Kurz verlässt eine PK
In der ÖVP gehört der Führungswechsel mittlerweile zur Normalität / dpa

Österreichische Konservative - Gefangen in der Dauerrotation

Am Wiener Ballhausplatz herrscht mal wieder Vakanz. Erst erklärte Ex-Kanzler Kurz den Rückzug von allen politischen Ämtern, dann trat Ersatz-Kanzler Schallenberg zurück, zuletzt räumte Finanzminister Blümel seinen Posten. Nun soll der bisherige Innenminister Karl Nehammer den Karren aus dem Dreck ziehen. Eine Glosse.

Autoreninfo

Jonas Klimm studierte Interdisziplinäre Europastudien in Augsburg und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Jonas Klimm

Wer einst den Zorn des brillanten Aphoristikers Karl Kraus auf sich zog, der begab sich am besten in ein dunkles Kämmerchen und sperrte sich dort ein, bis der auf die Seiten seiner Zeitschrift „Die Fackel“ gebannte Tiradenschwall ein Ende fand. Kraus konnte sich wüst an allem abarbeiten, was es aus seiner Sicht verdiente, sei es, weil er sich auf eine unangenehme Art herausgefordert sah oder weil ihn schlichtweg persönliche Animositäten dazu trieben.

Am heftigsten zielte der gebürtige Böhme dabei immer auf all das, was er eigentlich liebte, aus seiner Sicht jedoch diese Liebe so gar nicht verdiente. Eine ständige, treu bleibende Liebesenttäuschung seines Lebens waren Österreich und die Österreicher, ein aus seiner Sicht unbelehrbares Volk, das doch immer wieder dieselben Fehler beging. So schrieb er 1922 in seinem Gedicht „Wien“: „Nirgend auf der Hemisphäre leben solche Missgeburten wie im Land der Habedjehre.“

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Rob Schuberth | Fr, 3. Dezember 2021 - 19:03

Würden alle, die sich der typisch österreichischen Methode, über Anzeigenschaltungen gekaufte wohlfeile Berichterstattung u. ä. jemals bedient haben, ebenfalls hinschmeißen, dann hätten fast alle Parteien in Ösiland kaum noch aktive Politiker.

Ja, die Politik ist ein schmutziges Geschäft u. in Austria wohl besonders schmutzig (oder gut geschmiert).

Wo aber ist der Aufschrei darüber, dass unsere Parlamente ganz bewusst die Gesetze so geschneidert haben, dass selbst diese dreisten Mdb der CSU, die über Maskendeals Mio. ergaunert, pardon gem. Gesetzt ja nur ergattert haben, nun straffrei ausgingen?
Genau...nichts. Ein paar kl. Meldungen am Rand das war's.

Guter, kritischer Journalismus sieht anders aus.
Aber von der eig. Politik abzulenken indem man auf die Ösis, besonders diesen Kanzler, der sich gegen Migration stemmt, eindrischt, das befreit ja ungemein.
Heuchler sage ich dazu.

Das kurze politische Leben von Herrn Kurz ist stark von Lokalkolorit geprägt, keine Frage. Aber es ist unübersehbar, dass die gewohnte "westliche" Parteiendemokratie, die parlamentarische Demokratie, durch den inneren Zerfall der Parteien in ganz Europa von der Substanz her bedroht ist.

Die Parteien werden von ihren Funktionären beherrscht, von Berufspolitikern, die sich an der eigenen beruflichen Karriere, und dann vor allem an den Interessen der Netzwerke orientieren, denen sie ihre Karriere verdanken. Da derartige Politiker in der Regel quasi kopflos die Ideologie ihrer Netzwerke übernehmen, haben sie für Land und Volk (und für Europa) kein echtes Interesse mehr übrig.

Das Volk ist allerdings an diesem Niedergang nicht unbeteiligt. Aus Bequemlichkeit und Faulheit drückt es sich vor der Last des aktiven politischen Engagements, ohne das eine "Volksherrschaft" ja gar nicht funktionieren kann. Wir überlassen die Politik den Profis und den Medien. Das Resultat kann man überall sehen.

