Integration - Wir sind mehr als euer Stereotyp!

Gehen die Kinder und Enkel der türkischen Gastarbeiter immer mehr auf Distanz zu dem Land, in dem sie großgeworden sind? Dieses Bild zeichnete der „Report Mainz“ (SWR) jüngst in einem TV-Beitrag. Özge Uslu fand sich darin nicht wieder. Dabei hatte sie der Sender sogar interviewt

Frauen mit Kopftuch laufen am Freitag (17.08.2012) in Berlin-Neukölln über die Karl-Marx-Straße. In Berlin wurde eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INFO zur Lebenszufriedenheit von Türken in Deutschland vorgestellt.
Unwillig, sich zu integrieren: Ausgerechnet der SWR zeichnete jetzt ein stereotypes Bild von Türken / picture alliance

Autoreninfo

Özge Uslu studiert im Master Politikwissenschaft an der Universität Heidelberg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Anti-Rassismus, Nationalismus, Integration und Lebenswelten türkeistämmiger Menschen in Deutschland. Sie ist seit 2019 im Bundesvorstand der Türkischen Gemeinde in Deutschland, www.tgd.de .

So erreichen Sie Özge Muslu:

Vergangene Woche strahlte das politische TV-Magazin „Report Mainz“ einen Beitrag über junge Menschen aus, deren Eltern aus der Türkei stammen. Das Fazit: Junge Türkeistämmige wendeten sich von der Gesellschaft ab und zögen sich in ihre eigenen Communities zurück. Es war nur ein Ausschnitt aus der Realität, aber der Sender stellte ihn als Gesamtbild dar.  

Ich fand mich in dem Beitrag nicht wieder. Dabei hatte mich eine Reporterin sogar dafür interviewt. Anfang Dezember hatte ich eine Anfrage von Report Mainz erhalten: Ein Team wolle für diesen Beitrag gerne auch mit politisch interessierten jungen Türkeistämmigen sprechen. Als Politikwissenschaftlerin und gesellschaftspolitisch engagierte Deutsch-Türkin fühlte ich mich angesprochen und sagte sofort zu. Ich war gespannt und erwartungsvoll. Ich dachte mir: Endlich gibt es eine Plattform für unsere Stimmen.

„Den Türken“ oder „die Türkin“ gibt es nicht  

Für Menschen, die sich nicht zwischen Deutschland und der Türkei hin- und hergerissen fühlen. Für Menschen, die sich trotz täglich erlebter Ausgrenzung nicht zurückziehen, sondern gerade deswegen für eine offene und solidarische und Gesellschaft einstehen, an der jeder teilhaben kann, ungeachtet seiner Nationalität. Für Menschen, die sich nicht ins Stereotyp der Türkin oder des Türken hineinzwingen lassen.

Das Interview dauerte zwei Stunden. Mit mir wurden drei weitere junge Erwachsene interviewt. Ob meine Heimat Deutschland oder die Türkei sei, wollte die Reporterin wissen. Schon die Frage ärgerte mich. Geht nur das eine oder das andere? „Ich habe zwei Heimaten“, entgegnete ich. Die Reporterin runzelte die Stirn. Ich hatte den Eindruck, meine Antwort würde sie nicht wirklich zufriedenstellen. Trotzdem blieb ich hoffnungsvoll.

Zerrissenheit lässt sich besser verkaufen 

Einen Monat später sitze ich dann gespannt vor dem Fernseher. Sofort sticht mir die Grafik im Hintergrund ins Auge: Eine Türkeiflagge, eine Deutschlandflagge, dazwischen eine Männerfigur und die Überschrift „ZERRISSEN“. Das kann ja gut werden, denke ich. Entweder, oder. Geht es auch differenzierter? In diesem Beitrag leider nicht. Auf einer türkischen Hochzeit werden das Brautpaar und diverse Hochzeitsgäste nach ihrer Heimatzugehörigkeit gefragt. Die Antwort: Türkei.

Szenenwechsel. Ein türkischer Fußballverein in Berlin. Seine Spieler sprechen alle deutsch – bloß nicht auf dem Fußballplatz. Der Trainer ruft seine Anweisungen auf türkisch. Er sagt, strategisch sei das sinnvoller, wenn ihn die deutschen Spieler der gegnerischen Mannschaft  nicht verstehen. Ob das nicht respektlos sei? Kopfschütteln.

Und dann gibt der Beitrag noch einem Erdogan-nahen Facebook-Blogger eine Plattform, der erst gnadenlos gegen Deutsche hetzt und dann auf Anfrage behauptet, das sei doch bloß Satire gewesen. Alle Protagonisten signalisieren eines: Unsere Heimat ist die Türkei – und nur die Türkei. Ich hätte den Zuschauern das Gegenteil erzählt. Aber ich kam nicht in dem Beitrag vor. 

