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 > Ein Nachtrag von Michael Naumann

Berliner Republik

Piraten und UrheberrechtEin Nachtrag von Michael Naumann

Von Michael Naumann2. Oktober 2011
Schrift:

Der Artikel von Chefredakteur Michael Naumann über die Piratenpartei und das Urheberrecht, den CICERO ONLINE am Freitag unter der Überschrift „Mit vollen Segeln in die Vergangenheit“ veröffentlicht hat, ist von unseren Lesern vielfältig diskutiert und auch kritisiert worden. Nun antwortet Michael Naumann seinen Kritikern.

1. Algorithmen gleichen nicht Multiplikationstafeln, sie fallen auch nicht vom Himmeln, sondern werden in der Softwarebranche von Informatikern entwickelt. Sie sind die je spezifischen Grundlagen von Codes und Softwareprogrammen und können persönliches oder firmeneigenes geistiges Eigentum sein. Sie können patentiert werden, und viele werden es auch. Entsprechende urheberrechtliche bzw. patentrechtliche Prozesse zwischen verschiedenen Software-Anbietern z.B. in den USA sollten auch den Freunden der Piratenpartei bekannt sein.

2. Der Sachverhalt, dass die Römer kein Urheberrecht kannten, stimmt. Sie kannten allerdings die Sklaverei, die Todesstrafe und diverse andere Methoden, Recht zu sprechen, z.B. die Folter. Das moderne Urheberrecht hat eine jüngere Geschichte, die jeder der Kommentatoren bei Wikipedia studieren kann.

3. Im "informationellen Selbstbestimmungsrecht" ist die Idee "beschlossen" (also mitzudenken), dass es ein Recht auf Eigentum gibt. Dieser Eigentumsbegriff umfasst nicht nur Dinge, sondern eben auch Daten, Informationen und geistige Hervorbringungen jeder Art.

4. Der Einwand, dass die Besitzer von Nutzungsrechten (wie zum Beispiel Verlage) die Besitzer von Urheberrechten angeblich übervorteilen, und dass darum die Idee von geistigem Eigentum prinzipiell abzuschaffen sei, geht zu Lasten beider Seiten. Sie wird in ihrer Radikalität dadurch begründet, dass diese Aufhebung oder Abschaffung im Internet bereits Realität sei. Aber das Internet, und das scheint irgendwie nicht bekannt zu sein, ist in seiner derzeitigen Form ein Marktplatz, auf dem Geschäfte abgewickelt werden zu Gunsten von Microsoft, Apple, Facebook, Google, Ebay etc.: Auf dem also Marktprozesse ablaufen, in denen geistiges Eigentum ebenso gehandelt wird (gegen Entgelt) wie andere Tausch- und Kaufgeschäfte getätigt bzw. ermöglicht werden. Die Vorstellung der Piratenpartei, unter Verzicht auf das Urheberrecht eine neue Öffentlichkeit zu gestalten, spielt in Wirklichkeit denen in die Hände, die die Urheber (Künstler, Schriftsteller oder Journalisten) enteignen wollen, damit sie fortan mit dem frei verfügbaren, nicht mehr urheberrechtlich geschützten Werken ihr eigenes Eigentum (und ihren Besitz) vermehren können. Die Giganten der Software- und Internetbranche wird es freuen.

Zum Artikel „Mit vollen Segeln in die Vergangenheit“ von Michael Naumann

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Softwarepatente

Sehr geeherter Herr Naumann,

Algorithmen sind laut Europäischem Patentübereinkommen _nicht_ patentierbar. Ebensowenig Geschäftsideen. Hier unterscheidet sich Europa von den U.S.A. Das ist aber seit langem bekannt und auch für Journalisten leicht zu recherchieren! Lesen Sie bitte den Artikel 52 (http://www.epo.org/law-practice/legal-texts/html/epc/2010/d/ar52.html).

Achim Müller

  • Antworten
acepoint02.10.2011 | 13:03 Uhr

Sehr geehrter Herr Müller,

Sehr geehrter Herr Müller,

das ist doch ein scheinheiliger Eklektizismus! Es ist zwar in manchen Bereichen umstritten, ob Software patentierbar ist - aber wenn sie nicht patentiert werden kann, so ist sie zumindest urheberrechtlich geschützt... Bitte lassen Sie solche Fakten nicht einfach weg!

Henner

  • Antworten
Henner05.10.2011 | 12:00 Uhr

@Henner: Das kann man auch

@Henner: Das kann man auch Ihnen vorwerfen. Nach dem Motto: Eins wird doch passen ...

Es gibt hauptsächlich Patent-, Marken- und Urheberrecht. Dinge die letztendlich auch über ACTA-TRIPS geregelt/pervertiert werden sollen. Darum geht es in dieser Debatte.

a) Patente für Algorithmen sind schlecht für alle. Wer will schon das Mathematik patentiert wird? In Sprache kann man alles kompliziert klingen lassen, so das es patentiert wird, gerade bei Algorithmen.

Patente gelten eben nicht für Entdeckungen, mathematische Methoden oder ästhetische Formgebungen. Daher auch nicht für Programme, auch wenn viele Firmen dies natürlich wollen. Ist freie Software erst mal tot, gehört der Markt und die Vorgaben wieder ihnen.

b) Urheberrecht ist etwas anders als Patentrecht. Urheberrecht schützt ein "Werk" -- was immer das genau seien soll, aus Literatur, Kunst und Wissenschaft.
Die kann auch bei Software eingesetzt werden, allerdings dürfen dann auch anderen dieses Programm nachbauen -- ohne gegen das Urheberrecht zu verstoßen.

Beim Patentrecht wäre dies anders. Google vs Apple vs Facebook vs Intel vs Gähn.

  • Antworten
cike05.10.2011 | 13:12 Uhr

@cike

@cike

Sie verkennen leider die Schutzkonzeption des Geistigen Eigentums. Nicht die Idee wird geschützt, sondern deren Manifestierung. Deswegen sind mathematische Formeln und Algorithmen in der Regel weder durch das Patent- noch das Urheberrecht geschützt. Wohl aber deren Ausführung, sprich die Datei oder der Bauplan. Wenn Sie wissen wollen, was ein "Werk" ist empfiehlt sich übrigens immer ein Blick ins Gesetzbuch: § 2 Abs. 1 Nr. 1 UrhG versteht darunter ausdrücklich auch Computerprogramme.

Hintergrund des urheberrechtlichen Schutzes ist übrigens auch hier der Gedanke, dass Softwareprogrammierer kreative Leistungen erbringen, von denen sie auch leben können sollen. Ohne Schutz könnte deren Arbeit von jedermann kopiert werden und wären um den Lohn ihrer Mühen betrogen. Da ist es dem Programmierer letztendlich egal, ob seine Arbeit durch das Patent- oder das Urheberrecht oder von ihm aus wohl auch nach dem Geschmacksmusterrecht geschützt wird...

Bitte nehmen Sie auch einmal die Perspektive des Kreativen ein - die egoistische Forderung nach "freiem" bzw. kostenlosen Zugang schadet langfristig nicht nur den Innovatoren, sondern früher oder später auch uns!

  • Antworten
Henner Hentsch06.10.2011 | 09:40 Uhr

@Henner Hentsch: Ich gehe

@Henner Hentsch: Ich gehe davon aus, dass Sie mich nicht absichtlich missverstehen wollen. Ich sagte folgendes: Patentrecht für Software -- Nein. Das ein Urheberrecht für Software existiert habe ich gar nicht in Zweifel gezogen, ich finde nur den Begriff "Werk" sehr schwammig, genauso wie die "Schöpfungshöhe". Aber zu diesem Themen gibt es ja genug Literatur in jeder Universitätsbibliothek. Man muss aber damit nicht übereinstimmen.

Das Wort "Manifestation" finde ich noch schlimmer, ich halte ich für eine leere Hülse um etwas zu verteidigen, dass es nicht gibt. Es läuft immer wieder darauf hinaus: Kann man eine Idee schützen oder oder nicht? Ich sage nein, "Ideen" kann man nicht schützen.

Das bestehende Recht sieht dies anders. Aus verständlichen wirtschaftlichen Gründen. Aber nicht aus irgendwelchen sinnvoll "naturrechtlichen" ableitbaren Zusammenhängen -- auch nicht vom Eigentum.

Es ist positives Wirtschaftsrecht "geistige Monopolrecht zur Refinanzierung von Leuten die kreativ arbeiten" welches verändert und verbessert werden kann.

  • Antworten
cike07.10.2011 | 11:22 Uhr

Haben sie aus den Desaster Naumanns gar nichts gelernt?

@Henner Hentsch
Mit ihrem ersten Absatz werden sie vielleicht Personen von der Kompetenz eines Hr. Naumann blenden können, aber haben sie allen Ernstes angenommen, den Kommentatoren hier würde nicht auffallen, dass es sich dabei nur um durch Rabulistik verkleidete Inhaltsleere handelt?

