Politik in Zeiten von Corona - Im Bann der Angst

In Ausnahmezeiten wie diesen gehen manche Menschen auf die Straße, um ihr Unbehagen über die Lockdown-Politik der Regierung zum Ausdruck zu bringen. Andere, erst recht, wenn sie Schriftsteller sind, setzen sich an die Schreibmaschine. So wie unser Gastautor Christoph Ernst. Eine Polemik im XXL-Format.

Eine Staatsform, geopfert für ein Virus? Demonstrant in  Brasilien/dpa
Eine Staatsform, geopfert für ein Virus? Demonstrant in Brasilien/dpa

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Christoph Ernst lebt als Schriftsteller bei Hamburg. Sein jüngster Roman heißt „Mareks Liste“ (Leda-Verlag). Seine Romane „Im Spiegellabyrinth“ (Hallenberger-Media-Verlag, 2015) und „Dunkle Schatten“ (Pendragon, 2012) kreisen um Antisemitismus. 

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Christoph Ernst

2020 war nicht mein erster Shutdown. 1979 habe ich in Afrika schon mal Ähnliches erlebt. Das war in Juba, der damaligen Hauptstadt der Südprovinzen des Sudan. Das wurde über Nacht vom Militär abgeriegelt, wegen der Beulenpest, die in den Armensiedlungen wütete. Die Pest kam aus Uganda. Sie war mit dem Krieg und den Flüchtlingen über die Grenze geschwappt. Anfangs ließ sie mich kalt, weil ich andere Sorgen hatte und es noch Medikamente gab. Ernst nahm ich sie erst, als mein Reisegefährte eines Morgens mit schmerzenden Leisten neben mir aufwachte und die Lymphknoten unter seinen Achseln zu kirschgroßen Klumpen geschwollen waren. 

Wie es anfühlt an einem desolaten Ort festzusitzen, abgeschnitten vom Rest der Welt, zu Stillstand und Warten verdammt, weiß ich seit 41 Jahren. In Juba war ich mit nervösen Soldaten und der schleichend um sich greifenden Panik unter den 18 hellhäutigen Reisenden eingesperrt, die meist wie ich auch weiter nach Kenia wollten und vom Krieg, der Seuche und der Ausgangssperre überrascht worden waren. 

Das Summen der Schmeißfliegen

Im Vergleich dazu ist die heutige Krise keine: Es gibt Trinkwasser satt, volle Supermärkte und keine Leprakranken vor der Tür. Niemand braucht Bilharziose zu befürchten. Nirgends liegen Leichen herum und man hört nicht ständig das Summen der Schmeißfliegen. Geschossen wird nur auf „Netflix“. Das sind paradiesische Zustände. Außerdem weiß ich: Eine Ansteckung mit Corona kann schlimm sein und tödlich enden, aber das Virus löscht nicht ganze Landstriche aus. Seuche ist nicht gleich Seuche und Covid-19 nicht Yersinia pestis. 

Ich will Corona nicht verharmlosen. Ein Freund hat sich Anfang März angesteckt und die Krankheit dank einer Fehldiagnose verschleppt. Anschließend durfte er vier Wochen mit Sepsis ins künstliche Koma. Über den Berg ist er noch immer nicht. Sein gesamtes Umfeld war erkrankt, landete auf der Intensivstation oder in Quarantäne. Ein anderer Freund betreut infizierte alte Leute. Was er berichtet, klingt ähnlich ungut. Ich selbst halte mich für alles andere als unverwundbar. Mittlerweile bin ich im Ü-60 Programm und kann risikogruppentechnisch sowohl im Lungen- als auch im Herzteam antreten. Bei einem Rendezvous mit Corona habe ich keine guten Karten. 

Die neue Kleinstaaterei

Trotzdem macht mir mehr Angst, wie der Virus unsere Gesellschaft verändert. Großveranstaltungen abzusagen leuchtet ein. Körperliche Nähe zu vermeiden kann sinnvoll sein. Hygiene sowieso. Kontaktverbot und Isolation sind Werkzeuge des Strafvollzugs. Wenn die Obrigkeit eines Landes, dessen Führung seit Jahren grenzenlose Offenheit und besinnungslose Fremdenliebe praktiziert, Eingeborenen an Binnengrenzen den Zutritt verweigert, empfinde ich das als so schändlich wie entwürdigend. Die neue Kleinstaaterei vergiftet das Verhältnis unter Nachbarn, diskriminiert Städter und animiert zu Denunziantentum. Geht das seuchentechnische Selektieren nach Blut-und-Boden-Kriterien noch auf angeblich linke Funktionäre zurück, die sich sonst „Antifaschismus“ auf die Fahnen schreiben, hat es einen besonderen Hautgout. Doch es passt dazu, dass eben diese Funktionäre das Stasi-Regime verharmlosen und frühere SED-Mitglieder zu Verfassungsrichterinnen küren.

Mir etwa war oder ist es immer noch verboten in einen drei Kilometer entfernten Ort zur Apotheke zu fahren, weil der jenseits des ehemaligen Todesstreifens liegt. Stattdessen soll ich meine Feinstaubschleuder sechs Mal so weit bewegen, der grimmigen Greta zum Trotz. Für die Obrigkeit im Osten bin ich ein gemeingefährlicher Eindringling, fast wie zu Zeiten von Margot und Erich Honecker. Als ich mich das erste Mal ahnungslos in die gesperrte Zone verirrte, fanden sich sofort selbst ernannte Büttel, die mir dafür Knast androhten. 

Ich nehme das als Rauswurf wahr, als gezielte Entheimatung, die 30 Jahre nach der friedlichen Revolution deren Errungenschaften wieder kassiert. Doch die Bürokraten im goldenen Westen benehmen sich genauso schamlos. Ihr Kampf gegen das Virus fräst den zivilisatorischen Firnis weg und zerfrisst den Geist der Republik.

In freien Gesellschaften üben Menschen freiwillig Solidarität. Sie tragen ihr Lebensrisiko selbst. Wer glaubt, irgendein Staat könne ihn von der Last entbinden, sich seiner Sterblichkeit zu stellen, irrt. Kein Staat kann absolute Gesundheit garantieren oder ihn vor dem Tod bewahren.  Regierungen müssen bei Seuchen vorausschauend handeln, aufs Beste hoffen und aufs Schlimmste vorbereitet sein. Dabei machen sie es im Zweifelsfall nie allen recht. Dennoch sollte die Verhütung der Seuche keinen größeren Schaden anrichten als die Seuche selbst. Deshalb geht es bei der Gefahrenanalyse um zwei entscheidende Fragen: Wie gefährlich ist die Epidemie für die Gemeinschaft als Ganzes und welche spezifischen Risiken birgt sie für Einzelne? Es macht einen erheblichen Unterschied, ob sie drei von 1.000 tötet oder jeden Dritten. Tötet sie jeden Dritten, steht das Überleben der Gemeinschaft auf dem Spiel. Tötet sie drei von 1.000, ist das böse, aber kein existentielles Risiko fürs Kollektiv. 

Der Kanon möglicher Maßnahmen hat sich primär an der Gefahr für die Allgemeinheit zu orientieren, erst danach am Schutz bestimmter Einzelner. Dabei gilt es unmittelbare und mittelbare Folgen abzuwägen: Will man auch in fünf Jahren noch gegen Seuchen gewappnet sein, hat man sicherzustellen, dass die Wirtschaft sich beim Kampf gegen die aktuelle Gefahr nicht völlig verausgabt, damit sie in der Zukunft noch genug Mehrwert generiert, um Spitäler, Ärzte und Krankenschwestern zu bezahlen. 

Virologen sind keine Ökonomen

Beim Einschätzen der relativen und spezifischen Gefährlichkeit einer Seuche sind Epidemiologen gefragt. Die politischen Konsequenzen daraus müssen andere ziehen. Virologen sind keine Ökonomen. Die Folgen etwaiger Notstandsregeln müssen andere bewerten.  Mich verstört, dass die Regierung die beiden Komplexe in einen Topf wirft und sich auf die Ansagen weniger Herren aus zwei medizinischen Instituten beruft. Offenbar informiert sie sich nicht nur extrem einseitig, sondern fragt ständig anderweitig beschlagene Leute. Das sind ideale Voraussetzungen, um auf dem Holzweg zu landen. Im Endeffekt fällt den „Entscheidungsträgern“ dann nichts Besseres ein, als sich auf das zurückzuziehen, was ihre Hilflosigkeit überspielt und Stärke suggeriert: Verbote und Strafen, die Kompetenzfreiheit kaschieren und Tatkraft heucheln. Seuchenverhütung ist weise. Verwaltungsakte als Trugbild von Kontrolle münden in Willkür. 

Anders als Diktaturen respektieren Rechtsstaaten die Würde des Einzelnen. Freiheit und Sicherheit bedingen einander. Benjamin Franklin, Mitbegründer der ersten halbwegs demokratischen Republik der Moderne, bemerkte mal: „Die, die essentielle Freiheiten aufgeben, um sich ein wenig vorübergehende Sicherheit zu erkaufen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ Franklin hatte gewiss nichts gegen Seuchenschutz. Aber wer seine Freiheit dem Diktat der Sicherheit opfert, verliert am Ende beides. 

Keine Lust auf Mad Max

Vor einigen Wochen tauschte ich mich mit einem englischen Freund darüber aus, wie ernst die Corona-Krise sei. Als ich den Verdacht äußerte, dass wir uns zum Opfer der eigenen Hysterie machten, wandte er empört ein, ich sei anfangs auch in „Mad-Max-Modus“ gegangen. Stimmt. Zunächst hielt auch ich das Virus für einen möglichen Massenkiller. Angesichts der Bilder aus Wuhan bekam ich Angst. Immerhin wird der Welt schon seit Längerem eine große Pandemie prophezeit. Die ist quasi überfällig, und wenn die Versorgung kollabiert, dauert es keine drei Tage, dann herrschen Chaos und Standrecht. Als die Szenen aus Norditalien über den Bildschirm flimmerten, wurde mir so mulmig, dass ich Wasserkanister, Medikamente und Ethanol besorgte. 

