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Kapital

Max Otte zur Eurokrise„Wir betreiben eine kranke Rettungspolitik“

Interview mit Max Otte15. November 2012
Max Otte IFVE
Max_Otte
„Die politische Elite hat völlig undifferenziert auf den Panikknopf gedrückt“
Schrift:

Max Otte geht im Gespräch mit Cicero Online hart mit der Bundesregierung ins Gericht. Er attestiert ihr eine schizophrene Rettungspolitik und plädiert für einen raschen Austritt Griechenlands aus dem Euro

Seite 1 von 3

Herr Otte, Sie haben schon 1998 das Scheitern des Euro vorausgesagt. 2006 vor dem großen Crash gewarnt. Heute geben Sie der Eurokrise noch zwei bis drei Jahre und sehen keinen Totalabsturz in Europa. Wie kommen Sie zu diesem Sinneswandel?
Es gibt keinen Sinneswandel. Ein Totalabsturz ist nicht zu erwarten. Das jetzige Drama wird uns noch zwei bis drei Jahre begleiten. In dieser Zeit wird es keine dramatische Änderung in irgendeine Richtung geben.

Was kommt dann nach den zwei, drei Jahren?
Entweder haben wir bis dahin die Inflation angeheizt. Das ist ja Ziel der Notenbanken. Dann haben wir eine Preissteigerung in Deutschland. Durch eine höhere Inflation in den Nordländern und Deflation in den Südländern bekommen wir die Zahlungsbilanzdefizite wieder in den Griff. Das sehen übrigens Hans-Werner Sinn und Thilo Sarrazin ähnlich nüchtern. Oder wir bekommen die Zahlungsbilanzsalden nicht in den Griff, dann kommen wir nicht drum herum, Schuldenschnitte und eine Währungsreform durchzuführen.

Bildergalerie: Eine kleine Geschichte des Euro
  • Eine kleine Geschichte des Euro
  • 1979: Gründung des Europäischem Währungssystem
  • Französischer Präsident Mitterand will eine Währungsunion
  • 1990: Freier Kapitalverkehr
  • 2002: Vertrag von Maastricht
  • Euro-Tower in Frankfurt
  • 1995: Der Name "Euro" wird geboren
  • Europäische Zentralbank löst EWI ab
  • 1999: Die Wechselkurse des Euro werden festgelegt
  • 2001: Griechenland wird in die Währungsunion aufgenommen.
  • 2002: Einführung des Euro
  • Jean-claude Trichet, Präsident der EZB
  • 2007-2009: Neue Länder treten der Währungsunion bei
  • 2009: Euro-Krise bahnt sich an
  • Griechenland in der Euro-Krise
  • Europäischer Rettungsschirm
  • Irland in der Euro-Krise
  • Portugal in der Euro-Krise
  • Spanien entkommt bislang nur knapp der Euro-Krise
  • Italien soll sich nun auch in der Euro-Krise befinden
  • Verlängerung des Euro-Rettungsschrims?

Wie würde dann eine Währungsreform aussehen?
Die politische Klasse weigert sich strikt darüber nachzudenken. Sie hat überhaupt keine Pläne. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Insofern kann ich nicht einmal skizzieren, wie eine solche Währungsreform aussieht.

Aktuell geht es in Brüssel wieder um weitere Hilfsmilliarden für Griechenland. Das Land soll unbedingt im Euroraum gehalten werden. Der richtige Weg?
Diese ganze Diktion, wir müssten ein Auseinanderbrechen des Euro verhindern, geht am eigentlichen Thema vorbei. Ich bin sofort dafür, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheidet, weil es viele Freiheitsgrade eröffnet. Wir können dann trotzdem weiter retten, aber sinnvoller. Wenn Griechenland aus dem Euro ausscheidet, ist es ja kein Auseinanderbrechen. Da bröckelt nur ein winziges Stückchen am Rande ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht das anders. Sie hält den sogenannten Dominoeffekt entgegen, die Finanzmärkte fingen an, gegen weitere südeuropäische Eurostaaten zu spekulieren mit dem Ziel auch diese aus dem Euroraum zu verdrängen.
Diese Behauptung ist völlig haltlos. Die Fakten sprechen dagegen. Griechenland macht gerade einmal 2,6 Prozent des europäischen Bruttoinlandprodukts aus. Wenn Griechenland ausscheidet, müssen zwar einige Banken gerettet und rekapitalisiert werden. Natürlich kostet das auch was. Wir haben dann aber nur einen Patienten in Quarantäne und müssen nicht alle anderen Patienten mit demselben starken Antibiotikum behandeln. Zur Zeit zeigt sich ein völlig undifferenziertes Vorgehen, bei dem der schwächste Patient die Politik der gesamten Eurozone bestimmt. Der Schwanz wackelt also mit dem Hund. Und das einzige Argument heißt: Dominoeffekt.

