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 > Geht die EZB zu weit?

Kapital

Ankauf von StaatsanleihenGeht die EZB zu weit?

Von Rolf Obertreis7. September 2012
picture alliance
mariodraghi,medienpreis
EZB-Chef Mario Draghi gibt den Kurs vor
Schrift:

Unbeschränkter Ankauf von Staatsanleihen? Das Tabu ist gebrochen. Nur der Bundesbankchef Jens Weidmann votierte im EZB-Rat dagegen. Wie die EZB in der Eurokrise vorgehen will und welche Mittel sie jetzt einsetzt

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Mario Draghi selbst hatte die Erwartungen hoch geschraubt: Mit seinem Versprechen, die Europäische Zentralbank (EZB) werde „alles tun, was zum Schutz des Euros notwendig ist“, hatte der EZB-Präsident am 26. Juli ein Kursfeuerwerk an den Börsen ausgelöst. Seine Worte wurden als Ankündigung einer Anleihenkauf-Aktion der Währungshüter verstanden. Ob dies der richtige Weg ist, die Schuldenkrise einzudämmen, darüber wird seither heftig gestritten. Gerade aus Deutschland kommen Mahnungen, den Auftrag der Notenbank nicht zu überdehnen. Am gestrigen Donnerstag nun präzisierte Draghi den künftigen Kurs der EZB.

Was hat die Europäische Zentralbank genau beschlossen?

Die EZB wird in der Euro-Schuldenkrise weiter Feuerwehr spielen, allerdings unter klaren Bedingungen.

Gegen die Stimme von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann beschloss der 22-köpfige Rat der Notenbank am Donnerstag ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten unter strikten Auflagen. So müssen die Staaten zuvor ein Anpassungsprogramm mit dem Euro-Rettungsfonds EFSF oder dem Nachfolger ESM vereinbaren, an dem sich möglichst auch der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligen soll. Hält sich ein Land nicht an die dort vereinbarten Reform- und Sparauflagen, will die EZB nicht kaufen oder bereits angekaufte Anleihen wieder abstoßen. Prinzipiell gebe es keine Obergrenze für den Kauf von Anleihen, sagte Draghi am Donnerstag nach der Ratssitzung. Er zeigte sich von dem Programm überzeugt: „Es wird ein sehr wirksames Mittel, um zerstörerische Szenarien zu vermeiden.“

Wie begründete Draghi die Maßnahmen?

Draghi zufolge geht es auch mit dem neuen Programm darum, die „Verzerrungen“ auf den Finanzmärkten zu verhindern und damit die Wirkung der Zinspolitik der Notenbank wieder herzustellen. Die niedrigen Leitzins der EZB – sie bleiben weiter bei 0,75 Prozent – können derzeit vor allem die Kreditvergabe in den Krisenländern nicht beflügeln. „Wir handeln absolut im Rahmen unseres Mandats“, sagte Draghi. Die EZB agiere unabhängig und tue alles um die Preisstabilität zu wahren und den Euro zu halten.

Draghi betonte, dass die EZB das über das neue Anleiheprogramm fließende Geld an anderer Stelle über Gegengeschäfte bei den Banken wieder einsammeln werde. Damit will sie möglichen Inflationsgefahren vorbeugen. Der seit knapp einem Jahr amtierende EZB-Präsident machte aber auch erneut deutlich, dass er von den Regierungen ein deutlich höheres Tempo bei den Reformen und den Sparmaßnahmen erwartet. „Die EZB kann nicht eingreifen, wenn die Politik nicht eingreift.“

Wer profitiert, wie war die Stimmung, wie verhielten sich die deutschen Vertreter Weidmann und Asmussen

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Neues Dossier anlegen:

Ein schwarzer Tag für die Demokratie

Da jetzt alles ohne parlamentarische Kontrolle und Mitbestimmung weitergeht, könnte man auch den Bundestag auflösen. Die Abgeordneten haben in den entscheidenden Fragen nichts mehr zu sagen! Ach doch, dass Wahlvolk mit Volksverdummung und Verblendung in der Vorwahlzeit von den wirklichen Gewalten ablenken. In der politischen Öffentlichkeit bekommen wir doch nur noch Propaganda und Beruhigungspillen geliefert. Was soll das Bundesverfassungsgericht daran noch ändern, obwohl erneut Verträge und Recht gebrochen werden. Wie soll das oberste Gericht uns gegen den ungesetzlichen Zwang noch sichern? Das Risikospiel ohne Haftung von den „Goldmännern“ und den vielen anderen Zockern und Abzockern kann weitergehen. Simulationen und virtuelle Realitäten unter den Bedingungen der Millisekunde auf den Bildschirmoberflächen bestimmen das Schicksal der Menschen. Dieser totale Finanzmarktirrsinn läuft auf eine Versklavung ganzer Volkswirtschaften hinaus. Die Finanzmärkte ruinieren die Demokratie.

