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 > Mit vollen Segeln in die Vergangenheit

Berliner Republik
Piraten und Urheberrecht

Mit vollen Segeln in die Vergangenheit

von 
Michael Naumann
30. September 2011

Liberalisierung des Urheberrechts haben sich die Piraten auf ihre Fahnen geschrieben. Was so niedlich klingt, ist ein Rückfall in eine rechtsfreie Epoche, bei dem der Schutz des Künstlers in den Hintergrund rückt. Es ist ein Rückschritt in die Zeit der 68er – dem Credo folgend: „Eigentum ist Diebstahl“.

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Im Kölner Landgericht steht eine reizende Kunstfälscher-Bande um den offenkundig genialen Max Ernst- und Campendonk-Imitator Wolfgang Beltracchi vor ihren Richtern. Dem ehemaligen Gebrauchsmaler, der mit seinen nachempfundenen Werken Millionen verdiente (wie auch die düpierten Experten und Galeristen), droht eine Strafe  von sechs Jahren Gefängnishaft. Er ist ein geschickter und geständiger Betrüger. Aber was hat er eigentlich getan – abgesehen von der Vorspiegelung falscher Tatsachen, um Geld zu verdienen? Im Prinzip vor allem dies: Er hat das geistige Eigentum der berühmten Künstler gestohlen – ihren malerischen Gestus, ihre Farbgebung, ihre ästhetische Handschrift, ihren Stil. Hätte er die Bilder für sich behalten, wäre als einer von vielen Epigonen in die ungeschriebene Kunstgeschichte der Hobbykünstler eingegangen – ein Privat-Pirat, mehr nicht.

Was uns zum Thema bringt: Die so jugendlich auftretende Piratenpartei vertritt die Auffassung, dass so altmodische Gesetze wie das Urheberrecht (und das zugehörige Nutzungsrecht zum Beispiel von Verlagen) in der schönen neuen Welt des Internets nichts zu suchen haben. Ihr Rechtsverständnis spiegelt die Realität des Internets wider. Wer, um ein Beispiel zu nennen, vor vierzig Jahren auf Platz eins der amerikanischen Bestseller-Liste für eine Bach- oder Beethoven-Einspielung stand, konnte mit Verkäufen in der Höhe von bis zu einer Millionen Schallplatten rechnen. Heute reicht es allemal für 10.000 verkaufte CDs. Die Differenz ist schnell benannt: Illegal oder legal auf Laptop oder PC herunter geladen, verbreitet sich das Kunstwerk kostenlos zum wirtschaftlichen Nachteil des Künstlers in aller Welt. Er mag zwanzig Jahre seines Lebens geübt haben, um das hohe Niveau seines Klavier- oder Geigenspiels zu erreichen. Gestohlen wird ihm nicht nur sein Einkommen, sondern seine Lebenszeit.

Nicht viel anders sieht es in der Bücherwelt aus. Wie viele der Hunderttausende Bücher, die  auf den Ipads, den Kindles und anderer Tablets angeboten werden, urheber- und nutzungsrechtlich geschützt sind, ist kaum noch abzuschätzen. Es dürften Zehntausende sein. Wir erleben einen Rückfall in eine rechtsfreie Epoche, in der geistiges Eigentum der Vorstellung unterliegt, die Verbreitung von Kunstwerken ohne Rücksicht auf die materiellen Interessen ihrer Urheber diene einem höheren Ziel – der Aufklärung, der Verbreitung von Wissen und Kultur. Doch zu unserem Kulturbegriff gehören seit mehr als einhundert Jahren Recht und Gesetzlichkeit zum Schutz der Künstler.  

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Algorithmen

"Dabei sollten doch gerade die Polit-Piraten vor ihren Laptops eines ganz besonders schnell begriffen haben: Die Algorithmen hinter den Software-Programmen ihrer Geräte sind das Eigentum ihrer Entwickler, und sie verteidigen es mit allen Mitteln, die das Urheberrecht zur Verfügung stellt."

Fein das der Author Ahnung von seinem Thema hat.
Die Algorithmen sind eben _nicht_ Eigentum des Entwicklers, dieser hat max. ein Verwertungsrecht auf die konkrete Implementierung.

Beispiel: Wenn ich ein Verfahren implementiere um die schriftliche Multiplikation abzubilden werde ich dadurch noch lange nicht zum "Eigentümer" des zugehörigen Algorithmus, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Softwarepatent#Europa

  • Antworten
Hermes4230.09.2011 | 16:29 Uhr

Macht ruhig wie ihr woll.

Was wir Piraten vor allem fordern, ist eine Vereinfachung des Urheberrechts im Sinne der Nutzer und Urheber - http://web.piratenpartei.de/navigation/politik/urheberrecht-und-nicht-kommerzielle-vervielfaeltigung - sowie die Entkriminalisierung von privatem Filesharing. Des Tauschen von Kulturgütern in digitaler Form ist eben KEIN Diebstahl, im Gegenteil: aus n Kopien werden n+m Kopien. Ob dieses Verhalten (dass de facto mit zunehmender Digitalisierung von Kulturgütern immer einfacher, billiger und schneller werden wird) der Grund für ausbleibende Einnahmen bei den Urhebern verursacht... Tja, diese Hypothese der Rechteverwertungsindustrie wartet noch auf solide Beweise.

Die Rechteverwerter haben zum großen Teil die Möglichkeiten der neuen Medien verpennt, und statt die Vorteile zu nutzen, die auch ihnen offen stehen (für den Kunden bequeme, schnelle Onlinekäufe von digitalen Kulturgüter), kapern Sie den Gesetzgebungsprozess und schießen essentielle Bürgerrechte (insb. das Fernmeldegeheimnis) sturmreif. Aus dem niederen Motiv (und letztendlich auch absehbar erfolglosem Versuch), ein veraltetes Geschäftsmodell künstlich am Leben (manche würden "untot" dazu sagen) zu erhalten.