Klischees statt Ausgewogenheit  

Ich starre auf den Fernsehbildschirm. Erst bin ich verwundert, dann entsetzt – und schließlich  auch wütend. Mir wird schnell eines klar: Die Intention dieses Beitrags war es nicht, die türkische Community mit all ihren unterschiedlichen Facetten abzubilden. Nein, ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der ja  zur Ausgewogenheit verpflichtet ist, zeichnete ein Bild, das alle Klischees bediente, wie sie uns besonders gerne von rechts angehängt werden. Der/die  Türk*In als ewiger Außenseiter, deutschen-feindlich, unbelehrbar und unwillig, sich zu integrieren. 

Wie kann das sein? Ich frage beim SWR nach. Eine leitenden Redakteurin sagt, meine Positionen würden lediglich eine „reflektierte Minderheit“ darstellen. Mit anderen Worten: Du passt nicht unser Türk*Innenbild. Dabei bin ich 23 Jahre alt, Enkelin eines türkischen Gastarbeiters und gehöre somit der dritten Generation von türkeistämmigen Migrant*Innen in Deutschland an. Ich gehöre also genauso zur Community wie das türkisches Hochzeitspaar oder die jungen Männer aus dem türkischen Fußballverein. 

Diversität passt nicht ins Weltbild 

Dachte ich jedenfalls bisher. Beim „Report Mainz“  sieht man das offenbar anders. Von Diversität in der türkischen Community wollen sie nichts wissen. Das Bild einer Generation, die zerrissen ist zwischen Deutschland und der Türkei, lässt sich besser verkaufen. Ich habe im Interview erzählt, dass die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg, deren Mitglied ich auch bin, seit vier Jahren an der Gay-Pride in Stuttgart teilnimmt und sich für die Rechte von LGBTQ+-Menschen einsetzt. Der Redaktion passte das nicht.

Doch ob es anderen passt oder nicht, die türkeistämmige Community ist heterogen. Wir sind deutsch-türkisch, turko-deutsch, alevitisch, kurdisch, muslimisch, atheistisch, schwul, lesbisch, trans* und noch vieles mehr. Was wir nicht sind: Eine homogene Gruppe von Menschen, die alle dieselben Werte und  Weltanschauungen teilen. Dass uns der SWR als Integrationsverweigerer darstellt, verrät mehr über sein Weltbild als über uns. 

Andreas Zimmermann | Fr, 17. Januar 2020 - 16:55

Liebe Frau Uslu,

Sie finden sich und Ihre Ansichten nicht im ÖR wieder? Sie empfinden das ÖR als tendenziöse Berichterstattung? Willkommen im Club, das geht vielen Deutschen schon seit Jahren so! Aber vielleicht können wir alle ja diesem zwangsgebührrenfinanzierten Ideologiefunk in etwas Besseres verwandeln...

Gruß aus Berlin und Danke für diesen interessanten Beitrag

es ist respektlos, wenn man in der Sprache spricht, die der andere Anwesende nicht versteht.

Günter Johannsen | Sa, 18. Januar 2020 - 14:04

In reply to by Gast

Sehe ich anders. Es ist kein Klischee, sondern eine ständig gelebte und provozierende Tatsache: "es ist respektlos, wenn man in der Sprache spricht, die der andere Anwesende nicht versteht", es ist respektlos, Frauen zu zwingen, in Burka oder Niqab in der Öffentlichkeit herumlaufen zu lassen, wenn man in einem Land lebt, in dem sogar im Grundgesetzt festgelegt ist: GG 3,2 "(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."
Liebe Frau Uslu, man muss nicht verharmlosen, was nicht zu verharmlosen ist.
Kein Mensch wird gezwungen, unter dem Grundgesetz in Deutschland zum leben. Aber das GG gilt für ALLE Menschen, die in Deutschland leben! Dass Vollvermummung religiöse Vorschrift ist, halte ich für eine Ausrede.
KEINE Religion steht über dem Grundgesetz!

Karsten Berger | Fr, 17. Januar 2020 - 18:15

Jenseits aller schwarz/weiß Schemata: es bedarf schon einer fundierten Erklärung, warum auch in der 3. Generation, mit oder ohne deutschen Paß mehr als 90% wiederum Türken heiraten. Da der Trend ungebrochen ist, entfällt zunehmend auch die Notwendigkeit. Es soll hierzu auch schon Literatur geben.

