Die Dokureihe „Wild Germany“ zeigt gesellschaftliche Randphänomene: Porno und islamischen Rap, die Ultra-Szene, Schamanismus, Schlager. Im Interview erzählt Moderator Manuel Möglich, welche Themen nicht zustande gekommen sind – und verteidigt die umstrittene Pädophilie-Folge der aktuellen Staffel
Herr Möglich, wodurch wird ein Thema Wild-Germany-tauglich?
Im Prinzip kommt alles infrage. Es ist unser journalistischer Ansatz, der die Themen „wild“ macht.
Wie beschreiben Sie diesen Ansatz?
Eigentlich machen wir ganz unsauberen Journalismus: Wir wahren keine Distanz, und ich äußere meine subjektive Sicht. Aber dadurch sind wir näher an den Zuschauern. Die teilen dann entweder meine Meinung oder nicht – aber sie bleiben nicht neutral.
Lässt das ZDF Ihnen bei der Themenwahl eigentlich freie Hand?
Grundsätzlich ja. Bisher ist nur einmal ein Thema abgelehnt worden: Sodomie.
Sex mit Tieren?
Genau. Wir wollten mit Leuten sprechen, die mit ihrem Haustier eine Liebesbeziehung führen. Das war ja durch die Gesetzesänderung im Winter gerade wieder aktuell. Das wollte das ZDF nicht.
Sie gehen häufig abseitigen Themen nach. Haben Sie schon Recherchen abbrechen müssen, weil die vermeintlichen Themen sich in Luft aufgelöst haben?
Ja, ein paar Mal haben wir gemerkt, dass ein Thema keine halbe Stunde trägt. Wir wollten zum Beispiel mal eine Art Fight-Club-Geschichte machen. Das hat nicht funktioniert, weil die Leute nicht bereit waren, mit uns zu reden.
Auffällig ist: Sie äußern in der Sendung zwar Ihre Gedanken und Gefühle – aber Sie bewerten nicht.
Ich denke, es ist wichtig, dass man möglichst neugierig und objektiv an ein Thema herangeht. Im Idealfall kann man mit Leuten, die krasse Meinungen vertreten, ganz normal reden, und irgendwann enttarnen sie sich selbst. Das ist uns in der Folge zur Deutschen Reichsregierung ganz gut gelungen.
Als „Deutsche Reichsregierung im Exil“ bezeichnet sich eine Gruppe, die leugnet, dass die Bundesrepublik der legale Nachfolger des Deutschen Reiches ist – und darum behauptet, das Deutsche Reich habe nie aufgehört zu existieren. In den Gesprächen entlarven sich die Mitglieder als rechtsextreme Verschwörungstheoretiker. Hier funktioniert der Ansatz, unvoreingenommene Gespräche zu führen.
Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass Sie bestimmten Gruppen eine Plattform bieten. Sehr umstritten ist zum Beispiel die vor zwei Wochen ausgestrahlte Pädophilie-Folge. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Ihnen vorgeworfen, darin dem Pädophilie-Aktivisten Dieter Gieseking die Möglichkeit gegeben zu haben, ein indiskutables Thema – die sexuelle Unversehrtheit von Kindern – zur Debatte zu stellen.
Die Kritik kenne ich natürlich. Klar hätte ich sagen können: Was Sie da sagen, widert mich an. Klar hätte ich ihn sitzen lassen können.
Warum haben Sie es nicht getan?
In dem Zusammenhang fanden wir es gerechtfertigt, zu zeigen, was im Kopf dieses Mannes vorgeht. Er spricht ja nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere – das behauptet er jedenfalls. Aber ich finde nicht, dass wir ihm eine Bühne geboten haben. Außerdem widerspreche ich ihm ja.
Gab es einen Moment, in dem er sich selbst entlarvt hat?
An einer Stelle räumt er ein, dass praktisch alle seine erwachsenen Freunde pädophil sind. Das finde ziemlich krass.












1 Kommentar