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 > Asoziale aus so genannten besseren Kreisen

Berliner Republik

SteuerhinterziehungAsoziale aus so genannten besseren Kreisen

Von Hugo Müller-Vogg17. Juli 2012
picture alliance
Schwarzgeldkonten,Champagner,Schweiz,Steuerhinterziehung,Steuerdaten-CDs,Steuerfahnder
Statt Champagner haben Inhaber von schweizer Schwarzgeldkonten jetzt schlaflose Nächte
Schrift:

Steuerhinterzieher gehören an den Pranger, denn sie sind die wahren Asozialen im Lande: Die wohlhabenden Raffkes mit Konten in der Schweiz zeigen nämlich nicht dem Staat was eine Harke ist, sie betrügen alle ehrlichen und fleißigen Steuerzahler

Seite 1 von 2

So ganz wohl fühlt man sich nicht dabei, wenn der Staat mit Hehlern zusammenarbeitet. Denn es sind ja Kriminelle, die ihren Bank-Arbeitgebern in der Schweiz oder Lichtenstein Daten mit den Namen deutscher Steuerhinterzieher stehlen und sie deutschen Behörden gegen satte Millionen-Honorare anbieten. Darf das ein Rechtsstaat?

Andererseits: Der Staat macht Deals mit Geiselnehmern, belohnt V-Leute mit Geld für ihren Verrat, gewährt Strafnachlass, wenn ein größerer oder kleinerer Gauner auspackt. Das alles mit dem Ziel, Straftäter zu überführen oder Straftaten zu verhindern.

Ganz abgesehen von diesen juristischen Fragen: Tausende Deutsche, die den Fiskus mit ihren Schwarzgeldkonten im Ausland gewollt und gezielt betrogen haben und immer noch betrügen, verbringen zur Zeit schlaflose Nächte, konsultieren atemlos ihre Rechtsanwälte und Steuerberater. Nicht wenige versuchen, durch Selbstanzeige das Schlimmste zu verhindern.

Bildergalerie: Urlaub im Steuerparadies
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Mögen die Betroffenen auch Selbstmitleid empfinden und sich über die staatliche Praxis des Datenkaufs empören – Mitleid haben diese Raffkes, die sich beim Steuerzahlen über dem Gesetz wähnten, nicht verdient. Im Gegenteil: Da kommt Schadenfreude auf – und das aus gutem Grund.

Denn die Ertappten sind in der Regel Menschen aus so genannten gutbürgerlichen Kreisen: Manager, leitende Angestellte, Handwerker, Selbständige und deren Erben. Sie würden sich, wenn man sie fragte, zu der staatstragenden Schicht zählen: politisch interessiert, gesellschaftlich engagiert, gesetzestreu und patriotisch.

In dieser ehrenwerten Gesellschaft ist man sich einig, dass „die Wirtschaft“ das Rückrat des Landes ist, die meisten Politiker nur auf den eigenen Vorteil bedacht, die Steuern viel zu hoch und die Staatsfinanzen marode sind. Ob beim Small Talk im Golfclub, bei der Opernpremiere oder auf den Business Seats der Fußballarenen sind sich diese Herrschaften einig: Wenn die Beamten nicht so faul, die Verwaltung nicht so unproduktiv und die Transferleistungen für die arbeitsscheuen „Sozialschmarotzer“ nicht so hoch wären, dann könnten die Steuern viel niedriger und die öffentlichen Haushalte ausgeglichen sein.

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Schweizer Konto = Steuerhinterziehung?

Dieser (Kurz-) Schluss ist mir zu simpel. Wer glaubt, alle deutschen Besitzer Schweizer Konten seien automatisch Steuerhinterzieher, vergisst, dass es dort auch legale Konten geben kann.
Wenn also bitte die Steuerbehörden Millionen von Steuergeldern an Diebe zahlen, so erwarte ich als Steuerzahler anschliessend eine Aufstellung der Effizienz dieser Einkäufe:
1) Zahl der gekauften Kontendaten
2) Gesamtsumme der gekauften Kontenbeträge
3) Nachweislich illegaler Anteil (# der Konten und Summe der Beträge)
4) Legaler Anteil der Konten (Bruch von Datenschutzregeln, Gegenanzeige beim Kontobesitzer wäre Mindestanstand)
5) Ungeklärter Anteil
zu 3) sollte es einen Aktionsbericht geben.

