Der Chemiker Robert Schlögl will mit Spitzenforschung das deutsche Energieproblem lösen
Als junger Mann hatte Robert Schlögl nur einen Berufswunsch: Förster im heimatlichen Oberbayern zu werden. Seine Abiturnote war aber zu schlecht, als dass er sofort mit dem Studium der Forstwissenschaft hätte beginnen können. Um die Wartezeit zu nutzen, wollte er ein Fach belegen, das er ohnehin brauchen würde. Biologie oder Chemie? „Ich war mir nicht sicher und habe gewürfelt“, sagt Schlögl.
Heute zieht es den 58-Jährigen noch immer in den Wald und in seine geliebten bayerischen Alpen. Und aus dem Würfelergebnis ist eine steile Karriere in der Chemie geworden. Inzwischen zählt Schlögl zu den renommiertesten Wissenschaftlern in Deutschland, die Liste seiner Patente und Publikationen ist lang. Zu seinen Erfindungen zählt ein Verfahren, mit dem sich mithilfe von Kohlenstoff-Nanomaterialien der Energieverbrauch in der Chemieindustrie deutlich senken ließe.
Schlögl ist in der elitären Max-Planck-Gesellschaft gleich an zwei Instituten Direktor, und das ist absolut ungewöhnlich. In Berlin-Dahlem gehört er zur Spitze des traditionsreichen Fritz-Haber-Instituts und in Mülheim an der Ruhr baut er das neue Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion auf.
Neuerdings ist Schlögl auf der energiepolitischen Bühne zu sehen. Schon als Jungforscher spezialisierte er sich darauf, wie bestimmte Stoffe chemische Reaktionen beschleunigen und wie Energie in chemischen Verbindungen gespeichert wird. Mit diesem Spezialgebiet sieht der Professor sich nun in einer Schlüsselposition für die deutsche Energiewende.
Der Max-Planck-Direktor wirkt unprätentiös. Er verabschiedet sich auch im tiefsten Preußen am Telefon mit einem geschmetterten „Servus“. Sein Markenzeichen ist ein leicht schäbiger Beutel, den er stets um den Bauch geschnallt hat. Er trägt darin Geldbörse, Handy, Kleinkram. „Ich werde dafür belächelt, aber so habe ich immer beide Hände zum Reden frei“, sagt er. Auf Podien und im Gespräch mit Politikern nutzt Schlögl die Hände vor allem für warnende Gesten. Die Energiewende findet er goldrichtig. Er ist überzeugt, dass das Projekt langfristig den deutschen Wohlstand mit Technologieexporten sichert. „Wenn ein Land in der Welt vormachen und davon leben kann, wie die Energieversorgung nachhaltig wird, dann ist es Deutschland, weil wir zugleich reich sind und stark in der Wissenschaft.“
Doch der Forscher macht sich Sorgen. Wenn er über die Energiewende spricht, wird er unruhig. Er knetet seine Hände, legt sie wie zum Gebet zusammen, dann reißt er sie plötzlich in die Höhe. Der deutsche Öko-Alleingang werde ohne wissenschaftliche Durchbrüche scheitern. „Die heutigen Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien sind derzeit technisch nicht machbar.“ Als oberste Priorität sieht er es an, die starken Schwankungen im Angebot von Wind- und Sonnenstrom durch neuartige Energiespeicher auszugleichen, doch noch gebe es keinen Aufbruch zur Entwicklung dieser neuen Technologien: „Umweltschützer reden die Lage schön, in der Politik erlebe ich viel Naivität, und die Lobby der Gegner nutzt die Probleme weidlich aus, um das Vorhaben zu sabotieren.“













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