Reinhold Schramm | Sa, 18. Januar 2020 - 00:38

In reply to by Gast

Warum sind Ehen zwischen türkischen Frauen und deutschen Männern so selten? Warum heiraten türkische Männer und Frauen vorwiegend in der eigenen Ethnie? Auch nicht selten (nur) in der eigenen Familie und Verwandtschaft. Siehe auch Ehen innerhalb muslimischer Familienclans. Das gilt so aber auch für Ehen aus allen muslimischen Ländern und Regionen (Eurasien und Afrika).

PS: Wenn man zu einer kleinen progressiven Minderheit innerhalb der türkisch-muslimischen Community gehört, sollte man nicht die dominierende Lebenswirklichkeit in der bundesdeutschen und türkischen Gesellschaft leugnen.

Das ist eine Frage, die in den USA auch schon seit Jahrzehnten diskutiert werden.

Es gibt immer noch erhebliche kulturelle Unterschiede. Trotz aller "affirmative action" Programmen (- oder velleicht gerade wegen dieser) sind die Schul- und Studienunterschiede erheblich, die sozialen Differenzen bleiben.

Diese Erfahrungen aus den USA, auch aus F und UK, werden in Deutschland noch nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Immer noch bsteht die Hoffnung, es werde EINE multikulturelle Gesellschaft geben. Besonders in Schweden war die Erwartung ja früh verbreitet; dort ist man in de Realität angekommen: Es gib tief gespaltene Gesellschaften in einem Land, man lebt nebeneinander und häufig auch gegeneinander.

"Die Realität gewinnt immer." Ob die deutsche Überzeugung "Wir schaffen das" gegen die Realitäten und historischen Beispiele gewinnen wird?

Das kann ich aus dem eigenen Bekanntenkreis seit vielen Jahren nur verwundert bestätigen. Freunde mit asiatischem/amerikanischem/italienischem Hintergrund haben nicht immer, aber sehr oft "einheimische" Partner, sind auch nach Heirat in den Cliquen und Gruppen aktiv und ändern ihr Sozialverhalten nicht spürbar.
Bekannte mit türkischen Wurzeln waren so lange im "multi-ethnischen" und einheimischen Freundeskreis integriert, so lange sie Schüler oder Studenten, aber vor allem Singles waren. Verheiratet sind bis auf 1 Studienkameraden alle nu mit türkischen Partnern aus der Heimat der Eltern.Auf meine Frage hin erhalte ich oft die Antwort "Das ist bei uns so. Das gehört sich so. Einen deutschen Ehepartner würden meine Eltern/Großeltern nicht dulden." Das treibt sogar Blüten dergestalt, dass man mit einem Partner aus der "Heimat" verheiratet ist, aber in den verschiedenen Ländern leben bleibt und die Frau alleinerziehend bei den Eltern wohnen bleibt. Hauptsache früh verheiratet mit Kind.

Karsten Paulsen | Fr, 17. Januar 2020 - 18:38

Ich habe eine Reihe von Kollegen kennengerlernt, deren Eltern oder Großeltern aus der Türkei engewandert sind. Auf Anhieb hätte ich das oft nicht erkennen können, das ergab sich erst im Gespräch. Ich gönne es den jungen Nachkommen auch die Türkei (als Land und Herkunft) im Herzen zu tragen. Ich habe litauische, dänische, niederländische und deutsche Vorfahren. Die Heimat meiner Mutter, Ostpreussen, liegt mir am Herzen, obwohl ich dort nicht aufwuchs.

Bernd Muhlack | Fr, 17. Januar 2020 - 18:48

Zitat:
"Ich habe im Interview erzählt, dass die Türkische Gemeinde in BaWü, deren Mitglied ich auch bin, seit vier Jahren an der Gay-Pride in Stuttgart teilnimmt und sich für die Rechte von LGBTQ+-Menschen einsetzt." - Ende

Frau Uslu, was wollen Sie bitte damit sagen, zum Ausdruck bringen?
Was hat das mit der Integration von Türken zu tun?
Es ist doch wohl mittlerweile so, dass jedes, aber auch jedes Thema mit irgendwelchen Minderheiten, angeblichen Diskriminierungen oder dem Klima in Verbindung gebracht wird.

Man kann das nicht mehr hören, lesen!
Wie sagt meine Mutter (85j) oft: "Ich bin froh, dat ich so alt bin, et es jo alles nur noch bekloppt!"

Natürlich gibt es nicht den/die/das prototypischen Türken, Russen, Inder.
Das ist jedoch kein Grund, wieder so eine Art "Opferfass" auf zu machen!
Im Übrigen: wer kuckt schon das ö-r TV?
Okay, heute Abend ausnahmsweise: Schalke 04 - Gladbach; Béla Rhéty? Ton aus!