Nein Hr. Hentsch, wären sie mit den elementaren Problemen von Softwarepatenten hinreichend vertraut, dann wüssten sie, dass Programmierern keineswegs egal ist, ob ihre „Werke“ durch Urheberrecht geschützt SIND oder sich Software patentieren ließe (siehe 1. Kommentar von mir). Bitte eigenen sie sich doch wenigstens ein Mindestmaß an Sachkompetenz an, bevor sie mit ihren unwahren Behauptungen bei Anderen wie Hr. Naumann zu weiteren falschen Haltungen beitragen. Ihre Einlassungen sind nicht nur inkorrekt, sondern konterkarieren sogar das Interesse der kreativen Programmierer!

Im Übrigen sei nochmals darauf hingewiesen, dass nicht einmal die PP die Abschaffung des Urheberrechts fordert und daher jegliche Darstellungen von „kein Schutz“ in Wahrheit gar nicht zur Debatte stehen. Sie kämpfen auf fiktiven Schauplätzen. Entweder sind sie Hr. Naumann auf den Leim gegangen oder befinden sich mit ihm auf gleicher „Kompetenzstufe“.

Selbst ihr letzter Absatz zeugt nur von ihrem Unwissen: http://de.wikipedia.org/wiki/Raubkopie#Statistik (letzter Absatz) und http://www.dingo.saar.de/Internet_Debakel/Artikel_internet-debakel.html

Resümee:
mit ihren Einwürfen haben sie den Kreativen einen Bärendienst erwiesen. Fälle wie ihre sind symptomatisch: behaupten, für die Interessen der Kreativen einzutreten, aber in Wahrheit nehmen sie in Folge mangelnder Sachkenntnis kontraproduktive Standpunkte ein. Oder sollte gar Absicht dahinter stecken?

  • Antworten
Logos07.10.2011 | 22:49 Uhr

Wie mans auch dreht und wendet: ihr Kommentar ist verfehlt!

@Henner,
augenscheinlich verkennen sie fundamental die Situation:

1)
Zumindest was die EU betrifft, ist die Entscheidung gegen eine Patentierbarkeit von Software gefallen - und zwar aus guten Gründen - oder sollten ihnen die diesbzgl. haarsträubenden Verwerfungen in den USA nicht bekannt sein? Zwar setzt sich das EuPA selbstherrlich über das Verbot von Softwarepatenten hinweg, aber darauf einzugehen würden den Rahmen sprengen. BTW: Sind sie überhaupt im Bilde, was den Zusammenhang von „Trivialpatenten“ und Software anbetrifft?

2)
[Bezogen auf ihren nächsten „Kommentar“:] Wem liegt denn TATSÄCHLICH etwas an Softwarepatenten? Überwiegend Großkonzernen! Nahezu allen kreativen Programmierern hingegen gereicht das zum Nachteil. Daher IST ein Verbot von Softwarepatenten im Sinne dieser Kreativen. Wussten sie das nicht oder haben sie das verschwiegen?

3)
Hr. Müller ist Kommentator, der eine der vielen de facto falschen Behauptungen Naumanns korrigierte. In der Sache hatte er absolut Recht. Hr Müller steht NICHT in der Pflicht, den Komplex des geistigen Eigentums umfassend darzustellen - in sofern ist ihre an seine Stelle gerichtete Aufforderung, nicht Fakten wegzulassen, dermaßen deplatziert, dass es jeder Beschreibung spottet!

4)
Hr. Naumann hat versucht, Aspekte des geistigen Eigentums mit Forderungen der Piratenpartei zu beleuchten. Es wäre die Sache Naumanns gewesen, die Unterschiede zwischen Patenten, Urheberrecht und Verwertungsrechten zu angemessener Darstellung zu führen. SPÄTESTENS dann, wenn er schon darauf hingewiesen wurde, dass Algorithmen entgegen seiner inkompetenten Behauptung nicht patentierbar sind. Warum also veranlasste sie, ihre Aufforderung an Hr. Müller zu richten und nicht Hr. Naumann? Sollte ihnen tatsächlich nicht bewusst sein, wer hier in der Pflicht steht?

Angesichts dieser Fakten ist ihr Vorwurf des „scheinheiligen Eklektizismus!“ nur ein Zeugnis unfreiwilliger Selbstbezüglichkeit. Bitte in Zukunft bei derartigen Äußerungen erst einmal einen tiefen Blick in den Spiegel werfen. Danke.

  • Antworten
Logos07.10.2011 | 21:33 Uhr

Herr Naumann,

Herr Naumann,

schön das sie jetzt Zeit hatten um einige Fakten zu recherchieren, aber leider in die falsche Richtung.

Denn leider strotzt ihr ursprünglicher Artikel trotzdem weiterhin vor Fehlinterpretationen und Uneinsichtigkeit, aber das muss er wohl wenn man Chefredakteur und in ihrem Alter ist.

Sie beweisen mit dem Artikel nur mal wieder eines - politisch motivierte Menschen wie Sie es sind, sind 'schuld' daran, das es eine Partei wie die Piraten überhaupt gibt (oder vielmehr die Ideen dahinter).

In diesem Sinne, denken und schreiben Sie weiterhin in ihren verrosteten Mustern und Kontexten. Es wird die politische Meinung vieler junger Menschen (die übrigens über die "alt-68er nicht mal mehr etwas im Geschichtsunterricht lernen) nicht beeinflussen.

Viele Grüße
Sven Fuchs

  • Antworten
Sven Fuchs02.10.2011 | 14:09 Uhr

Wie verquer muss man denken

Wie verquer muss man denken um Scheinargumente mit noch mehr Schein zu versehen oder aus der Ahnung von Nichtwissen wird immer mehr Gewissheit.
1) Sie verwechseln immer noch den allgemeinen Lösungsweg(Algorithmus) mit der konkreten Implementation. Das erstere ist/sollte nicht schützbar sein. Die z.Z. laufenden Patentkriege zeigen, das da nur ganz wenige gewinnen, aber fast alle verlieren. Überspitzt gesagt, versucht Apple gerade ein Urheberrecht auf ein abgerundetes Rechteck zu erlangen.
2) Das die Römer kein Urheberrecht kannten, sagt ja noch lange nicht, dass die Piraten die vollständige Abschaffung desselben fordern. Auch die Forderung nach Sklaverei, Folter, Todesstrafe ist aus Piratenkreisen nicht bekannt. Bisher kam aus der entgegengesetzten Ecke nur "Raubkopierer sind Verbrecher" mit durchaus drastischen Darstellungen. Ganz davon abgesehen, das diese Spotts durchaus als Folter empfunden werden. Unter anderem gehe ich deswegen nicht mehr ins Kino!
3) Die informationelle Selbstbestimmung ist ein Persönlichkeitsrecht und hat nur sehr eingeschränkt mit Eigentumsrecht zu tun. Bits und Bytes lassen sich eh schwer besitzen. Man sollte nur wissen wo seine personenbezogenen Informationen liegen und woher sie stammen(Auskunftsrecht) und man sollte wissen, wo man sie oder auch nicht liegen haben will(Zustimmung oder Verbot der Speicherung). Mit Urheberrecht hat die informationelle Selbstbestimmung gar nichts zu tun. Warum vermischen Sie das? FUD?
4) Da sind Sie Teil einer Kriegspartei(Verleger)! Verwertungsrechte mit Urheberrechten zu verquirlen, nutzt nur den Verlagen. Die Urheber werden quasi enteignet. Nochmal zum Mitmeiseln: Niemand hat die Absicht das Urheberrecht vollkommen abzuschaffen, es soll nur den gesellschaftlichen/technischen Gegebenheiten angepasst werden. Urheberrecht ist auch vom Patentrecht, Markenrecht, Nutzungsrecht, Eigentumsrecht u.a. Rechten deutlich zu trennen. Zum Verkaudern sind sie zu schade. Von der Verwurstungsseite(aka Verleger; egal ob Text, Musik oder Film) kommt/kam da leider, außer Jammern und FUD, nix bis gar nix. Zu den Giganten(M$, Guugle, Facekotz, Äpple, ...) sag ich nur soviel, Giganten kommen und gehen und Leute fresst Sch*ße, Millionen Fliegen können nicht irren.
Ihre Schlussfolgerungen in 4) sind auch irgendwie "eigen".
Fragen:
Wenn Guugle ihren Artikel als Suchergebnis auflistet, besitzt Guugle dann Ihren Artikel oder irgendwelche Rechte daran?
Bastelt der Cicero auch an einer Äppleäpp?

