig:
Als Hauptstadt beruft es sich auf seinen besonderen Status, seine lange Geschichte und seinen Anspruch, "erste Adresse" in Deutschland für Kunst zu sein.
Was soll's also, wenn man da von einer Kommission des Wissenschaftsrates mal ein schlechtes Zeugnis ausgestellt bekommt?
So lange die Gelder weiter munter fließen, muß man gar nichts ändern.
Frau Grütters üppige Pension ist sowieso längst gesichert.

...wie man "zielgerichtet" und "effizient" den Kunstbetrieb finanziert.

Welche "Ziele" damit wohl gemeint sind?

Und was das mit Frau Grüppers Pension zu tun hat, verstehe ich auch nicht.

Sie haben das Dilemma mit der "Kunst" mE vollständig erfasst: Sobald es in Deutschland um "Kunst" geht, ist unmittelbar "Geld" gemeint - als schwarze Agenda unter dem Tisch. Und ihre Pension, das ist nun mal die "Kunst" einer "Kulturstaatsministerin". Ich war lange Jahre Vorsitzender einer bescheidenen Kleinkunstbühne einer mittleren deutschen Großstadt, daher weiß ich, es geht immer zuallererst ums Geld, daher geht es in der "Kunst" um keinen Deut anders zu als in der Industrie. Aber viel weniger als die Industrie zeigt sich die "Kunst"-Szene resistent gegen Übergriff und Vereinnahmung durch ideologische Diktate, insbesondere wenn diese mit überbordendem Moralanspruch daherkommen bzw wenn sie sich der Selbstzensur der political correctness unterwirft - im vorauseilenden Gehorsam. Denn, wie wir alle insgeheim wissen, es geht mitnichten um "Kunst", es geht um Geld! Um die Futtertröge - und die werden in Deutschland nicht nur befüllt von den Kunden, sondern von Steuergeldern!

Klaus Funke | Di, 14. Juli 2020 - 16:55

Immer wenn ich Frau Grütters sehe, fällt mir Marika Rökk ein. Sind es die blonden Haare oder die blauen Augen oder das maskenhafte Gesicht? Wenn die Rökk dieses Amt inne gehabt hätte, hätte sie jedenfalls garantiert vergleichsweise oberflächlich agiert. Frau Grütters kassiert ein tolles Ministergehalt - aber was tut sie dafür? Für Kunst und Kultur, Merkels absoluten Stiefkindern, hab ich sie noch nichts Besonderes leisten hören und sehen. Genau wie ihre Herrin, deren Kunstsinn sich bisher in der jährlichen Teilnahme an einem Bayreuther Opernabend erschöpfte - jetzt nun, dank Corona hat auch das glücklicherweise ein Ende. Nein, ich frage mich tatsächlich in Sachen Monika Grütters wie in dem alten Doris-Day-Film: "Was diese Frau so alles treibt?" Legt die irgendwo Rechenschaft ab? Noch nie was gehört. Oder ist es an mir vorüber gegangen? Jetzt weiß ich es: Frau Grütters ist Merkels Alibi-Ministerin - Ätsch, wir tun doch was für Kunst und Kultur. Wir haben doch Frau Grütters!

Susanne Dorn | Di, 14. Juli 2020 - 19:15

...ist der Feind des Sozialismus, wie Ehe und Familie, Individualität, Eigentum und Religion. Der Sozialismus richtet sich gegen alle Formen unserer Zivilisation.

Ich gehe davon aus, dass dieses Thema sehr schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden wird...

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 15. Juli 2020 - 10:21

aber warum sprechen Sie dann nicht über Kunst....
und die politischen Zusammenhänge in denen sie entstanden bzw. fortdauern wird?
Preussen ist wohl kaum untergegangen, wenn wir jetzt in der Berliner Republik leben.
Deshalb verstehe ich den Vorschlag mit der "Zerschlagung" nicht.
Dresden hat mithilfe der Welt die Frauenkirche "wieder"-aufgebaut, dann drängt sich das für Berlin ganz sicher auf.
Aber es geht nicht nur um das "wieder" sondern auch um das "weiter".
Frau Sasha Waltz stellte doch den Plan für ein wundervolles Kunstwerk vor?
Berlin nennt man wohl auch Spree-Athen.
Wenn wir also von der Athene der Schlachten, der in Kampfmontur, wegkommen hin zu einer Athene der Kunst und Wissenschaften, dann werde ich mich gerne daran erinnern, dort gelebt zu haben.
Dann spricht doch alles, aber auch wirklich ALLES für MEHR GELD und tragfähige Projekte.

meine ich damit ganz entschieden die Moderne. Wir lasen doch kürzlich über die modernen Kirchenfenster hier im Cicero.
Was wäre schon das ältere London ohne die Skulpturen von Henry Moore, Barcelona ohne die architektonischen Experimente, Magdeburg ohne das Hunderwasserhaus, das muss ich mir noch ansehen, neben meinen Orten der Sehnsucht, dem Dom.
Auch in Halberstadt gibt es neben dem imposanten Dom dieses Cage-Tonkunstwerk.
Mein Gott ist die Bundesrepublik reich.
Und da meine ich durchaus auch bedeutende wiederaufgebaute Synagogen und jetzt Moscheen.
Ohne Kirchen würde ich auf der Stelle zugrundegehen, dürfen wir das Gläubigen anderer Religionen also vorenthalten, tätig zu glauben?
Die Bedingungen darf die verfasste Bevölkerung sicher diskutieren und entscheiden, auch in Bezug auf mein geliebtes Christentum.