Meine Lust auf eine Mad-Max-Welt ist überschaubar, nicht zuletzt, weil ich inzwischen einen Herzschrittmacher spazieren trage. Im Kosmos des irren Max wäre meine Restlaufzeit extrem übersichtlich, was übrigens auch einer der Gründe dafür ist, weshalb ich die verordnete grenzenlose Leichtfertigkeit der letzten Jahre für kein kluges Sozialexperiment halte, gerade weil ich ein Fan des Asylrechts bin und lange das Brot der Fremde gekaut habe. Denn auch fern der Heimat durfte ich erfahren, dass wenig so gerecht verteilt ist wie Dummheit. Fremde sind nicht automatisch bessere Menschen als Einheimische. Wer sie wahllos im Namen abstrakter Humanität importiert, beschwört damit mutwillig Konflikte herauf, die genau das abschaffen, was konkrete Menschlichkeit ermöglicht. 

„Mad Max“ erlebte ich vor 37 Jahren auf der Leinwand eines Raucherkinos an der 110. Straße und Broadway, wo er mir zusammen mit „Blade Runner“ als dystopisches Double-Feature die Nacht verkürzte und Einblicke in apokalyptische Abgründe gewährte, obwohl New York City damals vielerorts einen Vorgeschmack darauf bot, wie sich der Kollaps von Zivilisationen gestaltet. Arme Leute starben dort schon lange vor Corona auf der Straße.

Das Massensterben blieb aus 

Das verträumte Berlin des Januars 2020 hörte auf den Chef der Weltgesundheitsorganisation. Der heißt Tedros Adhanom Ghebreyesus, kommt aus Äthiopien und hat als Ge­sund­heits­mi­nis­ter erfolgreich mehrere Cholera-Ausbrüche verschleiert. Er ist ein Karrierist aus einer marxistisch-leninistischen Diktatur. Human Rights Watch wirft ihm vor für die Ermordung Hunderter Oppositioneller und das Vertreiben von Tausenden mitverantwortlich zu sein. Auch die Corona-Seuche spielte er zunächst herunter und bescheinigte den chinesischen Behörden größtmögliche Umsicht. Also blieb die deutsche Regierung tiefenentspannt. An Flughäfen lief alles wie gehabt. Niemand untersuchte aus „Hotspots“ ankommende Passagiere oder kam auf die Idee irgendwelche Flugverbindungen einzustellen. Das Land feierte Fasching. Der smarte Außenminister verschenkte tonnenweise Schutzausrüstung nach China und in den Iran. Das ging so bis Mitte Februar. Eine Woche später meldete sein Kollege Jens Spahn, das Land stünde vor einer Pandemie. Kurz darauf schloss die Regierung Kindergärten, Schulen, Läden, Kneipen, Restaurants, Kinos, Museen und Theater, untersagte Treffen in geschlossenen Räumen, verbot Hochzeitsfeiern und Begräbnisse. Der Bevölkerung wurde amtlich „sozialer Abstand“ und Hausarrest verordnet. Wirtschaft und öffentliches Leben kamen zum Erliegen. 

Doch siehe da, auch nach Wochen täglicher Horrormeldungen passierte kaum etwas. Das Massensterben blieb aus. Das Land wurde verschont. Zu Ostern hätten eigentlich alle jubeln müssen, weil die Intensivstationen leer waren. Anders als andere kamen wir glimpflich davon. Das Ziel der Regierung, die Ansteckungsrate zu drosseln, war erreicht. Krankenschwestern wurden auf Kurzarbeit geschickt. Statt nun die Restriktionen zurückzunehmen, verschärfte die Regierung sie. 
Zu diesem Zeitpunkt gab es in meinem Umfeld längst mehrere, deren Existenz wegbrach. Künstlern und Selbstständigen zerschießen Kontaktverbote binnen kürzester Zeit alles. Ähnlich dramatisch war die Lage für chronisch Kranke oder Leute, die dringend auf eine Operation warteten, aber wegen des Seuchenalarms nun nicht behandelt und vertröstet wurden. 

Vom Wert des menschlichen Lebens

Das wusste die Kanzlerin. Trotzdem legte sie die Latte noch höher. An der Stelle geriet ich ins Stolpern. Natürlich soll der Staat versuchen Schwache zu schützen. Doch er darf dafür nicht andere Schwache in Not stürzen oder zum Tode verurteilen. Ein Mensch, der an Krebs leidet, hat nicht weniger Recht gerettet zu werden als ein Coronapatient. Fürsorglichkeit zu heucheln, um die Illusion von Kontrolle wahren, zu Lasten derer, die sich nicht wehren können, stiftet weiteres und weit übleres Leid, weil es überflüssig und vermeidbar ist. 

Die Kanzlerin sagt, der Schutz des Lebens habe für sie oberste Priorität. Das klingt nobel und ehrenwert. Unausgesprochen schwingt mit, dass alle, die noch auf Öffnung drängen, hilflose alte Menschen in den Tod treiben wollen. Nur ist nicht jeder, der wieder arbeiten möchte, ein eigensüchtiger Wicht. Manchen steht bloß das Wasser bis zum Hals. Sich da aufs hohe Ross zu schwingen und ihm mit wohlfeiler Gesinnung den Mund zu stopfen, ist clever, aber geht am Eigentlichen vorbei.

Anders als von ihr angedeutet ist der Wert menschlichen Lebens keine absolute Größe, sondern relativ. Erklärt sie den Schutz des Lebens zur höchsten Priorität, entbindet sie das nicht von der Pflicht angemessen und verhältnismäßig vorzugehen. Sie darf anderen nicht die Chance auf künftiges Leben stehlen. Statistisch stirbt alle 5,4 Sekunden ein Kind, das man für den Betrag von weniger als einem Euro retten könnte: 16.000 kleine Menschen jeden Tag, 5,84 Millionen pro Jahr, für die der Rest der Spezies nicht die sechs Millionen Euro übrig hat, die es kosten würde, um ihnen das Dasein zu ermöglichen. Wissenschaftler der „Bloomberg School of Public Health“ an der Johns-Hopkins-Universität rechnen damit, dass infolge des globalen Shutdown die Gesundheitssysteme massiv geschwächt sind. In einer Studie Ländern kommen sie zu dem Ergebnis, dass im Verlauf des nächsten halben Jahres täglich bis zu 6.000 weitere Kinder im Alter unter fünf sterben könnten. Ich habe in Afrika erlebt, wie es aussieht, klingt und riecht, wenn Dutzende von Kleinkindern auf den Tod warten. Ich bin neben ihnen gestanden, habe in ihre Greisenaugen geblickt und es irgendwann aufgegeben, die Fliegenschwärme zu verscheuchen. Das begleitet mich. Deshalb bin ich bei der Frage, was ein Leben zählt, vorsichtig. 

Eigensicherung geht vor Fremdsicherung

Abstrakte Humanität ist wunderbar, aber sie setzt hungerfreie Zonen voraus. Wer einen Tag in der brüllenden Sonne verbringt und Staub kaut, um abends neben 30 anderen vor einer einzigen Schale voller grauer Brühe zu stehen, den könnte inmitten des Gedrängels, Zeterns, der Püffe und Schläge die Einsicht ereilen, dass Bertolt Brecht richtig lag: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Die besten Absichten und schlechtes Gewissen machen niemanden satt. In der Regel haben wir nur die Wahl zwischen schlimm und schlimmer. Kosten-Nutzen-Rechnungen sind nicht immer nur zynisch, sondern mitunter überlebensnotwendig. 
Dass der Schutz der Schwachen Opfer erfordert, ist klar. Diese Opfer darf ein Staat notfalls auch erzwingen. Aber ähnlich wie in der sogenannten Flüchtlingskrise gibt es einen Unterschied zwischen der Pflicht zu helfen und verordneter Selbstaufgabe. In Notsituationen geht Eigensicherung grundsätzlich vor Fremdrettung. Hilfe muss in vertretbarem Verhältnis zu den Risiken stehen, die sie für die Helfer mit sich bringt. Sie darf keine gemeingefährlichen Formen annehmen. 
Richten Corona-Schutzmaßnahmen mehr Leid an als sie verhüten, sind sie keine. Alte Menschen haben Anspruch auf Rücksicht. Sie verdienen Respekt für ihre Lebensleistung. Sie dürfen der Jugend nicht die Zukunft rauben. Bloß weil ich herzkrank bin und Corona mich mehr bedroht als andere, darf ich nicht von Jüngeren verlangen, dass sie dauerhaft ihr Dasein einfrieren und sich auch ständig so benehmen, als brächte das Virus sie sofort ins Grab. 

Der Staat soll ein gewisses Maß an Sicherheit im Alltag herstellen, für geordnete Verhältnisse sorgen und mich vor Unbill bewahren. Das Lebensrisiko kann er mir nicht nehmen. Ich bleibe sterblich. Früher oder später muss ich begreifen, dass mein teures Selbst flüchtig ist und ich wie alle anderen bloß ein Gespenst auf Abruf bin. Natürlich ist der eigene Tod ein unvorstellbarer Skandal. Für jeden. Trotz Postmoderne. Aber so läuft der Hase nun mal. Die Natur ist eine hungrige Mutter. Sie frisst all ihre Kinder. Sogar uns, die selbst ernannten Meister des Universums. Eben darum, vermute ich, führen wir seit jeher Krieg gegen sie. Doch obwohl wir künstliche Intelligenz entwickeln, Raumschiffe zum Mars schicken und Häuser bauen, die durch die Wolkendecke stoßen, wartet am Ende die eine, absolute Ohnmacht auf uns. 

Wenn wir das Leben trotzdem lieben und es uns kostbar ist, liegt es selten an unserem einmaligen Ego, sondern daran, dass es Mitmenschen gibt, für die wir uns eine Zukunft jenseits des eigenen Todes erhoffen. Unsere Liebe für sie und ihre Liebe für uns ist das, was überlebt.  Jede Minute „Shutdown“ kostete die Volkswirtschaft Millionen, jede Stunde Milliarden. Was sich da vollzog, ist beispiellos, die größte Zerstörung von Wohlstand, die es in Friedenszeiten je gegeben hat. Dazu ermächtigte sich die Regierung, um eine Bedrohung abzuwenden, die keiner abwenden kann, ohne die Grundlagen unseres bisherigen Lebens irreparabel zu beschädigen. Nur was, wenn sich unterwegs abzeichnet, dass sie die Gefahr möglicherweise heillos überschätzt hat und die meisten ihrer horrend teuren und rechtlich extrem fragwürdigen Eingriffe auf die Ausbreitung des Virus wenig Einfluss haben? 