  • Antworten
Wolle02.10.2011 | 14:10 Uhr

Unsachliche Abweichungen

"Der Sachverhalt, dass die Römer kein Urheberrecht kannten, stimmt. Sie kannten allerdings die Sklaverei, die Todesstrafe und diverse andere Methoden, Recht zu sprechen, z.B. die Folter. Das moderne Urheberrecht hat, eine jüngere Geschichte, die jeder der Kommentatoren bei Wikipedia studieren kann."

Das unsachliche Ausweiche auf die Sklaverei zeugt erneut von mangelhaften Kulturwissen. In den USA hatten wir kulturelle Perioden, wo Urheberrecht, Sklaverei, Todesstrafe und Foltererlaubnis gleichzeitig galten. Die Sklaverei ist mittlerweile abgeschafft, Urheberrecht, Todesstrafe und Folter gibt es in den USA immer noch und wird dort als rechtmässig angesehen.

Bleibt man bei der Sache, zeigt sich, dass das Römische Recht zur Recht kein Urheberrecht hatte. Denn anders als bei einer beweglichen Sache kann man bei einer Idee kein Eigentum durchsetzen. In der Renaissance ist dann über diesen simplen Fakt hinweggesehen worden. Recht aber, das sich nicht durchsetzen lässt, ist kein Recht. Die Römer hatten ein klares Verständnis dafür, dass der Satz von Pythagoras nicht als Eigentum schützbar ist, also entsprechend gemeinfrei ist. Der neuzeitliche Versuch, Eigentumsrecht auf immaterielle Güter zu übertragen, ist gescheitert, wie zigtausende Mahnverfahren in Deutschland zeigen. Volkswirtschaften ohne hartes Urheberrecht sind derzeit wesentlich erfolgreicher. Warum soll eine Nation sich durch ein entartetes untaugliches Recht ohne Not das Wachstum drosseln, Armut fördern?
Urheber müssen anders vergütet werden als heute. Weil das bestehende Urheberrecht sich nicht durchsetzen lässt und eher zu einem Vermögensschaden für den Urheber führt als ein durchsetzbares Recht. Eine Kulturflatrate ist wesentlich einfacher als zehntausende von Massenklagen, die unsere Gerichte verstopfen und den Rechtsstaat behindern. Die Römer haben sich solchen Unsinn nicht aufgehalst.
Und schön wäre es, sachlich zu bleiben und nicht auf Sklaverei ablenken, was unsachlich ist, wie das Beispiel USA zeigt, die sich immer gerne am Römischen Reich orientieren bis hin zum Baustiel öffentlicher Gebäude. Eine gute Meinung kann man sich auch mit kulturellem Wissen bilden, man muss nicht darauf verzichten.

  • Antworten
Jan Dark02.10.2011 | 14:31 Uhr

Sehr geehrter Herr Dark,

Sehr geehrter Herr Dark,

das Wort "Plagiat" kommt übrigens aus dem latenischen (plagium) und bedeutet „Menschenraub“. Schon der römische Dichter Marcus Valerius Martialis hat damit den "Geistigen Diebstahl" bezeichnet.

Auch wenn es vielleicht keine förmlichen Gesetze gab, so wussten die Römer sehr wohl, was man tut und was man nicht tut (mos maiorum). Nur weil viele Leute nicht anständig waren, brauchte es solcher förmlicher Regeln.

Heute haben wir diese Regeln und mancher täte gut daran, zu überlegen, warum es ein Urheberrecht gibt: Damit es für Urheber einen Anreiz gibt, qualitativ hochwertige Werke zu schaffen!

  • Antworten
Henner05.10.2011 | 12:31 Uhr

Nicht immer nur leere Andeutungen, sondern endlich mal Belege!

Wie Hr. Naumann tun auch sie - zumindest implizit - so, also ginge es um die Abschaffung des Urheberrechts. Aber wer will das? Falls sie nun versucht sind, wieder nur eine Behauptung zu erwidern:
*Belege* sind gefragt!
Wollen wir wetten, dass es weder ihnen noch Hr. Naumann gelingen wird, einen solchen Beleg, dass die PP die Abschaffung fordert, beizubringen? Schlicht und ergreifend deswegen, weil das die Fakten nun mal nicht hergeben.

  • Antworten
Logos09.10.2011 | 01:23 Uhr

Fragwürdige "Argumentation!

Ich gehe mal der Reihe nach durch:

"Der Sachverhalt, dass die Römer kein Urheberrecht kannten, stimmt. Sie kannten allerdings die Sklaverei, die Todesstrafe und diverse andere Methoden, Recht zu sprechen, z.B. die Folter"

Die USA kennen sowohl die Todesstrafe als auch die Folter. Was sagt uns also dieser befremdliche Vergleich?

"Im "informationellen Selbstbestimmungsrecht" ist die Idee "beschlossen" (also mitzudenken), dass es ein Recht auf Eigentum gibt. "

Informationelle Selbstbestimmung heisst Garantie der Verfügungsbefugnis über eigene Daten. Wo kommt das Eigentum ins Spiel?

"Dieser Eigentumsbegriff umfasst ... geistige Hervorbringungen jeder Art."

Das Recht auf Achtung und Wahrung eigener geistiger Schöpfungen - mithin Urheberrecht - entstammt sicherlich nicht dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Wie kommen Sie auf diese abwegige Idee?

"Der Einwand, dass die Besitzer von Nutzungsrechten (wie zum Beispiel Verlage) die Besitzer von Urheberrechten angeblich übervorteilen"

Rechte besitzt man nicht, man hat die Verfügungsbefugnis darüber inne. Die falsch gewählte Begrifflichkeit ist leider letztlich nicht nur ungenau, sondern rundet das Gesamtbild juristischen Unwissens in dieser Sache nur ab.

Ich kann nur nahelegen, ein wenig Nachhilfe rund um das Urheberrecht zu nehmen.Solange mit Unwissen argumentiert wird, darf man sich nicht wundern, dass eine sachliche Argumentation nicht stattfindet - dabei ist der gewählte Ansatz, dass man das Urheberrecht zum Schutz der Schöpfer anerkennt, so falsch nicht. Auch wenn neben Microsoft & Co. die Allmacht der Verlage & Verwertungsgesellschaften überraschend ausgeblendet wird.

  • Antworten
Jens Ferner02.10.2011 | 15:38 Uhr

Herr Naumann hat recht.

Herr Naumann hat recht.

  • Antworten
Kai Müller02.10.2011 | 16:28 Uhr

@Kai Müller

Das ist in keiner Weise gehässig gemeint, aber... Die Tatsache, dass sie hier der einzige Pro-Naumann-Kommentator sind, in Verbindung mit der Dichte ihrer Argumentationskette erfordert keine weitere Interpretation.

  • Antworten
Stefan Majewsky02.10.2011 | 23:31 Uhr

Beweis durch Behauptung?

Und wenn nun 2 Andere einfach nur schreiben "Naumann hat Unrecht" - wer hat dann Recht? Wären da nicht zumindest so etwas wie Argumente zielführend? Die meisten Kommentatoren sind nicht ihrer Ansicht - im Gegenteil. Aber im Unterschied zu ihnen begründen sie das auch. Begründungen, die bislang unwiderlegt sind.
Ein Starkes Indiz, dass Naumann und sie im Unrecht sind.
Es sei denn, sie würden uns alle mit stichhaltigen Gegenargumenten überraschen. Nach ihrer Einlassung ist das aber eher nicht zu erwarten.

  • Antworten
Logos03.10.2011 | 18:51 Uhr

Geht es um Enteignung?!

Werter Herr Naumann,

ich sehe Sie gerne in Talkshows, von denen ich generell lieber nicht zu viele gucke. In denen wirken Sie auf mich sympathisch, wie jemand, der aufgeschlossen und humorvoll sein kann, wenn er diese "technischen Dinge auf seinem Schreibtisch" auch nur bedingt versteht.
Ihre Sorgen vor der Verschiebung von Eigentumsverhältnissen zugunsten manches Internetkonzerns kann ich nachvollziehen. Die habe ich auch. Jedoch steht diesem nicht nur für Kulturschaffende ungünstigen Szenario eine Internetkultur entgegen, die sich hoffentlich so entwickelt, das alle zu ihrem Recht kommen. Sie wissen, die Menschen ergreifen Initiative übers Internet, treten für ihre Interessen ein.

Wie kommen Sie darauf, dass die Piratenpartei enteignen will? Aus der bisher allgemein gehaltenen Piraten-Position zum Urheberrecht lese ich das nicht heraus. Sie lässt mehrere Interpretationen zu. In ihr geht es nach meiner Lesart um Ideen, woran Urheberrecht sich in Zukunft orientieren könnte, da das Internet freiheitlich wie technisch u. a. kostenfreie Verbreitung auch von Kulturgütern ermöglicht. Die Freiheit zugunsten von etablierten Konzernen zu beschneiden, kann doch aber nicht das Wahre sein!? Setzen die sich vorrangig für die Interessen von Künstlern ein?! Die Materie ist freilich komplex, birgt viel Diskussionsstoff.

