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 > Schröders Buch ist mutig und revolutionär

Berliner Republik

Die männliche SichtSchröders Buch ist mutig und revolutionär

Von Milosz Matuschek27. April 2012
picture alliance
Kristina Schröder,Familienministerin,Feminismus,Buch,Kritik,Emanzipation
Hat auch Schröder das Recht, in Ruhe gelassen zu werden?
Schrift:

Die Kritik an Familienministerin Schröder grenzt an eine Hetzjagd. Dabei fordert sie in ihrem Buch nichts anderes als die Selbstbefreiung der Frau. Warum sie für dieses mutige Plädoyer Lob verdient. Der Kommentar eines modernen Mannes

Seite 1 von 3

Vor fast genau 40 Jahren hat eine junge Journalistin ein Buch darüber geschrieben, wie Frauen von Männern unterdrückt werden. Sie wurde daraufhin von vielen Frauen verehrt und von ganz vielen Männern gehasst. Das Buch hieß „der kleine Unterschied“. Die junge Journalistin Alice Schwarzer.

Letzte Woche hat Kristina Schröder ihr Buch vorgelegt. Sie ist Bundesfamilienministerin, nicht viel älter als Alice Schwarzer damals. Der kleine Unterschied: Schröder geht es um die Unterdrückung der Frauen durch die Frau. Sie prangert weibliche Rollendiktate an. Und sie wird, so scheint es, dafür von den meisten Frauen gehasst. Das Buch wurde fast durchgehend verrissen, Politikerinnen und Jungfeministinnen fordern ihren Rücktritt. Ihre Buchvorstellung soll laut Presseberichten tumultartig gewesen sein. Und was sagen die Männer?

Zugegeben, es ist wirklich nicht schwer, Kristina Schröder uncool bis unsympathisch zu finden. Ein Blick auf das Buchcover genügt schon. Dieses aufgesetzte Lächeln in die Kamera. Dieses möchtegern selbstsichere Den-Arm-in-die-Hüfte-Stemmen. „Ich bin nicht die Gouvernante der Nation“, sagt sie. Sie wirkt aber so, denkt man. Irgendwie bemüht.

Und trotzdem: ihr Buch ist eine Streitschrift par excellence. Gut geschrieben, gut getroffen und vor allem mutig. Noch nie vor ihr hat eine Frau (geschweige denn ein Mann) in verantwortlicher Position sich so deutlich gegen den feministischen Zeitgeist aufgelehnt. Ihr Buch hat etwas Unerhörtes, ja im Grunde Revolutionäres. Und niemandem scheint es aufzufallen, weil alle über das Betreuungsgeld reden und über Kitaplätze. Was ja auch wichtig ist.

Schröder ist die erste Frau in verantwortlicher Position, die offen sagt: Schluss mit dem Rollensqueezing und der Anpassung des Lebens an die Ansprüche anderer! Es wird Zeit, dass sich die Arbeitswelt an den Menschen anpasst, vor allem an die Frau, nicht umgekehrt. Das Leben  als Entfremdungserfahrung: Das hat man so deutlich zuletzt bei Marx oder Adorno gelesen. 

Mit einem Unterschied. Schröder spart sich den ideologischen Überbau. Sie schreibt kein richtiges Leben vor und verurteilt kein vermeintlich falsches. Ihr Buch liest sich auch nicht in erster Linie als Abrechnung mit dem Feminismus. Es richtet sich gegen die Fremdbestimmung der Frau und die Unterwerfung unter das Diktat der Ökonomie, zu dessen verlängerten Arm der Feminismus verkommen ist. Damit hat sie doch recht!

Warum Schröder ausgerechnet im Prenzlauer Berg ausgebuht wurde

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Kurz reflektiert

Vielleicht können wir Frau Schröder leichter zustimmen, weil wir Männer sind?

  • Antworten
Carsten Strater27.04.2012 | 15:25 Uhr

Die Unterwerfung unter das Diktat der Ökonomie

da gebe ich Ihnen sogar recht. Laut den Feministinnen ist man ja nur unabhängig, wenn man von einem Arbeitgeber abhängig ist.

Aber Frau Schröder hat sich doch genau für dieses Modell entschieden. Sie ist in jungen Jahren bereits Bundesministerin, ihr Ehemann ist Staatssekretär und das Kind in irgendeiner Betreuung, weil beide voll berufstätig sind.