Die aktuelle Posse um Urheberrechtsverschärfung - losgetreten von Sigfried Kauder: http://netzpolitik.org/2011/doppelmoral-siegfried-kauder-und-das-urheberrecht/ - zeigt mir vor allem, dass sich die CDU lieber in Doppelmoral suhlt und auf die Bürgerrechte pfeift, als über die Auswirkungen ihrer Amok-Gesetzgebung zu reflektieren. Vielleicht ist sie dazu ob der kräftigen Lobbyeinflüsterungen ja gar nicht mehr in der Lage.

Und die verehrten Verleger und Mittelsleute zwischen Urhebern und Konsumenten: Entweder ihr kommt mit in die Zukunft, oder ihr bleibt halt hier. Wär' schade drum, viele "alte" Medien erfüllen wichtige Funktionen. Aber macht euch keine Illusionen, dass sich nicht neue Erfüller derselben herausbilden werden, die vernünftiger mit Urhebern und Nutzern umgehen.

  • Antworten
Googlie30.09.2011 | 16:37 Uhr

@Googlie:

@Googlie:

Ich stimme Ihnen vollkommen zu.

Fakten sind:

- es gibt keinen belegten Zusammenhang zwischen (illegalen) Downloads und sinkenden Verkaufszahlen.

- Eine aktuelle Studie weist darauf hin, dass Konsumenten die sich Inhalte häufig illegal beschaffen auch mehr in den Konsum legaler Inhalte investieren.

- Die Medienunternehmen haben es viele Jahre versäumt zeitgemäße Vertriebswege zu schaffen.

- Die Piraten setzen sich eben NICHT für für ein Internet ohne Regeln und Gesetze ein. Sie fordern auch NICHT alle Inhalte kostenlos kopieren zu dürfen.

  • Antworten
Felix F.30.09.2011 | 22:44 Uhr

Kein Bezug zu den tatsächlichen Forderungen

Lieber Herr Naumann,

Schade, dass sie das Wahlprogramm scheinbar nicht gelesen haben. An keiner Stelle findet man dort "Urheberrecht abschaffen". Stets geht es um Reformieren, Umdenken und Anpassen. Ganz abgesehen davon, dass dort vor allem von Privatkonsumenten und nicht-kommerziellen Kopien die Rede ist. Ihr Beispiel des Kunstfälschers Beltracchi nenne ich daher konstruiert. Gerade als Chefredakteur sollten Sie wissen, dass das Recht des Urhebers heutzutage nicht mehr gewürdigt wird. Das mag bei Cicero noch anders sein als bei zahlreichen Tageszeitungen und anderen Redaktionen, ändert aber am Grundproblem nichts. Besonders gravierend wird dieses, wenn man sich in den Musiksektor bewegt. Hier sehen viele Künstler (und Piraten) das Problem allgemein eher bei der Musikindustrie als beim "Verbraucher", und in Deutschland speziell bei den "Verwertungsgesellschaften". Da ist es wieder, dieses böse Wort. Man muss in Deutschland lange suchen, um private Gesellschaften mit öffentlichem Auftrag zu finden, die noch kaputter sind als die GEMA und die GEZ. Einige Fälle sind bekannt geworden, in denen Künstler doppelt so viel eingezahlt haben dort, als sie herausbekommen haben und das als Urheber. Und das letzte Mal, als ich geschaut habe, wurden noch Goldene und Platinplatten verliehen, von 10.000 verkauften CDs an der Spitze der Charts kann also keine Rede sein, zumindest in der Popmusik. Was Klassik angeht ... nunja, ich befürchte, die Zeit ist ein bisschen vorangeschritten und ohnehin halte ich die Einteilung und Ungleichbehandlung, was "populäre" und "klassische" Musik angeht, für unangemessen und anachronistisch.
Auch wenn man die Preise vergleicht, die beispielsweise vor und nach der Euro-Einführung für CDs verlangt wurden, kommt man schnell auf den gleichen, auch wenn die Währung nun eine andere ist. Dass sich der Kunde/Konsument da -gelinde gesagt- veralbert fühlt, ist nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite stehen offizielle Download-Plattformen Zeuge für einen ungebrochenen Bedarf an Musik zu vernünftigen Preisen, also wo bitte ist ihr Argument?

Gesetze sollen sich an der Gesellschaft ausrichten, nicht an Wohl und Wehe weniger Firmen. Und schon gar nicht solcher, die nachweislich ihre Künstler ausrauben (mit CDs verdient man heutzutage gar nichts mehr, da muss man schon auf Tour gehen. Und das Geld dort klaut einem die GEMA ...). Was schlecht daran ist, anachronistische und unethische Gesetze zu reformieren, darüber würde ich gerne mehr Diskussionen sehen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ronald Becher

  • Antworten
Ronald Becher30.09.2011 | 16:42 Uhr

In jedem Satz ein Fehler,

In jedem Satz ein Fehler, Herr Naumann, wo soll man da nur anfangen? Cicero lese ich ja bisweilen gerne, da es immer neue Gedankengänge und denk-provozierende Artikel. Ihr Artikel ist aber nichts weiter als fad. Eine Antwort wäre er eigentlich nicht wert, um aber nicht unhöflich zu sein, gehen wir ihn mal gemeinsam, Schritt für Schritt durch, damit sie auch ihr Wissen auffrischen können.

"Kunstfälschung ist Urheberrechtsverletzung". Nein das ist ein juristischer Irrtum den sie begehen. Zwar könnte es sein, dass man eine unauthorisierte *Kopie* eines Werkes anfertigt, dies liegt im beschriebenen Fall aber nicht vor. Vielmehr handelt es sich um einfachen Betrug, der auch bei einem "Piratenurheberrecht" geahndet werden würde (durch das BGB, nicht dem Urheberrecht).

