Grüne? Nein Danke! - Der grüne Ekel vor bildungsfernen Discount-Deutschen

Für die Grünen bedeutet Politik vor allem Umerziehung. Und dafür soll ich sie auch noch wählen? Alexander Marguier erklärt, warum er auf keinen Fall die Grünen wählt

Grüne? Nein, danke!
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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Seit anderthalb Jahren gehört auch die Abschaffung der Plastiktüte offiziell zu den politischen Zielen der Grünen. Auf ihrem Kieler Parteitag im November 2011 beschlossen die Delegierten, „Tüten auf Basis von fossilen Rohstoffen“ müssten „in Deutschland und europaweit aus dem Verkehr gezogen werden“. Welch ein Fanal! Endlich wieder Hoffnung für unsere geschundene Mutter Erde! Weil aber selbst die Naivsten unter den Grünen kaum daran glauben dürften, mit diesem Vorstoß irgendetwas auch nur halbwegs Sinnvolles für den Umweltschutz erreicht zu haben, sollte man ihn tunlichst dort verorten, wo er hingehört. Und zwar in der Kategorie „Symbolpolitik“.

Im demokratischen Wettbewerb jedoch sind politische Symbole, und mögen sie noch so weltfremd sein, keineswegs läppische Schaufensterauslagen, die zum Ergötzen der Laufkundschaft hinter Glas platziert werden und dort nach ein paar Wochen in Ruhe Staub ansetzen dürfen. Sie stehen vielmehr für die Wesensmerkmale einer Partei wie Sakramente in der Kirche. Womit wir auch schon bei einer Eigenschaft wären, die den Charakter der Grünen seit ihrer Entstehung Ende der siebziger Jahre prägt wie keine andere: der quasi religiöse Absolutheitsanspruch, das Selbstverständnis einer manichäischen Bewegung zum Ziele der Verbesserung des Menschen an sich. Die Plastiktüte ist ein schönes Beispiel dafür, denn natürlich handelt das propagierte Aus-dem-Verkehr-Ziehen nicht von ihr, sondern von jenen verlorenen Seelen, die solche Tüten benutzen. Und zwar wohlgemerkt in ganz Europa, nicht etwa nur in Deutschland.

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Plastiktüten mögen eine ökologisch unschöne Hervorbringung der Wegwerfgesellschaft sein, aber das sind andere Dinge, die ebenfalls „auf Basis von fossilen Rohstoffen“ produziert werden, auch: Weinflaschen beispielsweise, Fruchtjoghurt- oder Bio-Kefir-Becher. Von entsprechenden Verbotsanträgen ist mir bisher allerdings nichts bekannt. Nein, die Plastiktüte soll es treffen, besser gesagt: die Plastiktütenträger. Diese Spezies ist gewöhnlich nicht auf den Wochenmärkten in den bürgerlichen Stadtvierteln anzutreffen oder im Manufactum-Shop. Sondern bei Aldi, Penny und Lidl. Überall dort also, wo Leute einkaufen, die nicht unbedingt zu den Privilegierten in diesem Land gehören. Die Grünen sagen „Plastiktüte“ (oder auch „Einwegdose“) und meinen in Wahrheit: Unterschicht. Es geht ihnen im Kern nämlich nicht um die Umwelt, sondern um kulturelle Hegemonie. So manifestiert sich der grüne Ekel vor den bildungsfernen Discount-Deutschen auch in einer ästhetischen Rigorosität gegenüber Tüten.

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Diese Haltung steht nur in scheinbarem Widerspruch zum linken Selbstverständnis der Grünen. Denn die „kleinen Leute“ spielen im Weltbild des saturierten Öko-Bürgertums weniger eine Rolle als ernst zu nehmende Individuen, sondern vielmehr als willfährige Empfänger öffentlicher Subsidien. Mit dem großzügigen Verteilen von Staatsknete lässt sich das eigene soziale Gewissen eben immer noch am einfachsten beruhigen. In einer ähnlichen Mischung aus Selbstgefälligkeit und Ignoranz jagen die Grünen übrigens unbeirrt von allen Problemen weiterhin ihren Multikulti-Träumen hinterher. Aber während im Justemilieu einer urbanen Bio-Boheme die Vorzüge ethnischer Vielfalt besungen werden, dürfen die Bewohner der weniger bevorzugten Stadtteile die Folgen gescheiterter Integration aushalten. Und wem das nicht passt (oder wer es auch nur wagt, am herrlichen Migrationsmythos zu zweifeln), der bekommt schnell die härteste Waffe der Grünen zu spüren: ihre stets überlegene Moral in Form der Rassismus-Keule.

Politik, das ist für die Grünen vor allem ein groß angelegtes Umerziehungsprogramm (was auch kein Wunder ist für eine Partei, deren Klientel überwiegend aus Lehrern und höheren Beamten besteht). Da ermahnt etwa der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel sein gefräßiges Volk, nur einmal pro Woche Fleisch zu essen, während seine grüne Ministerkollegin Barbara Steffens ein landesweites Verbot von Raucher-Clubs durchsetzt. Und stets droht die grüne Tugendhaftigkeit, ins Persönlich-Diffamierende zu kippen: Als etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs im Zuge der Energiewende nicht von seinem Pro-Atom-Kurs lassen wollte, marschierten regelmäßig grüne Demonstranten bei ihm auf – vor seinem Privathaus, wohlgemerkt. So viel zur frommen Legende, die Grünen seien eine liberale Partei.

Sind wirklich alle Grünen so schlimm? Selbstverständlich nicht. Wie in jeder anderen Partei finden sich auch bei ihnen kluge, tolerante, nachdenkliche, sympathische und verantwortungsbewusste Männer und Frauen. Was mich an ihnen stört, sind weder Claudia Roth noch Hans-Christian Ströbele oder der vor Arroganz erstarrte Jürgen Trittin. Sondern die aggressive Dünkelhaftigkeit, mit der sich die Grünen über Andersdenkende erheben. Kann ich mir trotzdem vorstellen, sie zu wählen? Na klar, so weit reicht meine Fantasie schon. Werde ich es auch tun? Ganz sicher nicht.

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