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 > „In der Politik erlebe ich viel Naivität”

Kapital

Energiewende„In der Politik erlebe ich viel Naivität”

Von Christian Schwägerl6. Januar 2013
Julia Zimmermann
Robert Schlögl
Schrift:

Der Chemiker Robert Schlögl will mit Spitzenforschung das deutsche Energieproblem lösen
 

Seite 1 von 2

Als junger Mann hatte Robert Schlögl nur einen Berufswunsch: Förster im heimatlichen Oberbayern zu werden. Seine Abiturnote war aber zu schlecht, als dass er sofort mit dem Studium der Forstwissenschaft hätte beginnen können. Um die Wartezeit zu nutzen, wollte er ein Fach belegen, das er ohnehin brauchen würde. Biologie oder Chemie? „Ich war mir nicht sicher und habe gewürfelt“, sagt Schlögl.

Heute zieht es den 58-Jährigen noch immer in den Wald und in seine geliebten bayerischen Alpen. Und aus dem Würfelergebnis ist eine steile Karriere in der Chemie geworden. Inzwischen zählt Schlögl zu den renommiertesten Wissenschaftlern in Deutschland, die Liste seiner Patente und Publikationen ist lang. Zu seinen Erfindungen zählt ein Verfahren, mit dem sich mithilfe von Kohlenstoff-Nanomaterialien der Energieverbrauch in der Chemieindustrie deutlich senken ließe.

Schlögl ist in der elitären Max-Planck-Gesellschaft gleich an zwei Instituten Direktor, und das ist absolut ungewöhnlich. In Berlin-Dahlem gehört er zur Spitze des traditionsreichen Fritz-Haber-Instituts und in Mülheim an der Ruhr baut er das neue Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion auf.

Bildergalerie: Die Kosten der Energiewende
  • Die deutschen Haushaltsstrompreise
  • Substitution der deutschen Kernenergie
  • Die Preise der Emissionszertifikate
  • Die Strompreise im Großhandel
  • Die Zusammensetzung des Strompreises

Neuerdings ist Schlögl auf der energiepolitischen Bühne zu sehen. Schon als Jungforscher spezialisierte er sich darauf, wie bestimmte Stoffe chemische Reaktionen beschleunigen und wie Energie in chemischen Verbindungen gespeichert wird. Mit diesem Spezialgebiet sieht der Professor sich nun in einer Schlüsselposition für die deutsche Energiewende.

Der Max-Planck-Direktor wirkt unprätentiös. Er verabschiedet sich auch im tiefsten Preußen am Telefon mit einem geschmetterten „Servus“. Sein Markenzeichen ist ein leicht schäbiger Beutel, den er stets um den Bauch geschnallt hat. Er trägt darin Geldbörse, Handy, Kleinkram. „Ich werde dafür belächelt, aber so habe ich immer beide Hände zum Reden frei“, sagt er. Auf Podien und im Gespräch mit Politikern nutzt Schlögl die Hände vor allem für warnende Gesten. Die Energiewende findet er goldrichtig. Er ist überzeugt, dass das Projekt langfristig den deutschen Wohlstand mit Technologieexporten sichert. „Wenn ein Land in der Welt vormachen und davon leben kann, wie die Energieversorgung nachhaltig wird, dann ist es Deutschland, weil wir zugleich reich sind und stark in der Wissenschaft.“

Doch der Forscher macht sich Sorgen. Wenn er über die Energiewende spricht, wird er unruhig. Er knetet seine Hände, legt sie wie zum Gebet zusammen, dann reißt er sie plötzlich in die Höhe. Der deutsche Öko-Alleingang werde ohne wissenschaftliche Durchbrüche scheitern. „Die heutigen Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien sind derzeit technisch nicht machbar.“ Als oberste Priorität sieht er es an, die starken Schwankungen im Angebot von Wind- und Sonnenstrom durch neuartige Energiespeicher auszugleichen, doch noch gebe es keinen Aufbruch zur Entwicklung dieser neuen Technologien: „Umweltschützer reden die Lage schön, in der Politik erlebe ich viel Naivität, und die Lobby der Gegner nutzt die Probleme weidlich aus, um das Vorhaben zu sabotieren.“

Seite 2: Sonnenenergie ist nicht wirklich teuer

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  • Antworten
Marc Sommer06.01.2013 | 18:37 Uhr

... die Kernenergie ist nun wirklich keine Alternative

... und sie war es auch nie. Ohne massive Subventionierung wäre weltweit nirgendwo ein Kernkraftwerk errichtet worden. Keine Versicherung übernehme die Kosten für den Schadensfall. Die Autos auf dem Parkplatz eines großen Supermarkts sind zusammen höher versichert als ein Kernkraftwerk. Die Entsorgungskosten werden der allgemeinheit aufgebürdet. Der Kommentator Sommer darf gerne einmal die Menschen in den USA fragen, die in den Gebieten leben, in denen das "Fracking" betrieben wird.

  • Antworten
GAST07.01.2013 | 10:51 Uhr

Bitte skeptischer

Die KKW sind mit einem bisherigen 10tel dessen ausgekommen, als die Energiewende gekostet hat. Die Kosten der Energiewende heute haben ein 10tel erreicht.
Andere Objekte in der BRD sind ebnenso begrenzt versichert, wie z.B. Chemiefabriken, Stauseen, Flüsse, Bergstollen.
Die Entsorgung der hochradioaktiven Stoffe wird durch die Betreiber bezahlt. Die Erkundung der Endlager ebenso. Die Entsorgung durch den Staat ist oberhoheitlich gesetzlich geregelt, und das ist gut so.

  • Antworten
Propagandafalle08.01.2013 | 18:16 Uhr

@Propagandafalle

Die Sätze mit dem 10tel verstehe ich nicht. Mit dem Auffassung, dass die Betreiber die Kosten bezahlen, geraten sie wohl in eine Propagandafalle Bsp. Asse http://www.sueddeutsche.de/politik/politik-kompakt-wer-zahlt-die-milliarden-fuer-asse-1.65592
Ein bisschen was, wurde natürlich dafür zurückgelegt (weil dadurch Steuern gespart werden können - was bedeutet, dass es letztlich doch wir alle zahlen). Wenn das nicht reicht, geht die Firma, die die Entsorgung übernehmen soll in Konkurs und das war es dann. Man muss schon sehr naiv sein, wenn man glaubt, dass EON und Co. die Entsorung des Atommülls bezahlen...

  • Antworten
GAST09.01.2013 | 14:39 Uhr

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