"Internet ist verantwortlich für Verkaufsausfälle". Abgesehen davon dass ihre Rechnung unheimlich milchmädchenhaft ist, wird sie auch von praktisch allen wissenschaftlichen Studien widerlegt – mit Ausnahme derer, die von der Medienindustrie finanziert werden. Und wo kämen wir denn hin wenn wir Lobbyisten unsere Gesetze schreiben lassen oder ihnen gleich (wie etwa beim Presseleistungsschutzrecht) Subventionen zukommen lassen? Mit dem von ihnen gepriesenem "Eigentum" hat das wenig zu tun.

"rechtsfreie Epoche": Dies entblößt sich als einfacher rhetorischer Trick. Mitnichten wollen die Piraten die Uhr zurückdrehen (oder auch nur anhalten, wie sie das offenbar wünschen), sondern treten umfassend für Bürgerrechte gerade (aber nicht nur) im Netz auf. Dass ihr geliebtes "geistige Eigentum" nicht darunter ist, unterscheidet eben die Pseudoliberalen, die nur Eigentumsrechte kennen und echte, welche eben alle Freiheitsrechte schützen wollen.

"geistiges Eigentum": Dass sie diesen Kampfbegriff der Musikindustrie verwenden wirft kein gutes Licht auf ihre journalistische Unabhängigkeit. Eigentum ist natürlich nie geistig sondern wenn überhaupt immateriell. Auch im Urheberrechtsgesetz kommt dieser Begriff nicht vor. Urheberrechte sind eben gerade *keine* veräußerliche Eigentumsrechte, sondern unveräußerliche Urheberrechte.

"Urheberrecht wirkt zugunsten der Künstler". Das ist eine Fehlauffassung. Je nach Werkform verdienen die Zwischenhändler bis zu 60mal mehr als die eigentlichen Urheber. Auch bei Büchern geht der größere Batzen nicht an die Künstler, sondern an Medienkonzerne und Vertrieb. Alternative Modelle wie Kulturflatrate könnten eine weitaus effizientere und auch für die Urheber bessere Kulturproduktiob sicherstellen.

künstlerisches Schaffen soll dem Profitstreben untergeordnet werden und nicht "der Aufklärung, der Verbreitung von Wissen und Kultur". Dies ist tatsächlich eine sehr merkwürdige Ansicht, die ich von einem Mitglied der sozialdemokratischen Partei am wenigsten erwartet hätte. Sind sie also auch der Ansicht Arbeiterrechte sollen dem Profitstreben untergeordnet werden? Und sind Aufklärung, Verbreitung von Wissen und Kultur nicht sehr noble Ziele, für die es sich lohnt schöpferisch tätig zu sein?

"Eigentum ist Diebstahl". Dieses Zitat stammt nicht von den 68ern, sondern von Proudhun, einem französischen Anarchisten. Die Piraten verwenden es nicht, denn wie sie wissen, ist Urheberrecht natürlich etwas anderes als das Eigentumsrecht.

"Algorithmen sind vom Urheberrecht geschützt" Das ist einfach falsch, denn das Urheberrecht umfasst nur konkrete Werke, keine abstrakten Ideen. Um Algorithmen zu schützen bräuchte man Softwarepatente - diese gibt es in Deutschland, auch zum wohl des deutschen IT-Standortes zum Glück noch nicht. Dennoch ist Quellcode von Programmen geschützt. Wie die Piraten hier mit ihren Urheberrechten umgehen können sie beispielhaft an der von ihnen programmierten Software "Liquid Feedback" sehen: Jeder darf diese Software modifizieren, im Quellcode lesen und verbessern. Anstatt das Urheberrecht zu nutzen versuchen die Piraten sich vielmehr vor den juristischen Fallen *durch* das Urheberrecht zu schützen, mit sogenannten freien Lizenzen. Den Erfolg dieser Open Source-Bewegung können sie an tausenden Programmen weltweit sehen, von denen sie wahrscheinlich auch einige nutzen ohne es zu wissen.

"informationelle Selbstbestimmung heißt geistiges Eigentum". Wenn sie zurückgehen zum Bundesverfassungsgerichtsurteil, werden sie keinen solchen Schluss finden. Die Verfassungsrichter sind üblicherweise sehr präzise in ihren Formulierungen. Einen weiteren Kommentar spare ich mir hier, vermutlich wissen sie selbst, dass sie hier die Unwahrheit sagen.

Alles in Allem tun sie hier der Fraktion der Urhebervertreter keinen Gefallen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Die Piraten wird es trotzdem weiterhin geben, was man von den großen Medienkonzernen nicht so einfach sagen kann.

  • Antworten
Stefan30.09.2011 | 18:06 Uhr

Mangelhaftes Kulturwissen schadet

Schade, dass der Herr Naumann sich so wenig in der abendländischen Kultur auskennt. Das Römische Recht, auf dem unsere Zivilisation aufbaut, kennt kein Urheberrecht. Das ist eine Erfindung der Neuzeit, als das Christentum nach der Gotik schon im Niedergang war. Das Urheberrecht ist relativ jung und taugt nicht mehr für die Gegenwart, während das römische Recht immer noch Maßstäbe setzt.

Der Begriff des Eigentums hat in unserer abendländischen Kultur die Bedeutung, dass dem Eigentümer einer Sache das ausschließliche Recht über die Verfügung einer Sache zusteht (auch nicht einem Besitzer wie hier fälschlich bei den Verlagen vermutet, die ein Leistungsrecht neu schaffen wollen, dass weder zum Römischen Recht noch zum Internet passt). Wenn un einer eine Kopie von etwas anfertigt, ändert das nichts an dem Eigentum. Der Römer ist zufrieden. Wenn ein Kopist behauptet, das die Kopie das Original wäre, dann ist das Betrug, aber kein Eigentumsdelikt, da die bewegliche Sache des Originals ja gar nicht betroffen ist.

Von daher war die Übertragung des Eigentumsbegriffes in der Renaissance auf sogenanntes "geistiges Eigentum" ein Fehlgriff, da es schon nach wenigen hundert Jahren unbrauchbar ist. Von daher brauchen wir ein neues Urheberrecht, das auch für zukünftige Zeiten haltbar ist und nicht schon bei geringfügigen technischen Änderungen zusammenbricht und nutzlos wird.

