Pater Klaus Mertes / J. Marguier

Pater Klaus Mertes im Gespräch mit Volker Resing - Cicero Podcast Politik: „Alle Menschen können Heilige werden“

Der Jesuit Klaus Mertes über die deutsche Debattenkultur und das Osterfest.

Autoreninfo

Volker Resing leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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„Nicht jeder, der eine andere Meinung hat, ist gleich ein schlechter Mensch“, sagt der katholische Theologe Klaus Mertes im Gespräch mit Volker Resing. Das gelte für die Corona-Debatten wie auch für den Umgang mit AfD-Sympathisanten. „Wir machen die Schubladen auf und stopfen immer sofort jeden rein, und dann sind die Diskurse nicht mehr möglich.“ Viele hätten in den Krisen der vergangenen Jahre das Vertrauen nicht nur in die Politik, sondern insbesondere auch in die sogenannten Leitmedien verloren. Der Vertrauensverlust sei auch nicht mit dem Ende der Pandemie weg, sondern er sei weiter eine Belastung, so Mertes. Darüber müsse gesprochen werden. 

In den Katastrophen und Krisen der vergangenen Jahre habe er einige Freunde verloren, erzählt Mertes. Corona, Missbrauchskrise in der Kirche, Krieg in der Ukraine und in Israel – immer wieder haben die politischen Debatten Auswirkungen auf die privaten Beziehungen gehabt. Die Polarisierung in unseren politischen Diskursen sei fatal. „Wir müssen aufhören, den politischen Gegner zum Feind zu machen“, so Klaus Mertes.

Ostern sei für ihn eine Möglichkeit zur Umkehr. Eine Botschaft, die sich an alle Menschen richtet. „Für mich ist die österliche Botschaft, in Bezug auf Christus zu sagen: Es gibt Niederlagen, die Siege sind.“ Das Christentum sei „eine anspruchsvolle Religion“, so Mertes. „Sie ist ein radikales Ja zu einer Hoffnung mitten in der Situation von Angefeindetwerden.“  So etwas passiere auch heute überall und immer wieder. Und dann könne man das erleben: „Alle Menschen können Heilige werden.“
 

Pater Klaus Mertes und Volker Resing
Pater Klaus Mertes (li.) und Volker Resing in der Cicero-Redaktion / J. Marguier

Das Gespräch wurde am 20. März 2024 aufgezeichnet.

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Ingofrank | Fr., 29. März 2024 - 09:39

als Feind zu machen“
Ab welchem Zeitpunkt wurde denn dieses Credo zu Staatsräson, und durch wen erhoben ?
Ich kann mich sehr wohl daran erinnern, als ich mir in politischen Sendungen des „Westfernsehens“ mir Bundestagsdebatten anhörte und wie es da verbal zur Sache ging in krassen Gegensatz zu unseren Volkskammerdebatten die am Ende „einstimmig“ ausgingen.
Begonnen hat doch diese Misere unter der Merkelschen Herrschaft der „Alternativlosigkeit“ und mit der Vereinnahmung der gesamten Jurnallie U N D Opposition.
Der Parlamentarismus, ja die damit verbundene Demokratie und deren Debattenkultur wurde doch 2015 abgeschafft.
Jeder der auch nur den kleinsten Finger, der Warnung gegen die ungebremste Flutung von Wirtschaftsfüchtlingen in dieses Land hob, wurde seines politischen Amtes enthoben, ausgegrenzt und in eine rechte Ecke gestellt.
& so zog sich dieser Politikstiel der unheiligen Synthese zwischen Politik & Medien bis heute hin. Ein Ende ist nicht in Sicht !
M f G a d Erf.Republik

Christa Wallau | Fr., 29. März 2024 - 11:29

diesem gebildeten Menschen zuzuhören!
Danke, daß CICERO Pater Mertes die Gelegenheit gegeben hat, seine vernünftigen Ansichten darzulegen.
Meine wichtigste Übereinstimmung mit den Ausführungen dieses katholischen Priesters u.
langjährigen Gymnasiallehrers besteht in folgendem:
"Wir müssen aufhören, den politischen Gegner zum Feind zu erklären u. ihn moralisch herabzusetzen.
Wenn wir es nicht mehr schaffen, einander zuzuhören und Argumente ruhig auszutauschen, tragen wir dazu bei, die Spaltung unserer Gesellschaft zu vertiefen."

Besonders richtig ist auch der Hinweis des Paters darauf, daß alle Konflikte w e l t w e i t durchaus unterschiedlich betrachtet werden u. daß es uns nicht zusteht, unsere Sicht als die einzig richtige anzusehen.

"Extremismus wird nicht durch Extremismus bekämpft."

"Christi Sieg ist kein militärischer, sondern ein spiritueller: Sieg der Liebe über das Böse u. den Tod."

Wie wahr!

Ich wünsche allen Redakteuren u. Foristen ein gesegnetes, frohes Osterfest.

Dietmar Philipp | Fr., 29. März 2024 - 12:32

bitte als Nachtrag zu genanntem Beitrag. Ich hatte in meinem Beitrag formuliert, dass Studenten schon immer progressiv waren. Moniert wurde dies auch mit deren Verhalten in der Nazi-Zeit. Hier darf ich unbedingt auch hinzufügen z.B. die Weiße Rose mit den Studenten Hans und Sophie Scholl und vielen anderen, die sich gegen den Nationalsozialismus eingesetzt haben, das war auch progressiv !

... manchmal geht der alte Mathe-Pauker in mir einfach mit mir durch!

Ich habe in Ihrem Kommentar zu Herrn Petris Artikel den Satz "Das Leben und die Äußerungen von Studenten sind SCHON IMMER progressiv gewesen" nur aus rein logischen Gründen kritisiert, nicht aus inhaltlichen. Natürlich weiß ich, dass es selbst in den finstersten Zeiten immer noch kluge, moralisch vorbildliche und progressive Studenten gegeben hat.
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Aber ich glaube, dass meine Einschätzung stimmt, dass auch heute Studenten und Schüler besonders leicht zu Opfern von ideologischen Heilspredigern werden. Hierbei ist mir aber auch bewusst, dass sehr viele im Laufe des Erwachsen-Werdens zu realitätsbezogeneren Einstellungen gelangen: Zum Glück wird aus einem Saulus eben doch noch ein Paulus.

Der Mensch lernt nie aus.

Frohe Ostern!

Dietmar Philipp | Fr., 29. März 2024 - 18:20

so haben wir beide den Sachverhalt richtig gestellt, danke und

schöne Ostern!