Frau Uslu, viel Erfolg im Studium!
En Iyisi!
& semper apertus (Uni HD)

August-Johann Müller | Fr, 17. Januar 2020 - 18:57

Ich empfehle Frau Uslu das Buch von Joachim Wagner „Die Macht der Moschee - Scheitert die Integration am Islam“ zu lesen. Dann wird sie erkennen, dass der SWR mit dem Beitrag in „Report Mainz“ eine richtige Darstellung gesendet hat.

»Welche Probleme bringt die Zuwanderung mit sich? Was passiert, wenn unterschiedliche Kulturen auf diese Art und Weise aufeinander treffen? Wo sind die Gefahren und was bezweckt die Politik damit? Wie gefährlich ist der Islam?

Stefan Schubert zeigt in seinem neuen Buch Fakten auf, die öffentlich zugänglich sind und über die trotzdem viel geschwiegen wird. Das Interview führte Alex Quint.

Höre: https://www.youtube.com/watch?v=jYraGI2HHvA

Helmut Bachmann | Fr, 17. Januar 2020 - 19:02

Die Realität wird in Berichten zumeist vereinfacht. Was den Bericht angeht: er hat etwas mit der Mehrheit der hier lebenden Türken zu tun. So ist das, Ausnahmen bestätigen die Regel. Und die Regel lässt sich mit Zahlen belegen. Ein Klischee erfüllen aber sogar Sie Frau Uslu und das finde ich schade.

Rob Schuberth | Fr, 17. Januar 2020 - 19:04

Nein, Frau Uslu,

was Sie da anzweifeln, ist m. E. nur die Bestätigung für viele der Klischees, die es mittlerweile gibt.

Fragen Sie sich doch bitte mal woher diese Klischees kommen?

Die sind doch nicht grundlos entstanden.

Sie versuchen m. E. eher "Ihre Generation" schuldlos zu sprechen, anstatt sich den vielen Defiziten im Verhalten dieser 3. u. 4. Generation kritisch zu stellen.

Wer hier lebt u. gerne alle Vorteile für sich in Anspruch nimmt und dann dennoch einen Möchtegern-Pascha wie Erdogan gut findet, der hat hier m. E. nichts mehr verloren.

Die lächerliche Ausflucht:"Warum darf ich nicht zwei Heimaten haben", ist einfach grotesk.
Schwanger sein geht auch nur ganz oder gar nicht.

Sie müssen sich schon entscheiden.

für alle türkuschstämmigen Menschen. Damit kommen wir zusehends in die Nähe des Rassismus.
Überhaupt ist es interessant, wieviele Kommentatoren sich unter türkischstämmigen Menschen auskennen. Und natürlich stimmten und stimmen die eigenen Vorurteile absolut mit der Realität überein.

Ein bisschen Frieden, ein bisschen schwanger …. so läuft das eben nicht! Wer hier lebt, sollte sich schon klar entscheiden: hüh oder hot!
Nach wie vor gilt in Deutschland das Grundgesetz für ALLE, die hier leben!
Wer sich nur die Rosinen rauspicken will, der ist hier fehl am Platz und bringt den ehrlichen Zuwanderern einen schlechten Ruf ein!

Christoph Kuhlmann | Fr, 17. Januar 2020 - 21:17

Man muss sich über Parallelgesellschaften im klaren sein, darf sich von Klischees nicht die Fähigkeit verderben lassen jeden Menschen individuell zu sehen. Ich meine Cagla ist Cagla und Selcuk ist Selcuk was interessiert mich der Personalausweis oder die Identifikation mit irgendeinem Land. Das hängt wahrscheinlich auch davon ab, wie sehr man sich selbst als Individuum sieht und das Merkmal Deutscher doch eher für nachrangig hält, weil es für die Selbstbeschreibung nicht so wichtig ist. Es ist völlig normal das Auswanderer teilweise nationaler denken, als die Leute, die daheim geblieben sind. Das hat man bei deutschen Gruppen im Ausland auch. Am besten man denkt nicht soviel darüber nach, je mehr man nationale Kategorien verwendet, desto wichtiger werden sie.

