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 > Fauler Kompromiss bei der Deutschen Bank

Kapital

DoppelspitzeFauler Kompromiss bei der Deutschen Bank

Von Til Knipper27. Juli 2011
picture alliance
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann könnte der einzige Gewinner bleiben.
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann könnte der einzige Gewinner bleiben.
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Bei der Nachfolgeregelung für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann haben alle Beteiligten Schaden genommen. Vor allem die deutsche Politik sollte den Neuanfang als Chance nutzen, mehr Abstand von der Finanzbranche zu gewinnen. Ein Kommentar

"Wir sind die Gewinner", heißt der Lieblingssatz von Anshu Jain. Das hört sich auf den ersten Blick wie ein gutes Motto für die designierte Doppelspitze  der Deutschen Bank an, die der Investmentbanker Jain gemeinsam mit Deutschland-Chef Jürgen Fitschen ab dem kommenden Jahr an der Spitze des größten deutschen Geldhauses bilden wird, auch wenn man Investmentbankern unterstellen muss, dass sie "Ich" meinen, wenn sie "Wir" sagen. Auch die gegenseitigen Liebeserklärungen, in den Fitschen sich "keinen besseren Partner als Anshu vorstellen" kann und Jain sich "zutiefst geehrt" zeigt, "diese großartige Institution zusammen mit Jürgen führen zu dürfen“, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfolgeregelung für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann lediglich ein fauler Formelkompromiss ist, bei dem alle Beteiligten Federn gelassen haben.

Ackermann hat zwar den Machtkampf gegen den schon seit Jahren glücklos bis inkompetent agierenden Aufsichtsratschef Clemens Börsig gewonnen, muss aber nun selbst an die Spitze des Kontrollgremiums rücken. Einer anderen deutschen Lichtgestalt, Franz Beckenbauer, nicht unähnlich interessiert es ihn dabei nicht, dass er diesen Schritt in seiner bisherigen Lebensplanung immer ausgeschlossen hatte. Sein eigentlich ganz vernünftiges Geschwätz zu diesem Thema, bei dem er sich die Qualifikation als Kontrolleur absprach, "weil ich viel zu stark im Geschäft bin und nicht loslassen könnte", scheint er erfolgreich verdrängt zu haben. Um Börsig loszuwerden, musste Ackermann zudem dessen favorisierte Doppelspitze Jain und Fitschen akzeptieren, obwohl er an Fitschens Stelle wohl lieber seinen Schweizer Landsmann Hugo Bänziger, den Risikovorstand der Bank, gesehen hätte.

Jain und Fitschen treten ihre Ämter als gleichberechtigte Co-Vorstandsvorsitzende im kommenden Jahr ebenfalls nicht unbelastet an. Sie müssen mit dem Makel leben, dass ihr Vorgänger und Aufsichtsratsvorsitzender in spe lieber den ehemaligen Bundesbankpräsidenten Axel Weber auf seinem Stuhl gesehen hätte. 

Insbesondere dem ehrgeizigen Jain wird es auch nicht gefallen, dass man ihm das Amt des alleinigen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank noch nicht zugetraut hat und dies sich wohlmöglich auch in Zukunft nicht ändern wird. Denn mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Privatkundenvorstand Rainer Neske bis 2017, die ebenfalls am Montagabend verkündet wurde, steht der Nachfolger für Fitschen schon bereit, der 2015 aus Altersgründen aufhören muss.

In der Tat ist es anachronistisch, dass die global agierende Deutsche Bank, die auch im ersten Halbjahr 2011 mehr als 60 Prozent ihrer Erträge im Investmentbanking verdiente, offenbar noch immer nicht reif ist für einen Inder an ihrer Spitze, der zu den besten Investmentbankern der Welt gehört. Die Rolle als Ansprechpartner für deutsche Unternehmen und die Politik hätte Fitschen auch wie bisher als einfaches Vorstandsmitglied weiterhin wahrnehmen können.