Sie haben mir wieder meine Gedanken "geklaut" oder liegt es nicht doch daran, dass nicht nur wir beide einer Meinung sind. Denn auch viele andere Foristen sehen es ähnlich. Die Amtszeit von Kurz war nicht lang genug. Es braucht da schon 16 Jahre, ganze Parlamente zu unterwerfen, die eigene Partei umzufunktionieren, störende Kritiker zu eliminieren und auszusondern. Die Presse so zu positionieren, dass sie einem Kanzler aus der Hand frisst und mittels finanzieller Mittel, auch und gerade für den ÖRR, wie in einer Diktatur gleichzuschalten. Jetzt ist auch die 1. Gewalt im Staat - die Justiz- entsprechend auf Linie bei uns, was bislang in Österreich keinem gelungen ist. Da haben die Ösis uns doch einiges voraus. Und wer weiß, vielleicht kommt der Basti in einigen Jahren wieder, wenn er sich über die Wirtschaft ein ordentliches Netzwerk aufgebaut hat. Nichts ist Toyota.

Heidemarie Heim | Fr, 3. Dezember 2021 - 21:17

Nun gut werter Herr Klimm, mit heißen oder heiß geliebten Jünglingen konnte unsere Republik in den letzten 16 Jahren Dauerschleife zwar nicht dienen, aber dafür mit einer Heldin mitsamt der auf sie allein sich verzückt kaprizierenden Anhänger, denen man auf diversen Parteitagen die Batterien entfernen musste damit deren ausufernde Ovationen nicht den Zeitplan der Sitzung außer Kraft setzten;). Was eigenartige Zusammensetzungen politischer Gefüge betrifft, so nehme ich statt des von Kraus genommenen Begriffs einer Missgeburt lieber zum Vergleich die bei uns heimischen Fabelwesen, nämlich den Wolpertinger oder bei uns in der Pfalz ansässigen Elwetritsch heran. Die von Ihnen als Negativposten bezeichnete hohe Rotationsgeschwindigkeit/Wechselfrequenz hätte ich mir in letzter Zeit bei uns gewünscht! Denn während dort Kanzler 1,2 und nun drei auf der Bildfläche erschienen, wissen wir bis heute nicht wer Gesundheitsminister/in wird. Dafür gibt`s einen neuen Kanzler mit Super-Gedächtnis! MfG

Gisela Hachenberg | Fr, 3. Dezember 2021 - 23:15

In Ihrem Artikel, sehr geehrter Herr Klimm, machen Sie keinen Hehl daraus, wie Sie Herrn Kurz, den Sie darauf reduzieren …“des von deutschen dem Merkel-Kurs abtrünnigen Konservativen heiss geliebten Jünglings aus Wien…“ zu sein, beurteilen. Leider so, wie die gesamte linke deutsche Presse. Diese Häme ist ungehörig! Ich habe viele österreichische Freunde, denen Ihr Artikel bestimmt nicht gefällt. Herr Kurz ist nämlich in Österreich sehr beliebt. Was den deutschen Medien gar nicht gefällt!
Sie machen ein Redaktionspraktikum beim Cicero. Daraus folgere ich, dass man Sie gewiss auch als Jüngling bezeichnen könnte. Bis
Sie das Niveau des „Jünglings“ Kurz erreichen sollten, wenn überhaupt, müssen Sie noch ordentlich zulegen! Und vielleicht besser recherchieren.
Vor allem nicht Ihre persönlichen Dislikes so offen herausschreiben.
Ich gehe davon aus, dass mein Kommentar nicht veröffentlicht wird. Obwohl sicherlich nicht wenige Foristen meiner Meinung sind.
Mit freundlichen Grüßen

... es geht Ihnen nicht anders als den Meisten, denk ich. Man wartet immer ganz gespannt, was in der "Wundertüte" steckt ... und manchmal ist es auch eine nicht-erwartete Veröffentlichung ;)
Zum eigentlichen Thema: Auch ich bin Österreich und hier v.a. Kurz dankbar, wie ich es Ungarn und Polen (bzw. deren verantwortlichen PolitikerInnen) bin - warum? Wenn die nicht wären, hätten wir in Deutschland inzwischen weit(!) mehr als 2 Millionen ... , die größtenteils "durchgefüttert" werden müsse!

veröffentlicht wird....Tja, der übliche Trick. Aber er funktioniert, wie man sieht.