Tork Poettschke | Fr, 17. Januar 2020 - 21:51

Das Problem ist vielleicht trotz allen Selbstverständnisses die Herausbildung einer Parallelgesellschaft unter türkischen MigrantInnen, speziell in konservativen Kreisen. Hier in Dortmund lebe lbst in einem Stadtteil, der von Einwanderung geprägt. Und was sehe ich?? Die Nationalitäten bleiben under sich. türkische BürgerInnen kaufen in türkischen Geschäften. Deutsche in den deutschen. Was mir persönlich einfach fehlt ist eine größer Offenheit, Toleranz, ja, ein Aufeinander-zu-gehen. Hierin ist die BRD ja nicht gerade Weltmeister - aber auch in anderen Ländern verbreitet. Ein gesundes Motto sollte lauten: HEIMAT IST DA, WO MAN GERADE IST! Ein letztendliches Selbstverständnis haben auch türkische MigrantInnen in deutschen Landen bislang eher nicht - meiner bescheidenen Meinung nach ... (tp)

Günter Johannsen | Sa, 18. Januar 2020 - 18:44

In reply to by Gast

Sonst sind sie aber nicht bescheiden, Herr Poettschke … ?
"Kein Mensch ist illegal!" - das gilt für eingeborene Deutsche aber mindestens auch, oder? Ich hatte den Eindruck, dass sie alles Bundesdeutsche ablehnen und die untergegangene DDR-Diktatur bevorzugen. Ist das richtig? Das kann ich nicht nachvollziehen, denn ich musste 40 Jahre lang dieses kommunistische Unrechtssystem ertragen mit all seiner Primitivität, Menschenverachtung und dem Hass gegenüber Andersdenkenden. Herr Tork Poettschke, Zwang aus zu üben, scheinen sie irgendwie gewohnt zu sein, ist mein Eindruck? Wie ich nur darauf komme? Was für sie gilt, muss für alle gelten? Diesen übergriffigen und aufdringlichen Habitus kenne ich zur Genüge und ich bekommen davon Brechreiz …! Sorry!

Günter Johannsen | Sa, 18. Januar 2020 - 18:57

In reply to by Gast

Heimat ist, wo ich zu Hause bin und das ist oft da, wo ich aufgewachsen bin, meine Familie habe und mich sozialisieren konnte. Heimat ist, wo ich mich gut fühle und nicht ideologisch indoktriniert werde, wo mir liebe Menschen wohnen. Die DDR, wo ich aufgewachsen bin, ist für mich keine Heimat, aber der Ort Leipzig schon. Was bei Wikipedia unter Heimat zu finden ist, trifft auch mein Verständnis von Heimat: "Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen."
Manche Menschen empfinden es eben anders und das ist gut so. Wenn einer behauptet, er hat die Weisheit mit roten Löffeln gefressen, ist er für mich nicht ganz koscher!

dieter schimanek | Fr, 17. Januar 2020 - 22:57

Ziemlich naiv von solchen und ähnlichen Sendungen Objektives zu erwarten. Das sind Meinungsmacher nichts anderes. Bei Plasberg Thema Rente, wurden am Flughafen Rentner befragt, die gerade von einem Karibikurlaub zurückkamen, die waren alle zufrieden mit ihrer Rente. Wenn man die Umfragen im Ghetto macht, kommt etwas anderes heraus, immer wie es gebraucht wird. Nicht entmutigen lassen, abschalten den Mist.

Wolfgang Mattick | Sa, 18. Januar 2020 - 15:34

In reply to by Gast

Warum schauen Sie dann den "Mist" an ? Das Sie sich aufregen können ? Geht dann wieder besser ?

Petra Horn | Sa, 18. Januar 2020 - 00:00

immer wieder diese Angriffe und das Auschütten von Ressentiments auf "die Deutschen" zu hören oder zu lesen.
Diese Vorwürfe kommen praktisch immer nur von ganz bestimmten Zuwanderergruppen, die unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit dafür bekommen.
Woher will Frau Uslu wissen, was "die Deutschen" für ein Bild von "den Türken" haben?
Ich leben in einer Stadt, in der die Zuwandererkinder in den Grundschulen 90% und steigend ausmachen, und Frau Uslu will mir erzählen, ich wüßte nichts von Türken, kennte sie nur vom Hörensagen oder so?
Welche Türken kennt sie in ihrer Community? Wofür sollen türkische Communitys in Deutschland gut sein?
Parallelgesellschaften und Partikularinteressen zerstören die deutsche Gesellschaft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und am Recht und Sicherheit.
Und daß über sechzig Prozent der Türken in Deutschland Anhänger des großmäuligen Diktators Erdogan sind, sollte ihr wohl auch bekannt sein.

Robert Schmidt | Sa, 18. Januar 2020 - 12:15

In reply to by Gast

... es ist schon bedeutend mehr als "Großmäuligkeit" - der Mann handelt:
- er hat den IS unterstützt (die Logistik, Erdölverkäufe, Lösegelder für Kidnapping, Waffenhandel usw. liefen über die Türkei.
- mittlerweile hat er größere ausländische Territorien als die Palästinenser Gebiete okkupiert und zwar auch mittels Milizen, die mit unvorstellbarer Brutalität morden und Terror verbreiten und mit Bomben die Menschen zerfetzen
- er erpresst Deutschland und Europa mit den Flüchtlingsströmen, die er mit auslöst
- hunderttausende sind ihrer Arbeitsstelle beraubt worden oder sitzen hinter Gittern, weil sie seinem Regime nicht genehm sind
- usw.

