Cristiano Ronaldo - Ein Hoch auf die Wasserflasche

Die Dramaturgie ist an Schlichtheit nicht zu überbieten. Ronaldos „Coca-Cola, bah“, sein Aus-dem-Bild-Schieben zweier Cola-Flaschen führt zum Wertverlust der Marke an der Börse. Dem Fußballstar gelingt so mit minimalem Aufwand etwas, woran sich Julia Klöckner seit Jahren glücklos abarbeitet.

Cristiano Ronaldo mit ungeliebtem Erfrischungsgetränk / Screenshot

Autoreninfo

Jens Nordalm leitet die Ressorts Salon und Literaturen bei Cicero.

So erreichen Sie Jens Nordalm:

Das war ein denkwürdiger Moment. Wenn man sagt, Macht hat der, dessen kleinste Gesten Größtes bewirken, dann hat Cristiano Ronaldo sehr viel Macht. Denn die Dramaturgie war an Schlichtheit nicht zu überbieten.

Ronaldo blickt zu Beginn der Pressekonferenz, nachdem er sich hingesetzt hat, auf die zwei Cola-Flaschen vor ihm – und sie missfallen ihm ganz offensichtlich. Er scheint ein paar Sekunden zu brauchen, bis er weiß, was er mit ihnen tut. Dann stellt er oder schiebt er sie aus dem Bild. Und hält stattdessen seine Wasserflasche hoch – die Marke nicht erkennbar –, sagt dazu einfach „Agua!“ und murmelt danach noch einmal verächtlich zur Seite „Coca-Cola, bah“.

Geniale Anti-Werbung

Es war eine elementare, ganz offensichtlich unkalkulierte, spontane Geste des Wegstellens, des Aus-dem-Bild-Schiebens – durch diesen bekanntermaßen äußerst asketisch lebenden und tatsächlich vor allem Wasser trinkenden Superstar. Eine Genialität der Anti-Werbung, die keine Absicht so hätte hervorbringen können. Universal verständlich das Ganze, mit minimalem Aufwand.

Und was geschah dann ökonomisch? Der folgende Kursverlust pro Coca-Cola-Aktie summierte sich zu einem Wertverlust der Marke an der Börse um vier Milliarden Dollar. Das heißt, dass etwa institutionelle Anleger und Aktienbesitzer sofort der Meinung waren, diese Aktion Ronaldos schade dem Unternehmen in einem Ausmaß, dass man sich besser von den Papieren trenne.

Nervige Askese?

Denkwürdig – denken wir dem also nach: Ist das eigentlich ein zutreffendes Menschenbild, das wiederum hinter dieser Erwartung der Anleger steckt? Dass Millionen von Menschen wegen dieser Geste, wenn sie sie gesehen haben, beim nächsten Mal etwas anderes zum Trinken bestellen oder in den Einkaufswagen legen? Dass Millionen Menschen das mit dem Zucker zwar immer schon wussten, aber jetzt erst, nach diesen 20 Sekunden Ronaldos, ihre Schlüsse ziehen?

Man möchte eigentlich hoffen, dass so einfach gestrickt die Leute doch nicht sind. Aber vielleicht die Kinder, die Jungs, die sich zwar von Mami nichts verbieten lassen wollen, aber durch diesen Hinweis des großen Ronaldo doch zu beindrucken sind? Das wäre okay. Aber leider werden wir beides nie wissen. Keine Entwicklung der Marke wird sich in den nächsten Monaten und Jahren auf diesen Moment zurückführen lassen. Bei vielen könnte auch Ronaldos nervige Askese zum Gegenteil führen: Der verzichtet auf so viel Spaß – das soll er mal alleine tun!

Das Lob Lauterbachs

Aber nehmen wir an, Ronaldos Macht sei tatsächlich riesig und sein Wegstellen der Flaschen habe die von den Anlegern erwartete Wirkung. Dann wird jetzt der eine oder die andere vor Neid erblasst sein. Was hat nicht etwa Julia Klöckner alles versucht! Gegen den Zucker, all die Kampagnen, im Verein mit all den Gesundheitsinitiativen, der ganze riesige Aufwand – und dann dieses eine Aus-dem-Bild-Schieben! Demütigend. Karl Lauterbach hat auch gleich versucht, wieder in die Offensive zu kommen – und hat Ronaldo gelobt.