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Hysterie und Panik beschwören oft die Katastrophen herauf, denen sie auszuweichen suchen. Erst kommt die Prophezeiung, dann erfüllt sie sich, weil man alles dafür getan hat, dass sie sich nicht erfüllt. Furcht ist ein starker Treiber und lässt sich hervorragend manipulieren. 

Not steigert den Zauber von Verboten und wandelt Unterwerfung in Heilsversprechen. Je monströser die Gefahr, desto größer die Bereitschaft, ihrem Abwenden den vermeintlichen Luxus rechtsstaatlicher Prinzipien zu opfern. Krisen schenken farblosen Technokraten eine echte Legitimation. Darum sind sie bei Bürokraten so beliebt. Sie blasen ihre parasitären Apparate auf und gestatten ihnen sich als Retter zu inszenieren, weshalb ich vermute, dass nicht wenige Akteure auf der Weltbühne den Fluch der Pandemie insgeheim als Gottesgeschenk betrachten. Im Licht der Katastrophe erstrahlt der Glanz derer, die dem Schrecken „mit aller Macht“ entgegentreten.

Kanzlerin in lichten Höhen

Auch die wenig charismatische Kanzlerin, deren Beliebtheitswerte bis vor kurzem unterirdisch waren, trägt die Seuche wieder in lichte Höhen. Schon ertönen Rufe nach ihrer fünften Amtszeit.  Am 22. März, als sie ein Kontaktverbot für mehr als zwei als Bürger in der Öffentlichkeit verhängte, sagte Angela Merkel: „Diese Pandemie ist eine demokratische Zumutung.“ Mitunter können eben auch Profis nicht lügen. 

Leider ist das, was die Kanzlerin in meinen Augen zu der mit Abstand unfähigsten Person in dieser Rolle seit Gründung der Republik macht, eben das, was sie für viele ihrer Wähler so attraktiv macht: Sie bewegt sich in einem Fluidum ohne Gestern und Morgen. Das suggeriert Stabilität. Dass sie beim Gestalten der Zukunft keine Rücksicht auf die Vergangenheit nimmt, irritiert die wenigsten. Die Früchte ihres Handelns kommen erst zeitversetzt zum Tragen. Darum vermag sie den Abriss des Bestehenden paradoxerweise sogar als dessen Erhalt zu verkaufen. Um ihre Fehlentscheidungen als solche zu erkennen, wäre etwas historischer Horizont nötig. Genau den besitzen in der fortgeschrittenen Postmoderne jedoch nur die wenigsten. 
 

Die Gefahr der Überwachung

Kontrolle und Vertrauen sind Antipoden. Machtanbeter optieren instinktiv für die größtmögliche Überwachung. Seuchen schaffen dafür den perfekten Anlass. Instrumente wie die Corona-App sind ideale Werkzeuge. Theoretisch soll die App nachvollziehbar machen, wer wann mit wem Kontakt hatte, um Infizierte aufzuspüren, sie zu warnen, zu testen und in Quarantäne zu schicken. Das klingt vordergründig sinnvoll, so wie Schutzmasken vordergründig sinnvoll sind: Es dient dem Wohl des größeren Ganzen. Zugleich stellt es uns alle unter Generalverdacht. Es verwandelt uns von relativ Gesunden in eine latent tödliche Bedrohung für den Rest der Spezies, die es 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche zu überwachen gilt. Das ist ein anderes Menschenbild, als es noch bis vor kurzem herrschte. 
Schon jetzt lassen sich über bargeldloses Bezahlen, Handys, GPS-Daten und moderne Autos detaillierte Bewegungsmuster erstellen. Durch die Corona-App kommen Kontaktprofile dazu. Auf die haben Microsoft, Google und der Staat Zugriff. Längst gibt es automatische Gesichtserkennung. Wir müssen viel Geld für biometrische Ausweise zahlen. Kameraaugen beobachten uns im Alltag und verfolgen unsere täglichen Verrichtungen. Jede aufgerufene Seite im Internet ist nachvollziehbar, jeder Emailkontakt so leicht zugänglich wie eine Postkarte. All das macht uns immer durchsichtiger.

Eliten suchen seit jeher nach Wegen, um die Massen zugleich zu kontrollieren und zu disziplinieren. Jeremy Bentham (1748-1832) schuf mit seinem Panoptikum dafür das perfekte System, weil es Überwachung durch Selbstkontrolle ersetzt. Seither ist Erziehung durch Transparenz der feuchte Traum aller Sozialreformer. Bentham spiegelt als Kind der Aufklärung wie kaum ein anderer deren helle und dunkle Seiten. Wirtschaftpolitisch glühend liberal, forderte er Pressefreiheit, geschlechterübergreifendes Wahlrecht und Tierschutz, trat gegen die Todesstrafe ein und plädierte fürs Legalisieren von Homosexualität. Parallel schlug er vor arme Leute zu Kontrollzwecken tätowieren zu lassen und sie systematisch bespitzeln. Er zerbrach sich den Kopf über pädagogisch wertvolle Arbeitshäuser und Zuchthäuser. Als sein Meisterwerk gilt bis heute das Panoptikum, ein Überwachungsbau, der den Wärtern jederzeit Einblick ins Treiben der Insassen gewährt. 

Jeremy Benthams Panoptikum

Es ist ein ringförmiges Gebäude, in dessen Mitte ein runder Wachturm steht. An den Außenseiten befinden sich tortenstückartige Zellen, die vom zentralen Turm aus jederzeit eingesehen werden können. Sie sind nach Innen vergittert und von hinten mit Licht durchflutet. Eine Person im Turm reicht aus, um im Blick zu haben, was sich darin abspielt, wobei der Bewacher selbst für die Gefangenen unsichtbar bleibt. Da ihnen bei Regelverletzungen Strafen drohen und sie nie wissen, ob sie nicht gerade beobachtet werden, verhalten sie sich fügsam. Sie kontrollieren sich selbst. Ist das System einmal etabliert, funktioniert es auch ohne ständige Kontrolle. Bereits das Wissen um Transparenz ändert das Verhalten. 

Insofern erzieht die Corona-App durch ihre schiere Existenz. Wenn ich weiß, dass man meine sämtlichen Sozialkontakte nachvollziehen kann, kontrolliere ich meine Impulse. Ich verkneife mir den Plausch mit linkslastigen Nachbarn, den Besuch im Bordell oder das Gespräch mit dem Kollegen, der angeblich AfD wählt. Das, was der Stasi mit wahnsinnigem Aufwand und extremen Kosten nicht gelang, leistet nun eine winzige App: Lückenlose Überwachung für einen Bruchteil der Kosten. Noch ist die Applikation freiwillig. Niemand wird gezwungen ein intelligentes Telefon zu besitzen oder ständig bei sich tragen. Doch das kann sich rasch ändern, etwa, um stets den elektronisch aktualisierten Nachweis liefern zu können, dass der Besitzer seuchenschutztechnisch unbedenklich ist. Bei der nächsten Generation schlauer Telefone ist die App schon vorinstalliert und wird beim Kauf automatisch aktiviert. Purer Service, versteht sich. Dienst am Allgemeinwohl, dem stich kaum einer verweigern kann. Wer die App boykottiert, riskiert für seine popelige Privatsphäre, andere zu gefährden. 

Der Wesenskern persönlicher Freiheit

Privatsphäre ist kostbar. Ohne sie gibt keine oder deutlich weniger geistige und musische Kreativität. Darum war das Recht darauf früher in allen Demokratien verankert. Man sah sie als wesentlichen Teil persönlicher Freiheit. Das änderte sich mit dem 11. September 2001. Inzwischen ist sie überall ausgehöhlt. Manche stört das nicht. Facebook-Chef Mark Zuckerberg meinte 2010, Privatsphäre sei „nicht länger eine soziale Norm“. Jeder, der mal Unterdrückung geschmeckt hat, weiß, wie abgründig solch ein Statement ist. Aber auch wer das nicht tut und sich fast immer artig an die Regeln hält, möchte nicht, dass seine ihn die Chefin aufs letzte Wochenende im Swinger-Club anspricht oder er plötzlich auf einer #Por-No-Seite auftaucht, weil er bei Ebay ein altes Playboy Magazin ersteigert hat.

In den Comedy-Shows dieser Tage amüsieren sich Verbalakrobaten über „irre Verschwörungstheoretiker“, die Hüte aus Alu tragen und Bill Gates’ zum Darth Vader der Impfpolitik stempeln. Tatsächlich ist die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung nicht bloß die reichste Privatstiftung der Welt, sondern auch der größte private Geldgeber der der Weltgesundheitsorganisation. Sie finanziert über elf Prozent deren Budgets. Sie bezuschusst übrigens auch das Robert-Koch-Institut und die Charité, den Spiegel und Die Zeit oder den Guardian und Le Monde.  Natürlich suchen mächtige Leute die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das tun sie seit jeher. Manche kaufen sich ganze Informations- und Unterhaltungsbranchen. Hält der Spiegel bei William Henry Gates III die Hand auf und beschert ihm dafür porentief reine Absichten, ist nicht jeder, der das für anrüchig hält, automatisch rechtsradikal, paranoid oder irre. 

Die Rolle von Bill Gates

Streicht das einstige „Sturmgeschütz der Demokratie“ Millionen von einer Stiftung ein und bekundet, das nähme keinerlei „Einfluss auf ihre redaktionelle Inhalte“, ist das ungefähr so glaubwürdig wie der dauerhafte Gratisbetrieb in einem Hurenhaus. Andersherum wird ein Schuh daraus: Diskreditieren Komiker pauschal alle Leute als Spinner, die verschleierte Fakten zur Sprache bringen, machen sie eben die lächerlich, die Gegenöffentlichkeit herstellen. Tatsächlich tun die Verhöhnten nur das, was einst die Presse tat. Die sah es nämlich bis vor kurzem noch als ihre edelste Aufgabe an die Öffentlichkeit vor Machtmissbrauch zu schützen. Sie prangerte Übergriffe der Obrigkeit an, entlarvte offizielle Mythen, Lügen und Korruption, legte die Verstrickungen von Geld und Politik offen, deckte Schlampereien der Bürokratie auf und stoppte kriminelle Praktiken. Journalisten waren professionelle Verschwörungstheoretiker. Die Strauss-Affäre, Watergate und der Flick-Skandal mögen lange her sein. Aber ohne hartnäckige „Muckraker“, die sie mutig aufdeckten, wären sie nie bekannt geworden.