Günter Johannsen | Sa, 18. Januar 2020 - 15:50

In reply to by Gast

… und ich bin des Gejammers auch leid. Meine Erfahrung: Die am lautesten Jammern, fordern auch am Meisten. "Wofür sollen türkische Communitys in Deutschland gut sein?" Diese Frage ist sehr berechtigt. Parallelgesellschaften zerstören den Zusammenhalt und verhindern Integration. Erdogan hat es eigens verboten, dass sich Türken integrieren lassen. Nun sollen Erdogans Schulen bei uns eingerichtet werden? Wozu? Zur Integration werden diese Schulen mit Sicherheit nicht beitragen. Eher werden die für noch mehr Spaltung und Parallel-Communitys sorgen. Frau Uslu, schauen sie mit einem offenen Blick in die Welt und besonders dorthin, wo sie leben. Für sehr viel Durchblick sprechen ihre Ansagen meiner Ansicht nach nicht. Ich z.B. würde nicht in einem Land leben wollen, in dem ich mich nicht wohl fühle.

Markus Michaelis | Sa, 18. Januar 2020 - 01:00

Ich glaube, dass es in Deutschland sehr viele Gruppen gibt, die keine Stimme haben - oder zumindest dieses Gefühl. Das war wohl schon immer so, aber jetzt, wo Deutschland bunter und alles globaler geworden ist, hat das sicher nicht abgenommen.

Meinem Eindruck nach gehen viele Auseinandersetzungen und Beiträge darum, welche Gruppen nach welchen objektiven Kriterien mehr ausgrenzen oder mehr rassistisch sind und welche Gruppen mehr ausgegrenzt werden.

Ein Bewusstsein dafür ist sicher nicht schlecht, aber ich glaube auch nicht, dass das allzuviel bringt. Wenn man in einer diversen Gesellschaft leben will, ist das wahrscheinlich so. Es wird nie jeder jeden verstehen und mit jedem zufrieden sein - das wäre wohl nicht wirklich divers.

Was aber wohl stimmt: in einer echt diversen Gesellschaft müssten relevante Posten (Chefredaktionen im ÖR etc.) wohl bunter besetzt sein, mit mehr sehr gegensätzlichen Auffassungen.

Dieter Erkelenz | Sa, 18. Januar 2020 - 08:03

Sehr verehrte Frau Uslu, ich stimme Ihnen voll und ganz zu! Aber gerade SWR und WDR sind an Unausgewogenheit nicht zu übertreffen. Ich kann nur hoffen, dass Sie sich von diesen Pseudojournalisten nicht mehr 'einfangen' lassen!

gabriele bondzio | Sa, 18. Januar 2020 - 09:31

Wenn ich da an die Meinung von Tuba Sarica (Die Scheinheiligen), die ebenfalls eine junge Deutsch-Türkin ist. Und Deutschtürken dafür, kritisiert es sich in einer Opferrolle bequem zu machen, eine Parallelwelt zu schaffen, in der eigene Regeln gelten. Prallt eben auch in der türkischen Community, Meinung auf Meinung. Skeptisch muss man als Betrachter sein, dass sich seit ein paar Jahren viele politisch-religiösen Rückfälle, die Tage des Miteinanders zerstörten. Das Deutschtürken, welche in DE leben, zu einem nicht unerheblichen Teil, konservativer und rückständiger als die in der Türkei lebenden Türken sind (siehe Wahlverhalten Erdogan). Es gibt quasi nicht nur den bösen, fremdenfeindlichen Deutschen,sondern auch den deutsch-hassenden Türken. Beide Gruppen werden, da muss ich ihnen recht geben Frau Uslu , im öffentlichen Bewusstsein stärker vermarktet.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 18. Januar 2020 - 09:54