Seien Sie und die Öffentlichkeit des Cicero gegrüßt

Veit Pakulla

  • Antworten
Veit02.10.2011 | 17:14 Uhr

Wer als Urheber der Meinung

Wer als Urheber der Meinung ist, er müsse seine Schöpfung für alle frei zugänglich machen, weil er kein Geld dafür haben will oder das für "zeitgemäß" hält, kann das bereits nach bestehender Rechtslage tun. Diese neue Partei propagiert jedoch - weniger aus Bösartigkeit denn aus Nerd-typischer politisch-wirtschaftlicher Naivität - eine faktische Enteignung der Urheber. Einmal ein Buch über eine "private" Börse ins Netz, und der Autor kann höchstens noch auf einige Spendengroschen hoffen. Die Piraten wollen etwas reformieren, das sie nicht verstehen.
Danke, Herr Naumann, dass Sie dieser künstlerfeindlichen Modeströmung widersprechen.

  • Antworten
leser02.10.2011 | 19:07 Uhr

Pardon, aber die

Pardon, aber die Darstellungen wie z.B. die Piraten wollten 'die Idee des geistigen Eigentums prinzipiell abschaffen' sind sachlich genauso falsch, wie in dem vorhergehenden Artikel und legen nahe, dass sich der Autor mit den aktuellen Partei- und Wahlprogrammen allerhoechstens sehr oberflaechlich befasst hat und stattdessen lieber nach wie vor seinen Feindbild-Vorurteilen froenen moechte.

  • Antworten
Piratin02.10.2011 | 20:26 Uhr

Überflüssige Parteien

Die Programatik zielt auf Aufhebung aller Urheberrechte.

Keiner hat vor der Wahl darauf hingewisen, dass das unrealistisch und sogar kriminell ist. Soweit zur Kompetenz der Wäjler und zur Tendenz "mehr Demokratie".

Der junge Wähler scheint nur nach Überschreitung von Grenzen zu suchen, die bis jetzt vernünftig gewesen waren.

Die Ausreden, die hier im Blog genannt werden, dienen nur der Verschleierung, dass diejenigen, die sich ein bischen auskennen, final eben doch auf den kostenlosen Bezug urheberrelevanen Materials zielen.

Damit offenbart sich auch eine gewisse elitäre Selbsvorstellung, nach den Motto "wir kennen uns aus. Die wissen gar nihct. Wir dürfen alles wiel die sowieso doof sind".

Es wirft ein Licht auf die Wirkung, die ein extensiver "PC-Konsum" auf Menschen hat, die damit nicht umgehen können.

  • Antworten
Karl Letis02.10.2011 | 20:31 Uhr

Glauben sie, Wiederholung von Unwahrheiten ersetzt Argumente?

@Letis
ihr Kommentar, der nun zum 2. Mal http://www.cicero.de/comment/15033#comment-15033 nur aus haltlosen Unterstellungen besteht, wirft ein nicht gerade positives Licht auf sie:
sind ihnen sachliche Argumente wesensfremd oder ist die Orientierung an Fakten einfach nicht mit ihrem schlichten Weltmodell in Einklang zu bringen?

  • Antworten
Logos03.10.2011 | 19:14 Uhr

Man kann es anscheind nicht

Man kann es anscheind nicht oft genug sagen,
und weil man die Wähler immer noch mit angeblich
kostenlosen Kopien den Mund wässrig macht.

Das ist unrealistisch!
International nicht durchzusetzen und auch auf keinen Fall wüschenswert

Die Piraten:
"Systeme, welche auf einer technischen Ebene die
Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern
(„Kopierschutz“, „DRM“, usw.), verknappen künstlich
deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut
ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von
künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen
erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir
diese Verfahren ab."

"Da sich die Kopierbarkeit von digital vorliegenden
Werken technisch nicht sinnvoll einschränken lässt
und die flächendeckende Durchsetzbarkeit von Verboten
im privaten Lebensbereich als gescheitert
betrachtet werden muss, sollten die Chancen der
allgemeinen Verfügbarkeit von Werken erkannt und
genutzt werden."

"Vorteile einer „patentfreien“ Situation
Welche Vorteile ergeben sich also aus einer Aufhebung des Patentschutzes (gegebenenfalls zwischen Vertragspartnern)?

Gemeinsame Verbesserung und Weiterentwicklung: Entwickelt das „nachahmende“ Unternehmen die Erfindung weiter und verbessert sie, so profitiert davon automatisch auch das Unternehmen das die Erfindung ursprünglich gemacht hat; durch das bereits vorhandene Know-How ist es für das erste Unternehmen viel einfacher die Verbesserungen zu übernehmen, als für das zweite Unternehmen, die ursprüngliche Erfindung zu kopieren"

Wenn man das durchziehen möchte,
steht irgendwann ein Flugzeugträger
mit Nuklearwaffen vor der Tür.
Und ich würde das auch so machen,
wenn man mir etwas wegnehmen möchte.

Wie kann man so einen Unsinn verbreiten
und den Leuten etwas vorgauckeln?

Es zeigt sich hier, dass man die Leute mit den einfachsten Sachen ködern kann und das man Demokratie version 2.0 vergessen kann. Man muss sich nur mal die Foreneinträge durchlesen, die in aller Welt gepostet werden.

Diese Form von Demokratie ist gescheitert.

Wir brauchen eine 15%-Hürde und ein Mehrheitswahlrecht sowie die Zusammenlegung von Bundes- und Landtagswahlen, Wahlperioden von sechs Jahren damit sich Regierungen trauen, ihr Konzept durchzusetzen und der Wähhler die Wirkung beurteilen kann.

  • Antworten
Karl Letis04.10.2011 | 13:35 Uhr

nun wird endlich ihr Verhalten klar ...

@ Karl Letis
Ihrer "Argumentation" - sofern man das überhaupt so nennen kann - ist schwer zu folgen. Aber amüsant sind Bonmots wie "Wenn man das durchziehen möchte, steht irgendwann ein Flugzeugträger mit Nuklearwaffen vor der Tür." und sie darauf unfreiwillig selbstbezüglich im übernächsten Satz bemerken "Wie kann man so einen Unsinn verbreiten und den Leuten etwas Vorgaukeln?"

Tatsache ist: Patente waren mal eingeführt worden, um Innovationen zu fördern. Tatsache ist aber, dass inzwischen Patente überwiegend das Gegenteil bewirken: Innovationshemmung par excellcence; insbesondere der Irrsinn der Softwarepatentstreitigkeiten in den USA demonstriert das auf besonders anschauliche und abschreckende Weise.

In sofern ist der Ansatz, dass aus einem Zurückschneiden des Patentwahnsinn auf ein sinnvolles Maß (bei Softwarepatenten bedeutet das: komplettes Verbot) eine positive Wirkung für die Gesamtwirtschaft resultieren würde, durchaus schlüssig.
Der verbreitete Unsinn liegt also in den "Flugzeugträgern mit Nuklearwaffen vor der Tür."

Tatsache ist weiterhin, dass sich die von ihnen bemühte Einfachheit vor allem in ihren schlichten Fehldeutungen, unlogischen Schlussfolgerungen und Falschbehauptungen zeigt.
Sie schreiben: "Diese Form von Demokratie [gemeint ist wohl "Demokratie version 2.0"] ist gescheitert. Aber in welchem Land wurde denn jemals Demokratie 2.0 einführt? Die Schweiz, die mit ihren Volksentscheiden dem noch am nächsten kommt, ist alles andere als gescheitert. Einmal mehr ergibt ihre haltlose Behauptung keinen Sinn bzw. steht im Widerspruch zur Realität.
In sofern wünsche ich ihnen ein gerüttelt Maß mehr Realitätssinn.

PS:
Danke für die in ihrem letzten Absatz zum Ausdruck gebrachte antidemokratische Haltung - damit weiß man endlich, woran man bei ihnen ist und auch ihre haltlosen Unterstellungen gegen die PP ergeben endlich Sinn: schließlich steht die PP mit der Forderung nach deutlich mehr Demokratie und Mitbestimmung ihrer Haltung diametral entgegen.