Aber das Argument des unkalkulierbaren Dominoeffekts ist doch nicht völlig aus der Luft gegriffen.
Nein das nicht. Aber die politische Elite hat völlig undifferenziert auf den Panikknopf gedrückt: Dominoeffekt, Flächenbrand ohne dass überhaupt über Alternativen diskutiert wurde. Diese Begriffe gingen reflexartig durch unser Parteienkartell.   

Auf der folgenden Seite die Alternativen zur aktuellen Krisenpolitik

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Das Märchen von der Inflation?

Lieber Herr Otte,
zu der von den Notenbanken erhofften Inflation wird es nicht kommen. Unter Inflation versteht man doch einen andauernden, signifikanten Anstieg des Preisniveaus. Ich persönlich bin Unternehmer und habe absolut keinen Preiserhöhungsspielraum (ein in- oder ausländischer Wettbewerber würde mich preislich sofort unterbieten)- was mir von meinen anderen Unternehmerkollegen ebenfalls bestätigt wird.
Wo sollte die Inflation also herkommen? Lediglich einige Unternehmer der Immobilienwirtschaft in den Großstädten sehen Preiserhöhungsspielraum, Unternehmer der Wohnungswirtschaft in ländlichen Gebieten hingegen sehen keinerlei Preiserhöhungsspielraum. Ergo: fast kein Unternehmen hat Preiserhöhungsspielraum -> das Schreckgespenst der Inflation ist ein Märchen.
Es könnte höchstens der Staat sein, der die Preise für seine im Warenkorb enthaltenen Dienstleistungen erhöht - der Staatsanteil im Warenkorb ist aber relativ gering und hätte kaum Auswirkungen auf die Inflation.
Das statische volkswirtschaftliche Denken (eine Erhöhung der Geldmenge führt über kurz oder lang zur Inflation) ist mit hoher Wahrscheinlichkeit überholt, das Beispiel Japan (eine Vervielfachung der Geldmenge seit 1988 bei gleichzeitiger Deflation) bestätigt das. Ich lasse mich gerne belehren, vermute aber dass die Volkswirtschaft (und auch die Notenbanken) in diesem Punkt umdenken müssen.

  • Antworten
Stefan15.11.2012 | 13:37 Uhr

Inflation

Hallo Stefan,

ich würde Ihre Meinung nicht ganz teilen. In der Tat scheint es wie von Ihnen beschrieben (derzeit!) im Dienstleistungs- und Warenbereich wenig Spielräume für Preiserhöhungen zu geben (man sehe sich nur die Automobilbranche an). Auf der anderen Seite ist der Warenkorb für die Inflationsmessung schlicht nicht mehr zeitgemäß. Wenn man sich mal die Vermögenspreise - also Immobilien, Aktien, Fonds u.ä.- anschaut, sind wir zumindest in Deutschland und den USA auf einem Niveau angekommen, dass fundamental kaum noch zu rechtfertigen ist, insbesondere da die Konjunkturerwartungen nicht sehr rosig aussehen. Nun mag man denken, dass das für den sog. "kleinen Mann" keine Rolle spielt. Das ist aber komplett falsch. Jeder der irgendwie private Altersvorsorge betreibt, und sei es die klassische Lebensversicherung, ist davon betroffen. Er merkt das möglicherweise nicht an seinen monatlichen Raten, aber aktuell kauft er im Zweifel überbewertete Vermögensanteile, die aber für die Inflationsrate nicht berücksichtigt wird.