Ich teile Ihre Kritik gegenüber dem ör Medien. Natürlich wird nur das gesendet und so zusammengeschnitten, dass die gewünschte Meinung heraus kommt. Ihr Interview wurde also nicht gesendet? Da hat die filmende Presse wohl eine Lücke aufgetan oder?
Ich gestehe Ihnen natürlich, so wie von Ihnen geschildert Ihre Gefühle und Sichtweisen zu. Ich glaube Ihnen das sofort.
Nur, der allergrößte Teil der hier lebenden Türken verhält sich eben nicht so. Es liegt nicht per se nur daran, das sie Türken sind oder waren. Es liegt an ihrer Herkunftsregion und eben auch an ihrer religiösen Bindung. Für viele steht der Islam über allem, so wird ihnen das im Elternhaus und in den Moscheen vorgelebt. Die wenigsten sehen den muslimischen Glauben als sekulär an. Spanier, Griechen, Italiener, sie hatten in den 1960er / 1970er Jahren auch zu Beginn ihrer Integrations nationale Vereine, trafen sich dort. Heute komplett integriert. Türken, Araber, Perser, Afrikaner können/wollen/dürfen das nicht. Warum wohl?

Dieter Freundlieb | Sa, 18. Januar 2020 - 10:20

"Eine leitenden Redakteurin sagt, meine Positionen würden lediglich eine „reflektierte Minderheit“ darstellen. Mit anderen Worten: Du passt nicht [in] unser Türk*Innenbild. Dabei bin ich 23 Jahre alt, Enkelin eines türkischen Gastarbeiters und gehöre somit der dritten Generation von türkeistämmigen Migrant*Innen in Deutschland an. Ich gehöre also genauso zur Community wie das türkisches Hochzeitspaar oder die jungen Männer aus dem türkischen Fußballverein."

Ihren Ärger über die unausgewogene und ideologisch einseitige Arbeit der ÖR Medien kann ich bestens verstehen. Ich finde sie als Deutscher ähnlich ärgerlich wie Sie. Als Masterstudentin in Politikwissenschaft müssten Sie aber doch wissen, dass die SWR-Redakteurin durchaus recht haben könnte, wenn sie sagt, dass Ihre Positionen 'lediglich eine „reflektierte Minderheit“ darstellen'. Sie gehören vermutlich tatsächlich einer kleinen Minderheit an. Mehrheiten kann man nicht mit einzelnen Gegenbeispielen widerlegen.

Robert Schmidt | Sa, 18. Januar 2020 - 12:49

... ich denke, schon der Titel verrät das Problem: es gibt keine Identifikation unter den Deutsch-Türken mit Deutschland, jedenfalls habe ich selbst noch Keinen kennengelernt (und ich kenne einige "best-integrierte" Deutsch-Türken).
Angesichts der Gefährlichkeit von Erdogan, stellt sich schon massiv die Frage, wie loyal sind die Deutsch-Türken und wenn nicht zu Deutschland, dann wenigstens zu den Deutschen. Wenn ich sehe, dass viele mit Moslem-Bart oder Kopftuch rumrennen, habe ich nicht den Eindruck, dass sie sich sonderlich Mühe geben.

Ich möchte allerdings einschränkend hinzufügen: Solange die Deutschen in großer Zahl, sich selbst und ihr Land hassen, kann es fast nichts mit der Identifikation von Migranten werden - das ist ziemlich elementare Psychologie!

Nicht von ungefähr propagieren Einwanderungsländer wie die USA exzessiv Patriotismus und Nationalstolz!
Umdenken ist in Deutschland angesagt - aber bitte in einem maßvollen, gesunden Umfang!

RMPetersen | Sa, 18. Januar 2020 - 15:17

Das werden viele Türkinnen und Türken so sehen, aber zur Bewertung der Situation sind statistische Aussagen richtiger als einzelne Interviews. Die Statistik sagt zB, dass Deutsche-Türken mehrheitlich Erdogan gewählt haben.

Aus statistischen Befragungen: "Islam-Gebote stehen über dem Gesetz, findet fast die Hälfte (...) Die junge Generation hält kulturelle Anpassung für weniger wichtig als die Älteren." WELT 16.06.2016

Viele Migranten der zweiten und weiteren Generation - so wird konstatiert - sind nicht in unserer Gesellschaft angekommen sind, sind gegenüber Deutschland ablehnender als ihre Eltern. Die doppelte Staatsbürgerschaft wirkt mE der Integration entgegen, auch werden dadurch innertürkische Politikfragen in unseren Staat hineingetragen.

