Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Juni:
Deutschland auf dem Weg zum 100-Millionen-Volk

Hurra, wir wachsen!
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Mo Yan, Liu Xiaobo und all die anderen

Salon

LiteraturnobelpreisMo Yan, Liu Xiaobo und all die anderen

Von Tilman Spengler16. Oktober 2012
picture alliance
Mo Yan, Literaturnobelpreis
Mo Yan, kein Staatsfreund Nr. 1
Schrift:

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan hat lautstarke Kritik ausgelöst. Schriftsteller und Sinologe Tilman Spengler über ein Missverständnis

Seite 1 von 2

1. Wann je hat eine Entscheidung des Stockholmer Nobelpreiskomitees zu Hosianna Rufen unter den Kritikern geführt? Ich kann mich nicht daran erinnern, und wenn ich in die Archive blicke, finde ich kein anderes Bild. John Steinbeck, um nur eines der markantesten Beispiele zu wählen, wollte 1962 die Auszeichnung gar nicht erst annehmen, weil zuvor seine Schriftstellerkollegin Pearl S. Buck, nun ja, nobelitiert worden war – für einen Roman, den Steinbeck schlicht „zum Würgen“ fand. Dieser Roman hieß übrigens „Die gute Erde“ und spielte in China, der Heimat von Mo Yan, dem Preisträger des Jahres 2012.

Die noch lange nicht verhallenden Reaktionen auf Mo Yans  Auszeichnung übertrafen allerdings an Vehemenz alle klassischen Einwände der vergangenen Jahre. Auf Mo Yan prasselten nicht nur die klassischen Hiebe, er sei nun mal kein Philip Roth und dichte zudem schlechter als Bob Dylan, nein, der Vorwurf lautete, dieser „weitgehend unbekannte“ chinesische Schriftsteller sei Staatsfreund Nr. 1 im Reich der Volksrepublik, seine Würdigung durch die Stockholmer Akademie sei, wie Ai Weiwei es am vergangenen Donnerstag sinngemäß ausdrückte, „ein Schlag gegen die Humanität“. Dass der Künstler ein paar Tage später revozierte, verstärkte den Ruf seiner Virtuosität.

Der am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnete Liao Yiwu blieb dagegen bei seinem öffentlichen Entsetzen über die Würdigung seines Landsmanns und fügte noch hinzu, die Wahrheit sei allemal wichtiger als Literatur. Literatur und Lüge wurden so wieder zusammengepfercht.  

Mo Yan, halten wir das fest, ist stellvertretender Vorsitzender des Chinesischen Schriftstellerverbandes und damit in der Tat einem Machtapparat sehr, sehr nahe, dessen Maßnahmen gegen das freie Wort meist ekelerregende Formen annehmen. Wer vor drei Jahren auf der Frankfurter Buchmesse miterleben musste, wie die chinesischen Funktionäre den ihnen zur Aufsicht überstellten Autoren gleichsam glühende Mistgabeln an den Hosenboden hielten, konnte davon einen bleibenden Eindruck bekommen. Mo Yan war damals der schriftstellerische Leiter der Delegation. Und ob unser Autor ganz bei Trost war, als er 2002 eine Ansprache von Mao Zedong aus dem Jahr 2002 durch seine eigenhändige Kalligraphie ehrte, wird nur Mo Yan selber beantworten können. In jener Erklärung Maos heißt es, grob gesagt, nur ein Schriftsteller, der die Linie der Partei befolgt, ist ein guter Schriftsteller. Das denken zwar auch heute noch viele in der Partei, doch diesen Schwachsinn sollte nicht gerade ein Autor vergolden, der sich in der Tradition von Weltliteratur sieht.

