Vor fünfundvierzig Jahren gehörte ich als Medizinstudent zu denen, die gegen das erstarrte Weltbild der Elterngeneration aufbegehrten. Wie Verschwörer trafen wir uns bei einem nach C.G. Jung geschulten Psychoanalytiker zu einer privat organisierten Fortbildung, die uns abseits der gewohnten strikt somatischen Lehre in die Weite neuer Horizonte führte. Das zarte Aufkeimen einer ganzheitlichen Menschenbetrachtung löste in der Nachkriegsmedizin allmählich die biologistische Starre ab. Nicht nur die Psychoanalyse, sondern ein ganzer Strauß von neuen Perspektiven tat sich auf: die Naturheilkunde, manuelle Praktiken, Körpertherapien, traditionelle chinesische Medizin, Ayurveda, Yoga und vieles mehr. Es galt „Was heilt, hat Recht“, einzig begrenzt durch die wieder geachtete Hippokratische Ethik, die vorschreibt, behutsam vorzugehen und nicht zu schaden.
Die Bemühungen, Metaphysisches und moderne Wissenschaft in Einklang zu bringen, spiegelten sich in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Titeln von Bestsellern wie „Krankheit als Weg“ und „Das Tao der Physik“. In der Medizin entwickelte sich geradezu eine neue komplementäre methodische Bereicherung, die Antworten auf die Fragen gab, was gesund erhält und wie man selbstverantwortlich seine Lebensweise danach richtet.