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Weltbühne

Occupy-BewegungDer Beginn einer neuen Apo?

Von Gunter Hofmann17. Oktober 2011
picture alliance
Die Utensilien der neuen Protestbewegung
Das Zeug zur neuen Apo? Die Utensilien der jüngsten Protestbewegungen.
Schrift:

Entsteht aus den noch diffusen Protesten eine neue außerparlamentarische Opposition? Könnte diese die Politik dazu ermutigen, das verlorene "Primat über die Wirtschaft" wiederzuerlangen? Und was unterscheidet die Occupy-Bewegung von der "alten" Apo?

Seite 1 von 2

Ich möchte hier nicht wagen zu prophezeien, ob sich das zu etwas Gemeinsamem und Dauerhaftem verbindet, was da diesseits und jenseits des Atlantik oder sogar in einigen arabischen Staaten in Gang kommt, von den Indignados in Madrid und Occupy-Wall-Street über Occupy-Frankfurt bis Occupy-Brüssel am kommenden Wochenende, passend zum G-20-Treffen. Aber was es zumindest für die Politik im eigenen Blickfeld bedeuten könnte, kann man doch schon erahnen.

Zu den wertvollsten Ressourcen sozialer Bewegungen zählt die Erinnerung, schrieb der erfahrene Washingtoner Professor, Norbert Birnbaum, ein Linksintellektueller nach unseren Maßstäben, jüngst in einer Kolumne über Occupy Wall Street. Dieses soziale Gedächtnis lehre, dass Geschichte sich nicht wiederhole, wohl aber, dass man daraus lernen kann. In den USA erinnere der Protest viele an den New Deal und die Jahrzehnte nach dem Börsenkrach von 1929, als die Wirtschaft stärker reguliert wurde, ein Großteil der Arbeiterschaft sich Gewerkschaften anschloss und die Ansprüche sowie das Selbstbewusstsein der Bürger wuchsen. Daran müsse man die „Neuen“ messen.

[gallery:„Occupy Wall Street“ - Die Protestbewegung in Bildern]

Das soziale Gedächtnis hierzulande weist nicht zurück auf den New Deal, aber auf die Apo. Geleitet, ja gesteuert werde die Politik vor allem von ökonomischen Kräften und Interessen, die sich dem Einfluss von Regierung, Parlament und Parteien weithin entzögen. Politik, lautete die Kritik, komme von oben, sie lade nicht zur Mitsprache ein. Den Attackierten machte dieser Protest samt Kritik an der Elterngeneration oft Angst. Aber Willy Brandts SPD rang sich 1968/69 dennoch zu einer Öffnung durch und lud die Apo, zeitweise mit Erfolg, zum Marsch durch die Institutionen ein. Ende der 70er Jahre brandete eine neue Protestbewegungen auf, Helmut Schmidts sozialliberale Koalition vermochte sie nicht länger zu integrieren, aus den Basis- und Protestbewegungen kristallisierten sich die Grünen heraus.

Nun verfügen auch die Grünen nicht mehr voll über diese Integrationskraft, wie es aussieht, und auch nicht die Linkspartei. Anders als zu Zeiten der Apo I und II sieht sich die Politik insgesamt jedoch augenfällig bemüßigt, sich mit den Protestierenden zu solidarisieren. Wer bekundet nicht alles tiefstes „Verständnis“. Schäuble, Trichet, Brüderle, Draghi, alle können sie nachvollziehen, wenn Tausende auf den Straßen vor der Frankfurter Börse oder dem Berliner Kanzleramt ihrem Zorn Luft machen, weil die Politik sich anonymen „Märkten“, Rating-Agenturen oder Bank-CEOs beuge.

Eine Schlagzeile wie die der „Financial Times Deutschland“ vom Montag, „Politik stützt Wall-Street-Gegner“, hätte man sich noch vor wenigen Wochen nicht träumen lassen. In der „Welt“, dem Blatt des Springer-Verlags, der einst als militanter Erzfeind der Protestgeneration galt, wünscht der – vorzügliche – Amerika-Korrespondent den Demonstranten ausdrücklich von Herzen viel Glück. Er neue EZB-Chef findet, die jungen Menschen hätten „ein Recht darauf, empört zu sein“. Und Wolfgang Schäuble: Die Politik müsse darlegen, dass sie die Regeln bestimme und nicht nur „von den Märkten getrieben“ werde.

