Rollenbilder

Ratgeber für die perfekte Frau

Sie sind eine Frau oder wollen eine werden? Beachten Sie ein paar Kleinigkeiten und das Ganze wird ein riesengroßer Spaß. Vorausgesetzt, Sie funktionieren. In jeder Rolle, die Ihnen zugedacht wird – von Männern, Kindern, Müttern, Vätern, Freundinnen, Arbeitgebern und dem Staat

Ratgeber für die perfekte Frau, Rollenbilder, Seien Sie glücklich. Seien Sie verdammt nochmal glücklich!
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Unser Autor

Marie Amrhein ist freie Journalistin und lebt mit Töchtern und Mann in der Lüneburger Heide.

So erreichen Sie Marie Amrhein:

Als perfekte Frau haben Sie einen perfekten Mann. Er liebt sie, er respektiert sie, er kümmert sich mit Ihnen um die Kinder, er ist beruflich erfolgreich, er bringt Geld nach Hause. Genau wie Sie.

Zu Beginn der Beziehung sind Sie natürlich sehr verliebt, selbstsicher, glücklich. Die Paarbildung haben Sie geschickt so organisiert, dass den männlichen Eroberer das Gefühl  beschleicht, einen harten Kampf gekämpft und gewonnen zu haben. Männer, die von „emanzipierten Frauen“ verlangen, „endlich selbst aktiv zu werden“, haben gewöhnlich in der Anbahnungsphase Probleme. Das kann dann im Laufe der Jahre zu Schwierigkeiten führen. Vermeiden Sie deshalb vorsorglich ein angeknackstes Selbstbewusstsein, das ist Gift in einer Beziehung.

Sprechen Sie in den ersten Jahren bloß nicht von Kindern, geben Sie dem Mann das Gefühl, er sei frei in dem, was er tut. Seien Sie unverkrampft. Das ist wichtig: Seien Sie bloß nicht verkrampft. Dann irgendwann beginnt im Mann von ganz alleine die biologische Uhr zu ticken. Meistens, wenn er im Freundeskreis die ersten Söhne Fußbälle hin und her kicken sieht. Oder aber, wenn einst prollig brüllende Stadionkollegen von den eigenen Töchtern angehimmelt werden und diese ihnen rosa Haarspangen ins schüttere Haupthaar stecken. Dann heißt es, Pille absetzen und schnell schwanger werden. Seien Sie fruchtbar. Gebären Sie. Jetzt. Lächeln Sie.

In diesem Moment dürfen Sie Ihre eigenen Eltern nicht aus dem Blick verlieren. Die nämlich wollen einerseits Enkelkinder, gleichzeitig aber haben sie Angst, dass Sie Ihnen als Tochter abhanden kommen. Diese Challenge – Tochter bleiben und Mutter werden – wird noch erschwert, wenn sich Eltern in den eigenen Rollenbildern unsicher sind und kindlich-abhängige Verhaltensweisen annehmen. Nehmen Sie die Herausforderung an. Halten Sie die Familie zusammen, nutzen Sie Ihre weibliche Sensibilität, um überzogene Erwartungen zu erfüllen.

Die Kinder nun wünschen sich in den ersten kommenden Jahren eine Mutter, die weich ist – aber Achtung, nicht zu weich: Für den Mann sollten sie sowohl Ihren emotionalen als auch den körperlichen sowie den realen Haushalt wieder schnell im Griff haben – der Nachwuchs dagegen legt eher Wert auf eine Mutter, die nicht schimpft und immer dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird. Das ist: zum Po abwischen, Schokolade aus dem obersten Fach holen, Lehrer bei Laune halten, Liebeskummer kurieren und bei der Auswahl des Abiball-Kleides. Es gilt nicht: beim Zähne nachputzen, Zimmer aufräumen, Hausarbeiten kontrollieren oder Ratschläge verteilen.

Wenn die Kinder zum alles überbordenden Lebensthema, zum einzigen Universum mutieren, gilt besondere Obacht: Freunde und Freundinnen, oft kinderlos, haben es gerne, dass Sie wie früher alle paar Wochen mit der Kippe im Mundwinkel an der Bar hocken und nicht vor drei Uhr morgens die Segel streichen. Themen für die Abendunterhaltung sollten selbstverständlich kreativ und kulturell geprägt sein. Agieren Sie so, dass ihr Handeln stets mit „Sie hat sich ja gar nicht verändert“ umschrieben werden könnte. Keinesfalls verwechseln Sie hier die Schwerpunkte, die sie ab sechs Uhr am nächsten Morgen wieder auf der Agenda haben. Denn erst dann ist wieder Zeit für Babybrei und vollgekackte Windeln respektive Schulbrote schmieren.

Danach geht es in die Arbeit. Die perfekte Frau hat einen Job, einen anspruchsvollen, prestigeträchtigen Job, den sie makellos ausfüllt. Wirtschaft und Arbeitgeber mögen fleißige und dankbare Mitarbeiterinnen. Beheben Sie den Fachkräftemangel, der Gesetzgeber wird Sie dafür lieben. Seien Sie flexibel, aufopferungsbereit, Überstunden gewährleistend, seien Sie glücklich und stolz – aber bloß nicht fröhlich. Das wirkt sich nach neuesten Untersuchungen negativ auf die weibliche Karriere aus. Erwarten Sie weder Dankbarkeit noch Respekt für Ihre gefühlte Achtfachrolle. Funktionieren Sie. Organisieren Sie kranke Kinder, Schwangerschaftsübelkeiten und Müdigkeit nach durchwachten Nächten so um, dass ihre Produktivität davon nicht tangiert wird. Lächeln Sie.[gallery:20 Gründe, warum das Betreuungsgeld überfällig ist]

Sind die Kleinen im Bett, das Geschenk für den morgigen Kindergeburtstag eingepackt, die Küche aufgeräumt und die letzte Email verschickt, seien Sie feurig, seien Sie begehrenswert, seien Sie Sexobjekt. Dem Mann fällt es schwer, über die Liebe zu sprechen? Kommen Sie ihm zuvor. Mit Körpereinsatz. Hier kein ganz unwichtiges Detail: Der Zustand eben dieses Körpers. Obwohl: Da müssen Sie sich eigentlich keine Gedanken machen. Mithilfe der plastischen Chirurgie sind wahre Wunder möglich. Entscheidend ist auch hier die geistige Flexibilität.

Als perfekte Frau haben Sie keine Ehekrise, Sie sind nicht unzufrieden, nörgeln nie. Wenn wider Erwarten etwas schief laufen sollte, seien Sie eine glückliche Exfrau. Exmänner möchten keinen Ärger. Das bedeutet: Erwarten Sie keine finanziellen oder emotionalen Zuwendungen mehr von Ihrem Exmann. Kümmern Sie sich um die Kinder und suchen Sie die Fehler bei sich. Seien Sie selbstlos, beglückwünschen Sie Ihren Verflossenen zu der schönen jungen Freundin. Lächeln Sie.

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