In unserem Grundgesetz haben wir uns für eine marktwirtschaftliche Ordnung entscheiden. Wenn jemand einen Film produziert, dann kann er auf dem Markt Erlöse dafür erzielen durch Kinos, Fernsehaustrahlen, DVD-Verkauf usw. Wenn aber die AMrktelastizität soweit herabsinkt, dass auf dem Markt keine Erlöse erzeilt werden können, sondern unter Missbrauch des Urheberrechts Rechtsanwälte sich durch "Abmahnungen" bereichern, dann haben wir hier eine Staatswirtschaft, die wir nicht wollen. Das muss organisiert werden.

Neben den rechtlichen Dingen, die hier völlig sachunkundig vermanscht wurden, sollte man auch einen Blick auf ökonomische Fragen werfen: in einem Land mit schwachem Urheberrecht wie China, haben wir ein Wachstum von 8%, blühenden Landschaften, einen liquiden Staat. In Ländern mit starkem Urheberrecht, wo Rechtsanwälte den Staat missbrauchen und herunterziehen, haben wir kümmerliche 2% Wachstum, rasant steigende Staatsverschuldung und keine Wohlstandmehrung wie in China. Man wird sich also entscheiden müssen. Für Wohlstand oder ein nicht funktionierendes Urheberrecht (...). Ich persönlich bin ein grosser Befürworter der Marktwirtschaft und der Wohltandsmehrung für viele. Das derzeitige Jammertal im Westen durch verkrustete Ewiggestrige
ist für mich kein erstrebenswertes Wertegefüge.

In England hat man versucht, als die E-Loks die Dampfmaschinen ersetzten, durch rechtlichen Zwang die Heizer beizubehalten. Auch dort hat man sich für Wohlstand entschieden und nicht für Anachronismus. Die Heizer sind heute Weg. Das Römische Recht ist geblieben.

  • Antworten
Jan Dark30.09.2011 | 18:32 Uhr

Open Source?

Der Artikel zeigt nicht nur eine gewisse Unkenntnis ueber die Forderungen der Piraten auf, auch die Sachverhalte werden platituedenhaft dargestellt. Ohne auf jeden Punkt einzugehen, die vorherigen Kommentare fassen das ganz gut zusammen, moechte ich zu dem Punkt des Eigentums der Entwickler noch etwas hinzufuegen. Neben dem Fehlschluss des Eigentums an Algorithmen, gibt es ja auch eine grosse Community von Open-Source Produkten und Entwicklern (darunter finden sich uebrigens auch Firmen mit relativ grosser Bekanntheit). In diesem Bereich hat sich ein alternatives Vermarktungs/Entlohnungsmodell mit grossem Erfolg durchgesetzt. So etwas sollte man eventuell wissen, wenn man selbst ein Open Source System wie Drupal fuer die eigene Webseite benutzt. Warum nicht so etwas zum Vorbild nehmen oder wenigstens ernsthaft ueber zeitgemaesse Veraenderungen im Urheberrecht diskutieren?

  • Antworten
Malte H.30.09.2011 | 18:39 Uhr

Aua

In dem Text sind dermaßen viele sachliche Fehler und falsche Behauptungen, dass man am liebsten schreien würde. Bitte machen Sie sich dringend mal mit der Problematik von Softwarepatenten vertraut bevor Sie so einen Unsinn schreiben. Ebenfalls wäre eine Grundlektüre zum Thema Copyright und Copyleft ratsam.

Eure Spamfilter reagiert etwas über - eigentlich hatte ich eine Liste mit Kritikpunkten und Argumenten geschrieben, aber so gibt es jetzt nur dieses kurze Statement.

  • Antworten
Tutnix zurSache30.09.2011 | 18:56 Uhr

Unwissen ist keine Tugend

Es zeigt sich, mal wieder, mit voller Wucht, dass Unwissen niemanden daran hindern sollte sich öffentlich zu blamieren. Gery Jennings fragte einmal: "Was außer Unwissen und die Überzeugung, dass Unwissen eine Tugend ist, zeichnet die Unterschicht vor allem aus?". 20 Jahre später kann man mit Fug und Recht behaupten "Unwissen zeichnet mittlerweile hauptsächlich die sog. Elite aus".

Liebe Grüsse
i-lancer

  • Antworten
i-lancer30.09.2011 | 19:07 Uhr

Schade um Cicero, zu Beginn

Schade um Cicero, zu Beginn eine interessante Zeitschrift.

Sehr enttäuschend, ein Text mit so gravierenden inhaltlichen Fehlern. Dazu noch von einem Journalisten resp. Verleger, in dem Fall würde ich erst recht Sachkunde zu den Themen Urheberrecht und Verwertungsrecht erwarten.

Bin gespannt ob zumindest in Form eines Nachtrags die Fehler korrigiert werden.

  • Antworten
leser30.09.2011 | 19:50 Uhr

Quellenangabe für Foto?

Für das Foto des Vorsitzenden der Piratenpartei Deutschland, Sebastian Nerz, sehe ich hier nirgends eine Quellenangabe.

Wäre eine solche Quellenangabe nach der Auffassung des Autors dieses Artikels etwa nicht obligatorisch?

Mit besten Grüßen,
Mike Nolte

  • Antworten
Mike Nolte30.09.2011 | 20:01 Uhr

Mein Gott stecken da viele Fehler drin

Gibt es im Journalismus kein Lektorat mehr? Neben den schon genannten, hätte ich noch den hier zu bieten:

>„Informationelle Selbstbestimmung“, dieses Zauberwort
>eines Urteils des Verfassungsgerichts, betrifft nicht nur
>das Recht des Bürgers auf seine Privatsphäre, sondern in ihm
>ist auch die Idee beschlossen, dass sein geistiges Eigentum
>immer noch Vorrang hat vor allen möglichen Ansprüchen der
>Allgemeinheit, dieses Eigentum nutzbringend zu verstaatlichen.
Falsch! Informationelle Selbstbestimmung bezieht sich auf die persönlichen/personenbezogenen Daten und Lebensumstände jedes Menschen.