  • Antworten
Wolfgang Kottland15.11.2012 | 23:40 Uhr

der Warenkorb ist der Warenkorb

Hallo Herr Kottland,
der Warenkorb wird doch Warenkorb genannt da in ihm die Waren des "täglichen" Bedarfs sind und dazu gehören eben nicht Vermögenswerte.

Und sollten (das scheinen Sie wohl vorhersagen zu wollen) die Preise für Vermögenswerte fallen (Deflation!) dann kauft der private Anleger der privat vorsorgt zukünftig mit seiner monatlich fixen Rate mehr Anteile fürs gleiche Geld - cost averaging nennt man das (mache ich seit 2009 und funktioniert recht gut - ich muss aber auch noch nicht in Rente gehen).

  • Antworten
Stefan17.11.2012 | 12:44 Uhr

Wohl wahr

"Wir machen Austeritätspolitik für die Bevölkerungen und eine generöse Vollversorgungspolitik für die Finanzbranche. Wie krank kann das denn sein?"
Das ist nur zu wahr und zeigt wie uns die derzeitige Politik in eine tiefe Sackgasse führt.

@Stefan
Das sehe ich ebenso. Inflation braucht darüber hinaus eine Auslastung der Produktionsfaktoren. Unsere Volkswirtschaft ist nicht im geringsten ausgelastet. Auf erhöhte Nachfrage kann in fast allen Bereichen mit einer sofortigen Produktionsausweitung reagiert werden.

  • Antworten
gth15.11.2012 | 21:11 Uhr

Die Befürworter der bisherigen Rettungsschirmpolitik

sollten sich das bitte nochmals genau durchlesen:

"Die politische Klasse will das, die Investmentbanken wollen das, alle wollen das. Man wird immer eine weitere Ausrede finden um die Gläubiger zu subventionieren. Wir retten ja nicht Griechenland, wir retten in Griechenland die Gläubiger. Wir retten die griechischen Oligarchen, die korrupten sieben, acht Familien, die das Land beherrschen und wiederum Eigentümer der griechischen Banken sind. Dies geht auf Kosten der griechischen Bürger und auf Kosten der Bürger des Nordens. Von einer Rettung Griechenlands zu sprechen, geht fehl. Es ist eine propagandistische Verzerrung dessen, was wir tun. In Thessaloniki geben griechischen Familien ihre Kinder inzwischen an Waisenhäuser, weil sie sich den Unterhalt nicht mehr leisten können. Das ist ganz grausam, was wir da machen und es ist auf keine Fall Rettung. Und das wird immer so weiter gehen, so lange bis Deutschland nicht mehr kann."

Vor allem auch der letzte Satz sollte eigentlich aufrütteln, denn irgendwann wird Deutschland nicht mehr können. Da dürfen wir aber gespannt sein, in welche Richtungen die politischen Diskussionen laufen werden.
Was die politische Klasse unter dem Einfluss der Bankenlobby und der Brüsseler Machtphantasten betrieben haben war Insolvenzverschleppung, die das eigentliche Problem nicht gelöst hat. In dieser Zeit sind viele private Kredite zu öffentlichen Krediten an die Schuldnerländer geworden. Während sich die privaten Kreditgeber zurückgezogen haben, ist der (Nord-)Steuerzahler in die Breche gesprungen. Auch das wird ein Thema werden, wenn die ganze Sache auffliegt.

  • Antworten
Grinario16.11.2012 | 10:59 Uhr

...kranke Rettungspolitik

Max Otte spricht kurz uns bündig,ökonomische Wahrheiten die den deutschen Steuerzahler treffen ,aus.Die politische Klasse sieht das ganz anders. Die zahlen auch nicht. Wie lange zahlen wir für die Rettung Griechenlands, 2025 oder 2030 an J.Ackermann (Münchner Runde vom 13.11.)
Die Antwort "Tendenz mindestens bis 2030" war todernst.Für den dt.Steuerzahler ist das wenig witzig.