  • Antworten
Logos04.10.2011 | 21:27 Uhr

Umsonst

Ich glaube, die Piraten, die das Urheberrecht “anpassen” möchten, sind einfach nur Leute, die etwas, auf das sie ganz scharf sind (Lesestoffe, Musik) unbedingt umsonst kriegen wollen. Ich habe in den letzten zwei Jahren immer wieder mal geguckt, wie's um deren Haltung zu den Rechten von Urhebern bestellt ist und ich war (und bin) immer wieder erschüttert von den grotesken Verrenkungen, die da gemacht werden, um dieses Umsonsthabenwollen irgendwie ethisch & moralisch korrekt zu verpacken, damit’s nicht so scheiße aussieht. --- Wenn ein Autor sich z. B. fünf Tage lang von morgens bis abends ans Werk macht und arbeitet und dabei z. B. 500 Euro ausgibt, Technik-, Reise-, Telefonkosten oder weiß ich was, dann ist er doch auch der einzige, der bestimmen können soll, was mit seinem Produkt passiert, zumindest wenn noch ein kleines bisschen Rechtsverständnis existiert... Es ist schon ziemlich absurd zu erleben, wie lauter fremde Menschen darüber debattieren, ob ihm sein Eigentum (inklusive Zeit und Geld, die er aufwendete) nun gleich nicht mehr gehören sollen oder erst nach fünf Jahren...

  • Antworten
Juergen Stryjak02.10.2011 | 20:38 Uhr

Alternativlos!

Man wird vielleicht ein anderes System finden und mehr Leute werden sich beteiligen können. Da es dann nicht mehr verboten ist, kann man ja ruhig zu geben von wem was wie oft gelesen wird (Tantiemen), für Fach- und Orchideenthemen wird man anderen Lösungen suchen müssen.

Alles andere würde auf die totale Überwachung aller Kommunikation und das Verbot von bestimmter Hard-/Software (inkl. Überprüfung durch Hausdurchsuchung) hinauslaufen. Klingt albern? Klar, aber anders wird eine Durchsetzung des bisherigen Urheberrechts nicht möglich sein, wenn man sich einmal die Details überlegt.

  • Antworten
Karlo Lewis04.10.2011 | 10:55 Uhr

Wo bleibt das Konstruktive?

Schon beim ersten Artikel und seinen Kommentaren war ich über den Diskurs begeistert. Ernsthaft.

Die ursprüngliche Diskussion hat sich - salopp gesagt - einst aus dem Umstand ergeben, dass Leute, welche Metallica-Alben aus dem Netz gesaugt haben, gnadenlos verfolgt wurden. Wobei wir tatsächlich über hochbezahlte Gitarrenklimperer oder DSDS-Dumpfbacken reden, deren Profite unangemessen geschützt wurden. Damit Dieter B. bloß nicht 11,50€ verliert, wird jemand mit 600€ zur Kasse gebeten, der schon seinen Dispo mit ebensoviel überzogen hat (zu 17% Zinsen).
Nicht das Urheberrecht an sich ist das Problem, sondern die Verteilung der Mächteverhältnisse. Recht ist ab einer bestimmten sozialen Linie (da, wo das Wasser steht), nicht mehr verfügbar - und inzwischen leben womöglich 90% der Mitmenschen darunter.

Im vorausgehenden Artikel wurde etwas vom Widerstreit zwischen Aufklärungsabsicht und geistigen Eigentum erwähnt (und nur darum geht es ja). Wie löst man denn die Frage, ob Werke der Literatur, der Softwarearchitektur oder bildenden Künste z.B. der Allgemeinheit nur gegen Bezahlung anheim gegeben werden? Was ist die Auffassung der Piraten? Die der Konservativen ist ja aus dem status quo zu entnehmen.

P.S: Juristische Spitzfindigkeiten sollten wir rauslassen (z.B. um das klarzustellen: Ein Recht kann man sehr wohl innehaben. Verfügungsbefugnis ist ein sachenrechtliches Konstrukt des BGB) - denn wen juckt's?
- von einem Juristen

  • Antworten
Marco Siebert02.10.2011 | 22:33 Uhr

Wie bei Kauder. Je mehr die

Wie bei Kauder. Je mehr die Verteidiger überkommener kapitalistischer Ideen versuchen ihre Ideologie gegen die Befreiung der Bürger durch digitale Möglichkeiten abzusichern, desto mehr offenbaren die Naumanns, die Neumanns, die Kauders ihre Verachtung gegenüber dem Menschen. Weiter so.

  • Antworten
Jens Best02.10.2011 | 22:56 Uhr

Kapitaler Sozialismus

Komisch, wie sich hier alles mischt. Die einen sehen in einer Abschaffung des Copyrights endlich die Möglichkeit, die Kräfte des Marktes wirken zu lassen, andere finden es toll, das mit der Abschaffung desselben endlich ein Teil Kapitalismus abgeschafft wird. Was denn nun?
Mich würde mal interessieren, wie viele der Copyrightbekämpfer bereit sind, ihre eigene Arbeitsleistung dem Kollektiv frei haus anzubieten.
Und schon wird ein Schuh draus: Die Copyrightkritiker wollen den Kapitalismus nur teilweise abschaffen. Und zwar dort, wo er sie "benachteiligt". Also bei den Künstlern z.Bsp. Als normal Angestellter oder Unternehmer erwartet man aber natürlich bitteschön weiterhin Bezahlung nach den alten Kriterien Leistung=Geld.

  • Antworten
Toschu22.10.2011 | 16:31 Uhr

Antwort dem leser von einem Leser

"Einmal ein Buch über eine 'private' Börse ins Netz, und der Autor kann höchstens noch auf einige Spendengroschen hoffen."

Ein misstrauisches Menschenbild! Hoffentlich werden in einer weiterentwickelten Internetkultur Menschen für das zahlen, was ihnen etwas wert ist. Einige Leser vielbesuchter Blogs und von Onlineausgaben altgedienter Zeitungen machen das bereits.

Die Vorteile des Internets nutzen und gleichzeitig die Vorteile der großen Allofflinezeit behalten wollen, wird so wenig funktionieren, wie Rechte von Pflichten zu trennen!

  • Antworten
Veit03.10.2011 | 00:33 Uhr

Menschenbild

Misstrauisches Menschenbild?
Was arbeiten Sie? Würden Sie bei ihrer eigenen Arbeit auf die Spendenbereitschaft ihrer Kunden hoffen?
Besten Gruß

  • Antworten
Toschu22.10.2011 | 16:25 Uhr

"Ein misstrauisches

"Ein misstrauisches Menschenbild! Hoffentlich werden in einer weiterentwickelten Internetkultur Menschen für das zahlen, was ihnen etwas wert ist. Einige Leser vielbesuchter Blogs und von Onlineausgaben altgedienter Zeitungen machen das bereits."

Ein optimistisches Menschenbild, das hoffentlich nicht Schule macht.
In einer "weiterentwickelten" Kultur könnte es zur Gewohnheit werden, dass "Menschen für das zahlen, was ihnen etwas wert ist." Konsumenten bezahlen Waren nach ihrem Gutdünken und Arbeitgeber bezahlen Arbeitskräfte nach Gutsherrenart. "Einige Leser ... machen das Bereits", und andere nicht. "Hoffentlich" – und wenn sich Ihre Hoffnung als unbegründet erweisen sollte, haben die Urheber eben Pech gehabt. Wie wär's mit Rechtssicherheit statt Hoffnung?

  • Antworten
JF24.06.2012 | 09:34 Uhr

1837

Es müssen nicht immer die Römer sein. Auch im deutschsprachigen Raum existierte bis 1837 kein Urheberrecht. Jedoch war Deutschland in dieser Zeit zum "Land der Dichter und Denker" geworden. Es wurde ein Vielfaches an Büchern gedruckt als in England, wo seit 1710 ein Copyright existierte. Jedoch blieben Bücher dort ein absolutes Luxusgut und Autoren waren im Gegensatz zu Deutschland in der Regel schlecht bezahlt. Die Details kann man z.B. hier nachlesen:
http://www.heise.de/tp/artikel/33/33092/1.html

  • Antworten
gth03.10.2011 | 03:01 Uhr

Marktwirtschaft vs. orthodoxen Fundamentalismus

@gth
Danke für den telepolis-Link. Ich finde es hoch spannend, dass die empirische Analyse ergibt, dass freie Marktwirtschaft höhere Auflagen erzeugt und größere Verbreitung als durch Urheberrecht zerstörte Märkte. Es ist ja auch erstaunlich, dass die Erlöse der Abmahnanwälte nicht durch marktwirtschaftliche Tätigkeit sondern nur durch staatlichen Sozialismus mittels Beihilfe durch Staatsanwälte zu erzielen sind. Aber die Staatsanwälte haben mittlerweile keine Böcke mehr, als Hilfsbüttel zu agieren, wenn auf dem Markt keine Erlöse mehr zu erzielen sind, also die Grenzelastizität erreicht ist.