Spätestens mit dem 11. September 2001 hat sich das geändert. Die Parameter sind verschoben. Bei Aufbereitung der Wirklichkeit zählt nun weniger der Faktengehalt der Nachricht als die Position, aus der heraus sie präsentiert wird. 1988 sagten Noam Chomsky und Edward S. Herman in „Manufacturing Consent“ diese Art Gleichförmigkeit vorher. Sie analysierten den Einfluss von Politik, Militär und Konzernen darauf wie Medien Sachverhalte darstellten oder leugneten. Aber bis sich die sanfte Manipulation auch bei uns durchsetzte, dauerte es. 

Inzwischen verstehen sich die meisten Journalisten nicht mehr als schnöde Berichterstatter und Anwälte der Öffentlichkeit, sondern eher als Volkserzieher. Sie sind Gralshüter der vermeintlich richtigen Sichtweise. Oft ohne es selbst zu merken, haben sie die Seiten gewechselt. Sie spinnen mit am herrschenden Narrativ, helfen mit die Ideologie einer Minderheit mehrheitsfähig zu machen und halten das Volk bei der Stange, damit es nicht auf Abwege gerät. Faktisch verteidigen sie im Glauben an die Überlegenheit der eigenen Deutungshoheit die Logik der Macht. Darum greifen sie reflexartig alle an, die auf blinde Flecken der offiziellen Darstellung hinweisen, verunglimpfen kritische Ansätze und denunzieren deren Protagonisten. Doch je offensichtlicher sie das tun, umso mehr offenbaren sie die eigene Parteilichkeit und desto größer wird der Bedarf nach neutraler Information, also nach dem, was eigentlich die originäre Aufgabe einer freien Presse wäre. 
Es gibt viel Müll und Hetze im Netz. Doch daneben entsteht eine journalistische Gegenkultur. Die bedient das Bedürfnis nach Analyse und liefert die Recherchen, die die etablierten Medien längst nicht mehr liefern.  

Die Zufriedenheit der Bevölkerung 

Laut einer von Gabor Steingart beauftragten Forsa-Umfrage halten die meisten Deutschen das Robert-Koch-Institut für unabhängig und die Corona-Erlasse für angemessen. Weder stört sie ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit noch das Demonstrationsverbot. Auch die Kurzarbeit und das drohende Abschmelzen ihres Wohlstands lassen sie kalt. Ob das so bleibt, sobald ihnen dämmert, dass sie doppelt für die Corona-Bonds zahlen dürfen, die nicht Corona-Bonds heißen, steht auf einem anderen Blatt. 

Während Wirtschaftsleistung und Steuereinnahmen sinken, pumpt die Regierung hunderte Milliarden Euro in angeschlagene Unternehmen und plündert die Sozialkassen. Massiv steigenden Ausgaben bei dramatisch sinkenden Einkünften dürften bald Leistungskürzungen folgen. Galoppierende Staatsverschuldung zieht höhere Steuern und das Enteignen der Sparer durch Inflation nach sich, was dem angeschlagenen Mittelstand das Genick bricht und die gesellschaftliche Spaltung weiter vorantreibt. Gut möglich, dass Corona zum Auftakt einer langen unerquicklichen Reise in staatlich verwaltete Mangelwirtschaft wird.   
Ohne einen Krieg vom Zaun zu brechen ist es noch keiner Regierung gelungen derart kapitale Verwüstungen anzurichten. Statt weiter Angst zu schüren, müssten die Medien das eigentlich thematisieren, aber das tun sie nicht und die Masse lässt es sich gefallen, verschleiert artig das Gesicht und ist dafür dankbar, dass sie endlich wieder an der frischen Luft Kaffee trinken darf. 

Der Spiegel jubiliert: „Die Kanzlerin erscheint den Deutschen derzeit, um ein zumindest früher bei ihr beliebtes Krisenbewältigungswort zu benutzen: alternativlos.“ 
Marie von Ebner-Eschenbach bemerkte mal, glückliche Sklaven seien die größten Feinde der Freiheit. Die wenigsten irritiert das Bejahen repressiver Maßnahmen, die Begeisterung für die harte Hand des Staates, die Sehnsucht nach der allmächtigen Mutter. Doch natürlich erinnert das kollektive Einschwenken auf die offizielle Corona-Linie an den Auftakt zum staatlich verordneten Abwickeln des Sozialstaats, der 2015 unter der Überschrift „Willkommenskultur“ fiel. Wieder versagen parlamentarische Opposition und Meinungsfabrikanten und schalten sich eilig mit der Regierung gleich, wieder gilt Skepsis als kaltherzig, inhuman oder subversiv und wird als unvernünftig, selbstsüchtig, populistisch oder rechts gebrandmarkt. Wieder sind gerade die wieder extrem staatstragend und hyperkorrekt, die sich für links und rebellisch halten. 

Totalitäre Reflexe

Ich vermute, das liegt an den totalitären Reflexen vieler Grüner. Denn die sich einst rot wähnenden Bürgerkinder brauner Eltern, die früher eine befremdliche Vorliebe für Massenmörder wie Mao, Pol Pot oder Idi Amin an den Tag legten, sind längst auf den Schoß ihrer Altvorderen zurückgekehrt, allerdings unter geänderten Vorzeichen. Arno Gruen bemerkte 1987: „Ein nicht auf Autonomie gegründetes Selbst revoltiert nicht, weil sich seine Natur grundlegend gewandelt hat. Es ändert nur die Richtung seiner Gewalttätigkeit.“ Solange die unterschwellige Autoritätshörigkeit nicht überwunden ist, verwandelt die Rebellion nur die äußere Form der Knechtschaft, nicht die Knechtschaft selbst. Das erklärt, weshalb die, die sonst gern ihre angeblich so aufsässige Natur monstranzartig vor sich her tragen, in Krisen wie nach 2015 oder jetzt ins Gewand selbstgerechter, obrigkeitshöriger Spießer schlüpfen.

Die Alternativlose erklärt derweil Debatten über den von ihr vorordneten Hausarrest für „nicht hilfreich“ und verbittet sich „Öffnungsdiskussionsorgien“. Watschten Victor Orban oder Donald Trump demokratische Diskurse so ab, liefe die Qualitätspresse Amok. Dr. Merkels Verachtung für republikanische Essentials winkt sie als harmlosen Formfehler durch. Journalisten mit einem Rest Selbstrespekt würden am herrschenden Narrativ kratzen, etwa die vergleichende Studie aus den USA vom 22. April zitieren, die zeigt, dass milliardenteure „Lock-Downs“ die Sterberate durch Covid-19 keineswegs senken. 

Erschrecken mit Zahlen

Der Obervirologe des Charité, Christian Drosten, der bereits bei der Schweinegrippe zahllose Tote prophezeite, warnt eindringlich vor den fatalen Folgen verfrühter „Lockerungen“. Nicht nur benutzt auch er die Sprache des Strafvollzugs und rückt damit die Bevölkerung semantisch in die Nähe verurteilter Krimineller, er vergleicht das Corona-Virus auch mit der Spanischen Grippe. Die tötete nach dem Ersten Weltkrieg doppelt so viele Menschen wie das vorherige Kampfgeschehen und produzierte über 20 Millionen Tote. 

Titeln deutsche Zeitungen, das Weiße Haus befürchte 240.000 Tote, so klingt das grauenhaft. Schreibt die DIE WELT dann bei der New York Times ab, dass Corona mehr US-Bürger umzubringen drohe als die Kriege in Korea und Vietnam zusammen, denke ich an den Yalu und Khe San, eisige Bergzüge, Stalin-Orgeln und tanzendes Napalm über Reisfeldern: Die amerikanischen Jungs, die da stürzen und sterben, sind Milchbärte aus Minnesota, Bauernjungs aus Oklahoma und Ghettokinder aus der Bronx. Nicht wenige von ihnen glauben sie kämpften für eine gute Sache und kehrten als Helden heim wie ihre Väter. Nun glotzen sie auf ihre geöffnete Bauchdecke und begreifen, dass sie im schwarzen Plastiksack nach Hause reisen. 

240.000 sind viele. Von den Familien gar nicht zu reden. Aber in den USA leben 327 Millionen Menschen, die durchschnittlich 78 Jahre alt werden. Davon sterben laut Statistik jedes Jahr 2,7 Millionen, und auch dort sind die allermeisten Opfer der Seuche keine 18, sondern eher 80. Das steht so in keiner Zeitung. Das muss ich erst nachschlagen, um die Zahlen ins Verhältnis zu setzen. Erst wenn ich mir verdeutliche, dass die genannte Größe weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung ausmacht und es weniger als einen unter 1000 trifft, relativiert sich der Horror ein wenig. 

Was also ist die Nettonachricht einer solchen Überschrift? Welche Gefühle weckt sie? Liege ich völlig falsch, wenn ich mir sage, dass da Panik und Ohnmacht geschürt werden? Wer gewinnt, wenn ich in Schockstarre verfalle und um mein kostbares Leben zittere? 

***

Ich habe keine Ahnung, wie gefährlich das Virus ist und möchte es ungern persönlich ausprobieren. Trotzdem verdichtet sich mein Eindruck, dass da eine fulminante Show abgezogen wird und die Medien mir auf Teufel komm raus mit Corona-Terror das Hirn weichzuspülen suchen. Das Virus ist echt, aber die mörderische Bedrohung, die davon ausgeht, ist falsch eingeschätzt worden. Vielleicht haben wir auch einfach nur Glück gehabt. Doch nun wird sie weiterhin heillos übertrieben, weil keiner zuzugeben wagt, dass er daneben lag. Dabei ist Vorsicht kein Verbrechen. Notfalls darf eine Regierung zu drastischen Maßnahmen greifen. Aber wenn ihr dämmert, dass sie maßlos überzogen hat, muss sie den Fehler korrigieren. 

