Kiril Petkov und Emmanuel Macron
Völkerrecht, Vermittlung, Verratsvorwürfe: Bulgariens Ex-Premier Petkov und Frankreichs Präsident Macron / dpa

Bulgarien, Nordmazedonien - und der EU-Beitritt - Wie Frankreich den slawischen Bruderzwist im Balkan schlichten will

Während die Ukraine auf unkonventionellem Wege zu ihrem EU-Beitrittskandidatenstatus gekommen ist, liegt auf dem Westbalkan noch einiges im Argen. Bulgarien hat zuletzt überraschend den Weg frei gemacht für die Fortsetzung von Nordmazedoniens und Albaniens Beitrittsprozess - und damit einen Konflikt vom Zaun gebrochen, an dem die regierende Koalition von Ministerpräsident Kiril Petkov zerbrochen ist.

Autoreninfo

Frank Stier ist Korrespondent für Südosteuropa und lebt in der bulgarischen Hauptstadt Sofia.

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„Es ist eine Schande, dass ein Nato-Land, nämlich Bulgarien, zwei andere Nato-Länder, nämlich Albanien und Nordmazedonien, während eines heißen Krieges in Europas Hinterhof kidnappt und andere sechsundzwanzig EU-Länder in einer beängstigenden Show der Ohnmacht stillsitzen“, polterte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama beim Brüsseler EU-Westbalkangipfel im Interview für Bulgariens Nationales Fernsehen (BNT). Sein Land ist mit betroffen von Bulgariens im Jahr 2020 verhängtem Veto gegen die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Republik Nordmazedonien. 

Und als hätten sie sich Ramas Schimpfworte zu Herzen genommen, stimmten die Abgeordneten der Bulgarischen Volksversammlung am nächsten Tag mit großer Mehrheit für die Aufhebung des Vetos, machten damit zumindest von bulgarischer Seite den Weg frei für die Fortsetzung von Nordmazedoniens und Albaniens EU-Beitrittsprozess. 

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Christoph Kuhlmann | Mi, 29. Juni 2022 - 17:35

Es ist für Außenstehende wirklich schwer zu beurteilen ob das nun übertriebener Nationalismus ist und wenn ja von wem. Das wird eine gewisse Abklingzeit brauchen und die kann Jahrzehnte dauern. Das Einstimmigkeitsprinzip lädt geradezu dazu ein Entscheidungen zu Lasten der gesamten EU im nationalen Interesse zu blockieren. Doch dieses Prinzip lässt sich nur einstimmig abschaffen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Christa Wallau | Mi, 29. Juni 2022 - 20:15

und sie werden sich - so wie die Animositäten zwischen Arabern u. Israelis - nie ganz aus der Welt schaffen lassen.
Je weniger Länder aufzuweisen haben (an fruchtbarem Land, Rohstoffen, an guter Staatsstruktur, homogener Kultur, arbeitsamer, kluger Bevölkerung usw.), umso mehr pochen sie auf geschichtliche Wurzeln, d. h. auf das, was sie zu ihrer Ehre u. ihrem speziellen, nationalen Ruhm glauben anführen zu können.
Die Geschichte des Balkans gehört zu den kompliziertesten Europas. Wir haben das gerade wieder auf unserer Reise festgestellt! Unsere griechische Reiseleiterin sprach ostentativ immer vom "ehem. Jugoslawien" statt von "Nord-Makedonien", obwohl sich - nach langem Streit - Griechenland offiziell bereiterklärt hat, diesen Namen anzuerkennen.
Um das Erbe der großen Makedonen (Philipp/ALexander) streiten sich Griechen, Bulgaren u. Makedonen erbittert - nach mehr als 2000 Jahren! Wenn jemand Nationalismus sucht, kann er ihn auf dem Balkan u. weiter ostwärts finden, nicht in D.

Joachim Kopic | Mi, 29. Juni 2022 - 21:22

...einfach in einen anderen Volksstamm verwandeln ... wäre so viel leichter bezüglich "Den gesamten Balkan in den guten Westen gegen den bösen Putin" zu händeln ;)
Tipp: Mal das Buch über NATO-Kriege lesen. Mich freut noch heute der ominöse Farbbeutel...

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