  • Antworten
MacMurdock30.09.2011 | 21:12 Uhr

Den Ist-Zustand des

Den Ist-Zustand des Urheberrechts klammert Herr Neumann wohlweislich aus. Vielleicht erkärt er uns einmal, warum nach dem Tod des Eigentlichen Urhebers mehrere Erben-Generationen weiter profitieren sollen.

  • Antworten
stefle30.09.2011 | 21:19 Uhr

Fachmann

Ich hätte vermutet der Autor sei Fachmann. Statt dessen wird über Sachen geurteilt, wovon der Autor nichts verstanden hat, was dann nach irgendwelchen Schablonen einsortiert wird. Schade, Kritik an der Partei ist bitter nötig, auch Kritik an der Ideologie, ihrem Mangel an Solidarität und dem linksanarchistischen Gepäck. Er merkt nicht, dass er in seiner Ungenauigkeit seinen eigenen Bauernfang-Ideologien auf dem Leim geht. Ein Beispiel, der irreführende Begriff des "Eigentums" für Urheberrechte, wovon er dann "Eigentum ist Diebstahl" assoziiert. Das fehlen von solchen Rechtstiteln macht er zur "Verstaatlichung", als seien die Werke Goethes und Schillers Staatseigentum. Das ist aus Rechtssicht stümperhaft, aber ist es denn in seiner Vergröberung zutreffend? Er vergleicht mit so genannten "Raubdrucken" politischer Bewegungen. Die verfolgten das Ziel theoretische Texte in einem akademischen Umfeld zugänglich zu machen, in Zeiten wo es noch keinen Kopierer gab. Und das auch nur so lange bis auch die Verlage diese Werke auflegten. Wenn heute ein Wissenschaftler veröffentlicht, dann kann sein Projektträger im Normalfall an den Verlag mehrere tausend Euro zahlen. Die meisten Veröffentlichungen im wissenschaftlichen Bereich, gerade bei Zeitschriften, sind Zuschussgeschäfte oder kostenneutral. Einmal bezahlen die Bibliotheken Unsummen an die Verlage für wiss. Zeitschriften und wer dort als Wissenschaftler veröffentlichen will (muss!), muss bis zu 20 000 EUR zahlen. Niemand "verdient" hier als Urheber. Urheberrechte sind Persönlichkeitsrechte am Werk, die Verwertung bezieht sich auf sekundäre Rechte. Die Verwertung ist in den meisten Fällen auch gar nicht in der Hand des Urhebers. Er wird immer nur vorgeschoben. Der Grund, wieso man heute nicht eine Million Schallplatten sondern nur "10 000 CDs" absetzt ist das Überangebot auf dem Markt. Es gibt Unmengen an Aufnahmen einschliesslich derer des Jahres 1963 und 1929 zu kaufen, es wird immer leichter Aufnahmen zu machen. Übrigens, die Erben von Beethoven sehen keinen Pfennig. Nach dem Kulturstaatsminister a.D. offenbar, weil Beethoven "verstaatlicht" ist. In Wahrheit sind die Künstler verstaatlicht. Die halbe Welt studiert in Deutschland Instrumentalmusik auf Kosten unserer Steuerzahler, das teuerste Studium, was es gibt. Das leisten wir uns als Kulturnation. Opernhäuser sind Zuschussbetriebe. Ein kaltes Schauern erfasst uns wenn niederländische Politiker auf Herrn Rieu verweisen, wenn es um Orchestersubventionen in den Niederlanden geht. Auch Beethoven war "staatlich" alimentiert. Aufgrund der technischen Entwicklung ist Musikkonserve nicht mehr "knapp", darum verdienen sehr viele daran nichts. Da kann man nicht den "Nichtzahlern" die Schuld geben oder wie wild neue Privilegien einfordern, Schutzfristen wieder einmal verlängern, und die Nutzer schikanieren. Da braucht es echte kreative Lösungen! Das Erscheinen der Modepartei zeugt davon, dass die herkömmlichen Parteien zu wenig echte Kompetenz gebildet haben für ein Thema, das für sie nur eine Nische ist, aber in der Lebenswelt bestimmter Wähler offensichtlich sehr wichtig.

  • Antworten
Andre30.09.2011 | 22:15 Uhr

Mal zwei kostenlose, tiefere

Mal zwei kostenlose, tiefere Texte zum Nachdenken:

http://blog.koehntopp.de/archives/2518-Falscher-Planet,-falsches-Jahrtausend.html
http://blog.koehntopp.de/archives/2530-Urheberrecht-360-Grad-Ansicht.html

  • Antworten
cike30.09.2011 | 23:01 Uhr

"Die Algorithmen hinter den

"Die Algorithmen hinter den Software-Programmen ihrer Geräte sind das Eigentum ihrer Entwickler, und sie verteidigen es mit allen Mitteln, die das Urheberrecht zur Verfügung stellt."

Schön das der Autor wohl noch nie etwas von OpenSource oder Linux gehört zu haben scheint.

  • Antworten
augd30.09.2011 | 23:21 Uhr

Was haben wir ein Glück!

Hätte es zu Zeiten eines Mozart oder Schuberts nicht schon so ein umfassendes Urheberrecht gegeben, hätten die sich vielleicht ein anderes Hobby gesucht. ;-)

  • Antworten
Oliver01.10.2011 | 01:07 Uhr

Copyright abschaffen

Wenn es die Piraten nicht tun, ich tue es: Copyright ist ein unnötiges künstliches staatliches Monopol und gehört abgeschafft.

Die wirklich guten Bücher werden deswegen nicht weniger werden. Was verschwinden wird, ist der Schrott, der nur für den Markt produziert wird. Und das ist gut so.