Diese kleine Bewegung zweier Flaschen, über kaum mehr als einen Meter, wird Werbern weltweit viel Stoff zum Nachdenken geben. Über die Einfachheit der Szenerie, über die Reduziertheit der Mittel, und über das Gigantische der Wirkung. Regieanweisung: „Geradeaus, aber ohne emotionalen Ausdruck: ‚Agua!‘ – Verächtlich beiseite: ‚Coca-Cola, bah‘.“

„Pofalla beendet Dinge“

Man könnte sich auch draufsetzen und lustige Nebenkampagnen fahren. Erinnern Sie sich noch an Kanzleramtsminister Ronald Pofallas damals als unglücklich empfundene Positionierung in der Geheimdienst-Ausspäh-Affäre? Die hatte er ziemlich früh für beendet erklärt, weil ihm schriftliche Versicherungen der Geheimdienste Großbritanniens und der USA vorlägen, dass es nicht zu millionenfachen Grundrechtsverletzungen in Deutschland gekommen sei. Danach gab es tagelang auf einer Netz-Plattform unter „Pofalla beendet Dinge“ die lustigsten Vorschläge, was er alles einmal beenden könne.

Was könnte man auch jetzt fantasieren, was alles durch Wegstellen verschwindet, was alles so richtig schön ökonomisch abstürzt, wenn jemand es nur aus dem Bild schiebt! So viele hässliche und störende Dinge! Und natürlich noch ganz viel Schädliches. Warum schieben Habeck und Baerbock nicht mal einen Verbrennungsmotor aus dem Bild?

Margaretha Graf | Do, 17. Juni 2021 - 16:51

Ach Gottchen, wie witzig! Reihum in den Medien wird das aufgeplustert, und der Autor dieses Artikel macht es nicht unter „genial“. Um vom Baum wieder runter zu kommen, hilft vielleicht ein Blick auf den heutigen Aktienkurs von CocaCola. Die Aktie steht genau wieder am selben Punkt wie vor einer Woche.

liegt das sicherlich nicht an Coca Cola, aber die Werbewirksamkeit der Berichterstattung in den Medien über Ronaldos "genialen" Zug könnte sich auch für CC als günstig erweisen, schließlich hat CR7 nicht nur Fans, sonder auch jede Menge Kritiker.

Tägliche Kursbewegungen sind zu 99% spekulativen Ursprungs Von real begründeten Wert Implosionen, Beispiel touristisch bedingte Einbrüche bei Luftfahrtunternehmen etc, abgesehen.
Aber ein Beweis ist es im vorliegenden Fall, wieviel Einfluss "Der" Verbraucher hätte, haben könnte, wenn es sich denn - dauerhaft - aufraffen würde/könnte.
Nu ein spontan geäußerter Beitrag -
Keine Belehrung - nicht einmal eine versuchte

Rob Schuberth | Do, 17. Juni 2021 - 17:13

Ronaldo hat halt die deutlich größere Fangemeinde.

Wer in der Welt kennt schon unsere Julia?

An diesem Bsp. zeigt sich der doch große Einfluss der Verbraucher. Der ja so oft abgetan wird....nach dem Motto: Was kann ich denn schon ausrichten.

Wir Verbraucher haben so etwas also in der Hand, resp. im Einkaufs- od.Warenkorb, oder besser nicht.

Karl-Heinz Weiß | Do, 17. Juni 2021 - 17:38

Interessanter Gedankengang-aber mit dem falschen Subjekt. Sein Marktwert basiert auf dem Geld der Sponsoren. Warum (um Gottes Willen) giert unsere Zeit so nach Symbolhandlungen? Das ist doch das Gebiet der Religionen!
Glaubhaft wird der Cola-Verächter nur, wenn er seine Teilnahme an der WM in Katar wegwischt.

Christa Wallau | Do, 17. Juni 2021 - 17:56

ist doch wohl Angela Merkel, die als Kanzlerin der
Bundesrepublik Deutschland (!) 2017 nach dem Wahlsieg der CDU unsere deutsche F a h n e dem damit winkenden (zugegebenermaßen immer etwas blöd grinsenden) Hermann Gröhe aus der Hand riß und entsorgte.
Mehr "Anti-Werbung" für Deutschland geht gar nicht!

Aber vielen unserer Mitbürger scheint's ja zu gefallen... Es geht ihnen doch nicht um das popelige Deutschland, sondern um nichts Geringeres als das "Welt-Klima".
Merkel ist in diesem Punkt voll bei den Grünen.
Wäre sie doch von Anfang an bloß dieser Partei beigetreten!
Was wäre uns möglicherweise alles erspart geblieben???

Leider, werte Frau Wallau, haben Sie recht.

Anscheinend ist es in unserem Land noch immer nicht erlaubt seinen Patriotismus offen zu zeigen (außer bei einer WM/EM).

Mich ärgert das sehr.
Wie sollen den die "zu uns Gereisten" sich hier integrieren, wenn sie live erleben müssen, dass es in diesem Land als unschicklich gilt, sich zu diesem Land offen zu bekennen!?

So schaffen wir doch nur Anreize für Parallelgesellschaften.

In DK u. Schweden erlebe ich es immer wieder und freue mich für die Bewohner.
Denn die hissen als erstes ihre Landesfahne, sobald sie ihr Sommerhaus bezogen haben.
Bei uns würde das nur Ärger geben.