  • Antworten
Jan Dark04.10.2011 | 19:26 Uhr

1837 taugt nicht zum Vergleich

Der Artikel in dem Link ist zweifelsohne interessant. Daraus jedoch abzuleiten, dass eine Abschaffung des Urheberrechts einen ähnlichen Effekt auslösen würde, halte ich für Wunschdenken. Die dargestellten Verbreitungswege für Literatur im 19. Jahrhundert waren langsam und aufwändig. Genug Zeit also, für ein bestimmtes Buch einen gewissen Gewinn einzufahren, bevor irgendwer den billigeren Nachdruck anbietet.
Übertragen auf heutige Zeiten bedeutet das: Ein Buch erscheint und kann sofort unendlich oft kopiert und in sekundenschnelle durchs Netz geschickt werden. Die physische Notwendigkeit, ein Buch zu kaufen, existiert, anders als damals, nicht mehr. Aus diesem Grund würden auch die Marktmechanismen des 19. Jahrhunderts, die den Autoren ihr Einkommen sicherten, heute ins Leere laufen.
Es ist darum für mich erstaunlich, wenn aus dem Verlust der Notwendigkeit einer Realkopie viele hier im Forum anscheinend die Notwendigkeit einer geänderten Gesetzeslage ableiten. Nach dem Motto: Wenn man Steuerhinterziehung nicht verhindern kann, legalisieren wir sie halt.
Wenn man aber dafür sorgen will, dass Autoren entlohnt werden, ist ein Urheberrecht unerlässlich. Bis jetzt habe ich in diesem Forum zwar jede Menge verschraubter Rechtfertigungen für die Abschaffung eines Copyrights gelesen und ich habe verstanden, dass alle die was anderes fordern, angeblich vorgestrige Besitzstandswahrer sind, die die neuen Zeiten nicht sehen wollen - aber ein überzeugender Weg, wie Menschen für ihre geistige Arbeit entlohnt werden, war bei allen Argumentationen nicht dabei.
Für diejenigen in diesem Forum, die es vielleicht nicht wahrhaben wollen: Autor (oder sonstwie Musiker/Komponist usw) sein ist Arbeit, oft Fulltimejob, finanzielles Risiko, und ja, es mag belächelt werden, aber Autoren/Musiker/Künstler wollen, ganz altmodisch, für die erbrachte Leistung entlohnt werden.
Das es überteuerte Bücher und CDs gibt - bitteschön, die Kritik teile ich. Das Unistudenten mal von einem seltenen Fachbuch eine Privatkopie anfertigen, was solls.
Aber muss denn alles umsonst sein? Oder saubillig? Vieles, was ich hier lese klingt für mich nach einer intellektuellen Verbrämung des Geiz-ist-geil-Gedankens. Und sollte jemandem aus finanziellen Gründen die Teilhabe verwehrt sein, gibt es zum Glück Bibliotheken. Dort ist bereits, ziemlich gut, wie ich finde, geregelt, wie man fast umsonst Medien nutzen darf.

  • Antworten
Toschu22.10.2011 | 01:45 Uhr

Diskussionsversuch

"Wie löst man denn die Frage, ob Werke der Literatur, der Softwarearchitektur oder bildenden Künste z.B. der Allgemeinheit nur gegen Bezahlung anheim gegeben werden?"

Die Dinge entwickeln sich. Die Welt funktioniert nur teilweise philosophisch, sodass Fragen zu einer Entwicklung oft erst auftauchen, die bereits im Gange ist.
Offensichtlich läuft es eh darauf hinaus, dass es nicht wenige unterschiedliche Bezahlsysteme gibt, manche, die den Marktwert fordern, der sich ergibt, andere, die dem Konsumenten anheim stellen, nach dessen finanziellen Verhältnissen, nach dessen Fühlen und Denken z. B. ein Kulturgut per selbst bestimmtem Preis zu bewerten.
Ich will an das Gute im Menschen glauben, in diesem Fall daran, dass die große Mehrheit aller Menschen weder Künstlern noch denen, die mit ihnen in Symbiose leben, ein Auskommen vorenthalten will. Einen Wert wahrhaft einschätzen kann weder der Markt stets noch können es dessen Teilnehmer jedes Mal.
Eine Internetkultur mit bewusst handelnden Menschen ist das Anstrebenswerte! Nicht die Beschneidung der Freiheit durch Internetzensur (technische Sperren u. dgl.)!

Liest die Onlineausgabe des Cicero nicht vielleicht auch der eine oder andere, der es sich sonst nicht leisten könnte? Nicht alle Hartz-4-Empfänger sind dumm. Ich bin einer und halte mich nicht für dumm. Stellen Sie sich vor, die Leser aus der Mittelschicht und die wohlhabenden hätten womöglich gerne einen Spendenbutton, um für Ihre Online-Artikel zu zahlen! In einer weiterentwickelten Internetkultur könnte es so aussehen, dass viele diese Möglichkeit verinnerlicht haben und nutzen.
Was schreibe ich Ihnen hier umsonst. :)

  • Antworten
Veit03.10.2011 | 11:20 Uhr

Enteignet alle?

Als Urheber, der von seinen geistigen Schöpfungen lebt und leben muss, und als Urheber, der sich von seinen Verlagen sogar fair vertreten sieht, stehe ich meiner potentiellen Eteignung kritisch gegenüber. Das läßt sich mit einer Kulturflatrate auch nicht regeln. Wie hoch soll die sein? Dass die Römer noch kein Urheberrecht kannten, lag vielleicht daran, dass die Vervielfältigung von Werken eine aufwendige Arbeit war und in hohen Stückzahlen schwer möglich. Das Urheberrecht wurde mit der Möglichkeit der industriellen Vervielfältigung notwendig und eingeführt. Mit der Möglichkeit, Werke mit nur einem Tastendruck kopieren zu können, anstatt sie mühsam auf dem Fotokopierer oder in Echzeit auf Band vervielfältigen zu müssen, erfordert es erst Recht, die Lebengrundlage von schöpferisch Tätigen zu schützen.

  • Antworten
Andreas Schäfer03.10.2011 | 13:44 Uhr

Kritik

Sehr geehrter Herr Naumann,

ich habe Sie immer als einen sehr glühenden, aber sachlichen Verfechter der Kultur wahrgenommen, sowohl als Publizist als auch im Staatsdienst. Ja, ich habe Sie in Hamburg sogar gewählt. Und ich finde die Diskussion um den Urheberrechtsschutz in der heutigen Zeit wichtig und überfällig.
Leider haben Sie weder Sich noch der Diskussion mit diesem Kommentar einen Gefallen getan. Vor allem haben sie denen keinen Gefallen getan, die wie Sie die Schutzrechte der Künstler verteidigen. Dazu sind einfach zu viele faktische Fehler und Argumentationsschwächen in Ihrem Text. Im Vergleich dazu sehen die Positionen der Piratenpartei sehr durchdacht aus.

Ich habe noch einige Anmerkungen zu ihrem Kommentar Da der Text zu lange ist, kann ich nur auf meinen Blog verweisen: http://pi10.tumblr.com/post/10954079811/naumann-und-die-piraten. Ich gehe auf jeden einzelnen Ihrer Punkte ein.

Nur als kleiner Auszug, wie widersprüchlich ihre Position ist. Sie schreiben: “Recht des Bürgers [...], dass sein geistiges Eigentum immer noch Vorrang hat vor allen möglichen Ansprüchen der Allgemeinheit, dieses Eigentum nutzbringend zu verstaatlichen. ”. Im Grundgesetz steht aber glasklar: “Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. [...]”.

Ich würde mich aber freuen, wenn durch Ihren Kommentar eine öffentliche Diskussion ins Rollen kommt. Das Thema ist zu wichtig für unsere Gesellschaft um ein Nischendasein zu fristen.

Mit achtungsvollen Grüßen,
Sven Lucht

  • Antworten
Sven Lucht03.10.2011 | 14:37 Uhr

Mathematik

Schwacher Artikel, schwache Antwort. Einfach mal zugeben wenn man sich geirrt hat. Diese Antworten entlarven die leere hochtrabende Wichtigtuerei der von Interessengruppen vereinnahmten "Eliten". Danke dafür. Ansonsten einfach mal mit anderen Leuten, niederen Standes z. B. Wissenschaftlern reden. Diese kann beim Blick über den Tellerrand der Kulturindustrie helfen. Schauder. Das Geld wird schon reinkommen, keine Bange.

  • Antworten
cike03.10.2011 | 15:22 Uhr

Mit vollen Segeln zum 2. Mal Inkompetenz bewiesen

Zunächst meine Anerkennung für ihren Mut, zu der Kritik an ihrem verfehlten Artikel Stellung zu beziehen. Leider haben sie es aber - trotz der vielfach geäußerten Kritik hinsichtlich der Inkompetenz ihrer Behauptungen - offensichtlich versäumt, sich wenigstens jetzt einmal sachkundig zu machen.

zu 1)
Ihre erster Satz fällt direkt in folgende Kategorie:
Dinge widerlegen, die keiner behauptet hat - damit behalten sie zwar vordergründig Recht, haben aber in Wahrheit nichts nur Sache beigetragen. Das ist Politikerdrumherumgerede at its worst.

