Im Internet darf man nun Bestattungen kaufen und in Todesanzeigen blättern. Eigentlich okay, doch der Wettbewerb fördert immer seltsamere Auswüchse, die die Grenze der Geschmacklosigkeit überschreiten
Ich bin diese Woche auf zwei merkwürdige Internetseiten gestoßen. Die erste heißt www.bestattungen.de. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um ein Portal, dass den Hinterbliebenen eines Verstorbenen helfen möchte, den passenden Bestatter zu finden. Die Hilfe besteht vor allem darin, Preise verschiedener Anbieter vergleichen zu können. So weit, so gut. Warum soll eine solche Dienstleistung nicht im Internet angeboten werden. Ich habe auch nicht generell etwas gegen Trauerarbeit im Internet und von mir aus kann ein Portal mit dem Namen bestattungen.de auch Awards in den Kategorien „schönster Friedhof“, „schönster Grabstein“, „schönster Sarg“ und „schönste Urne“ vergeben. Ob man mit einem orangen Button auf der Homepage so offensiv darauf hinweisen muss, dass man mithilfe der Seite „bis zu 50 % sparen“ kann, darüber kann man streiten. Wirklich irritiert hat mich dann aber folgende Pressemitteilung des Unternehmens: „Anteilnahme im Internet: Um Whitney Houston trauern Fans weniger als um Amy Winehouse.“ Was will bestattungen.de uns damit sagen? Erstmal ist die Formulierung falsch. In ihrer „aktuellen Social Media Analyse“ können die Bestattungsexperten allerhöchstens herausgefunden haben, dass weniger Fans um Whitney Houston auf Facebook trauern als um Amy Winehouse. Aber dass die Fans weniger um sie trauern, geht aus den genannten Zahlen überhaupt nicht hervor.
Die eigentliche Frage ist aber doch, wie sinn- und geschmacklos es ist, nach dem Tod eines Menschen die Kommentare und „Likes“ bei Facebook zu zählen und diese dann mit den Zahlen einer anderen verstorbenen Person zu vergleichen? Als weiterer Maßstab wird noch die Anzahl der Google-Suchanfragen herangezogen. Die habe sich bei Whitney Houston verzehnfacht gegenüber den Vormonaten, während sich bei Amy Winehouse der Wert verzwanzigfachte, teilt bestattungen.de mit und lässt den Geschäftsführer Fabian Schaaf „erläutern“: „Insbesondere bei Künstlern, die im Internet sehr aktiv sind und eine junge Zielgruppe haben, verzeichnen wir im Todesfall eine starke Anteilnahme der Fans in den sozialen Netzwerken.“ Wenn man so will, wird Whitney Houston posthum noch mal scharf für ihre Internet- und Social-Media-Strategie zu Lebzeiten kritisiert. Bei Winehouse‘ Management klopft man sich derweil wahrscheinlich gerade gegenseitig auf die Schulter, wenn man dort der Logik von Herrn Schaaf folgt. Wäre es nicht so schrecklich, könnte man darüber lachen.
Über virtuelle Friedhöfe lesen Sie im zweiten Teil









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