Lesen Sie auf der nächsten Seite vom Opportunismus der Politik, ihrem verlorenen "Primat über die Wirtschaft" und den anderen Rahmenbedingungen der neuen APO.

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Occupy ist unpolitisch

Die von Medien gehypte Occupy-Bewegung ist letztlich unpolititisch: kein Kopf, keine Loesungsvorschlaege, keine Strategie. Wir brauchen aber weder Trillerpfeifen-Demokratie noch Camping-Parlamente, sondern Tatbuerger. Wer wirklich etwas ändern will, der sollte keine Party machen und im Lagerstillstand verharren, sondern neuen unabhängigen Parteien beitreten. Ich empfehle die aus jahrzehntelanger Erfahrung kommunaler Basisarbeit kommt.

  • Antworten
Wolf Achim Wiegand18.10.2011 | 11:38 Uhr

Und welche unabhängigen

Und welche unabhängigen Parteien können sie empfehlen?

  • Antworten
19Flor4918.10.2011 | 13:38 Uhr

Warum unpolitisch?

Wahrscheinlich die Freien Wähler, deren Hamburger Landesvorsitzender er ist. Zwar in eigener Sache unterwegs, aber zu seiner Meinung ist er ja berechtigt.
Ich frage mich nur, wie er auf "unpolitisch" kommt. Lösungsvorschläge werden in den Camps Tag für Tag erarbeitet, auch wird dort versucht, das, wogegen man Argwohn hegt, zunächst mal zu verstehen.
Und selbst wenn es "unpolitisch" wäre, etwas, dessen man überdrüssig ist, öffentlich zu bekämpfen, warum sollte dies falsch sein? Immerhin schürt es Aufmerksamkeit, regt Menschen an, sich mit dem angeblichen "Problem" auseinanderzusetzen. Und es fordert echte grundlegende Veränderung, anstelle der vorgeblichen, durch Lobbyarbeit unwirksam gemachten, Schönheits-OPs der klassischen Politik.

  • Antworten
anonym19.10.2011 | 09:17 Uhr

Occupy

Occupy ist sehr gesellschaftspolitisch, wenn auch nicht p a r t e i politisch im üblichen Sinne. Darin aber liegt gerade die Chance dieser Bewegung. Ich vermute sogar, dass die meisten gerade von der
Parteipolitik die Nase gestrichen woll haben. Von den etablierten Parateien wie CDU, FDP und SPD ist in Sachen Banken und Casinokapitalismus nichts Effektives zu erwarten, zu eng verzahnt sind Wirtschaft und etablierte Parteien. Occupy ist ja geradezu das Symptom für das Versagen der Politik - auch in Deutschland. Die Menschen haben ein gutes Gespür für dieses Versagen. Und wenn die Parteien die Zeichen der Zeit auch jetzt nicht erkennen oder erkennen wollen, wird ihnen diese Bewegung der 99 Prozent bald mehr als nur das Stopp-Schild "Bis hier und nicht weiter!" entgegen halten.

  • Antworten
Egon Goldschmidt19.10.2011 | 18:09 Uhr

von Fujiyama nach OCCUPY

Mit Fujiyama purzelte die Atompolitik schneller als man denken konnte. - Auch wenn die Politik nun die Energiewende zu einer Energiewende für die Konzerne gemacht hat ( http://www.sfv.de/solarbr/2011-3.htm.)

Aber was passiert, wenn mit OCCUPY nun die Finanzpolitik bzw. die Politik für die Finanzwelt purzelt?
Aber was, wenn diese Subventionspolitik für die Leute aus Richistan purzelt?
Eine Finanzwende zu Gunsten der Banken derer aus Richistan, funktioniert wohl nicht. Das kann ja nur besser werden!

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  • Antworten
Martin Sigl20.10.2011 | 21:21 Uhr

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