Ausserdem ist mir völlig unverständlich, warum ausgerechnet die, die sonst jeden ihrer völlig unwichtigen Datendetails einem hochempfindlichen Datenschutz unterwerfen wollen, bei vermeintlichen "Verbrechern" einen Pranger brauchen. Es ist Ihnen allen klar, dass wir auch in Deutschland mit Steuererklärungen "nach bestem Wissen und Gewissen" alle nicht mehr sicher sein können, ob wir aus Versehen Steuern falsch deklarieren?
*Ironie* Sollten wir denn nicht mal vorsichtshalber alle "Gutverdiener" an Steuerprangern veröffentlichen? Könnten ja alle auch ein Konto in der Schweiz eröffnet haben? *Ironie off*

  • Antworten
Ingenieurin17.07.2012 | 10:27 Uhr

Am Steuerpranger

Was Frau Ingenieurin als "Steuerpranger" bezeichnet, ist meines Wissens in Schweden ganz normal! Die Steuerdaten jedes/jeder schwedischen Steuerbürgers/-In sind öffentlich zugänglich.
Und wieso müssen deutsche Steuerbehörden diese Daten eigentlich kaufen? Die USA haben sich in Verhandlungen mit der Schweiz legal den Zugang zu den Daten der amerikanischen Büger verschafft.

  • Antworten
ingwersen17.07.2012 | 14:38 Uhr

Betrug bleibt Betrug

Herr Schäuble kann und wollte keine anderen Verhandlungen. Also Herrn Schäuble auf die Finger hauen oder noch besser - diese Regierung einfach nicht mehr wählen und die Parteien, aus denen sie kommen, auch nicht.
Es ist nämlich auch Sache des Sozialstaatsgebots, die Steuerpolitik so zu organisieren, dass Ungerechtigkeiten nicht auftauchen.

Aber - die Reichen und Superreichen mit ihrer Arroganz sehen den Sozialstaat nur einseitig als Transferleister und nicht die anderen Dinge, die dieser auch leisten muss.

In Hessen sind tüchtige Steuerfahnder für geistig krank erklärt worden und aus dem Dienst suspendiert. Sie sehen, wozu Schwarz-gelb in der Lage ist, um eigene Pfründe zu retten.

  • Antworten
Karola02.08.2012 | 17:35 Uhr

Steuerhinterziehung ist notwendig

Ein Staat der unrechtmässig Steuergelder verschwendet, der unter Vertragsbruch unfähigen Euro-Staaten Steuergelder gibt, ein Staat der den Maastricht-Vertrag nicht einhält, usw. hat nicht meine Steuergelder verdient.

  • Antworten
ThWeidenbach17.07.2012 | 13:49 Uhr

Na prima,

das ist ja nicht so weit entfernt von der Haltung, die Griechenland in den fiskalischen Abgrund geführt hat: Jeder ist sich selbst der Nächste und Steuern zahlen nur Schwachköpfe

  • Antworten
ingwersen17.07.2012 | 14:58 Uhr

jeder ist sich selbst der Nächste

Solange die Diskussion über Steuerverschwendung auch nicht annähernd so offensiv geführt wird wie diejenige über öffentliche und individuelle Steuervermeidung: ja, ja, ja

  • Antworten
Otto Maier20.07.2012 | 18:28 Uhr

ja, ja, ja

die legendäre selektive Wahrnehmung: Wer sich über die Steuerverschwendung mehr ärgert als über die Steuerhinterziehung, hätte natürlich erstere lieber offensiver diskutiert. Aber im Zweifelsfall hat doch wohl der Bund der Steuerzahler die Lufthoheit über den Stammtischen. Und dass man Steuerverschwendung in einem demokratischen Staatswesen anders bekämpfen sollte, als durch "individuelle Steuervermeidung" steht doch wohl außer Frage.

  • Antworten
ingwersen21.07.2012 | 17:29 Uhr

@Ingenieurin

"Wer glaubt, alle deutschen Besitzer Schweizer Konten seien automatisch Steuerhinterzieher, vergisst, dass es dort auch legale Konten geben kann."
Das stimmt! Aber hat jemand etwas anderes behauptet? Zumindest seitdem die CD's gekauft werden wird in der Presse immer darauf hingewiesen, dass auch legale Konten dabei sind, d.h. versteuertes Geld.