Auch die immer wieder vorgetragenen Bedenken, Jain spreche kein Deutsch, erscheinen etwas albern bei einer Bank, deren Aktien sich mehrheitlich in ausländischem Besitz befinden, die große Teile ihrer Erträge außerhalb des Heimatstandortes erwirtschaftet und einer Branche angehört, die früher als die meisten auf die Globalisierung gesetzt hat.

Diese Tatsache scheint vor allem in der deutschen Politik noch nicht angekommen zu sein. Gerade die schwarz-gelbe Bundesregierung, die zwar öffentlich zu Ackermann auf Distanz gegangen ist, ihn aber in Krisensituationen immer wieder zu Rate zieht und ihm mehr Einfluss gewährt als ein Unternehmenschef ohne demokratische Legitimation haben sollte, scheint geradezu erleichtert, dass er sich nicht komplett zurückzieht. Dabei wäre es viel wichtiger, wenn gerade in der deutschen Politik und den zuständigen Ministerien verstärkt eigene Finanzexpertise aufgebaut würde und der internationalen Finanzindustrie auch eine international koordinierte Finanzregulierung gegenüber zu stellen. Sich stattdessen von Ackermann in Krisensituationen beraten zu lassen, der selbst nie einen Hehl draus gemacht hat, dass er in erster Linie die Interessen der Bank und Anteilseigner zu vertreten hat, ist definitiv der falsche Lösungsansatz.

Für Jain und Fitschen wird dagegen entscheidend sein, inwieweit es Ackermann gelingt, "loslassen zu können". Mischt er sich als Aufsichtsratschef weiterhin ins operative Geschäft ein, bleibt am Ende alles beim Alten und am Ende ist Joe der Gewinner.

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Als Dr. Ackermann den Posten

Als Dr. Ackermann den Posten des Vorstandschef der Deutschen Bank übertragen bekam, erhielt er diese Funktionen nicht weil er ein so freundlich dreinblickender Herr ist, den man sich im ersten Augenblick wie einen gütigen Vater vorstellt, sondern weil er genau die personale Ausstattung mitbrachte, die ihn im Sinne seiner Aktionäre und Geschäftspartner dazu prädestinierten, was er später geworden ist, nämlich ein international erfolgreicher Bankmanager.
Wer seine Biographie liest erfährt etwas über seinen Machthunger, über seinen unbedingten Willen zum Erfolg verbunden mit dem Willen immer der erste und beste seiner Klasse zu sein und das alles gepaart mit hoher Intelligenz. Eigenschaften, die sehr selten in einem Menschen alle vorhanden sind und dazu noch gleich gut verteilt. Diese Ausstattung machten ihn nicht nur in der Finanzwelt zu einem exzellent vernetzten Spitzenbanker, sondern auch, so scheint es zumindest, zumindest in seiner Kaste unangreifbar.
Ob diese Eigenschaften ausreichen ihn zum obersten Kontrollier der Deutschen Bank zu berufen, die er sich in einer Art Selbstkrönung zugewiesen hat, wird sich zeigen. Zumindest zeigt es sehr deutlich, dass dieser Mann bekommt, was er will, zumindest innerhalb der Deutschen Bank. Solange es nicht zum Schaden der Aktionäre ist werden sie ihn gewähren lassen und womöglich denken, dass es egal sei wer unter im den Vorstand repräsentiert.
Das kann man beklagen oder auch nicht, nur eins darf man dabei nicht vergessen: Ein Mann, der sein Leben lang wie ein hungriger Wolf die Finanzwelt erobert hat, von dem kann man nicht über Nacht verlangen, dass er sich wie ein Pudel benimmt. So kann ihn nur der vom Thron stoßen, der bei gleicher Ausstattung noch hungriger ist als er. Womit zurzeit nicht zu rechnen ist.

  • Antworten
Heinz Pelzer29.07.2011 | 14:56 Uhr

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