Die Familie Schröder hätte sich nicht der Ökonomie unterwerfen müssen. Unabhängig vom Geschlecht, hätten sich Frau Schröder oder auch Herr Schröder gegen die Karriere entscheiden können. Frau Schröder könnte das Familieneinkommen erwirtschaften und Herr Schröder könnte die Familienarbeit leisten. Dann wäre sie "selber emanzipiert".

Anders als die Familie Schröder können sich die meisten Familien die freie Entscheidung nicht leisten und der oder diejenige die sich gegen den Job entscheidet, geht ein nicht unerhebliches Risiko ein.
Da wären von Frau Schröder noch ein paar politische Weichen zu stellen, damit Frau oder Mann sich nicht mehr dem Diktat der Ökonomie unterwerfen müssten.

Frau Schröder hat ein Buch geschrieben, bringt uns das irgendwie weiter?

  • Antworten
paula herzog27.04.2012 | 21:23 Uhr

MUT ist nicht,...

.. dem feministischen / 68er Mainstream zu applaudieren, Mut ist heute, gegen die staatliche Fürsorge, der immer auch eine Bevormundung vorausgeht und sie begleitet, entgegen zu stellen. DANKE, Herr Mattuschke für den Mut.
Mann muss "das Linke System viel genauer durchleuchten, weil dieser Mainstream einfach eine Rattenhorde geworden ist. Links- Konservativ, totalitär, dessen Kritiker mit der Nazi- Keule erschlagen werden. (E. Herman, T. Sarrazin, Männerrechtsbewegungen)
Prof. Amendt hat die Entwicklung des Feminismus hier ganz deutlich portraitiert:
http://agensev.de/agens-meint/%E2%80%9Eindividuelle-freiheit-oder-kollektivistischer-feminismus/
Orwell applaudiert!

  • Antworten
Jason Bourne 07.05.2012 | 13:28 Uhr

mutiges, revolutionäres Schröderbuch

"Schröders Buch ist mutig und revolutionär"
Das ist ironisch gemeint, oder? ...oder doch nur Quatsch?

  • Antworten
kdm28.04.2012 | 09:25 Uhr

Der Cicero

wird endgültig zum neuen deutschen Satiremagazin. Von Adorno zu Kristina Schröder. Und ach ja, der Gastarbeitersohn wird benachteiligt, weil die höhere Tochter ihm den Job streitig macht.

Der Autor dieses narrativen Leerlaufs ist ein "moderner Mann". Da bin ich eindeutig für die alte Schule.

  • Antworten
Katharina K.29.04.2012 | 06:01 Uhr

Wahlfreiheit hatz auch einen Preis

Jede Generation muss sich mit vorhandenen Rollenbildern auseinandersetzen, es gibt immer welche - das gehört wohl zum Leben dazu. Eben auch sich davon zu befreien und den eigenen Weg zu suchen. Keine Frau (oder Mann) ist gezwungen sich dem Prenzlauer Modell anzuschließen. Richtig ist sicher, dass Karriere und Kinder ein äußerst schwieriges Spagat bedeutet. Da gibt es eine Reihe von Stellschrauben, die auch in den Unternehmen liegen - wenn denen daran gelegen ist, dass gutausgebildete Mitarbeiter Nachwuchs kriegen. Aber die grundsätzliche Frage liegt bei der Verantwortung für das eigenen Leben: Wie positioniere ich mich da, welche Hürden kann ich wie überwinden. Ich muss mich 'Diktat' der Ökonomie' soweit ausliefern, so weit ich eben mich ernnähren muss. Grüne Witwen haben gelitten, die Arbeiterin am Band ist auch nicht das Wunschmodell - heute gibt es für alle deutlich mehr Chancen und Wahlfreiheiten - bei allen zu recht kritisierten Misstsänden. Sich unlebbaren Modellen hinzugeben geht doch eher auf die eigenen Kappe - oder etwa nicht?.