  • Antworten
Friedhelm Frank16.11.2012 | 11:20 Uhr

Ein Re-Design für den Euro

Wenn das Thema „Euro“ an der Disziplin Volkswirtschaft reflektiert wird, spricht man heute von einem Gesamt-Euro-Schuldenstand von 90% des BIP. Das sei nicht weiter tragisch, sagt man, weil z.B. die USA und Japan sogar noch darüber liegen sollen. Jetzt geht es um die haushälterische strukturelle Seite, um auch in Zukunft Lebensmöglichkeiten vorhalten zu können. Solide Staatshaushalte, Strukturreformen, strukturelle Wettbewerbsfähigkeit (Lohnstückkosten) der Volkswirtschaften sind hier die Stichworte. Die „goldenen Zügel“ werden angezogen, um die strukturelle Rückständigkeit bestimmter Süd-Länder auszugleichen. In der Vergangenheit stand das Modell der Deregulierung im Vordergrund, dadurch sollten „viele Blumen blühen“, die staatliche Autorität hielt sich raus und überließ es dem freien Spiel der Kräfte. Eine Art „catch-as-catch-can-Wettbewerb“ die Folge. Alle spielten mit. Der große Bruch kam, als sich niemand mehr an die Verträge, Vorschriften, Gebote und Verbote hielt. Jetzt soll die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden durch das Zauberwort Sparen. Diese wahnsinnigen Pläne werden mit Gewalt durchgesetzt, können jedoch sehr zerstörerisch sein. Ohne Eingriffe, ohne Regulierungsbemühungen, so das Argument, würde alles verfallen. Inzwischen werden auf den Straßen in Madrid die Betroffenen, die Opfer, die Demonstranten, zusammengeknüppelt. Das ist nicht mein Europa, um es einmal ganz deutlich zu sagen! Die Politik zieht sich auf das Partikulare zurück. Jetzt soll die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden. Von der Einrichtung von „Sonderwirtschaftszonen“ ist inzwischen die Rede. Wirtschaftspolitik mit den „goldenen Zügeln“, so wie einst in dem hoffnungslos veraltet vorgefundenen Wirtschaftsraum DDR, dem auch ein Anschluss an bundesrepublikanische Standards angesonnen wurde. Investitionen spielen dabei eine dominierende Rolle. Ein Anpassungs-Jahrzehnt steht uns bevor. Der Euro als Metapher für Fortschritt und Zukunftshoffnung bleibt weiterhin ein frommer Wunsch. Herr Otte, das Konzept des selektiven Exits ist gedanklich interessant. Ich bin zwar kein Volkswirtschaftler, aber als technische Voraussetzung für Funktion, als notwendiges Übel, sollte Flexibilität ins Euro-System, systematisiert ist immer auch ein Stück weit unflexibel. Eine individuelle Betrachtung der einzelnen Volkswirtschaften macht Sinn- für die Menschen.

  • Antworten
bernhard jasper16.11.2012 | 17:47 Uhr

The Times They Are A-Cangin

Nachtrag: Die „Vereinigten Staaten von Europa“. Diese Rezeption US-amerikanischer Sicht, sollte nach meiner Meinung aufgegeben werden. Ich verstehe die Ursprungsidee geschichtlich sehr gut, als amerikanisch übersetzte Moderne in Europa ( eine Art Re-Import von in Europa entwickelten Ideen) als Reaktion auf Faschismus und Holocaust. Ich persönlich, als Nachkriegsgeborener, habe als junger Mann die USA intensiv bereist. Mein erster Flug in die USA, mit der „El All“, einer israelischen Fluglinie, von Paris aus, stellte für mich damals als Pass-Deutschen für die israelische Fluglinie noch ein besonders zu überprüfendes Sicherheitsrisiko dar. Es waren die Zeiten des Ost-West-Konflikts und das verständliche Misstrauen gegenüber uns Deutschen. Verständlich. Ideologien hatten damals noch Identifizierungsfunktion. Heute fällt das komplett weg. Die Generation nach dem Faschismus in Deutschland war sachbezogener, auch in den Publikationen (Adorno, Horkheimer), das fällt heute auch weg. Damals fragte man auch immer nach der „Bedeutung“ des Kunstwerks etc.. Das ist vorbei. Die heutigen Protagonisten muss man jedoch teilweise vor sich selbst schützen, die glauben, das Leben sei bewahren und Rekonstruktion (Biedermeier). Ich bin jedoch insgesamt ganz zuversichtlich, ein kreatives Potential ist heute da, in einer großen Breite, so wie ich viele Kommentare auf Cicero-online mit Freude genieße und aufnehme. Das ist es doch vor allem und in erster Linie. Das Entscheidende ist doch, dass die Menschen es zu ihrer Sache machen und aneignen. Die Gesellschaft hat sich aufgelöst in einzelne Lebensstile, die nicht mehr in einem Bild fixiert werden können. Unterschiedliche Standards existieren. Nicht statische Vorstellungen erwarten uns, sondern dynamische Bewegungen, sowie sich die Wirtschaft differenziert.