  • Antworten
Ilja01.10.2011 | 01:27 Uhr

Enttäuschung

Von Artikeln auf dieser Website bin ich mehr gewöhnt. Hat sich der Autor eigentlich mit dem Programm und den Forderungen der Piratenpartei auseinandergesetzt? Ich lese hier größtenteils Vorurteile heraus.
Noch dazu ist gerade altmodisch, sich Neuerungen nicht anzupassen. Wenn Tonträgerverkäufe zurückgehen, weil Liedgut beispielsweise über Streams online legal frei zugänglich sind, heißt das nicht zwangsweise, dass die Künstler "ihrer Lebenszeit" beraubt werden. Vielmehr ist es als Chance zu sehen: Das Internet bietet eine unglaubliche Reichweite und kann enorm zum Bekanntheitsgrad eines Künstlers beitragen.
Für viele Künstler sind außerdem Konzertauftritte inzwischen eine sehr viel rentablere Einnahmequelle geworden, als Tonträgerverkäufe. Und angenommen ein Konzertsaal sei ausschließlich mit Leuten gefüllt, die über illegale Downloads auf den Künstler aufmerksam geworden sind, so nimmt der Künstler auf diese Weise trotzdem mehr ein, als ohne diese erweiterte Fanbasis. Ebenso gilt auch für Datenträger: Kein Verkauf bringt kein Geld, eine illegale Kopie bringt zumindest Viralisierungspotential oder kann den "Täter" dazu veranlassen, Folgeprodukte legal zu erwerben.

  • Antworten
Simon K.01.10.2011 | 12:00 Uhr

Proudhon

Den Spruch "Eigentum ist Diebstahl" hat Proudhon bekannt gemacht. Er meinte damit Eigentum, das mit Privilegien verbunden ist, also Eigentum, das dessen Besitzer ein müheloses Einkommen ohne Arbeit beschert. Proudhon ist 1865 gestorben, mehr als hundert Jahre vor dem Aufkommen der 68er. All das weiß der ahnungslose Herr Naumann natürlich nicht.

  • Antworten
Joe01.10.2011 | 12:14 Uhr

Herr Naumann,

Herr Naumann,

ich glaube, Sie brauchen einen Alphabetisierungskurs in New Economy. In der Betriebswirtschaft wird schon seit längerer Zeit Open Innovation diskutiert, um das geistige Eigentum besser verwerten zu können. Was nützt es einem Unternehmen, wenn es Patente auf eine Technik hält, ohne es umsetzen zu wollen. Ein Umdenken findet längst statt, um die Quartalszahlen noch besser aussehen zu lassen.

Viele kollaborative Produktentwicklungen und Designaufgaben greifen auf Groupware zurück und tauschen Daten über Webseiten aus. Die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöht sich dadurch enorm und die Kommunikation mit dem Konsumenten läßt sich so besser organisieren. In dem Korsett des alten Urheberrechtes sollte man das nicht eingesperrt lassen.

Auf die Idee Software patentieren zu lassen kämen vor allem US Unternehmen. Wenn wir die Software-Patente zulassen würden, unterschireben wir eine dauerhafte Vorherrschaft der Amerikaner.

Eine kleine Software-Schmiede käme nie auf den Gedanken, ihre Software patentieren zu lassen, weil das einerseits Geld kostet. Andererseits müßte sie die Software so genau beschreiben, dass jeder Fachmann es nachbauen könnte. Bei der Durststrecke bis zu den ersten schwarzen Zahlen, würde sich das Software-Unternehmen dem Risiko von Imitaten aussetzen.

Herr Naumann. Maßen Sie sich bitte nicht an über Dinge urteilen zu können von dem Sie sehr wenig verstehen. Ihren Artikel sollte man sicherstellen, um Ihnen ihre Ahnungslosigkeit jederzeit vorhalten zu können.

MfG

  • Antworten
Immigrant01.10.2011 | 14:38 Uhr

Von Open Source noch nichts gehört

Mit Verlaub, an keiner Stelle des Artikels musste ich mehr lachen als Michael Naumann behauptete, dass die Piraten ihre Software mit allen Mitteln urheberrechtlich schützen und als ihr Eigentum betrachten würden.
Offensichtlicher kann man eigentlich kaum noch falsch liegen. Mit dieser Passage stellt der Autor unter Beweis, dass er, abgesehen von einigen Vorurteilen, hier offensichtlich keine Ahnung von der Materie hat. Noch gravierender erscheint dieser Fehler, legt er doch schmerzlich nahe, dass ihm noch nicht einmal Open Source, wofür sich die Piraten doch so sehr aussprechen, als alternatives Lizenzierungsmodell ein Begriff zu sein scheint. Das ist schade, ist Open Source doch insbesondere im Web heutzutage überhaupt nicht mehr wegzudenken und hat ein gigantisches Ausmaß an erfolgreicher und leistungsfähiger Software, zu denen insbesondere Linux und übrigens auch Firefox (und ebenso Chrome) gehören, hervorgebracht. Der Entwicklungsprozess solcher Programme erfolgt gar zu oft mit einer Lebhaftigkeit, mit der kommerzielle Firmen allein gar nicht mehr mithalten könnten, da ihnen hierfür schlichtweg die Kapazitäten fehlten. Das müssen sie aber auch nicht immer, da viele von ihnen die Vorteile für sich selbst längst erkannt haben und aktiv mitarbeiten. Unter der Creative Commons-Lizenz entsteht mit Wikipedia eine Enzyklopädie gigantischen Ausmaßes unter anderem mit immer ausgefeilteren Texten und auch Infografiken. Auch hier sind die Autoren von Brockhaus und co. der Intelligenz der Masse nur schlecht gewachsen.
All dies ermöglicht ein Lizenzierungsmodell, bei dem die Autoren bewusst auf einen Teil ihrer Urheberrechte verzichten und es den anderen somit ermöglichen, aktiv an ihrem Werk weiterzuarbeiten. Überhaupt das machte den Erfolg so mancher Software und auch der Wikipedia sowie zahlreichen weiteren Wikis erst möglich.
Auch können die Piraten sehr gut erklären, wie eine CC-Lizensierung unter Wahrung der Interessen der Künstler über eine Verwertungsgesellschaft besser funktionieren würde. Den Möglichkeiten sind in dieser Richtung praktisch keine Grenzen gesetzt.
Warum das Eintreten für derartige Praktiken nun den Untergang des Abendlands bedeutet, das hätte ich von Herrn Naumann in einer Stellungnahme nun doch gerne nochmal etwas genauer erklärt. Auch empfehle ich wärmstens eine Nachhilfe zu Themen wie Open Source, Urheberrecht und natürlich dem Parteiprogramm der Piraten.