  • Antworten
Carlo Siemers29.04.2012 | 10:10 Uhr

SchröderHerrmann

Ich stimme als Frau dem Autor zu. Es geht um die Verfügbarkeit der Frau, die Lesben und militanten Emanzen sind da auf etwas reingefallen, was letztendlich ihnen selbst schadet. Wenn sie alt und schwach sind, werden Menschen sich mehr oder weniger um sie kümmern, die nicht mal ihre Sprache sprechen. Wer wird ihre Hand halten?
Ich hätte gerne meinen Arbeitsplatz für einen Mann freigemacht, meine Mutter hat es genauso gesehen, sie wäre auch gerne länger Haus-und Familienfrau gewesen
Hat Eva Hermann eigentlich was anderes gesagt? Sie hatte den Mut gehabt, auch noch von den Bedürfnissen kleiner Kinder zu sprechen. Das war ja das Allerletzte.
Einfach immer das zu wollen, was die Männer haben oder machen, ist einfach dumm. Die Natur läss sich nicht überlisten. Wenn das bittere Erwachen kommt, wird man es nie zugeben. Genau das machte die Hermann zum Feind. Sie zeigte" Schwäche." Wie unemannziepiert.

  • Antworten
chris böhmer29.04.2012 | 18:53 Uhr

Hervorragende Analyse - Kompliment!

Sehr geehrter Herr Matuschek,

vielen Dank für diese hervorradende Analyse der Probleme des "modernen" Feminismus.

Neben vielen anderen, haben mir zwei Ihrer Sätze besonders gut gefallen, weil sich sonst kaum jemand traut, das zu schreiben:

"[Das Buch] ... richtet sich gegen die Fremdbestimmung der Frau und die Unterwerfung unter das Diktat der Ökonomie, zu dessen verlängerten Arm der Feminismus verkommen ist. Damit hat sie doch recht!"

"...dass das Nachbeten von Forderungen aus der Oma-Generation der
Feministinnen weder selbstbewusst noch eigenständig ist.."

- gefällt mir!

Interessant auch, dass sich Katharina K. so aufregt. Sie haben wohl einen interessanten Punkt getroffen!

MfG
Dr. T. W.

  • Antworten
T. W.29.04.2012 | 19:26 Uhr

Praktikantinnengeschwätz

Man muss das Buch in der Perspektive von Schröders sonstigem PR-Aufwand betrachten, damit man die Stoßrichtung erkennt. Schröder ist eine (verhinderte) Politikdarstellerin:

http://reg4tel.net/2012/04/28/kristina-schroeder-geht-shoppen/

  • Antworten
Regierung4tel29.04.2012 | 23:08 Uhr

Nicht gelesen, aber verstanden :)

@Regierung4 [...damit man die Stoßrichtung erkennt....] Ja, so sieht sie aus Ihre Welt: Ein ewiger Feldzug. Und weil man die Wahrheit praktischer Weise gepachtet hat, braucht man sich mit dem politischen Gegner auch nicht inhaltlich zu beschäftigen. Diskursnation Deutschland: Eine Neanderthaler-Streitkultur!

  • Antworten
PeGRE30.04.2012 | 17:23 Uhr

Mehr als überfällig!

Vielen Dank für diese in klaren Worten geführte Verteidigung! Sie hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: nicht so arg viele Männer haben wie Herr Matuschek die Möglichkeit, diese Dinge "locker zu sehen". Sie zählen ebenfalls zu den Geschundenen des Turbokapitalismus, können es sich aber eher noch weniger als Frauen wirklich aussuchen: wo Frauen immerhin die Qual der Wahl zwischen Beruf, Teilzeit und Hausfrau/Mutter haben, wählen Männer zwischen Vollzeit, Vollzeit und Hartz IV. Und wenn sie es wagen, dies hörbar zu beanstanden, wird ihnen vom ausgerechnet vom Feminismus schneller, als sie "Kristina Schröder" sagen können, das Etikett "Jammerlappen" ans Hemd getackert. "Meinetwegen sollen das alles jetzt Frauen machen", sagt Herr Matuschek - aber genau dies ist für viele Männer, und nicht zuletzt für den genannten Gastarbeitersohn, eine Existenzfrage, die ihnen eine echte Wahl nicht lässt. "Revolutionär" wird die Sache daher erst dann, wenn auch Männer politische Konsequenzen aus ihr ziehen.

  • Antworten
Ingbert Jüdt30.04.2012 | 14:23 Uhr

wir benachteiligten Männer

Das war aber eben gar nicht gejammert? ;-)
denn die Option Hausmann haben sie doch auch? Oder?