Wo ist die zweite Welle?

Denn das, was da gerade als politische Reaktion über die Welt hereinbricht, dürfte um ein Vielfaches gefährlicher sein als die Auswirkungen der Seuche. 
Zig Fachleute in Virologie, Bakteriologie und Immunologie, die im Gegensatz zum Robert-Koch-Institut und Christian Drosten bereits früher richtig gelegen haben, versichern uns seit Wochen, die Corona-Welle sei durch. Es bestünde kaum noch Gefahr. Das Land könne durchatmen. Weder die Maskenpflicht, noch ein Impfgesetz oder die Corona-App ergäben jetzt noch Sinn.

Wieso ignorieren Politik und Medien das? Weshalb freuen sie sich nicht und feiern die frohe Botschaft? Halten sie Sucharit Bhakdi für einen Spinner? Sind die 120 anderen Wissenschaftler, die dasselbe sagen wie er, auch alle nicht mehr bei Trost? Weshalb lässt das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht den Verfasser der Heinsberg-Studie und Drosten miteinander streiten? Darf es im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen ausschließlich die Lesart der Charité und des Robert-Koch-Instituts geben? Muss es immer der Bußprediger von der SPD sein? Woher wissen der Bankkaufmann Spahn und die Physikerin Merkel so genau, dass Drosten richtig liegt?

2010 hat dessen Fehleinschätzung den Steuerzahler eine halbe Milliarde Euro gekostet, die als Medikamentenmüll buchstäblich verbrannt werden mussten. Lothar Wieler, der Tierarzt vom Robert-Koch-Institut, ist eng mit der Weltgesundheitsorganisation verknüpft und redet deren Chef nach dem Mund. Die WHO ist eine durch niemanden kontrollierten Einrichtung, die ein dubioser Mensch aus Äthiopien leitet, der auch eher Funktionär und kein Fachmann ist, in der Vergangenheit nachweislich getäuscht und gelogen hat, den Chinesen aus der Hand frisst und es sich gewiss nicht mit seinem größten privaten Geldgelber verderben will, dem zweitreichsten Mann der Welt, der in den tagesthemen davon schwärmt sieben Milliarden Leute zu impfen, während seine Stiftung ihr Vermögen über Profite aus der Pharmaindustrie maximiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Milliardäre, die Gewinne aus Impfstoffen ziehen, zugleich Philanthropen sind. Vielleicht überlappen die Interessen sich jedoch. Folglich darf man schon genauer hinsehen, bevor man als Europäische Union Milliarden in den Topf wirft oder für die Bundesrepublik „ein Signal der Hoffnung in so schwierigen Stunden für viele Länder“ setzt, indem man kurzerhand 525 Millionen Euro verspricht.

 
Das Leben zu achten ist selbstverständlich. Setzt die Kanzlerin den Schutz des Lebens absolut, lautet ihre Devise: Leben um jeden Preis. Das ist ein kleinherziges Motto, das über kurz oder lang in Unfreiheit und Sklaverei führt. Angst vor dem Tod hat nichts mit der Liebe zum Leben zu tun. Im Gegenteil. Die Lust am Leben bejaht die eigene Vergänglichkeit. Wer ständig vorm Tod zittert, erfährt nie, wofür es zu sterben lohnt. Fragt sich, wie viel Lebensqualität alten Menschen bleibt, wenn man sie monatelang in Isolationshaft sperrt. Der Übergang von Schutz zu Folter ist da fließend. Viele hätten es gewiss lieber riskiert, ihre Liebsten zu sehen, statt sich täglich zu fragen, ob sie das Ende von Corona noch erleben. Auch seelische Vernachlässigung kann töten. Für mich zählt die Substanz, nicht die äußere Form. Die Kanzlerin dagegen denkt postmodern. Sie hält ihr Vorgehen für human, weil es den Tod hinauszögert. Wie sich das für die betreffenden Menschen unterwegs anfühlt, ist viertrangig. 

Gegengift übler als die Krankheit? 

Genau da landet man, wenn man Verpackung und Inhalt strukturell verwechselt und Dinge aufgrund ihrer äußeren Anmutung gleichsetzt. Tatsächlich raubt man den alten Leuten mit ihrer Selbstbestimmung den letzten Rest Würde. Vor einer Weile warnte Jonathan Sumption, früherer Richter am Supreme Court, die Briten vor dem Abrutschen in einen Polizeistaat: „Jeder, der Geschichte studiert hat, erkennt die klassischen Symptome kollektiver Hysterie. Wir schäumen die Sache auf und fragen gar nicht mehr, ob das Gegengift nicht viel übler ist als die Krankheit.“  

Jeder Notstand entmündigt den Souverän. Die Exekutive reißt die Verantwortung fürs Geschehen an sich. Deshalb müsste sie eigentlich für ihre Taten auch voll haften. Noch ist wenigen klar, wie viel der „Kampf gegen das Virus“ sie kosten wird. Noch sind die Millionen von Arbeitslosen nicht sichtbar, gibt es keine Sondersteuern, sind die Sparvermögen nicht verbrannt. Doch das ist absehbar. Die dramatische Umschichtung, die viele verarmen lässt und einige wenige deutlich reicher macht, dürfte den Riss, der durch die Gesellschaft geht, vertiefen. 

Stärkten die Corona-Maßnahmen die Moral des Kollektivs, wäre der Aufwand vielleicht sogar sinnvoll. Tatsächlich schwächen sie sie und treiben die Fragmentarisierung voran. Das soziale Elend dürfte im Nachgang weit größer sein als das Leid, das sie abgewendet haben. Klar ist bislang nur, dass sie die Spaltung zwischen Oben und Unten zementieren und das innergesellschaftliche Gewaltpotential steigern.

Goethes "Welt als großes Hospital"

Es gibt Risiken, mit denen eine Gesellschaft leben muss, statt dass sich „die Welt in ein großes Hospital" verwandelt  und „einer des andern humaner Krankenwärter wird“, wie Goethe es vor über 200 Jahren in einer ähnlichen Lage gegenüber Frau von Stein befürchtete. Denn das werde, wie er im „Werther“ schrieb, zu einer „Krankheit zum Tode“ führen, bei der „die Natur so angegriffen wird, dass teils ihre Kräfte verzehrt, teils so außer Wirkung gesetzt werden, dass sie nicht wieder aufzuhelfen, durch keine glückliche Revolution den gewöhnlichen Umlauf des Lebens wieder herzustellen fähig ist“.

Begründete zunächst die Reduktion der Infektionsrate den Ausnahmezustand, so ist es nun der fehlende Impfstoff. Bis der nicht vorliegt und wir nicht alle immunisiert sind, ist die Rückkehr zur Normalität angeblich unmöglich. Doch das kann dauern. Für den HIV-Virus gibt es nach über 40 Jahren noch immer kein Serum. So wird das Ende der Corona-Krise in die übernächste Generation verlegt. Die Ausnahme wandelt sich zur Regel. Das Land driftet aus der Lähmung des „Shut-Down“ in die maskengeschmückte Normalität der schönen, neuen Seuchenwelt. Wen das an die Grenzöffnung 2015 erinnert, liegt nicht ganz falsch. 
Theoretisch müssten Presse und Opposition da aufmucken und auf das sofortige Beenden des Notstands pochen.

Grenzenlose Geschwisterlichkeit

Nur darauf guckt kaum jemand. Im Großen und Ganzen sind sich alle einig und finden es wunderbar, dass der Reichstag weiterhin Krolloper spielt, die Kanzlerin keine Parteien mehr kennt, die Leitartikler jubeln, der Chor der Aufrechten einfällt und alle die Hymne nationaler Vorbildlichkeit schmettern. Insofern mutet es an wie ein Déjà-vu. Außer, dass das Gros der Guten nun nicht in grenzenloser Geschwisterlichkeit schwelgt, sondern die unbefristete Corona-Krise feiert. 
Dass in der anderen Realität derweil der Druck auf Menschen wächst, die durch Ausgangssperren und Arbeitsverbot in Bedrängnis geraten, interessiert weder Volksvertreter noch Medien. So staut sich deren Frust auf, sickert durchs Internet und landet auf der Straße. Dort wird er sichtbar und stört die Corona-Harmonie. 
Doch die Fronten sind flugs sortiert: Die Guten glauben Christian Drosten, die Bösen berufen sich auf „obskure Kritiker“. Die Guten sind staatstragend, die Bösen „leugnen“ oder „verharmlosen“ das Virus. Die Rasanz, mit der der politisch-mediale Komplex die Demonstranten als einen Haufen wirrer Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Bill-Gates-Hasser eintütet, ist beeindruckend. Nur unterschlägt das das Eigentliche: Die Masse der Protestierenden sind Werktätige. Unter ihnen gibt es sogar Ärzte und Juristen. Sie arbeiten, zahlen Steuern, achten die Gesetze. Es sind mitnichten aufgehetzte Anhänger eines neuen Emmanuel Goldstein, jedenfalls nicht in der Mehrzahl, sondern Leute, die ackern, um das Land am Laufen zu halten. Sie wurmt, wie unverhohlen die Regierung auf sie pfeift. Vordergründig wehren sie sich gegen bürokratische Willkür. Unterschwellig begehren sie gegen ein System auf, dem sie unterstellen, dass es sie verachtet und unterpflügt. Deshalb berufen sie aufs Grundgesetz. Es ist eine Geste, die die Herrschenden daran erinnern soll, wem sie dienen.
Wäre die Politik weniger stumpf, nähme sie das ernst. 

Die Wut wird kälter

Ihre Nonchalance läuft auf ein „Sterbt leiser!“ hinaus. Das Juste Milieu folgt ihrer Linie. Das macht die Kluft immer unüberbrückbarer, nährt Ressentiments, Zorn und Selbstmitleid, die sich dann tatsächlich auch von rechts ausbeuten lassen. Zugleich passiert etwas Neues: Anders als nach dem September 2015 weckt die Arroganz bei den Geschmähten eher Spott als Empörung. Ihre Wut wird kälter. Es gibt zu viele, die wissen, dass sie keine Nazis sind, als dass die Keule sie noch träfe. Eben das macht die Herablassung so gefährlich. Jetzt ist die Bühne frei für Aasgeier und Leichenfledderer.