  • Antworten
bernhard jasper16.11.2012 | 21:04 Uhr

Zahlungsbilanzsalden et. al.

Auch die Zahlungsbilanzsalden schließen sich schon, auch ohne Inflation. Ausgangspunkt war die Garantie der EZB für die Euro-Staaten (ohne Griechenland). Selbst die Zinsen normalisieren sich wieder. Das heißt, die Unternehmen im Süden können sich wieder finanzieren (gilt nicht für Griechenland) und so entwickelt sich die Voraussetzung für den nächsten Aufschwung. Das Problem ist nur, dass der nicht automatisch kommt. Und bei einem noch immer bestehenden Spardruck in vielen Krisenländern erst recht nicht. Hinzu kommt jetzt auch noch die Panik in Frankreich, obwohl die letzten harten Zahlen aus Frankreich recht gut waren.

  • Antworten
Robert17.11.2012 | 01:02 Uhr

Globale Liquiditätsfalle

"Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, das Geld entwertet sich, die Waren werden teurer, die Preise steigen (Inflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge vergrößert wird, und wenn das Geld schneller umläuft. Umgekehrt: Die Kaufkraft des Geldes nimmt zu, das Geld wird "besser", die Waren werden billiger, die Preise fallen (Deflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge verkleinert wird, und wenn das Geld langsamer umläuft.
Kann man aber durch Vermehrung oder Verminderung der umlaufenden Geldmenge die Kaufkraft des Geldes senken oder heben, so muss es auch möglich sein, durch planmäßige Verwaltung des Geldes seine Kaufkraft zu festigen, den Durchschnitt der Warenpreise (den Index) auf gleicher Höhe zu halten (Indexwährung), - vorausgesetzt, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geregelt ist!
Gerade an dieser zuletzt genannten Voraussetzung hapert es aber beim Dauergeld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion). Nehmen wir an, das einzurichtende staatliche Währungsamt, dem die Aufrechterhaltung der Indexwährung obliegt, stellt fest, dass der Index Neigung hat zu steigen. Es wird daher Geld aus dem Verkehr ziehen und umgekehrt, wenn der Index Neigung zeigt zu sinken, wird es zusätzlich Geld in den Verkehr geben. Diese Maßnahmen werden solange wirksam sein, als das Lockmittel des Zinses hoch genug ist, um das Geld umlaufen zu lassen. Sinkt aber bei Vollbetrieb der Wirtschaft die Rentabilität, so wird das Geld immer zögernder investiert werden. Die Geldbesitzer können dieses Geld, das ja keinen Zins mehr bringt, ohne Schaden aus dem Verkehr ziehen, aufhäufen (auf Girokonten liquide halten), unregelmäßig auf den Markt werfen und dadurch die Festwährung stören, woran sie schon deshalb ein Interesse haben, weil sie der Konjunkturschwankungen zur Erlangung der Differenzgewinne (Spekulationsgewinne) bedürfen."

Otto Valentin (aus "Warum alle bisherige Politik versagen musste", 1949)

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluß auf die effektive Umlauffrequenz des Geldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation.

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

Ein "Reset" war bisher nur durch Krieg möglich. Doch eine Anhebung des Zinsfußes durch umfassende Sachkapitalzerstörung konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

http://www.juengstes-gericht.net

  • Antworten
Stefan Wehmeier19.11.2012 | 00:55 Uhr

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