"1) Zahl der gekauften Kontendaten
2) Gesamtsumme der gekauften Kontenbeträge
3) Nachweislich illegaler Anteil (# der Konten und Summe der Beträge)
4) Legaler Anteil der Konten (Bruch von Datenschutzregeln, Gegenanzeige beim Kontobesitzer wäre Mindestanstand)
5) Ungeklärter Anteil
zu 3) sollte es einen Aktionsbericht geben. "
Bisher sollen lt. Pressemeldungen 1 Milliarde Euro auf Grund der gekauften CD's zusätzlich eingenommen worden sein. Das reicht als Effizienzbeweis!

Der Artikel sieht für mich aus wie der letzte Kampf einer FDP-Politikerin - vermeintlich dem Legalismus eine Bresche schlagen, tatsächlich aber Interessen vertreten.

Gruß
Michael

  • Antworten
M. Flöger18.07.2012 | 11:50 Uhr

ein Staat der den Maastricht-Vertrag nicht einhält

Wo soll's denn enden, wenn jeder selbst bestimmt, welcher Staat was verdient hat?

Es steht jedem frei, sich für Verbesserungen einzusetzen: Gleichgesinnte suchen und in eine Partei eintreten.

Wer sagt denn, dass die Maastricht-Kriterien sinnvoll sind? Genausogut wie das Kriterium 3 % sind 2% oder 4 % - die Grenzen sind willkürlich gewählt und kein "Evangelium" - ausgenommen für "mainstream-Ideologen" - sorry!.

  • Antworten
M. Flöger18.07.2012 | 11:56 Uhr

Asoziale aus besseren Kreisen

Wer zählt die Diebe, nennt die Hehler?
Es ist schon erstaunlich, mit welch selbstgerechten juristisch-intellektuellen Verrenkungen die Steuerflüchtlinge ihr illegales Tun zu rechtfertigen suchen. Da wird publik, deutsche Fahnder hätten sich aus Schweizer Quellen Steuerdaten beschafft, und umgehend erhebt sich bei den insgeheim durchaus unrechtsbewussten Steuerverkürzern, aber auch bei manchen Medien, der Vorwurf (sprich: Schutzbehauptung), der Staat mache dubiose Hehlergeschäfte. Sepp der Scheinheilige von der FIFA macht solche Interpretationsakrobatik trefflich vor: Seht, auch Deutschland schmiert, wie bei der Vergabe der WM 2006. Also Schwamm drüber, gell.
Mal konkret nachgefragt: Wessen Handeln erfüllt in ganz besonderem Maße den Tatbestand der Hehlerei? Das der Datendiebe? Oder der feinen Banker, die ihre diskrete Hand über Diebesgut von jenseits der Grenzen halten?
Jürgen Honig, Schweden

  • Antworten
Jürgen T. Honig, Tyresö/Schweden18.07.2012 | 13:24 Uhr

Lesen und Verstehen ...

ist nicht jedem gegebe. Sonst hätte die "Ingenieurin" gemerkt, dass die von Ihr unterstellt Behauptung gar nicht gemacht wird und der Weidenbach hätte gemerkt, dass zu seiner Bemerkung die Antwort schon im Text gegeben ist.
Bei manchen Leuten genügt schon ein Stichwort um eine reflexartige Abwehrhaltung in Gang zu setzen. Aber jeder blamiert sich halt so gut es geht selber ...

  • Antworten
CortoMaltese18.07.2012 | 13:41 Uhr

Lesen ODER Verstehen

Lesen reicht eben nicht. Die Antwort ist im Text nicht gegeben. Das kann der Müller-Vogg gar nicht. Und CortoMalthese ist ihm in die Falle getappt. Naja, jeder blamiert sich ...

  • Antworten
Otto Maier20.07.2012 | 18:36 Uhr

Transparenz tut not!

Ein sehr guter Beitrag, Herr Müller-Vogg. Gut, daß es immer noch Journalisten gibt, die diese Dinge mutig beim Namen nennen.
Schlimm ist, daß diese Kreise, nämlich diejenigen mit Schwarzgeldkonten in der Schweiz und anderswo, einen massiven politischen Einfluss haben und somit ihre Steuertricksereien unter der Decke halten können.
Warum dürfen wir nicht wissen, über welches Einkommen unser Chef verfügt und welche Vermögenswerte er besitzt?
Dies wissen wir doch auch von den Gebrüdern Albrecht (ALDI), von Anton Schlecker (der sich inzwischen im Minus befindet und scheinbar einen betrügerischen Konkurs, nämlich Bankrott, herbeigeführt hat) und vielen anderen Reichen und Superreichen.
Transparenz tut not! Nehmen wir uns in dieser Hinsicht ein Beispiel an den USA.
Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher verdienen jedenfalls keinerlei Schutz in unserer Gesellschaft. Immerhin nennt sich unsere Republik "Sozialstaat". Wirklich? Zumindest in Artikel 20 unserer Verfassung, unseres Grundgesetzes.