Wer zum "Deustchen Volk" lt. GG dazugehören will, soll andere Staatsbürgerschaften ablegen und ALLE hier geltenden Gesetze akzeptieren, einschliesslich zB Gleichberechtigung der Frauen und freie Partnerwahl. Dann: Willkommen!

hermanno nassehi | Sa, 18. Januar 2020 - 15:41

Das eigentliche Problem der Autorin scheint darin zu liegen, dass sie ihre eigene oder ihre Selbstwahrnehmung für repräsentativ zu halten scheint. Und damit könnte sie eben falsch liegen, sodass das Statement der Redakteurin die globale Dimension türkischer Communities in Deutschland zutreffender erfasst: Gendersensible, intersektionale, queerfriendly, bildungsaffine oder areligiöse Deutschtürk*innen stellen eine Minorität innerhalb dieser Community dar! Dabei habe ich gar keinen Zweifel daran, dass es karriereorientierte, beruflich erfolgreiche und kluge Deutschtürk*innen gibt. Sogar promovierte Germanist*innen! Aber das ganze Aufhebens um die eigene "Ethnie", die nationalistische bis rassistische Identitätskonstruktion des Türkentums, die religiös-nationale Indoktrination durch DITIB et al., die Geschichtsklitterung durch "Aufbaumythen", die Rückkehr von Patriarchalismus und Geschlechterstereotypen usw. ... das alles hat es bei den Nachfahren anderer "Gastarbeiter" so nicht!

Ulrich Mende | Sa, 18. Januar 2020 - 21:20

Genau das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, das ethnisch homogene Gesellschaften besser funktionieren als multikulturelle. Und genau aus diesem Grund bilden sich - sobald von einer Ethnie genug Menschen im Land sind - auch Parallelgesellschaften heraus. Wobei der Religion, insbesondere dem Islam dabei eine besondere Bindungsfunktion zukommt.
Es gibt inzwischen Studien, die klar belegen, das Massenmigration Parallelgesellschaften fördert.
In 30, 40, 50 Jahren wird D aus mehreren ethnisch relativ homogenen Siedlungsgebieten bestehen: Türken, Araber, Schwarzafrikaner, Deutsche.

Schulz, Irmgard | So, 19. Januar 2020 - 19:40

der vergangenen 150 Jahre zurück verfolge, stelle ich mit Erstaunen fest, dass meine Vorfahren hinsichtlich der "Vermischung" offenbar weder sprachliche noch religiöse Probleme (Katholiken, Protestanten, Juden) scheuten, angefangen vom Ostelbischen Junker bis zum ungarischen Analphabeten, der noch mit seinen Pferden durch die Puszta zog. Darauf zu warten / hoffen, dass eine Assimilation der seit mehreren Generationen hier lebenden muslimischen Bevölkerung in absehbarer Zeit gelingen könnte, ist m.E. sträflich naiv.

Hans Page | So, 19. Januar 2020 - 20:46

aber die meisten Kommentare sprechen nicht das Problem der Autorin an, d.h. dass ihre Sichtweise und Erlebniswelt in dem Bericht nicht wiedergegeben wurden. Und sie hat Recht, ihre Erfahrung hätte in einen Bericht des ör Fernsehen sichtbar gewesen sein müssen. Abgesehen halte ich derartige Berichte mit ein paar „repräsentativen(??) Interview, die ohne umfassende repräsentative Umfragen auskommen höchst manipulativ. Nicht nur bei diesem Thema sondern bei fast allen Themen der jüngsten Zeitgeschichte. Das ör Fernsehen will eine bestimmte Ansicht rüber bringen und findet immer jemanden der/die diese Ansicht im Interview bestätigen. Das hat man gut bei dem großen Themenbereich „Migration“ gesehen. Die Autorin ist auf die Journalisten herein gefallen weil sie ihnen vertraute; sie kann froh sein dass ihre Aussagen nicht verstümmelt wieder gegeben wurden. Ansonsten frage schon wie Journalisten Trends „erwittern“; oft haben diese mit dem real erfahrenen Leben nichts zu tun.

Norbert Heyer | Mo, 20. Januar 2020 - 12:21

Die meisten Türken leben hier, weil man weltweit nirgendwo unangepasster Leben kann als hier. Mit Hartz IV und Rückendeckung durch den eigenen Clan haben es viele Türken hier zu einen Wohlstand gebracht, den die alles finanzierenden Deutschen niemals erreichen können. Unsere Art zu leben wird verachtet, sie heiraten überwiegend untereinander, türkische Frau - deutscher Mann, da wird der starke Familienverbund Mittel und Wege der (auch gewaltsamen) Verhinderung finden. Der Mann darf jedoch eine Deutsche heiraten, soweit sie konvertiert. Eigene Badeanstalten geplant, ausufernde Hochzeitsfeiern, überproportionale Kriminalitätsrate, überwiegende Mehrheit von Erdogan begeistert und sich dann noch wundern über Fernsehbeiträge, die diese Missstände darstellen. Natürlich gibt es auch die unauffälligen und angepassten Türken, aber die befinden sich - leider - in der Minderheit und das ist besonders schlimm - es ist überwiegend die hier lebende jüngere Generation, die unangenehm
stark auffällt