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Weltbühne

Grünenpolitiker Giegold„EU-Parlament muss ESM kontrollieren“

Interview mit Sven Giegold30. August 2012
picture alliance
Sven Giegold,grüne,Europapolitiker,ESM
Sven Giegold wurde bekannt als Gesicht des globalisierungskritischen Netzwerks Attac
Schrift:

Der grüne Europapolitiker Sven Giegold über eine gemeinsame europäische Steuerpolitik und Wege aus der Krise. Er plädiert für mehr Zurückhaltung bei Urteilen über die Lage in Griechenland - erst wenn der Troika-Bericht vorliege, gebe es dafür die notwendige Informationsbasis

Seite 1 von 3

Herr Giegold, würden Sie derzeit eine Wette über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone abschließen?
Ich wette nicht, außer über Dönekes.

Ist die Lage so aussichtslos oder handelt es sich um eine Grundeinstellung?
Griechenland wird in der Euro-Zone bleiben. Die Kosten für einen Austritt sind schlicht und ergreifend zu hoch. Außerdem wird es aller Voraussicht nach nicht notwendig sein: Die Griechen haben laut einer Studie der Irischen Zentralbank etwa 20 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukt eingespart. Davon machen sich besonders in Deutschland viele keine Vorstellung. Die Agenda 2010 ist gegen diese Sparanstrengungen ein laues Lüftchen.

Trotzdem wird die Forderung nach dem Austritt lauter.
Die Leute sind verzweifelt auf der Suche nach einer einfachen Lösung – und die gibt es nicht. Wir brauchen in dieser Krise Disziplin.

Bildergalerie: Prominenter Protest: Köpfe gegen den ESM

Was meinen Sie damit?
Wenn vereinbart ist, dass die Troika einen Bericht über den aktuellen Zustand Griechenlands abgibt, dann macht es keinen Sinn, ständig auf äußerst dünner Informationsbasis harte Urteile zu fällen. Ein Mehr an Disziplin bedeutet eben nicht nur, dass in Krisenländern gespart wird, sondern auch, dass Leute wie Herr Dobrindt (Generalsekretär der CSU, Anm. d. Redaktion) sich zurückhalten und abwarten. Bereits der letzte Bericht von IWF, EZB und EU hat gezeigt, wie hochkomplex die Einschätzung der griechischen Sparanstrengungen wirklich sind. Es handelt sich um über 100 Einzelverpflichtungen, die nun evaluiert werden müssen.

Was sagen Sie denn zum Vorschlag vom Ifo -Chef Hans-Werner Sinn, man solle einfach die Drachme in Griechenland wieder einführen?
Griechenland selbst wäre dann vollständig überschuldet. Herr Sinn meint, dass man die Schuldenkrise durch eine Abwertung der schwächeren Staaten löst. Die Schulden werden dann allerdings nicht zurückgezahlt, woraus nicht absehbare Folgen entstünden. Ich finde erstaunlich, dass solche Forderungen in Deutschland überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Der Grexit bleibt also ein Schreckgespenst?
Manche behaupten, die Folgen wären inzwischen kontrollierbarer. Aber nur weil etwas Zeit vergangen ist, heißt das noch lange nicht, dass es keine Ansteckungseffekte für andere Länder geben würde. Wenn ein Land die Zone verlässt, werden die Risiken für die nächst schwächeren Länder dramatisch steigen.

Seite 2: Gemeinsame Steuerpolitik als Lösungsstrategie

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Der Herr Giegold sollte erst mal den ESM Vertrag lesen,

statt zu schwadronieren. Ihm würde dann vielleicht auffallen, dass der ESM qua Design absolut unkontrollierbar ist, ob durch das EP oder sonstwen.

  • Antworten
Very Serious Sam04.09.2012 | 18:08 Uhr

Europa sollte mit einer Zunge sprechen

Nichts ist unkontrollierbar - im politisch-demokratischen Raum muß alles kontrollierbar sein.
Sven Giegold betätigt sich - wieder einmal - wie ein Rufer in der Wüste.
Die meisten Europa-Politikerinnen und -Politiker bleiben wie immer stumm, wenn es sich um Europa- und Währungspolitik dreht. Dabei wäre dieses Politikfeld wie geschaffen für die Durchsetzung von mehr Einfluß des EU-Parlaments und die Begrenzung nationaler, also nationalstaatlicher Egoismen.
Vor allem wäre wichtig, daß Europa lernt, mit nur einer Zunge zu sprechen.
Insbesondere Mißtöne oder rüpelhafte Seitenhiebe aus der bayerischen CSU helfen überhaupt nicht weiter und zeigen, daß es selbst hochrangigen Politikerinnen und Politiker an der notwendigen charakterlilchen Reife fehlt, die erforderlich ist, um über den eigenen Tellerrand zu schauen und für andere Mitverantwortung zu übernehmen.

  • Antworten
Yvonne Walden05.09.2012 | 14:31 Uhr

Wieder ein Politiker der offenbar den ESM Vertrag nicht kennt

Weil nicht gelesen hat,aber das Wahlvieh zur Ruhe aufruft....ich bin allerdings der Meinung,dass egal wie der
Troika Bericht ausfällt,die nächste Tranche wird fließen.....schließlich muss GR in der Eurozone gehalten werden.
Mir kommt manchmal schon der Verdacht dass die GR.Regierung Eurofanatiker bezahlt.....denn was jetzt schon an
Steuergeldern in dieser sogenannten Rettungsaktion verbraten wurde ohne auf Aussicht dass es je zurück gezahlt werden kann spottet jeder Beschreibung.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant05.09.2012 | 15:39 Uhr

Kürzungen

Es wird immer nur über Kürzungen im griechischen Hasuhalt gesprochen, doch dass ist halt nur die eine Seite der Medaille. Die Troika verspielt zunehmend das Vertrauen, weil sie den Report immer weiter hinauszögert. Nach dem Motto, unangenehme Wahrheiten werden einfach nicht publiziert und die Versuche in Griechenland die Wirtschaft zu beleben, sind inzwischen von Verzweiflung geprägt. Mit Sonderwirtschaftszonen, in denen griechische Beamte nichts mehr zu sagen haben soll jetzt das Land gerettet werden. Europa macht sich einfach lächerlich, bei dem Versuch das offensichtliche Unvermögen eines Mitgliedsstaates auszugleichen, ein wie auch immer geartetes selbstfinanziertes Gemeinwesen zu organisieren.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann06.09.2012 | 04:07 Uhr

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