2. Und letzteres völlig zu Recht. Denn die künstlerische Qualität von Mo Yans Werken stellt auch international niemand in Frage, der etwas von moderner chinesischer Literatur versteht. Anders gesagt: Es darf, etwa, dem Roman „Das Rote Kornfeld“ nicht vorgeworfen werden, dass ihn auch einige Funktionäre der Kommunistischen Partei schätzen. Genauso wenig wie ihm seine immense Popularität unter chinesischen Lesern angekreidet werden soll. Mo Yan hat schließlich mit seiner Sprachkraft der chinesischen Erzählkunst ein neues Terrain erschlossen. So wie er aus Erinnerungen, brüchigem  Archivmaterial, wilden Träumen das Panorama einer historischen Epoche heraufbeschwören kann, hat das in der chinesischen Literaturgeschichte vor ihm noch keiner vorgeführt. Man kann die Begründung der schwedischen Akademie, insbesondere den Begriff „halluzinatorischer Realismus“ vielleicht etwas verschraubt putzig finden, doch das Täppische der Würdigung schmälert keinesfalls das innovatorische Verdienst des Preisträgers 

Und wenn, hier schnell noch hinzugefügt, verehrte Zuhörer, wenn sich ein Leser tatsächlich einmal darüber informieren möchte, wie die sogenannte Staatsschreiberei in der Volksrepublik wirklich ausschaut, dann sollte er, sollte sie sich die dortige orthodoxe, die linientreue Literatur einmal ansehen, die Mo Yan mit seinen Werken hinwegfegte. Dagegen liest sich sogar das, was seinerzeit von den SED Bonzen den Schriftstellern in Bitterfeld abverlangt und brav abgeliefert wurde, wie ein Fest der obskuren Lyrik.

Es ist bei Mo Yan zudem eine erzählerische Entwicklung zu verfolgen, die ihn auch in Themenkreise führt, deren Erwähnung der Kommunistischen Partei Chinas alles andere als angenehm ist. Wer etwa, wie Mo Yan, das Problem der öffentlich betriebenen Abtreibungspolitik in seinen Erzählungen aufgreift, der wandert, wie es der amerikanische Sinologe Howard Goldblatt ausdrückte, auf einer sehr, sehr dünnen Linie.

Auf der nächsten Seite: Hatte das Nobelpreiskomitee eine Antwort auf die Auszeichnung Liao Yiwu in Frankfurt im Sinn?

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Wolf Haas

„Der Leser denkt, jetzt spinnt er wieder“

Literaturkritiker Denis Scheck

„Kein Sex in Entenhausen!“

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Der neue Intellektuelle
Reisefreudig, wendig, radikal
von
05.05.2013
Péter Esterházy: „Esti”
Im Labyrinth der Literatur
von
26.04.2013
Bibliotheksporträt
Milbergs Bücherberge
von
20.04.2013
„Die Abenteuer des Joel Spazierer”
Schelmentum und Amoral
von
19.04.2013
Schriftsteller Christian Haller
Ein Virtuose der Erinnerung
von
29.03.2013

zum Dossier Literaturen
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Wolf Haas

„Der Leser denkt, jetzt spinnt er wieder“

Literaturkritiker Denis Scheck

„Kein Sex in Entenhausen!“

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Der neue Intellektuelle
Reisefreudig, wendig, radikal
von
05.05.2013
Péter Esterházy: „Esti”
Im Labyrinth der Literatur
von
26.04.2013
Bibliotheksporträt
Milbergs Bücherberge
von
20.04.2013
„Die Abenteuer des Joel Spazierer”
Schelmentum und Amoral
von
19.04.2013
Schriftsteller Christian Haller
Ein Virtuose der Erinnerung
von
29.03.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
  • gender
  • gender
Neues Dossier anlegen:

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Buch, Bücher, Literatur
Dossier

Die Buch-Seite

zum Dossier

Bildergalerie

„Die nackte Wahrheit und anderes“ − Aktfotografie um 1900

zur Bildergalerie
Anzeige

Wulf Schmiese

Leicht gesagt. Die Mittwochskolumne von Wulf Schmiese

Von der Volks- zur 20-Prozent-Partei

SPD-Chef Gabriel auf der Pressekonferenz zum Parteijubiläum

Ist alt, sieht auch so aus: Cicero-Kolumnist Wulf Schmiese über den 150. Geburtstag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Göttinger Demokratie-Forschung
Parlamentswahlen in Norwegen: „Menschen, nicht Milliarden“

Im September wird in Norwegen ein neues Parlament gewählt. Fünf Monate vor der Wahl stehen die…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

De Maizières harte Landung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
150 Jahre SPD: Ist die SPD noch eine Volkspartei?
Ja, die SPD wird wieder deutlich zulegen
30%
Nein, die SPD ist nicht mehr zeitgemäß
70%
Gesamtstimmen: 63
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang