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Berliner Republik

UnionsparteienZehn Gebote für eine christlich-bürgerliche Politik

Von Hugo Müller-Vogg26. Juli 2012
picture alliance
christlicher_garten,vaterunser
Die zehn Gebote für die Union
Schrift:

Wie bleiben CDU/CSU Volkspartei? Klar, neue urbane Wählerschichten ansprechen, selbst modern sein. Aber Vorsicht! Auch die Stammwähler wollen mitgenommen werden. Eine biblische Anleitung für die Union

Seite 1 von 2

In aus Sicht der Union vorteilhaften Umfragen liegt die CDU/CSU bei 35 Prozent, in weniger schmeichelhaften bei 32. 35 Prozent entsprechen dem Katastrophen-Ergebnis, mit dem die Union 1998 abgewählt wurde. Und 32 Prozent liegen noch unter jenen mickrigen 33,8 Prozent, die die CDU/CSU 2009 trotz Kanzlerbonus erreichte.  

Ist die Union etwa aus der Zeit gefallen? Ihre konkrete Politik kann man kaum als hinterwäldlerisch bezeichnen. Beim Atomausstieg legte sie plötzlich ein Tempo vor, dass die Grünen gar nicht schnell genug staunen konnten. In der Steuerpolitik ist keine Rede mehr davon, dass sozialistische Folterinstrumente wie die Reichensteuer abgeschafft gehören. Der gesetzliche Mindestlohn wird verbal noch abgelehnt. Lohnuntergrenze klingt etwas marktwirtschaftlicher, und alle Branchen-Mindestlöhne sind unter CDU-Kanzlern eingeführt worden.  

Die CDU rühmt sich, dass sie endlich vollendet, was SPD-Familienministerinnen vergeblich gefordert hatten: Kita-Ausbau und Elterngeld. Sie will, dass der Gesetzgeber festlegt, wie viele wichtige Positionen in der Wirtschaft Frauen vorbehalten bleiben müssen – marktwirtschaftlich verbrämt dem Begriff „Flexi-Quote“. Selbst beim Betreuungsgeld tun selbst CDU-Kabinettmitglieder inzwischen so, als würden sie von der CSU zur falschen Politik gezwungen.  

Nein, man kann der CDU nicht vorwerfen, sie halte an längst verstaubten Politik-Entwürfen fest. Doch muss die modernisierte CDU mit einem Handikap kämpfen: Trotz des Niedergangs der Liberalen stagniert sie auf niedrigem Stimmen-Niveau.

Kein Wunder, dass konservative Unionspolitiker den aktuellen Kurs nicht nur kritisieren. Sie machen auch mobil, zum Beispiel im „Berliner Kreis“. Freilich haben diese Damen und Herren bisher noch nicht erklärt, was sie unter einer christlich-bürgerlichen Politik konkret verstehen.  

Hier deshalb eine kleine Hilfe: Zehn Gebote für eine christlich-konservative-Politik. Samt einer Überprüfung, ob und wieweit sie heute befolgt beziehungsweise negiert werden.  

Erstes Gebot: Du sollst dem Einzelnen Vorrang geben vor dem Staat oder dem Kollektiv.  

Das wird weitgehend befolgt. Solidarische Sicherungssysteme stehen diesem Grundsatz nicht im Wege, sind vielmehr Ausfluss des bewährten Prinzips der Subsidiarität.

Zweites Gebot: Du sollst dafür sorgen, dass Leistung sich lohnt, und dass alle, die etwas leisten wollen, eine Chance bekommen.  

Das wird in Sonntagsreden gerne bekräftigt – aber im Alltag nicht befolgt. Die Hälfte der Haushalte zahlt gar keine Einkommensteuer, die oberen zehn Prozent dafür mehr als 50 % des Gesamtaufkommens. Hartz IV“ ist so konstruiert, dass es sich für Menschen mit geringer Qualifikation und Kindern vielfach nicht lohnt zu arbeiten. Das führt zur Ausbeutung der Arbeitenden durch die Nicht-Arbeitenden.  

Drittes Gebot: Du sollst denen helfen, die sich nicht selber helfen können – nicht denen, die sich als Kostgänger des Staates wohl fühlen.  

Wenn wir Jahr für Jahr keine 30.000 deutschen Erntehelfer finden, sondern auf „Importe“ angewiesen sind, dann ist etwas faul im Sozialparadies Deutschland.  

Viertes Gebot: Du sollst dem Staat geben, was des Staates ist – aber nicht staatliche Verschwendung durch Steuern und Abgaben finanzieren.  

Die Steuereinnahmen des Staates sind zwischen 1990 und 2012 um rund 75 (!) Prozent gestiegen – etwa 3,5 Prozent pro Jahr. Aber selbst Unionspolitiker sprechen von einem Einnahmeproblem. 

Zu den Geboten 5- 10

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Hier also der alljährliche

Hier also der alljährliche Sommerloch-Heul-Artikel über den fehlenden Konservatismus der Union. Schön abgespeckt mit rechtspopulistischen Positionen wie der Titulierung von Saisonarbetern als "Importe", oder der Ausdruck "sozialistische Folterinstrumente" für die Reichensteuer. Wäre das alles nicht eine Nummer kleiner (und weniger abstoßend) gegangen? Vor allem in einem Artikel eines seriösen Politikmagazins?

  • Antworten
Jens27.07.2012 | 10:45 Uhr

Es gibt vermutlich nur noch

Es gibt vermutlich nur noch eine Minderheit, die die "Zehn Gebote für eine christlich-bürgerliche Politik" akzeptieren und befolgen würde.
Rückwärtsgewandtes Denken hilft hier nicht weiter.
Die führenden Politikerinnen und Politiker der Unionsparteien sollten durch Gespräche in ihren Wahlkreisen zu erforschen versuchen, was ihre Wählerinnen und Wähler tatsächlich wollen.
In dem Beitrag klingt wieder einmal das Hohelied der sogenannten "Leistungsträger" an.
Leistungsträger sind jedoch nur jene, die eine gesellschaftlich-nützliche Arbeit verrichten, auch wenn sie hierfür nur mies bezahlt werden.
Keine Leistungsträger dagegen sind diejenigen, die nur von den Erträgen ihres Vermögens und ihrer Geldanlagen leben - und das nicht zu schlecht!
Eine weitere Frage: was bedeutet eigentlich "christlich"?
Das Christentum hat sich durch die jahrhundertelangen Schandtaten ihrer hohen und hächsten Repräsentanten selbst ad absurdum geführt. Von "vorbildlich" kann im Zusammenhang mit dem Christentum deshalb nicht die Rede sein.
Merke: wer zu oft und überwiegend nach hinten schaut, kommt beim Vorwärtsgehen leicht ins Straucheln.
So könnte es auch den Unionsparteien ergehen, wenn sie sich zu sehr auf angeblich konservative Werte besinnen.

  • Antworten
Yvonne Walden27.07.2012 | 18:35 Uhr

Die Ohnmacht der Macht

Herr Müller-Vogg, heute stellen sich viele Bürgerinnen und Bürger die Frage, ob Politik überhaupt noch einen Sinn hat? Wir beklagen doch schon auf nationaler Ebene, dass nichts so richtig zu gelingen scheint. Dabei ist unser Zutrauen in die politische konzeptionelle Kompetenz und Gestaltung der Politik gleichwohl schon im eigenen Land gering entwickelt. Die Politik ist immer groß mit ihren Ankündigungen. Dies führt zurück auf die Frage nach dem Sinn der Politik. Der Sinn von Politik ist die Freiheit. „Freiheit heißt, sein Leben eigenverantwortlich gestalten zu dürfen, vom Staat in der Suche nach dem Glück nicht beeinträchtigt zu werden“, wie es Prof. Paul Kirchhof in der FAZ einmal so trefflich ausgedrückt hat. Heute scheint es nicht mehr um diese Freiheit zu gehen, sondern um die Bändigung des Finanzmonopols, das Gewalt ausübt, indem es ganze Volkswirtschaften in die Knie zwingen kann. Schulden werden sozialisiert und Gewinne privatisiert. Übrigens auf Kosten aller anderen politischen Faktoren und zukunftsorientierten Entwürfe für die nachfolgenden Generationen. Inzwischen konnte man lesen, dass sich nicht nur die Oppostion der Bändigung und Zivilisierung des Banken- und Finanzwesens annimmt. Ich fordere die Regierung hiermit auf, uns gegen diese Gewalt und die Abstellung der Mißstände mit Macht zu sichern. Wir als Bürgerinnen und Bürger haben der Regierung die Staatsgewalt übertragen. Heute scheint die Ohnmacht der Macht zu herrschen. Unter dem Eindruck, daß die Bürgerinnen und Bürger die Eskapaden der Politik, auch die Idee Europa, mit Steuergeld bezahlen muß, sollte die Wiederentdeckung der Vernunft einleiten. Die Steuerzahler sind nicht unbegrenzt belastbar, die Möglichkeiten sind erschöpft. Europa kann nur von innen her, nicht durch ständig neuen äußeren Zwang, eine europäische Nation werden. Vorurteile und Partikularismus würde überwunden werden, wenn wirkliche Anstrengung und Fortschritte wahrzunehmen wären. Auch sollten die anderen EU-Staaten Deutschland mit seiner eigenen Denktradition Anerkennung schenken. Das Gegenteil passiert. Deutschland hat mit gigantischer Kraftentfaltung den Wiederaufbau der hoffnungslos veralterten und vorgefundenen DDR gestemmt. Auch ein energetisches Bewußtsein gestiftet, was möglich ist. Darum beneidet uns die ganze Welt. Die nochmalige Entsicherung des sowieso schon traditionsunsicheren deutschen Volkes durch die pluralistische Staatsform, und jetzt durch die EU-Vorstellungen wird als ständig gefährdete Form wahrgenommen. Europa sollte sich an diesem Raum Deutschland ein Beispiel nehmen. Das Erfolgsrezept liegt in seiner klassischen Bildungskultur (einschließlich eines dualen Bildungssystems) und in der organisierten Leistungstüchtigkeit, in der positiven Sachlichkeit, die auch seine Erfolgsindustrialisierung ausmacht, und das alles trotz einer Unausgeglichenheit zwischen klassisch- romantischem Idealismus und preußischem Realismus. Ein Phänomen. Vielleicht konnte ich die Situation deutlicher ins Auge fassen, sowie es Prof. Di Fabio mit seinem exzellenten Beitrag in der neuen Cicero-Printausgabe (natürlich auch andere Autoren in diesem Heft) versucht haben. Freiheit schließt immer auch die Freiheit ein, von der herrschenden medial vermittelten Meinung abzuweichen. In diesem Sinne.

  • Antworten
bernhard jasper27.07.2012 | 19:23 Uhr

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