Im Kern geht es um etwas relativ Simples: Den nicht stattfindenden Austausch über verschiedene Arten von Angst: Die einen fürchten das Virus, die anderen zittern um ihre Zukunft. Wer um einen geliebten Menschen trauert, findet den Konkurs des Nachbarn harmlos. Hat einer Schulden und fünf Mäuler zu stopfen, berührt ihn der Tod eines Greises nicht. Mich tangieren die Maßnahmen kaum, aber ich will nicht wie ein Kleinkind behandelt werden. Manche mag es begeistern ihr Dasein durch Manuela Schwesig und Dr. Merkel regeln zu lassen. Mir müssen die Damen gute Gründe liefern, wenn ich artig das Lätzchen umbinden soll. Sonst muss ich sie daran erinnern, dass sie weder als Kindergärtnerin noch als Gouvernante eingestellt sind.

Demokratie hält Streit aus

Dasselbe gilt fürs Juste Milieu. So wie ich versuche, rücksichtsvoll mit Ängsten anderer umzugehen und ihren „Sicherheitsabstand“ zu wahren, so haben sie es zu ertragen, dass nicht jeder mit Maulkorb herumlaufen mag und sich mehr um seine Bürgerrechte sorgt. Nonkonformisten pauschal als „rücksichtslos, asoziale Idioten“ zu bezeichnen, die „der Rechtsstaat mit aller ihm zur Verfügung stehender Entschiedenheit“ bestrafen muss, könnte sich als ein wenig überzogen erweisen. In zivilisierten Gesellschaften muss man nicht immer und überall in Panik verfallen und jede Regelabweichung als staatsverräterischen Akt werten. Republiken leben von Streit. Demokratische Politik hat unterschiedlichste Positionen auszuhalten und zu respektieren. Sie schafft keine künstliche Fronten, maßregelt und hetzt Bürger gegeneinander auf, sondern sie stiftet Verständnis und bringt sie ins Gespräch. Wäre die Kanzlerin etwas weniger selbstgerecht, würde sie das zumindest mal versuchen. 
 
Krisen zeigen, aus welchem Stoff Gesellschaften sind, offenbaren ihr Wesen und ihre Substanz. Demokratien machen da keine gute Figur. Einzig die Schweden vertrauen auf die Mündigkeit ihrer Bürger, so, wie man es von jedem anderen freien Land erwarten würde. Schweden hat den Vorteil relativ dünn besiedelt zu sein, aber es nimmt deutlich mehr Tote in Kauf als seine Nachbarn. Damit macht es sich zum Outcast. Statt es für seine Gelassenheit zu loben, werfen die anderen ihm Verantwortungslosigkeit vor. 

Das schwedische Modell

Ist das wahr? Handeln die Schweden unethisch, wenn sie sich nicht von der Panik anstecken lassen? Kann man nicht auch dafür bewundern? Max Weber täte das vermutlich. Immerhin bewahren sie mit ihrem kühlen Kopf die Würde der Demokratie. Anders als wir. Die Schweden erinnern mich ein wenig an die Briten des Sommers 1940, nachdem auch die Franzosen kapituliert hatten und ganz Europa unter der Fuchtel von Diktatoren stand. Liberale Gesellschaften schienen keinen Pfifferling mehr wert. Die Briten waren die einzigen, die Hitler noch die Stirn boten. Dafür wurden sie verhöhnt. Aber sie bissen die Zähne zusammen und zeigten der Welt, dass sie nicht bloß Schönwetterdemokraten waren. 

Diese Art Haltung war hierzulande noch nie en vogue. Churchill sagte mal über uns, entweder habe man uns zu Füßen oder an der Gurgel. Trotz unserer Intelligenz himmelten wir immer die Macht an. Daran muss ich bei den Elogen auf die Dauerkanzlerin öfters denken. Leider nur machen unsere französischen Nachbarn es keinen Deut besser. Bezeichnet ein geltungssüchtiger Emmanuel Macron den Kampf gegen Corona als Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, erlebe ich weniger einen Krieg gegen das Virus als einen Kampf gegen die Werte einer mündigen, aufgeklärten Zivilisation.

Nach der Niederlage vom Sommer 1940 schrieb der Historiker Marc Bloch über Frankreichs Weg in die Katastrophe. Sein „L'Étrange Défaite“ skizziert die Selbstzerstörung einer innerlich ausgehöhlten Demokratie, deren Eliten sich maßlos überschätzten, Chancen verspielten und ihre Werte kampflos aufgaben, weil sie der Freiheit überdrüssig waren. Bloch wurde 1944 von der Gestapo erschossen. Sein Buch erschien nach der Befreiung. Heute ist es nicht nur wegen Titels aktuell, sondern weil es veranschaulicht, wie es Gesellschaften ergeht, die den Glauben an sich selbst verlieren und die Tugenden verraten, die sie stark machen. 

Nun sollen wir alle Masken tragen. Schutzmasken hätten zu Anfang der Seuche Sinn ergeben, in eben der Phase, als der adrette Außenminister sie für überflüssig hielt und in den Iran und nach China fliegen ließ. Mittlerweile sind sie außerhalb von Krankenhäusern und Pflegeheimen eher witzlos. Nur psychologisch nicht, weil sie den Ausnahmezustand optisch aufrecht erhalten, uns täglich ermahnen Angst zu haben und zu fügen, weil die Regierung die „Lockerungen“ sonst wieder aufhebt. 
Maskenpflicht ist wie ein Gesslerhut, der Untertänigkeit einfordert. Sie stiehlt die Mimik, trennt uns von anderen, unterstreicht die Distanz, hält die Furcht wach, nährt unterschwelliges Misstrauen. Wie gesund ist das? Wiegt der medizinische Nutzen den psychischen Schaden auf? Trinke ich auswärts einen Kaffee, muss ich mich in Listen eintragen, um nachvollziehbar zu machen, wann ich mich wo aufgehalten habe. Jeder steht unter Dauerverdacht, ist Virenträger und möglicher Infektionsherd.

Krankenschwester am Tresen

Das Café wird zum Hospital und die Frau hinterm Tresen zu meiner Krankenwärterin. Noch muss ich beim Bestellen keinen Ausweis vorlegen. Doch bald stellt vermutlich ein junger Mann in Security-Uniform sicher, dass ich nicht mehr als „Johnny Foreigner“ oder „Karl A. von der Rennbahn“ unterschreibe. 
Mich irritiert, wie leichtfertig der Staat das Wohl und Integrität der Menschen aufs Spiel setzt. Denkt er die Begleiteffekte nicht mit oder beabsichtigt er sie? Sind all die Schutzmaßnahmen, die Menschen die Angst nehmen sollen, nicht eher nur Instrumente um den Glauben an ihre eigene Ohnmacht in ihre Herzen zu pflanzen?
Vor 480 Jahren begründete Ignatius von Loyola den Jesuitenorden. Dabei forderte er von seinen Gefolgsleuten etwas zu glauben, weil es absurd ist: „Credo, quia absurdum (est)“. Neben äußerer Unterwerfung hatten sie sich bedingungslos mit seinem Willen zu identifizieren. Damit formulierte Loyola eine Doktrin, die seither allen totalitären Ideologen als Blaupause dient. Sein sacrificio dell'intelletto, das Bazon Brock große „SI“ nennt, kommt auch bei Corona zum Tragen, aber wer nicht katholisch ist und lieber auf seinen Rest Verstand vertraut, den packt das Grauen.

Unsichtbare Feinde sind perfekte Angststifter. Sie eröffnen zig neue Betätigungsfelder, auch für therapeutische Maßnahmen, um eben diesen Ängsten zu begegnen. Nichts gegen Angst. Angst kann kerngesund sein. Aber es gibt viele Wege den Verstand zu verlieren. Furcht vor Keimen gehört dazu. Bei Lichte besehen ist es ein Wunder, dass unsere Spezies es bis ins 21. Jahrhundert geschafft hat und nicht lange vorher ausgestorben ist. Angesichts des stets gleich bleibenden, erbarmungslosen Endrisikos. 

Denn man kann sehr wohl aus Furcht vor dem Tod in den Selbstmord flüchten oder sich das Dasein angesichts der eigenen Vergänglichkeit so elend gestalten, dass es wirklich nur noch ein Jammertal ist, dem jeder halbwegs lebensfrohe Mensch schleunigst entrinnen möchte. Ideologen wissen das. Wer anderen den Weg ins Paradies weisen will, bereitet ihnen die Hölle auf Erden. Nichts stiftet heißere Erlösungshoffnungen als Trübsal und Leid. Quält man die Leute lange genug und zeigt ihnen dann den Pfad in die Glückseligkeit, werden die meisten dankbar schluchzend folgen. 

Leben hinter Plexiglas

Maskenpflicht und Flugreisen unter Plexiglashauben sind Teil der neuen Coronawelt, die uns ganz nebenbei zwingt an etwas zu glauben, was zutiefst absurd ist: Nämlich dass die totale Kontrolle unserer aller Sicherheit dient und sie kein Mord an der Vernunft ist und unseren Geist und unsere Gemüter nicht vergewaltigt, sondern der einzig gangbare Weg ist, so alternativlos wie die Kanzlerin und ihre virologischen Hohepriester und die Heilslehre des selbst ernannten Kreuzritters Bill Gates, die sämtlich predigen, dass wir die Illusion früherer Freiheit erst wieder zurückerhalten, wenn wir uns durch den Impfstoff erlösen lassen. 

Bill Gates beherrscht die Welt mit einem Betriebssystem, das ständig von virtuellen Viren geplagt wird. Dass er von echten Viren ähnlich besessen ist und gleich die gesamte Spezies mit seinem Virenschutzprogramm beglücken möchte, finde ich wenig verwunderlich. Trotzdem hat ihm niemand das Mandat erteilt, sieben Milliarden Menschen zu impfen. Ohne erheblichen Zwang lassen sich solche Pläne nicht umsetzen. Das Leid, das seine Stiftung damit stiftet, kann man im Kleinen in Indien und Afrika bewundern. Eben das will er millionenfach multipliziert in die Welt tragen. Dafür spannt er Institute, Forscher, Medien und die Weltgesundheitsorganisation ein. Ich möchte von niemandem zwangsbeglückt werden, auch nicht von Bill oder Melinda. Im Übrigen halte ich es nicht für die Aufgabe demokratischer Politik Superreichen globale Spielfelder zu eröffnen, um mit der Erdbevölkerung zu experimentieren. Was sich da unter der Maske vermeintlicher Humanität abzeichnet, ist nicht bloß größenwahnsinnig, sondern zutiefst menschenverachtend. Um die Hybris zu erkennen, bedarf es keiner Verschwörungstheorie. Der Irrwitz liegt auf der Hand. 

