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 > Ist der Wettbewerb denn nie vorbei?

Kapital

Virtuelle GeschmacklosigkeitenIst der Wettbewerb denn nie vorbei?

Von Til Knipper17. Februar 2012
Screenshot von www.bestattungen.de
Ein Award, Werbung, Facebook- und Twitter-Links. Virtuelle Geschmacklosigkeit at its best?
Schrift:

Im Internet darf man nun Bestattungen kaufen und in Todesanzeigen blättern. Eigentlich okay, doch der Wettbewerb fördert immer seltsamere Auswüchse, die die Grenze der Geschmacklosigkeit überschreiten

Seite 1 von 2

Ich bin diese Woche auf zwei merkwürdige Internetseiten gestoßen. Die erste heißt www.bestattungen.de. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um ein Portal, dass den Hinterbliebenen eines Verstorbenen helfen möchte, den passenden Bestatter zu finden. Die Hilfe besteht vor allem darin, Preise verschiedener Anbieter vergleichen zu können. So weit, so gut. Warum soll eine solche Dienstleistung nicht im Internet angeboten werden. Ich habe auch nicht generell etwas gegen Trauerarbeit im Internet und von mir aus kann ein Portal mit dem Namen bestattungen.de auch Awards in den Kategorien „schönster Friedhof“, „schönster Grabstein“, „schönster Sarg“ und „schönste Urne“ vergeben. Ob man mit einem orangen Button auf der Homepage so offensiv darauf hinweisen muss, dass man mithilfe der Seite „bis zu 50 % sparen“ kann, darüber kann man streiten. Wirklich irritiert hat mich dann aber folgende Pressemitteilung des Unternehmens: „Anteilnahme im Internet: Um Whitney Houston trauern Fans weniger als um Amy Winehouse.“ Was will bestattungen.de uns damit sagen? Erstmal ist die Formulierung falsch. In ihrer „aktuellen Social Media Analyse“ können die Bestattungsexperten allerhöchstens herausgefunden haben, dass weniger Fans um Whitney Houston auf Facebook trauern als um Amy Winehouse. Aber dass die Fans weniger um sie trauern, geht aus den genannten Zahlen überhaupt nicht hervor.

Die eigentliche Frage ist aber doch, wie sinn- und geschmacklos es ist, nach dem Tod eines Menschen die Kommentare und „Likes“ bei Facebook zu zählen und diese dann mit den Zahlen einer anderen verstorbenen Person zu vergleichen? Als weiterer Maßstab wird noch die Anzahl der Google-Suchanfragen herangezogen. Die habe sich bei Whitney Houston verzehnfacht gegenüber den Vormonaten, während sich bei Amy Winehouse der Wert verzwanzigfachte, teilt bestattungen.de mit und lässt den Geschäftsführer Fabian Schaaf „erläutern“: „Insbesondere bei Künstlern, die im Internet sehr aktiv sind und eine junge Zielgruppe haben, verzeichnen wir im Todesfall eine starke Anteilnahme der Fans in den sozialen Netzwerken.“ Wenn man so will, wird Whitney Houston posthum noch mal scharf für ihre Internet- und Social-Media-Strategie zu Lebzeiten kritisiert. Bei Winehouse‘ Management klopft man sich derweil wahrscheinlich gerade gegenseitig auf die Schulter, wenn man dort der Logik von Herrn Schaaf folgt. Wäre es nicht so schrecklich, könnte man darüber lachen.

Über virtuelle Friedhöfe lesen Sie im zweiten Teil

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Resultierende positive Effekte trotz negativer Kritik