Freundlicher Gruß,
Peter Conrad

  • Antworten
Peter01.10.2011 | 15:19 Uhr

Sog. "Qualitätsjournalismus" vs. Realität: bitter!

Die Darstellung von Hr. Naumann offenbart fundamentale Wissensdefizite und eine journalistisch unsaubere Weise, persönliche Interpretation und subjektive Wahrnehmung als objektive Fakten darzustellen. Dabei sind die Falschdarstellungen derart vielfältig und hanebüchen, dass sich dem kundigen Leser die Frage stellt, ob das wirklich nur grober Inkompetenz oder doch Vorsatz geschuldet ist.

Das beginnt schon mit den Überschriften: gerade der Piratenpartei, die zweifellos das Progressivste in der gesamten Parteienlandschaft dargestellt, Rückwärtsgewandheit in Form von „Segeln in die Vergangenheit“ anzudichten, vermittelt einen leisen Vorgeschmack dessen, auf was sich der kundige Leser an Haarsträubendem noch einzurichten hat. Die Falschdarstellung setzt sich fort, indem der Piratenpartei das Credo: “Eigentum ist Diebstahl“ untergeschoben wird. Ein Nachweis dieser hanebüchenen Unterstellung wird Hr. Naumann freilich nicht gelingen, weil das die Fakten nicht hergeben: nirgends propagiert die Piratenpartei die Abschaffung des Eigentums. Die sich in dieser sachlich unzulässigen Vermengung mit „geistigen Eigentum“ offenbarende undifferenzierte Haltung - wobei die PP weder die Abschaffung Vorgenannten noch des Urheberrechts fordert - zieht sich wie ein roter Faden durch die weiteren „Ausführungen“ Naumanns.

Mit seinem ersten Absatz, den Naumann als thematische Einleitung zur PP verstanden wissen möchte und mit der er die PP mit Fälschung und Betrug verbindet, begibt sich der Autor in Grenzbereich der üblen Nachrede bzw. Verleumdung - wenn diese rote Linie nicht schon überschritten ist.

Sogenanntes „geistiges Eigentum“ ist ein Konstrukt der Neuzeit und kein Naturgesetz. Wie selbst Hr. Naumann nicht entgangen sein dürfte befindet sich die Gesetzgebung auch auf diesem Gebiet im Fluß. Und nicht nur die PP attestiert, dass die Gesetzgebung, die den lobbyistischen Einflüsterungen der Contentindustrie zunehmend ein offenes Ohr bietet, zu immer stärkerer Kriminalisierung führt und das Ungleichgewicht zu Ungunsten der Bevölkerung zunimmt. Ein nennenswerter Anteil an Verlagen, die mit dem sog. Leistungsschutzrecht das unternehmerische Risiko ausschalten und es sich auf Kosten der Allgemeinheit gutgehen lassen wollen, wie auch der 2-Strikes-Gesetzesentwurf eines Volker Kauder seien nur beispielhaft genannt für eine, um es euphemistisch zu formulieren, äußerst fragwürdige Tendenz im Bereich des „geistigen Eigentums“. Das kritische Hinterfragen dieser Fehlentwicklungen und die Forderung nach einer Liberalisierung des Urheberrechts - der, um das im Gegensatz zu Hr. Naumann nicht zu verschweigen, eine „Radikalisierung“ und Verschärfung des Urheberrechts vorausging, die mit einem gesunden Gerechtigheitsempfinden und dem gesetzlichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit kaum zu vereinbaren ist, vorausging - ist keineswegs gleichzusetzen mit der Abschaffung jeglichen Urheberrechts, wie es Hr. Naumannn implizit sachlich falsch behauptet.

Mit der Darstellung der Ursache des Rückgangs an Musikverkäufen macht sich Naumann nicht nur zum willkommenen Sprachrohr der Propaganda der Contentindustrie, sondern offenbart auch noch ein erschreckend schlichtes Gemüt:
Dabei sollte doch auch ein Hr. Naumann wissen, dass das Postulat monokausaler Ursachen in einer komplexen Welt mit multifaktoriellen Zusammenhängen erfahrungsgemäß entweder von einem realitätsverzerrend simplen Weltmodell oder ideologischer Verblendung zeugt.
Vor 40 Jahren buhlten noch nicht PC, iPod, Spielekonsolen, Trendklamotten und DAS Geldgrab schlechthin, das Handy, um die Gunst des Käufers!
Auch auch Hr. Naumann wird doch hoffentlich wissen, dass sich Geld nur einmal ausgeben lässt!
Die HiFi-Industrie musste ebenfalls die bittere Erfahrung machen, dass im Gegensatz zu früher, wo allenfalls ein Auto als Statussymbol in Konkurrenz zu einer hochwertigen HiFi-Kette stand, sie sich nun einer vielfach größeren Konkurrenz (s.o.) ausgesetzt sieht - mit entsprechenden Konsequenzen. Möchte Hr. Naumann auch diesen Rückgang illegalen Downloads andichten? Oder sind es einfach gesellschaftliche Veränderungen, die auf ganz vielfache Weise zu sich verändernden Geldströmen der Verbraucher führen?
Zwischenfazit: zwar mag Hr. Naumann „die Differenz ... schnell benennen“ - allein seine grob wahrheitsverzerrende Verkürzung findet keine Entsprechung in der Realität: Tatsächlich haben neuere Studien sogar gezeigt, dass Konsumenten des illegalen Filmportals kino.to mehr Geld für DVDs ausgeben und öfter ins Kino gehen, als der Durchschnittsbürger. Studien der Contentindustrie haben sogar aufgezeigt, dass Filesharer zu den besten Kunden von legalen kostenpflichtigen Musikdownloaddiensten zählen. Oder mit anderen Worten: die Wahrheit liegt im Gegenteil dessen, was Hr. Naumann dem Leser weiszumachen versucht!