Zu Ihrem Text: Frust und Wehmut, dass da ein großer Hoffnungsträger der rechten Szene einpacken darf, scheint Sie ja ganz schön mitgenommen zu haben. Das System Kurz, welches die ÖVP zu einem Wasserträgerverein für den rechten Polit-Hallodri degradierte, dankt ab. Die ÖVP, eine durchaus traditionelle Partei, steht vor den Trümmern ihres Kniefalls vor einem Schauspieler, der ziemlich begabt die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten manipulieren konnte. Wie man jetzt weiss, nicht immer mit lauteren Mitteln. Nun ja, offensichtlich sind ja auch sie auf ihn hereingefallen.

Selbstverständlich hat Kurz im Cicero-Forum zahlreiche Sympathisanten. Hat er doch nach seiner Wahl sofort einer braun-schwarzen Koalition, aus ÖVP und faschistoider FPÖ, den Weg bereitet.

Und eine Zusammenarbeit von AfD und CDU, solange es für die Rechtsextremisten alleine nicht reicht, dürfte doch auch in Ihrem Sinn sein?

und schließe mich Ihren Worten ausdrücklich an.

Was die Vorwürfe gegen Herrn Kurz anbetrifft (Beeinflussung der öffentl. Meinung durch geschönte Umfragewerte u. unzulässige Werbung für seine Partei), so ist dies in Deutschland seit langem gang und gäbe, und alle Journalisten wissen das auch!
Diese Heuchler beteiligen sich doch dauernd daran, indem sie die Pflicht der neutralen Berichterstattung mißachten und sich eindeutig nur bestimmten Parteien andienen.
Außerdem betreibt die Regierung selbst seit vielen Jahren Eigenwerbung durch teure Veröffentlichungen von Werbeheftchen als Beilage zu Presse-Erzeugnissen.
In RLP hat Frau Spiegel (demnächst Mitglied der Bundesregierung!) in ihrer Eigenschaft als Ministerin u. auf Kosten des Steuerzahlers unverfroren Werbespots für die Grünen in den sozialen Medien gepostet, wogegen jetzt endlich mal die "Freien Wähler" geklagt haben.
Die Häme gegen Herrn Kurz ist völlig unangebracht.
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

Ich schließe mich ebenfalls Ihrer Meinung an. Mein Eindruck war auch, dass er und seine junge Mannschaft viele positive Entwicklungen vorangetrieben hätte. Wenn ich mir nur seine „100 Projekte für Ö“ ansehe, die genialen Änderungen in der Finanz-, Sozial- und Migrationspolitik. Er hat auch frischen Wind ins EU-Parlament gebracht und war ein geschickter Strippenzieher. Außerdem haben mir seine klaren und konkreten Aussagen gefallen. Wirklich schade!

H.Altmeyer | Sa, 4. Dezember 2021 - 11:52

es bei uns keine geschönten Umfragen und
gewogene MSM gibt....
RND in der "Hand" der SPD...
Bild/RTL gepflegtes Kaffee-Kränzchen der
Verlegerinnen und Frau M.

Christoph Kuhlmann | Mo, 6. Dezember 2021 - 14:45

Kurz hat während seiner Kanzlerschaft einen Mehrheitsfähigen Kompromiss für Österreich formuliert. Ob er eine politische Zukunft hat hängt einerseits von den staatsanwaltlichen Ermittlungen und von der Unterstützung durch die ÖVP ab. Insofern ist es müßig darüber zu spekulieren.