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WAM/dpa/AP

Vereinigte Arabische Emirate - Scheich ernennt 22-Jährige zur Ministerin

Die jüngste Ministerin der Welt regiert in einem arabischen Land: Am Wochenende wurde die 22-jährige Shamma Al Mazrui in den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Regierungskabinett berufen – als Ministerin für Jugendfragen

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Martin Gehlen ist Journalist und berichtet aus der arabischen Welt.

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Ihr neuer Chef liebt Rekorde, Prunk und Sensationen. Egal ob der höchste Wolkenkratzer oder das teuerste Feuerwerk der Welt, die einzige Skihalle in der Wüste oder die größte künstliche Insel auf Erden, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum weiß, wie er seine Wüstenheimat mit Glitzer und Glamour im Gespräch hält.

Und so machte der umtriebige Regierungschef der Vereinigten Arabischen Emirate und gleichzeitige Emir von Dubai kürzlich sogar Schlagzeilen mit seiner Regierungsumbildung, die er als die größte und eigenwilligste in der fast 45-jährigen Geschichte der superreichen Golffürstentümer inszenierte. Denn mit am 29-köpfigen Kabinettstisch sitzt als jüngste Ministerin aller Zeiten auch die 22-jährige Shamma Al Mazrui, die sich künftig um die Jugend des Landes kümmern soll.

Von acht neuen Ministern sind fünf Frauen - nicht nur in der arabischen Welt eine bemerkenswerte Quote. Eine führt das weltweit einzigartige Ministerium für Glück und Wohlergehen, eine andere das neu geschaffene Ministerium für Toleranz, die beiden übrigen die bereits existierenden Ressorts für internationale Zusammenarbeit und Kommunalentwicklung.

„Hoffnungen unserer Jugend repräsentieren“


„Die Jugend macht die Hälfte der arabischen Gesellschaften aus, daher ist es nur logisch, ihnen eine Stimme und eine Rolle in der Führung unserer Nationen zu geben“, twitterte der Dubai-Herrscher, der ein passionierter Langstreckenreiter ist und von seinen Landleuten nur „Scheich Mo“ genannt wird. „Der Nachwuchs ist unsere Stärke, unsere Kraft und unsere Zukunft“, fügte er hin zu und erklärte, Shamma Al Mazrui werde „die Hoffnungen unserer Jugend repräsentieren“.

Die Neuministerin studierte nach dem Abitur zunächst Wirtschaftswissenschaften am Nahostsitz der New York Universität in Abu Dhabi, was sie im Mai 2014 mit einem Bachelor abschloss. Ihren Master in Politikwissenschaften machte sie anschließend an der britischen Oxford-Universität, wo sie als Stipendiatin der renommierten Rhodes-Stiftung eingeschrieben war. Golfspielen und Skifahren seien ihre Hobbys, sagt sie. In den Semesterferien arbeitete sie als Praktikantin an der emiratischen Botschaft in Washington.

Daheim auf Twitter und Facebook wurde ihre Ernennung und die Verjüngung des Kabinetts überwiegend begrüßt. Kritiker jedoch bezweifeln, dass sich die tief verwurzelten Ursachen für die Diskriminierung von ausländischen Arbeitskräften und einheimischen Frauen damit wirklich beseitigen lassen.

Von den neun Millionen Einwohnern der Emirate sind 90 Prozent Migranten, eine Quote, wie sie sonst nirgends auf der Welt existiert. Und beim so genannten „Gender Gap Index“, mit dem das Genfer Weltwirtschaftsforum Fortschritte bei der Gleichstellung von Frauen bewertet, landete auch 2015 wieder kein arabischer Staat auf den ersten 100 Plätzen. Unter den arabischen Nationen waren die Emirate immerhin noch am besten plaziert – auf Rang 119 von 145 getesteten Ländern.

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