Seit einiger Zeit beobachte ich immer wieder ein Effektmuster, das mich jedes Mal erstaunt. So kritisieren Autoren renommierter und reichweitenstarker Publikationen die Online-Angebote anderer. Aus dieser negativen Kritik resultiert dann allerdings meist ein nicht unerheblicher PR-Effekt für die kritisierten Anbieter.
Ich stimme der inhaltlichen Aussage des Artikels weitgehend zu, dass es wohl in unterschiedlichen Lebensbereichen unterschiedliche Grenzen gibt, bis zu denen Onlineangebote betriebswirtschaftlich optimiert werden sollten. Ebenfalls sollten sowohl Anbieter als auch Nachfrager sich jeweils fragen, wo sie ihre Grenze persönlich ziehen wollen und sollten. Paradoxer Weise erweist der Artikel bei all seiner Kritik den beiden kritisierten Angeboten eine nicht unwesentliche Hilfestellung und trägt damit weiterführend zu deren betriebswirtschaftlichen Optimierung bei. So werden zahlreiche Leser des Artikels auf die kritisierten Angebote hingewiesen. Selbst wenn 98% der Leser dem Autor folgen, werden 2% möglicherweise interessierte „vermittelt“. Die eingebetteten Links tun dann ihr übriges, als follow-Links auch SEO-technisch optimiert.
Es dürfte ein (aus Sicht der Autoren unglücklicher) Zufall sein, aber für die kritisierten Anbieter werden wohl in den meisten Fällen die Vorteile derartiger Artikel überwiegen – gerade in reichweitenstarken Onlinepublikationen inklusive entsprechender Linksetzung. Sollen Artikel wie dieser tatsächlich einen verhaltenssteuernden Einfluss auf die kritisierten Anbieter haben, müssten (a) die Vorteile für die Kritisierten reduziert werden und (b) müsste stärker an die Konsumenten appelliert werden, die eigentlich geneigt wären, ein jeweiliges Angebot zu nutzen. Spricht man dagegen die an, die eh nicht gekauft hätten, führt dies zu keiner Verhaltensänderung. Meiner Ansicht nach würden sich aber nur dann aus der bereits gegebenen kulturell sozialen Sanktion auch geschäftsrelevante Implikationen für die besagten Anbieter ergeben. Andernfalls dürften diese sich so wie in diesem Fall eher über derartige Artikel freuen. Dann aber wäre es vielleicht besser, die Kritisierten lediglich mit konsequenter Missachtung zu strafen.

  • Antworten
Michael Beier17.02.2012 | 12:06 Uhr

Meines Erachtens sollte Herr

Meines Erachtens sollte Herr Knipper die Seite www.bestattungen.de erst dann bewerteten, wenn er sie auch mal genutzt hat. Gerade in diesem Fall sollte man nicht nur nach Optik oder einer Pressemitteilung urteilen, sondern vor allem nach der Funktionalität. Ich selber habe die Dienste der Internetseite schon genutzt und habe über diese Seite einen sehr guten Bestatter gefunden. Vor allem mit der kostenlosen telefonischen Beratung war ich mehr als zufrieden.

  • Antworten
Malte Braun17.02.2012 | 15:10 Uhr

bestattunge.de ist nicht kostenlos

Sehr geehrter Herr Braun, es ist schön zu lesen, dass Sie positive Erfahrungen mit bestattungen.de gemacht haben. Allerdings irren Sie in dem Punkt, dass die Beratung kostenlos erfolgte: Bestattungen.de erhält mehr als 12 Prozent Provision auf die Bestatterrechnung. Dies nicht offenzulegen ist ledier genau so Teil des Geschäftsmodells wie die irreführende Werbung mit der angeblichen 50%-Sparmöglichkeit.

Im Übrigen pflichte ich dem ersten Kommentator bei. Solche Beiträge erzeugen Aufmerksamkeit, die nach dem Motto "Even bad news are good news" am Ende dem Kritisierten wohl eher nützen als schaden. Da sollte man seitens der Redaktion wenigstens darauf achten, die Links technisch so zu setzen, dass sie die Seite des Anbieters bei Suchmaschinen nicht noch nach vorne befördern.

  • Antworten
D. Schöning20.02.2012 | 09:15 Uhr

Sehr geehrter Herr Schöning,

Sehr geehrter Herr Schöning,

Ihre Aussage ist schlicht falsch. Ich habe tatsächlich nichts für die Dienstleistung von Bestattungen.de bezahlt. Zudem habe ich noch einmal Rücksprache mit meinem Bestatter gehalten. Das Angebot war sogar preiswerter, als wenn ich es selbst angefragt hatte. Allerdings sagte mir der Bestatter, dass wohl viele seiner Kollegen schlecht über die Internetseite reden, da diese für mehr (in der Branche anscheinend ungewollte) Kostentransparenz sorgt. Sind Sie vielleicht selbst Bestatter? Erklären würde das Ihre Äußerung.

  • Antworten
Malte Braun12.03.2012 | 13:48 Uhr

"Da sollte man seitens der

"Da sollte man seitens der Redaktion wenigstens darauf achten, die Links technisch so zu setzen, dass sie die Seite des Anbieters bei Suchmaschinen nicht noch nach vorne befördern." - Exakt das ist dann wohl auch passiert. Dass diese Branche im Wettbewerb nicht besonders zimperlich agiert, sieht man eigentlich schon vielfach an den Namen der Domains, die nichts mehr mit dem Inhalt zu tun haben, sondern nur noch auf schnellen Profit ausgerichtet sind. Mich würde das als Kunde befremden, wenn Domains mit "Gestorben-am", etc. titeln.

  • Antworten
Swantje01.02.2013 | 13:25 Uhr

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