Klaus Damert | So, 14. Juni 2020 - 21:22

"Marie von Ebner-Eschenbach bemerkte mal, glückliche Sklaven seien die größten Feinde der Freiheit." Aus solchen Sklaven scheint D zu bestehen, wenn denn die Umfragen nicht erlogen und erstunken sind. Was mich noch befremdet: Es wird immer so getan, als ob der Staat uns etwas erlaubt, z. B. sich zu treffen. Das ist Unfug. Ich bin ein freier Mensch und der Staat kann in einigen wenigen Fällen etwas verbieten - aber erlauben? Das klingt nach Diktatur. Als Unterschied zwischen DDR und BRD hatte ich gelernt, dass in der BRD alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist. In der DDR war es genau anders herum: nur was ausdrücklich erlaubt war, durfte man tun. Sind wir schon wieder so weit?

Einer, der grundsätzlich nicht "reif" genug ist, Corona einfach zu ignorieren oder wenigstens zu verharmlosen?

Es ist schon erstaunlich: Deutschland hat vergleichsweise (siehe Nachbarstaaten) moderate Beschränkungen erlebt.

Deutschland hat auch relativ niedrige Todeszahlen (siehe Nachbarstaaten, aber auch Schweden) zu verzeichnen.

Darüber sollten wir uns freuen. Offensichtlich wurde Vieles richtig gemacht.

Viele Beschränkungen sind mittlerweile aufgehoben, das Resultat bleibt abzuwarten.

Trotzdem nörgeln die Dauerempörten.

Warum? Weil es ihnen vielleicht gar nicht um Corona geht?

Weil sie einach nur wieder einen Grund gefunden haben, auf die Strasse zu gehen, und ihre Systemgegnerschaft zu demonstrieren?

Sehr geehrter Herr Lenz,

aus der Tatsache, dass wir uns über den in Deutschland alles in allem bisher glimpflichen Verlauf freuen können, kann man eben empirisch nicht folgern, dass alles richtig gemacht wurde. Aus der zeitlichen Abfolge aus Lockdown und niedrigen Todeszahlen kann keine Kausalität gefolgert werden. Als Arzt muss ich um Verständnis bitten, dass ich dies als Verdienst des ambulanten Gesundheitssektors in Deutschland, in Österreich und der Schweiz ansehe, deren Mitarbeiter sich gegen die Panik gestemmt haben und so Schlimmeres verhindert haben, z.B. dass Lungenentzündungen zu häufig als Covid fehldiagnostiziert wurden. Es gibt durchaus Evidenz dafür, dass das in anderen Ländern schlechter gelungen ist. In diesem Fall wären diejenigen, die man zu schützen vorgibt, geschädigt worden. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe verlinkt anerkennenswerterweise direkt zu kritischer Berichterstattung; der Effekt der Panik auf die Gesundheitswesen wird unterschätzt.

Den Sie da ansprechen sehr geehrter Herr Dr. Fein. Panik war noch nie ein guter Ratgeber. Insofern sehe ich auch diese "Aufrüstung" der Intensivbetten / Beatmungsplätze zuungunsten anderer Behandlungsbedarfe und Therapien und die sich daraus ergebenden negativen Folgen sehr kritisch. Mein eigener Hausarzt nannte mir ein tragisches Beispiel, wie die Panik bzw. Angst vor Ansteckung in der Klinik bei einem seiner Herzpatienten binnen 24 Stunden zum Tod führte. Es war ihm scheinbar nicht möglich dem Patienten eine Risikoanalyse aufgrund seiner Diagnose zu vermitteln. Sehr interessant aber in der breiten Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt fand ich die Anmerkungen der Leiterin der Intensiv-Medizin in Wien, die in einem österreichischen "Talk" ziemlich deutlich ausführte, dass aufgrund des Angriffs/Schädigung des Virus auf das Lungengewebe, eine noch so gut ausgeführte Druckbeatmung in vielen Fällen kontraindiziert sei. Deshalb ist es m.E. wichtig vorher ohne Panik zu evaluieren. MfG

Vielen Dank für Ihr Kommentar. Kürzlich ist mir wieder die Geschichte der Titanic in Erinnerung gekommen. Und es wird immer erzählt, hätten die Rettungsmaßnahmen rechtszeitig begonnen, und wären diese nicht in Panik durchgeführt worden, so wären viel mehr Menschen von dem Ertrunken gerettet worden. Und da dachte ich an Lombardei, Ostfrankreich, Spanien von wo berichtet wird, dass panikartige Reaktionen alle mehr oder minder kranke Leute ins Spital gebracht haben, und somit den Kollaps des (maroden) Gesundheitssystem dort nur angeheizt haben.

Susanne Dorn | So, 14. Juni 2020 - 22:26

Ja, auch ich frage mich, warum die GAFA`s( Google, Amazon, Facebook, Apple), Gates, Rockefellers und Soros`s mit ihren Milliardenvermögen nicht Hungernde dieser Welt retten, Brunnen bauen, Lebensverhältnisse in anderen Regionen dieser Welt verbessern…

Ganz einfach: Diese Aktionen bringen KEINE RENDITE!

Niemals werde ich verstehen, wie diese angeblichen Philanthropen ihre Milliardenvermögen immer noch aufblähen wollen, zu Lasten Anderer. Auch das letzte Hemd der Milliardäre hat keine Taschen… wenn sie sich einmal von dieser Welt verabschieden müssen.

Es sind eben nur GUTMENSCHEN!

Je mehr die Politik versagt, um so mehr ist unser aller gesunder Menschenverstand gefragt.

Dieser Tage las ich ein ganz wunderbares Zitat von Chaim Noll:
„Es ist nicht gut, unkritischer Mitläufer zu sein. Man kann so leicht zum Werkzeug des Bösen werden.“

Ihnen allen eine gute Woche!

Man muss Soros oder Gates nicht mögen. Nur: Dass sie beträchtliche Teile ihres Vermögens wohltätigen Zwecken zur Verfügung stellen, ist unbestritten.

Ob sie das zu Gutmenschen (wie schön, wenn man seine Feindbilder pflegen kann) macht, ist völlig Wurscht.

Dass die Reichen immer reicher werden, während grosse Teile der Menschheit in Armut verharren, ist unbestritten. Nur nehme ich nicht an, dass ausgerechnet Frau Dorn für Umverteilung oder gar Sozialismus streitet?

Das Zitat ist natürlich treffend. Ob das auch für die Mitläufer bei den Hygiene-Demos gilt? Oder für die, die bei Pegida mitmarschierten? Rückwirkend trifft es sicher auf die vielen Deutschen zu, die ihrem Adolf zujubelten.

Inzwischen werden sogar bei den meinungsmachenden Medien, wie selbstverständlich, die Verpflechtungen eines Bill Gates bei etlichen Pharmakonzernen und anderen Firmen, wie selbstverständlich erwähnt. Nicht ohne daran zu erinnern, das seine Stiftung, das streitet auch kein Mensch ab, sicher viele wirklich lobenswerte Projekte unterstützt. Vor allem Institutionen zur Förderung benachteiligter Kinder. Es sind immerhin die Kunden und Impfstoffempfänger der Zukunft. Einerseits ist er knallharter Geschäftsmann, der Geld verdient, um es "auch" für gute Projekte zu verwenden, andererseits lebt er seine wirtschaftlichen Ziele aus. Ob das mit dem Chipverpflanzen für ihn jetzt zutrifft oder nicht. Curvac wird von ihm massiv finanziell unterstützt und die Regierung hat auch 300 Millionen bei 23% Beteiligung investiert. Nun, das macht man nicht, wenn am Ende nicht doch der Zwang zum impfen stehen soll, oder?

Michaela 29 Diederichs | So, 14. Juni 2020 - 22:30

Wir schaffen das (in Eigenverantwortung) - meine Meinung. Seltsam, dass die Kanzlerin uns das nicht zutraut. Ich umarme meine Freunde wieder, weil es mir ein Herzensbedürfnis ist. Dann muss ich eben etwas schneller in die Kiste, falls einer ansteckend ist. Es war und ist ein gutes Leben ohne Bevormundung. Bill und Melinda, die WHO und die Vereinten Nationen können sich gehackt legen. Weltherrscher wie diese brauche ich nicht. Ich umarme meine schwarzen, muslimischen, jüdischen, alten und jungen Freunde, die hoch- und die minderbegabten, die Künstler und Naturwissenschaflter - alle sind wichtig. Jeder zu seiner Zeit. Die Kanzlerin sollte Mut machen und das Ende verkünden. Aber das kann sie nicht. Irrtümer kommen in ihrer Welt nicht vor.

Christa Wallau | Mo, 15. Juni 2020 - 02:08

Mit Vergnügen habe ich diesen Beitrag gelesen.
Er trifft meine Stimmungslage als deutsche Bürgerin, die sich von Tag zu Tag mehr bevormundet fühlt.
Warum aber handelt unsere Regierung so, sie sie es tut?
M. E. ist es die pure Angst, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, was unschöne BILDER erzeugt u. nach kalter Ratio "riecht", nicht nach warmem Gefühl.
Es ist FEIGHEIT, die regiert, nicht der Mut, für
die sofortigen Härten einer abgewogenen Entscheidung die Verantwortung zu übernehmen.

Schon 2015 - wie R. Alexander nachgewiesen hat -
entschied die Kanzlerin sich nicht für vernünftiges u. rechtmäßiges Handeln, sondern für die Vermeidung unschöner Bilder, die entstanden wären, wenn die Grenzpolizisten mit Gewalt weiteren Eindringlingen den Zutritt zu unserem Land verweigert hätten.
Es handelt sich dabei um das Verschieben der Härten in die Zukunft, ein gewagtes Spiel mit größeren Risiken, die angeblich mit Milliarden ungedeckter Schecks abgefedert werden sollen. Wahnsinn!