  • Antworten
Yvonne Walden19.07.2012 | 11:55 Uhr

nachtrag

Ein Auszug aus http://facts.ch/articles/8034718-asoziale-aus-so-genannten-besseren-kreisen

von:
dolphin69
19/07 17:29

diese Meinunung kann ich nur unterstützen. Auf jeden Fall wenden die deutschen Banken gegenüber schweizer Kunden die genau gleichen Methoden an. Sie werben schweizer Kunden, who cares where the f..cking money comes from.. ohne Fragen versteuert oder nicht versteuert. Bleibt objektiv! Ich mag keine Lemminge, die alles nachkauen.

Zitat: nicht genehmigt aber siehe dazu.

Mir gefällt Steuerbetrug nach deutschem Muster ganz und gar nicht. Aber dazu folgende kurze Hinweise:
a) Wenn der letzte und hinterletzte deutsche Steuerbetrüger entlarvt und sein ganzes Geld eingezogen werden könnte, wären die aufgelaufenen Schulden des roten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen damit immer noch nicht gedeckt ….
b) Die grössten Steuerhechte im deutschen Karpfenteich haben auch „Geschäftsbeziehungen“ zu Luxemburg, Liechtenstein, Kanalinseln, Singapur, Bermudas, Andorra, Monaco … (die Liste ist laaang, liebe Freunde…)
c) Mit Sicherheit sind die Steuerbetrügereien von deutschen Banken, deutschen Treuhändern und deutschen Vermögensberatern angezettelt worden (die lachen sich nun halbtot … ihre Provision haben die längst …)

  • Antworten
einfritz24.07.2012 | 23:07 Uhr

Hugo Müller-Vogg

Von diesem Herrn ist man durchaus andere Schlagzeilen gewohnt. Wechselt da gerade jemand die Seiten? Der Artikel ist jedenfalls klasse.

Es ist schon seltsam in diesem Land, dass sich Kriminelle über vermeintlich kriminelle Machenschaften aufregen.

Leider haben diese Kreise häufig die Lufthoheit über die Stammtische der "anständigen Deutschen", weil sie durch ihr Geld viel Einfluß oder die publizistische Macht besitzen, um mit Hilfe ihrer Hetzblätter der Bevölkerung das selbständige Denken abzunehmen.

  • Antworten
grauschleier02.08.2012 | 20:39 Uhr

Unsere Steuergesetze fördern einiges ...

vor allem die Steuerhinterziehung!

Warum gibt es im Hotel- und Gaststättengewerbe z.B. zwei Steuersätze?
Das lädt doch gerade dazu ein, dass natürlich überwiegend nur "Außer Haus"-Verkäufe mit 7% Umsatzsteuer hat.

Aber mir sagte mal jemand, dass unsere oberste Steuerbürokratie keinerlei Interesse an einer Vereinfachung der Steuergesetze hätte. Man fürchtet wohl, dass man arbeitslos würde.

Oder man müsste sich endlich den überfällige Steuerprüfungen bei Freunden und Bekannten zuwenden.

Vielleicht sollten die Herrschaften von der Steuerfahndung mal Kontakt mit den einschlägigen "social media Networks" aufnehmen.
Nicht jeder kann das schwarze Geld seines Reichtums wirklich erfolgreich verbergen - Autos, Reisen etc.

Wenn man einer Kassenkraft eine Unterschlagung nachweisen will, dann zieht man doch auch alle Register!

  • Antworten
kwb_hh02.08.2012 | 21:57 Uhr

Verbrecher dieser Welt

Der Dalai Lama, der wohl größte Verbrecher, Lügner, Betrüger ,der jemals in Deutschland seine Spuren hinterlassen hat, sogar mit Nachhaltiger Wirkung.Alles die an seiner Meditation teilnahmen, funktionieren nach seiner Weltanschauung und wenn das noch so absurd ist.Er macht mittlerweile was ihm gefällt und keiner unserer stellt seine Auftritte in Frage, obwohl er sich öffentlich an Rechtsradikale orientiert, sehen wir ihn als Wunder. So leicht kann ein Verbrecher uns manipulieren und uns mit närrischen Auftritten verdummen.

  • Antworten
Susanne Scheele29.10.2012 | 11:52 Uhr

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