In den ersten drei Jahrzehnten ihres Leben hecheln Männer den Frauen halb begehrend, halb neidisch hinterher. Dann aber schlägt die Stunde des starken Geschlechts. Und das ist nur gerecht
Eins vorweg: dass die Europäische Kommission vergangene Woche eine Frauenquote für Aufsichtsräte beschlossen hat, war richtig. Die Menschheit besteht zu 50 % aus Frauen, da sollte sie auch zu 50 % von Frauen beherrscht werden. Das ist die pure Logik. Gar nicht logisch sind allerdings die Begründungen, mit denen Politiker für eine generelle Quote werben. Die gibt es nämlich längst. Nur ganz anders, als man denkt.
So erklärte etwa Jürgen Trittin zuletzt im Bundestag: „Mädchen sind besser in der Schule, Frauen haben die besseren Abschlüsse.“ Vielleicht macht er sich mal – wie der Rest der Quotenhysteriker auch – Gedanken darüber, wieso das so ist. Frauen haben nämlich nicht bessere Noten und bessere Abschlüsse, weil sie grundsätzlich besser in Deutsch, Mathe oder Bio bzw. Jura, Medizin oder Soziologie wären – sondern schlicht und ergreifend – weil sie Frauen sind!
Frauen sind bekanntlich frühreif. Mädchen werden früher erwachsen als Jungen, Frauen finden sich eher im Leben zurecht als Männer. Das liegt in der Natur der Dinge. Ein Mann braucht zur Konstitution seiner gesellschaftlichen Identität, also seines Sozialcharakters durchschnittlich bis zum 30. Lebensjahr. In dieser Zeitspanne stehen Frauen qua natura alle Türen offen – weil sie Frauen sind. Das fängt in der Schule an: Jungs sind entweder noch nicht voll ausgereift, oder sie werden irgendwann zu Konkurrenten der Lehrer; ein Mädchen kann gescheit oder dumm sein, mit ein bisschen Geschick fängt es sich so oder so seine Sympathiepunkte mit den entsprechenden Konsequenzen im Abiturzeugnis.
Wenn ein junger Mann auf eine Party kommt, dann entweder, weil er explizit eingeladen ist, oder weil er sie selber ausrichtet. Wenn eine Frau auf eine Party kommt, dann, weil sie eine Frau ist, auch wenn sie weder den Gastgeber noch sonst irgendwen kennt. Wenn ein Mann einen Job kriegt, dann, weil er erstens sehr qualifiziert ist und zweitens seine Qualifikation so geschickt zu verschleiern weiß, dass sie nicht zu sehr auffällt; wenn eine Frau einen Job kriegt, dann, weil sie eine Frau ist. Wenn einem Praktikanten von seinem Vorgesetzten das Du angeboten wird, dann, weil er sich entweder wirklich unentbehrlich gemacht hat, oder weil sich in dem Unternehmen sowieso alle duzen. Mit einer Praktikantin dagegen wollen in der Regel ohnehin alle per Du sein. Schließlich ist sie eine Frau.
Diesen Faden kann man munter weiterspinnen. Frauen verleben die ersten drei Jahrzehnte ihres Lebens in einer bunten Seifenblase, in der es keine Schwerkraft und keine Widerstände gibt, in der ihnen die Welt zu Füßen liegt und sie faktisch alles und jeden erreichen können, wenn sie nur halbwegs gut ausschauen – was für über 90 Prozent aller Frauen gilt – und sich nicht allzusehr vor der Welt verschließen. Nicht sie müssen auf irgendwas aufmerksam sein, nein: man wird auf sie aufmerksam, einfach so, sowieso.
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