  • Antworten
bernhard jasper07.09.2012 | 10:11 Uhr

'Schwarzer Tag für die Demokratie?'

In der Tat spricht sehr viel dafür, dass nationale oder auch sogar kontinentale Demokratien den Kräften globaler Finanz- und Realwirtschaft nicht gewachsen sind.
Das daher benötigte globale bürgerschaftliche Gegengewicht entsteht hier:
www.simpol.org
Globale Nachhaltigkeit und Gemeinwohl-Verpflichtung - wir werden sie nicht geschenkt bekommen!

  • Antworten
Dirk Weller08.09.2012 | 10:00 Uhr

Ach,

"Papiere für 211 Milliarden Euro hat sie bislang hereingeholt, sie sollen jetzt bis zur Fälligkeit gehalten werden" bedeutet nichts anderes, als das die Steuerzahler dann halt erst am Ende der Fälligkeit mit den Verlusten belastet werden statt vorher. Draghi ist dann nicht mehr im Amt.

  • Antworten
VerySeriousSam07.09.2012 | 10:52 Uhr

Alles Verschwörungstheorie?

Das Schlimmste an Verschwörungstheorien, bei denen es um Geld und Macht geht, ist die Tatsache, dass es keine Theorien sondern Realitäten sind.

  • Antworten
Domingo07.09.2012 | 13:50 Uhr

IWF gewinnt

Es ist interessant, dass der ESM unbegrenzt Gelder mobilisieren kann und ein jeder Staat dann 7 Tage Zeit hat die Rechnung zu begleichen. Und dies ist alles unbegrenzt und unwiderruflich festgelegt. Dies findet sich in Art. 9 Abs. 3 des Vertrags. Wenn jetzt ein Land zahlungsunfähig wird, wird dennoch erst der IWF als erster Gläubiger bedient. Die Methoden der Krisenbewältigung des IWF (also das einseitige Aushungern der Wirtschaft) sind zudem äußerst fraglich. Mit seinen Methoden wirkt er da oft eher als Brandbeschleuniger.

  • Antworten
D. Schneider07.09.2012 | 23:59 Uhr

ARTE legt die Wurzeln frei

Die folgende Dokumentation erspart es jedem, sich mit unwesentlichen Nebensächlichkeiten beschäftigen zu lassen.

http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt--6894428.html

  • Antworten
Domingo08.09.2012 | 11:25 Uhr

Nichts passiert, imho

Das was Draghi da ankündigt hat er zuvor auch schon gemacht, aber dann eine zeitlang nicht mehr. Jetzt kündigt er an, dass er vielleicht wieder kaufen wird. Tatsächlich ist es jetzt eher komplizierter geworden, weil jetzt ein Staat zuvor die Troika anrufen muß. Ich verstehe deshalb nicht warum die Börsen ein Kursfeuerwerk abfeuern. Übrigens, bis heute ist noch kein EU-Euro in Spanien angekommen.

  • Antworten
Robert08.09.2012 | 15:05 Uhr

Die Zinsen für die Krisenländer sinken erstmal

und zwar drastisch. Sie haben sich binnn weniger Stunden fast halbiert.Das hat mir schwer zu denken gegeben. Auch lässt sich der Kauf von Staatsanleihen, der ja an konkrete Sparmaßnahmen gebunden ist fein dosieren, falls ein Land glaubt sich durch Defecitspending einen Extraschluck aus der europäischen Pulle gönnen zu können. Das war das Problem bisher, man hatte nur die Wahl ein Land in den Konkurs zu schicken oder die Euroverträge zu brechen. Bail-Out-Klausel etc. Das macht mir Hoffnung, der steht allerdings die Erfhrung entgegen, dass die Euroverträge dass Papier nicht Wert sind auf dem sie geschrieben wurden. Andererseits machen außer Griechenland alle Krisenstaaten Fortschritte. Man wird sehen, ob der ESM überhaupt zustande kommt, das entscheidet das BVG und man wird sehen wer Italien im nächsten Frühjahr regiert. Ich fürchte da wird es dann mit der Stabilitätspolitik ganz schnell vorbei sein ...

  • Antworten
Christoph Kuhlmann08.09.2012 | 17:06 Uhr

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