  • Antworten
Carlo Siemers02.05.2012 | 11:16 Uhr

Benachteiligung

"Benachteiligung" ist ja kein Nullsummenspiel - dass es aber Bereiche mit spezifischen, gravierenden Benachteiligungen für Männer gibt, könnte sich inzwischen herumgesprochen haben. Unterhaltsrecht, Lebenserwartung und Obdachlosigkeit sind nur einige Beispiele. Was bei Frauen mit Selbstverständlichkeit als "gesellschaftliches Verhältnis" gesehen wird, wird bei Männern immer noch als individuelles Einzelschicksal abgehakt.

Die Option "Hausmann" ist in der Realität davon abhängig, wie sie im Falle des Scheiterns bewertet wird, und zwar sowohl von der Ex als auch vom Familiengericht. Dass hier derselbe Maßstab angelegt wird wie im Falle der Haus*frau*, ist alles andere als selbstverständlich - dem Mann kann es leicht blühen, von beiden "Instanzen" als "Schmarotzer" bewertet zu werden.

  • Antworten
Ingbert Jüdt02.05.2012 | 19:08 Uhr

Klasse!

Einfach nur toll auf den Punkt gebracht. Eine wunderbare Analyse. 100 Punkte, Volltreffer!

  • Antworten
Andreas30.04.2012 | 22:09 Uhr

Lustig

Zu Alice Schwarzers Zeiten gab es noch einige Gesetze, die die Bestimmung von Männern über Frauen festschrieben. Das ist heute nicht mehr so: geblieben ist allerdings ein Familienrecht, das die Relikte bewacht. Heute sind es Männer die sagen: ihr habt die gleichen Rechte, also nehmt bitte auch die gleichen Pflichten wahr! Dass nun ausgerechnet eine weibliche Liga unter der Fahne "Feminismus" wieder Sonderrechte einfordert,ist die eigentliche Albernheit! Letzte Bevorrechtigungspfründe wie das Besitzrecht der Mütter werden ausgespielt. Es geht um erwachsene Menschen, Männer wie Frauen, die ihr Leben leben und Hindernisse bestehen können und müssen, die ihnen keiner abnimmt. Die Frage ist weniger, wer in der existierenden Gesellschaft nun doch wieder Sonderrechte bekommen soll, sondern wie die existierende Gesellschaft menschengerechter werden kann. Da hätte eine Politikerin wie Schröder noch einiges vor sich.

  • Antworten
Leo01.05.2012 | 15:06 Uhr

Mit Nichtschwimmer/inn/en im Haifisch-Pool

Rollenklischees aufzuzeigen und deren Schädlichkeit zu beweisen, war einer der grundlegenden Ausgangspunkte des Feminismus der 70er Jahre. Was auch immer in der Zwischenzeit sich verhärtete, liegt doch fernab neben den gelebten Möglichkeiten und den sich verschlechternden
Verhältnissen.
Da kann man sich tot-diskutieren und nichts rührt sich außer dem Zuckerwürfel im Tee.

Vielmehr werden Standpunkte kritisiert, eine gewisse Vielzahl der am meisten diskutierten Modelle, beinahe Glaubensbekenntnisse, die teils fernab der Chancen und Greifbarkeiten in den 20er Lebensjahren junger Frauen liegen.
Menschen, die nach 7 Monaten – gar produktivsten - Aussetzens einer beruflichen Daueranstellung- schon wegen Langzeitarbeitslosigkeit als für den sog. Ersten Arbeitsmarkt nicht diskutabel bei Arbeitgebern erscheinen, die durch Sozialgesetze ausgepowert werden und die unter diesen Bedingungen kaum eine fristgerechte, passende Chance zur bahnbrechenden Lebensentscheidung haben, sich mit einem gleich oder ergänzend planenden Partner zusammenzutun, sind wie emanzipiert auch immer in ihrem pragmatisch und richtig orientierten Diskussionsstand schlicht und faktisch Mündel von Systemen, die nicht einmal mehr diese partneroptimierte hohe Flexibilität der Akademikerschaft und solcher Arbeitsmärkte erkennen.
Da wird doch jeder moderne Mensch zum Haifisch-Happen.-

Wir brauchen endlich eine Unisex-Power-Bewegung für die professionellen Mütter und Väter unserer Kinder und Enkel!
:-)

  • Antworten
rena.straet01.05.2012 | 16:09 Uhr

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