Norbert Heyer | Fr, 18. Juni 2021 - 06:52

Der Auftritt von CR war kurz und gut: Ein Blick auf die ungeliebte braune Brühe, abräumen und dann alternativ eine simple Wasserflasche als Ersatz positionieren. Die Werbebranche hat schon lange erkannt, dass besonders Sportler als Werbeträger besonders geeignet sind. Vielleicht hat CR auch einen Exklusiv-Vertrag mit einem Mineralwasser-Fabrikanten? Trotzdem kann auch ein bekannter Sportler bei mir nicht erreichen, dass ich auf Cola verzichte. Auch Nivea-Creme, Braun-Rasierer oder VW hat bei uns keinerlei Bedeutung. Viele verbinden mit von einem Sportler beworbenen Produkt Eigenschaften des Sportlers, die sie durch den Erwerb des Produktes gerne hätten. Das erweist sich in der Regel als nicht zutreffend. Besonders negativ wird die Werbewirksamkeit eines Sportlers dann, wenn er bei einer EM, WM oder Olympiade versagt, dann verkehrt sich der gewünschte Werbe-Effekt genau ins Gegenteil. Dann gibt es nur einen Gewinner ... der betreffende Sportler. Warten wir doch noch bis Samstag ab ...

Wolfram Fischer | Fr, 18. Juni 2021 - 08:13

Man muss "CR7" ja nicht mögen... er ist aber ein fairer Sportsmann und zudem ein offenbar durchaus solider Carakterkopf - und diese an Schlichtheit kaum mehr zu überbietende (oder muss man hier sagen: zu unterbietende?) Geste muss wie Donnerhall in der Werbeindustrie klingen!
Grandios!

Achim Koester | Fr, 18. Juni 2021 - 08:37

Warum schiebt eigentlich niemand die omnipräsente Baerbock aus den Titelseiten der Mainstream Magazine?
Mittlerweile haben selbst so überzeugte Klimaschützer wie Prof. Harald Lesch erkannt, welche Umweltschäden die Akkuschrauber-Autos verursachen (Sendung im WDR).

Yvonne Stange | Fr, 18. Juni 2021 - 10:42

.... für das mangelnde Selbstdenken der Menschen. Es stimmt mich traurig, wie dumm die Menschen eigentlich sind. Ein Fußballer räumt Cola weg. Und die Welt steht still. Man greift sich an den Kopf.
"Die Psychologie der Massen", man sollte es mal wieder zur Hand nehmen. Solche Typen (Idole) werden benutzt um die Massen zu dirigieren. Wie einfach und wie dröge die Masse doch ist. LEUTE, BRAUCHT IHR WIRKLICH JEMANDEN, DER FÜR EUCH DENKT?!?!? Jetzt mal ganz vom Konzern und dem Getränk abgesehen. Es funktioniert immer wieder. Die Menschheit lernt nicht. Konformismus, Obrigkeitshörigkeit, Anbetung der Idole.... es widert mich an. Warum benutzen so wenige ihr eigenes Gehirn? Und hier gibt es einen Artikel darüber....Mir bleibt nur Kopfschütteln. Ich brauche keinen Fußballer, der mir erklärt, daß Cola nicht gesund ist. ;-) Das weiß ich selber. Ich bestimme selbst, was ich konsumiere und was nicht und nicht, weil es ein "Idol" tut....

auch die Flaschenschieberei
Und sei es für sich selbst.
Schon der öffentlich Stellenwert Fussball und seiner Kommentatoren. Erschreckend.
Spiegel der Gesellschaft .
Insbesondere des ÖRF - des wettbewerbsbefreiten
Einstein könnte heute nur über die Relativität der Flugbahn eines relativ geschlagenen Balles reüssieren.
Dezeitige Psychologen denken gerade über unbewusstes Balltreten als Ersatzhandlung nach.
Oder Foulpiel als Gesellschaftskritik
>
Anm Nichts gegen Fussball - selbst rd 25 Jahre gespielt

Dr.Andreas Oltmann | So, 20. Juni 2021 - 12:16

Tatsächlich derselbe Ronaldo, der hier glorifiziert wird? Tatsächlich derselbe, der zig Millionen verdient mit Sponsoraufträgen? Derselbe, der wegen Steuerhinterziehung 2019 zu 23 Monaten Bewährungsstrafe und 19 Mio.€ Steuer-Nachzahlungen verurteilt wurde? Der soll ein Vorbild sein?
Für mich nicht, Herr Nordalm sollte besser recherchieren, bevor er Personen hochjubelt, die selber Dreck am Stecken haben.
Im ärztlichen Bereich und vermutlich auch im Berufsbeamtentum würden Sie ihre Approbation verlieren und Rüden sehr wahrscheinlich Ihren Beamtenstatus.
Also Vorsicht, wer hier erhöht wird und wofür.