Nein, Software ist eben NICHT patentierbar. Vor einiger Zeit wurde die Ablehnung der Einführung von Softwarepatenten relativ breit in der Presse thematisiert - aber davon haben sie wohl nichts mitbekommen. Dann werden sie vermutlich auch nicht wissen, dass es bisher nicht gelungen ist, Softwaremethoden nachzuweisen, die nicht in die Kategorie „Trivialpatente“ fallen würden. Ist ihnen bewusst, welchen schädlichen Einfluss die Patentierbarkeit von Trivialitäten (oder dem Stand der Technik) auf die Gesamtwirtschaft hätte? Augenscheinlich nicht.

zu 2)
Hätten sie sich wirklich einmal zum Thema Urheberrecht und dessen [sich wandelnder] Gesetzgebung befasst, dann wäre ihnen bewusst, welche teilweisen grotesken Formen diese angenommen hat.
In wiefern allerdings ihre Bemerkung geeignet sein sollte, die an ihrer Behauptung geäußerten Kritik zu widerlegen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

zu 3)
Ihre Einlassungen zur „Informationellen Selbstbestimmung“
sind haarsträubend und knüpfen nahtlos genau an die Inkompetenz an, mit der sie schon in ihrem letzten „Artikel“ zu Recht negativ auffällig wurden. Sie haben sogar das seltene Kunststück fertig gebracht, die damalige Einlassung von Fr. Zypries zu diesem Thema an Peinlichkeit zu überbieten (http://netzpolitik.org/2007/neue-interpretation-fuer-die-informationelle-selbstbestimmung/). Sie hatten in Punkt 2 selber auf Wikipedia verwiesen - es dann aber offensichtlich versäumt, sich wenigstens dort einmal kundig zu machen, was Informationelle Selbstbestimmung denn nun wirklich bedeutet. Kleiner Tipp: im gesamten wiki-Artikel wird nicht einmal das Wort „Eigentum“ verwendet. Warum wohl?

zu 4)
ihre eindimensionale Verkürzung des Internets als Marktlatz zeigt, dass sie die Vielfältigkeit und Komplexität des Internets bestenfalls rudimentär erfasst haben - aber eigentlich nicht einmal dies.
Nachdem sie aber ihre haltlose Unterstellung, die PP wolle das Urheberrecht komplett abschaffen, nun erneut wiederholen: bitte belegen sie das ENDLICH anhand des Parteiprogramms! Wo steht das angeblich?
Ihre Behauptung, die Abschaffung des Urheberrechts würde „die Giganten der Software- und Internetbranche freuen“ ist an Realitätsverlust kaum zu überbieten: wie bringen sie ihre absurde These mit der Wirklichkeit in Einklang, dass nicht ein einziger „Gigant der Software- und Internetbranche“ die Abschaffung des Urheberrechts fordert?

Resümee:
Die Chance, sich endlich einmal Sachkompetenz zu den Themen anzueignen, über die sie glaubten, referieren zu können, haben sie augenscheinlich grandios vertan. Trotz vielfacher entsprechender Kritik an ihrem letzten Artikel scheint es so, als ob sie annahmen, (...) Sachkritik erwidern zu können. Diese Haltung war schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt.

Tatsächlich ist ihre Replik nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Kritikpunkt von meiner Seite http://www.cicero.de/comment/15016#comment-15016 zu widerlegen - geschweige denn, der Gesamtkritik angemessen zu begegnen.

Um Sachkritik zu widerlegen bedarf es mehr als nur Mut - ohne ein Mindestmaß an Sachkompetenz, welches sie weiterhin vermissen lassen, machen sie sich nur noch unglaubwürdiger um nicht zu sagen "lächerlicher". (...)
Jeder verdient eine 2. Chance - aber sie haben dabei genauso desaströs versagt, wie beim 1. Mal.

  • Antworten
Logos03.10.2011 | 18:34 Uhr

Nervös?

(...)

Zu 1. GERADE das Patentrecht ist ausdrücklich konzipiert, Erfinder zu bestehlen. Patente kann sich nur ein großer Konzern leisten. Diese stehlen die Ideen also von ihren Mitarbeitern und anderen, melden ein Patent an - und hier erklärt ein Journalist, dass das die Rechte der Erfinder schützt. Der gleiche Mann besitzt automatisch und unwiderruflich das recht an seinem Text OHNE dafür eine viertel Million hinblättern zu müssen. Patente muss man SEHR teuer und zeitintensiv anmelden oder jeder darf die Idee eines anderen verwerten. Wie das Schutz der Erfinder sein soll, muss der Autor mal bitte erklären.

2. Die Amerikaner foltern auch - muss das nun nach Ihrer Logik bedeuten, dass nichts das sie tun moralisch ist?

3. Vielleicht nochmal nachlesen, was die Piraten WIRKLICH wollen. Ich habs gemacht. Sie offensichtlich nicht. - ODER Sie machen hier einfach nur Stimmung gegen Piraten. Was Sie schreiben, hat jedenfalls nichts damit zu tun, was die Piraten fordern. SIE fordern den Schutz der Rechte der Paraiten. Die Piraten fordern den Schutz der Rechte der Leistungsträger und ihrer Kunden, zwischen die sich die Verwerter dazwischen geschaltet haben. Also wie mein alter Lateinlehrer mal sagte: erst kieken, dann quieken.

4. Wie genau sollte denn wohl bitte der Einwand, dass Verwerter die Schöpfer übervorteilen, die Schöpfer in die Pflicht stellen? Können Sie mir bitte erklären, welche Pflichten all die betrogenen "Schützlinge" von einem Dieter Bohlen NOCH haben, nachdem er auif dem Rücken ihrer Leistungen Millionär wurde?

Ich schlage vor, dass man eine Gesellschaft gründet, in der alle Künstler Mitglieder werden, die möchten. So eine Gesellschaft wird ausschließlich von den Künstlern selbst demokratisch geführt. Die Künstler stellen dem Volk ihre Arbeit zur Verfügung und erhalten dafür DIREKT einen Ausgleich von denen, die diese Leistungen nutzen.

  • Antworten
Mirage03.10.2011 | 18:44 Uhr

<em>"[...] the recent trend

<em>"[...] the recent trend
to patenting algorithms is of benefit only to a very small number of
attorneys and inventors, while it is seriously harmful to the vast majority of people who want to do useful things with computers. When I think of the computer programs I require daily to get my own work
done, I cannot help but realize that none of them would exist today if
software patents had been prevalent in the 1960s and 1970s. </em>
http://www.pluto.it/files/meeting1999/atti/no-patents/brevetti/docs/knuth_letter_en.html

My personal opinion is that algorithms are like mathematics, i.e. inherently non-patentable. It worries me that most patents are about simple ideas that I would expect my students to develop them as part of their homework. Sometimes there are exceptions, e.g. something as refined as the inner point method of linear programming, where one can really talk about a significant discovery. Yet for me that is still mathematics.

<em>I come from a mathematical culture where we don't charge money from people who use our theorems. There is the notion that mathematics is discovered rather than invented. If something was already there, how you patent it?</em>

http://eupat.ffii.org/gasnu/knuth/index.en.html

  • Antworten
cike04.10.2011 | 00:36 Uhr

Tablets und Hypes

1) Die Tablets werden kommen. Die deutschen Verlage mauern weiter, die deutschen "Kulturschreiber" schreiben weiter. Und die deutschen Nutzer? Werden kaufen - wenn der Preis stimmt. Der Hardwarepreis bei Amazon stimmt bereits.

Aber in D stimmt der Buchpreis schon lange nicht mehr. Was wird da wohl passieren, Dr. Naumann?

2) Der ganze "digitale Markt" und die Apple-Shops sind ein leerer Hype. Die unterliegende Software ist größtenteils Müll. Nur hat es noch keiner gewagt es laut zu sagen - Börsenkurse. Es ist ein Spielzeug für eine gefühlte, zu junge Elite, die es noch bezahlen kann. Dabei macht eigentlich niemand groß Geld mit den "Apps" -- die Apps, die Geld abwerfen, verkaufen "bekannte" Leistungen: Die Bahnfahrt, die Mietwagennutzung, ein paar MP3s. Der Massenmarkt und auch die Kultur sieht doch anders aus. Echte Bildung und Kommunikation für Kinder übrigens auch. Was sagt die SPD dazu, Dr. Naumann? Und was sind dann eigentlich noch Verlage? Reichen Amazon und Apple dann nicht?

3) Was wird aus den Bibliotheken, Dr. Naumann? Zugangskontrollen für jedes Buch?

4) Man kann es beliebig fortführen.