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 15. Juni 2020 - 08:41

es wollte nicht enden...
Gegenrede:
Ich bin nicht bereit, die operative Intelligenz eines Bill Gates mit der der Kanzlerin zu vergleichen.
Bill Gates Intelligenz passt zu dem Produkt, das er entwickelte und ist entsprechend gewaltig.
Frau Merkel "stöpselte irgendwo Computer an und bezeichnete deren Welt als Neuland"?
Ihr glaube ich das gerne, die Kompetenz der Bevölkerung dürfte um ein gutes Stück höher liegen?
Umgekehrt ist Bill Gates kein Politiker, ich persönlich würde Frau Merkel auch nicht als solche bezeichnen, aber der Apparat steht ihr zur Verfügung.
Leider verwechseln Sie, Herr Ernst, evtl. Frau Merkels Verfügungsmöglichkeiten mit ihrer Kompetenz?
Einmal mehr hat sich mir in der Coronakrise gezeigt, dass sie die dafür nötige Kompetenz evtl. nicht hat.
Anders die meisten Ministerpräsidenten.
Ich schätze das Virus schon als sehr gefährlich ein, wir sind aber nur schwach ein Wirt?
Unsere Kinder schützt evtl. unsere Impfdichte, woanders auch?
Uns schützt unsere Medikamentenbreite

ich kann in dem Artikel nicht erkennen, dass Herr Ernst Impfungen an sich ablehnt und vor allem nicht, dass er das Virus verharmlost.

Ich lese einen heftigen Appell an die Freiheit und Vernunft und habe ihn genossen.

Ihre Einschätzung von Frau Merkel teile ich vollkommen.
Das auf dem Papier ihre Verfügungsmöglichkeiten eingeschränkt sind (Ländersache) mag sein, wobei ich bei den MP's ebenfalls viel Kompetenz vermisste.
Eher Geschachere und Gerangel, aber das war zu erwarten.

Aber Frau M saß immer in der Mitte des Podiums und las, mehr schlecht als recht vom Blatt ab, was denn nun alles gelte.
Sie hat leider eine sehr große Wirkungsmacht und in Sachen Corona indirekt sehr viele Verfügungsmöglichkeiten.

MfG Brigitte Simon

verfügt, wovon ich ausgehe, dann weiss er, dass Impfungen bei allem Risiko schützen können. Deshalb wies ich ihn darauf hin, als evtl. schon BESTEHENDEN Schutz, Pertussis etc.
Das Stichwort "Schweden" ist für mich eines in die falsche Richtung.
Andere Coronaviren verursachen Erkältungen oder Magen-Darminfektionen.
Gibt es Erkenntnisse, wieviele geschwächte Menschen daran sterben?
Durchfälle bei Säuglingen sind z.B. lebensbedrohlich.
Manchmal helfen aber auch zusätzlich zu den Medikamenten Salzstangen und Cola.
Auch auf diesen Zusammenhang zu Medikamenten, evtl. Einfachstem wollte ich aufmerksam machen, wenn ich fragte, wie es anderswo, nicht hier, aussehen könnte.
Gefährlich sind Kuhpocken für uns wohl nicht, aber deren Verwandte, deshalb bleibe ich bei Covid 19 vorsichtig, überhaupt wenn ich sehe, wie China auf die Erkrankung reagiert.
Deshalb könnte der Schwerpunkt des von mir aus Kampfes gegen das Virus gar nicht bei uns liegen, Kriegsrhetorik liegt mir fern.
Es war mir zu lang.

Urban Will | Mo, 15. Juni 2020 - 08:47

Herrlich zu lesen.
Eine längst überfällige Kopfwäsche, auf die einzeln einzugehen, so sehr die Finger auch jucken, der Platz hier nicht reicht.

Ich stelle mir Herrn Ernst vor als Gastredner vor dem BT – Plenum.

Sein Blick schwenkt nach einem guten Teil der Rede von links nach rechts.

Die Gesichter: Erst dümmliches Geglotze, vermischt mit gespielt höhnischem Gegrinse, das obligatorische Zwischengeblärre des Langhaarigen und dann, nach ca. 4/5 des Plenums in Richtung rechts: süffisantes Grinsen.

Weiter nach rechts kommt dann die Regierungsbank: Dort würde man stur nach unten blickend am Handy rumspielen.
Dort betrifft es ja schließlich keinen, denkt man. Dort.

Martina Moritz | Mo, 15. Juni 2020 - 09:09

Sehr gute Übersicht zu dem, was gerade mehr oder weniger latent mit unserer gesellschaftlichen Selbstbestimmung geschieht. Ebenso verdeutlicht der Beitrag nicht allein in einem Satz, dass es zu empfehlen wäre, dem Geschichtsunterricht an unseren Schulen einen höheren Stellenwert zuzuschreiben. Nur wer die Unwägbarkeiten des Sumpfes umfassend kennt, kann ihn unbeschadet durchschreiten und dabei mit Freude seine Schönheit genießen. - und zwar mit dem Gewinn neuer Erkenntnisse, guter Erinnerungen sowie verbleibender Kraft für und Vertrauen in dahinter liegende Wegstrecken...

Helmut Bachmann | Mo, 15. Juni 2020 - 11:14

, die sich dem "Guten" verschrieben haben, im Frühling, der Widerspruch gären: "Aber ich will doch die Diktatur nur für das Gute und gegen das Böse!" Der Horizont ist heutzutage leider so stark eingeschränkt.

Tomas Poth | Mo, 15. Juni 2020 - 12:37

Fulminanter Beitrag, danke.
Findet leider nur im kleinen Kreis der Cicero-Leser die Öffentlichkeit.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 15. Juni 2020 - 14:10

Ein langer Artikel, aber auch ein sehr umfassendes Werk. Ich kann alles unterschreiben Herr Ernst. " Die Regierung.. Offenbar informiert sie sich nicht nur extrem einseitig...." schreiben Sie. Genau das sage ich seit Anbeginn der gesteuerten Hysterie. Mangelnde Vorbereitungen in allen Bereichen, trotz BT-Drucksache 17/12051 (für Sie Herr Lenz) noch eine fachübergreifende breite Expertise aus allen betroffenen Bereichen, wie dies der suspendierte ROR Kohn des BMdI in seinem Bericht erwähnt. Die angebliche Pandemie wurde politisch genutzt. Wer kritisiert ist ein Leugner, ein Verharmloser oder gleich gaaanz rächts. Die Medien haben den Hype forciert bis heute. Stündliche Corona Meldungen, reichen eigene nicht aussagekräftige und inhaltslose Zahlen des RKI aus, bemühen die Hysteriker die Zahlen aus dem Ausland. Offene Debatte wird unterdrückt, gilt als staatszersetzend. Virologen werden medial gegeneinander aufgehetzt und das Volk verunsichert. Nach Greta kam Drosten und wer kommt jetzt?

Gisela Fimiani | Mo, 15. Juni 2020 - 21:40

Eine großartige Apologetik dessen, was inzwischen so verachtet, missachtet und relativiert wird: Die Freiheit des Individuums. Ich lese diesen Beitrag als glühende Mahnung vor dem Verlust der menschlichen Freiheit und der menschlichen Würde, die eng miteinander verbunden sind. Ihr „Mut“, Herr Ernst, sich des „eigenen Verstandes zu bedienen“ findet hoffentlich zahlreiche Mitstreiter. Ich schieße mich gern an, um dem Rückfall zum menschlichen Gattungswesen, zur verblendeten und verdummenden „Gläubigkeit“ zu entgehen, die jedes selbstständige Denken zu ersticken droht.

Johanna Schneider | Mo, 15. Juni 2020 - 23:26

Habe die ausgedehnte Lektüre sehr genossen. Inhaltlich unwahrscheinlich ausdifferenziert mit sprachlichen Finessen und einer Prise Persönlichkeit. Gerne mehr davon!

Werner Strunz | Di, 16. Juni 2020 - 15:50

Sehr geehrter Herr Ernst,

in ihrem Beitrag sehe ich nur eine Polemik im XXL-Format.

Hinterher lässt sich immer trefflich schwadronieren, was man doch besser hätte machen können und was man vielleicht früher hätte zurücknehmen können. Und am besten geht das Schwadronieren, wenn man keine Verantwortung übernehmen muss.

Was jetzt an wissenschaftlichen Erkenntnissen so selbstverständlich erscheint, ist das Ergebnis zäher Arbeit von vielen Wissenschaftlern, weltweit. Es gibt keine Instanz, die dem Forscher bei einem Resultat seiner Arbeit sagt, das ist nun das richtige Ergebnis; so ist die Ungewissheit und der Zweifel ein täglicher Begleiter nicht nur derjenigen, die forschen sondern auch derjenigen, die die Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen, entscheiden- und damit auch die Verantwortung tragen müssen.

Der SARS-CoV-2 Virus kennt weder soziologische, noch wirtschaftliche noch irgendwelche anderen, menschlichen Empfindlichkeiten - und er ist immer noch da und immer noch tödlich.

Heidemarie Heim | Di, 16. Juni 2020 - 16:39

Unterhaltsamer und wie immer in Ihren Beiträgen
persönlicher als Sie, lieber Herr Ernst, kann man solche gesellschaftsrelevanten Themen nicht zu Blatte bringen! Verleihe Ihnen meinen ganz persönlichen XXL-Pulitzer;)! Einen Preis verdient auch unser Cicero, der den Autoren und Kommentatoren gleich welcher politischen Fakultät;-), die Gelegenheit bietet ihre eigenen schriftstellerischen Fähigkeiten auszuloten! LG
PS: Auch wenn ich zutiefst betrübt bin, dass einer meiner persönlichen "Lieblinge", wie ich auch, "Pfälzer sind die gei....n!", uns bald verlässt.
Ich weiß noch nicht recht wie sauer ich auf die "Wer hat`s erfunden?" sein soll. Auf jeden Fall machen die mit ihm ein besonderes journalistisches Schnäppchen! Grummel..Nochmal
liebe Grüße!