  • Antworten
Daniel Gerberding04.10.2011 | 17:11 Uhr

Nachtrag zum Nachtrag

Je tiefer man in die Einlassungen Naumanns abtaucht, desto mehr sachliche Fehler und Unlogik eröffnen sich.
Als "Begründung für den Rückgang der Verkaufszahlen von Musik meint Hr Naumann: "Illegal oder legal auf Laptop oder PC herunter geladen, verbreitet sich das Kunstwerk kostenlos zum wirtschaftlichen Nachteil des Künstlers in aller Welt".
Dies ist praktisch in jeder nur denkbaren Hinsicht falsch:

Szenario 1 - Illegaler Download:
Studien der Contentindustrie haben sogar aufgezeigt, dass Filesharer zu den besten Kunden von legalen kostenpflichtigen Musikdownloaddiensten zählen. Mit anderen Worten: die Wahrheit liegt im Gegenteil dessen, was Hr. Naumann dem Leser weiszumachen versucht!

Szenario 2 Legaler Download + paid content:
Offensichtlich weiß Hr. Naumann nicht, dass der Großteil der legalen kostenpflichtigen Musikangebote per DRM gegen Weiterverbreitung geschützt sind.
In wiefern nun ein kostenpflichtiger Download zum wirtschaftlichen Nachteil des Künstlers gereichen soll, wo es sich "Dank" DRM gar nicht kostenlos in aller Welt verbreiten kann, erschließt sich wohl nur Hr. Naumann.

Szenario 3 Legaler Download + CC:
Wenn der Künstler sein Stück kostenlos anbietet, dann ist es in seinem Interesse, dass es sich in aller Welt verbreitet - und gereicht im Wahrheit zum Vorteil.

Augenscheinlich hat Hr. Naumann infolge mangelhaften Wissens einmal mehr Dinge unzulässig miteinander vermengt bzw. falsch dargestellt.
Was wirklich dem Künstler zum Nachteil gereicht sind die Knebelverträge der Verwertungsgesellschaften und sog. "Rechteinhaber", so daß der Künstler viel zu wenig am Gewinn seiner Kreativität partizipieren kann.

In sofern muss ich mein früheres Resümee, in dem ich Hr Naumann bescheinigte, dass kein einziger Absatz ohne Fehler ist, in gewisser Weise revidieren:
Teilweise ist nicht jeder Absatz, sondern jeder Satz mit schweren sachlichen Mängeln behaftet.
Das wiederholte Bemühen der Phrase vom "Rückfall in eine rechtsfreie Epoche" erinnert an das unqualifizierte Gefasel vom angeblichen "rechtsfreien Raum" im Internet.
Eine ganze Juristenbranche, die Legionen von Abmahnanwälten betreibt, verweisen beide Behauptungen in den Bereich der Märchen und Sagen.
Tatsache ist, dass das Internet nie ein rechtsfreier Raum war, noch ist und auch nicht sein wird - selbst dann nicht, wenn alle Forderungen der PP umgesetzt würden.
Interessant wäre, wie Hr. Naumann gedenkt, seine Behauptung, wir würden diesen Rückfall in eine rechtsfreie Epoche ERLEBEN, mit Fakten untermauern würde:
Kann er das Gesetz oder den Paragraphen benennen, in dem das Internet von der Rechtsprechung ausgenommen ist und nicht den allgemein gültigen Gesetzen unterliegt?
Sollte Hr Naumann ernsthaft versuchen, diesen Beleg beizubringen, will ihm evtl. ein Licht aufgehen, wie wenig seine Behauptung der Wahrheit entspricht.

Letztendlich kann ich als Pirat ihnen, Hr. Naumann, nur dankbar sein - eindrücklicher als sie hätte man kaum demonstrieren können, wie wichtig die Piratenpartei als Gegenpool zur geballten Inkompetenz in Belangen des geistigen Eigentums, Internets und Bürgerrechten ist.
In Fällen wie ihrem ist das noch relativ harmlos, solange die Möglichkeit der Korrektur durch Kommentare besteht.
Richtig schädlich für die Gesellschaft wird es aber, wenn Personen ähnlicher Inkompetenz in unserer Gesetzgebung rumfuhrwerken - Stichworte: Kauderstrike und Kaudergate

  • Antworten
Logos04.10.2011 | 21:45 Uhr

Intellektueller Materialismus

Geist als Eigentum zu betrachten bringen nur geistig Unbeteiligte zustande. Aber es gibt immer wieder Treppenwitze in der Geistesgeschichte. Der intellektuelle Materialismus, der tatsächlich glaubt, sich über die Gesetzmäßigkeiten der Natur (Informationsverteilung über Botenstoffe, Sprachen etc. als grundlegender Mechanismus allen Lebens) hinwegsetzen zu können, kann nur menschlicher Einfalt entspringen.

Allzu gerne werden die vermeintlichen Verluste der armen Werkschaffenden angeführt - ein recht durchsichtiges Feigenblatt für eine überflüssig gewordene Content-Industrie, die sich als parasitärer Mittelsmann an Produzenten und Konsumenten über Gebühr bereichert.

  • Antworten
FWN05.10.2011 | 14:20 Uhr

Herr Nauman ist ein Trotzkopf

Der Herr Naumann hat es immer noch nicht verstanden, und glaubt immer noch Software oder Algorithmen wären so etwas wie Kunst, wo ein einsames Genie im stillen Kämmerchen ein Werk anfertigt.

Wenn man Algorithmen patentieren soll, dann soll man auch so konsequent sein und Formeln patentieren. Wie wäre es mit den Formeln der Finanzmathematik ? Das wäre doch ein prima Geschäft für Patentanwälte, wenn sie jedesmal wenn die Formel angewendet wird, eine Bank verklagen könnten.

Herr Naumann versteht nicht, wie fatal es ist, wenn ein Internetkonzern in die Lage versetzt werden würde, über Jahre hinweg Monopolgewinne einzustreichen. Anders als in der old economy entscheiden die ersten Jahre über eine marktbeherrschende Stellung, danach kann man kaum mehr einen Markt mit vollständigen Wettbewerb erzeugen. Warum ist Google und eBay so allmächtig geworden, obwohl andere Firmen ähnliche Algorithmen dahinter habe ? Sie waren die Pioniere. Für den Erfolg einer Internetfirma kommt es nicht darauf an, ihre Algortihmen geheim zu halten, sondern wie schnell sie den Markt durchdringen kann.

Des weiteren gibt es Funktionsbibliotheken. Soll eine Internetfirma jedesmal, wenn ihre Software einen Funktionsaufruf an eine Funktion aus der Bibliothek vornimmt, ein Nutzungsentgelt an den ursprünglichen Programmierer zahlen.

Häufig exisitiert nach Abschluss eines Projektes das Programmierteam und die Firma nicht mehr. Was macht man ?

  • Antworten
Immigrant07.10.2011 | 19:44 Uhr

Naumanns Traum

Der Naumann Traum

Hier erzählt jemand von WIPO es wäre doch netter gewesen, hätte man das Netz patentiert ...

http://www.pressclub.ch/audiovideo/20110630_WIPO_INSEAD/PanelDiscussion.flv

"Intellectual property is a very flexible instrument. So, for example, had the world wide web been able to be patented, and I think that is a question in itself, perhaps the amount of investment that has gone into or would be able to go into basic science would be different. If you had found a very flexible licensing model, in which the burden for the innovation of the world wide web had been shared across the whole user community in a very fair and reasonable manner, with a modest contribution for everyone for this wonderful innovation, it would have enabled enormous investment in turn in further basic research. And that is the sort of flexibility that is built into the intellectual property system. It is not a rigid system."

http://boingboing.net/2011/10/08/wipo-boss-the-web-would-have-been-better-if-it-was-patented-and-its-users-had-to-pay-license-fees.html

Man kann sehr froh sein, dass es nicht so kam.

  • Antworten
cike09.10.2011 | 20:28 Uhr

unsinnige theoretische Diskussion

In der Gesellschaft haben Kulturgüter einen Preis. Diese werden auch von jedem anstandslos gezahlt und anerkannt, abseits der Frage ob dieser Preis angemessen ist.
Daher kann es keinen Unterschied machen, ob ich mir eine Jacke kaufe oder eine CD, dessen Wert in ihrem Inhalt und nicht im Material besteht. Nur, weil die Möglichkeit besteht, den Inhalt der CD zu vervielfältigen, kann dies nicht rechtens sein. Möchte ich die gleiche Jacke ein weiteres Mal haben, muss ich eben noch eine kaufen.

Auch scheint die "Reformidee" der Piraten, ähnlich der Partei an sich, noch in den Kinderschuhen zu stecken und erfasst die Komplexität des Urheberrechts und seine Auswirkungen nicht im Geringsten.

  • Antworten
Joe10.04.2012 | 10:51 Uhr

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