Alsdann fährt er fort, seine Inkompetenz im Bereich der Bücherwelt auszubreiten: zwar benannte er konkret iPod und Kindles, weiß aber augenscheinlich nicht, dass fast alles Erwerbbare in diesem Bereich durch DRM kopiergeschützt ist. Dennoch glaubt er, auch dort die vormals benannten eindimensionalen und unzutreffenden Mechanismen ausmachen zu können. Wobei gerade der ebook-Markt ein erneutes eindrückliches Beispiel für das Versagen und/oder die Gier der Verlage darstellt: wenn ebooks ein großes Käuferpotential erschließen sollen, müssen entweder die ebooks SIGNIFIKANT günstiger als Papierbücher angeboten werden, oder, wenn das nicht gewünscht ist und ebooks nahezu das gleiche wie ihre toten-Bäume-Pendants kosten sollen, das Lesegerät zu einem Symbolpreis unter die Käufer gebracht werden. Aber beides [ebooks teuer UND Lesegerät teuer] funktioniert einfach nicht - jedenfalls nicht auf dem avisierten Massenmarkt. Ansonsten gäbe es zu ebooks noch Einiges mehr anzumerken, was aber nicht nur den Rahmen dieses Kommentars sprengen, sondern womöglich auch das simple Denken Naumanns überfordern würde.

Wenn dann - wie schon vielfach korrigierend angemerkt wurde - wiederum sachlich falsch behauptet wird, dass „Die Algorithmen hinter den Software-Programmen ihrer Geräte das Eigentum ihrer Entwickler [sind]“, dann sind damit auch die letzten Zweifel an der fachlichen Kompetenz Naumanns ausräumt, die diesen hätte in die Lage versetzen können, sich qualifiziert zum Thema zu äußern.

Die abschließende Verknüpfung von „Informationelle[r] Selbstbestimmung“ mit Aspekten des sog. geistigen Eigentums, die - selbst der unkundige Lesers wirds inzwischen ahnen - wiederum verfehlt ist, bildet dann nur noch das traurige I-Tüpfelchen auf einem durch und durch von Inkompetenz getragenen Propagandaartikel.

Das Resümee lautet:
Nicht ein einziger Absatz des Artikels war ohne fundamentale Mängel oder elementare Falschdarstellung der Sachverhalte - angefangen von den Überschriften! Der Artikel ist ein Desaster, ein abschreckendes Beispiel dessen, was dabei heraus kommt, wenn sich Personen zu Themen äußern, bei denen ihnen selbst das gebotene Mindestmaß an Sachkompetenz abgeht.

Angesichts der vormals nachgewiesenenen vielfachen Falschdarstellungen, welche in ihrer Gesamtheit an üble Nachrede bzw. Verleumdung heranreichen und dem offensichtlichen Fehlen einer qualifizierten Schlussredaktion, die ein solches Machwerk hätte gar nicht erst zulassen dürfen, sollte man von Cicero wenigstens die Größe erwarten, dass sie Kommentare, die harte aber angemessene Worte für dieses abschreckende journalistische Negativbeispiel finden, aushalten und freischalten. Aber auch das scheint von Cicero zu viel verlangt. Traurig. Insbesondere für den Zustand dessen, was sich gerne selbst als Qualitätsjournalismus bezeichnet

  • Antworten
Logos01.10.2011 | 17:11 Uhr

Halbwissen

Sehr geehrter Herr Naumann,
Zum Inhalt ihrs Beitrages und zur Recherche ist viel gesagt. Ich gehe mal davon aus, das sie es nicht besser können, was traurig genug ist, ansonsten müsste ich ja Vorsätzlichkeit zur Falschinformation unterstellen. Für mich stellt sich immer öfter die Frage, warum macht man das. Denken sie es merkt keiner. gearade Journalisten haben eine besondere Verantwortung für die Darstellung und Bewertung von Fakten, denn sie sind es die ein Meinungsbild darstellen und auch beeinflussen. Und bei einer verfälschten Darstellung kann eben auch ein anderes Meinungsbild erzeugt werden. Ich denke sie machen das nicht bewußt oder doch, dann sollten sie es aber dazu schreiben. Aber den Mut haben sie wohl nicht. Sie werden aber so nicht erfolgreich arbeiten, den es wird alles richtiggestelt werden.

  • Antworten
Rainer Priebels01.10.2011 | 22:19 Uhr

Überflüssige Partei

Mit dieser Tendenz, welche in Richtung Aufhebung aller Urheberrechte geht, ist diese Partei in den Wahlkampf gezogen.

Keiner hat darauf hingewisen, dass das unrealistisch und kriminell ist. Soweit zur Kompetenz und zur Tendenz "mehr Demokratie". Sie scheint nur zur Überschreitung von Grenzen zu dienen, die bis jetzt vernünftig waren.

Die Ausreden, die hier im Blog genannt werden, dienen nur der Verschleierung, dass diejenigen, die sich ein bischen auskennen, final eben doch auf den kostenlosen Bezug urheberrelevanen Materials ziehlt.
Damit offenbart sich auch eine gewisse elitäre Selbsvorstellung, nach den Motto "wir können PC, wir können und dürfen alles".

Es wirft ein Licht auf die Wirkung, die ein extensiver "PC-Konsum" auf Menschen hat, die damit nicht umgehen können.

  • Antworten
Karl Letis02.10.2011 | 12:13 Uhr

Sachlich unpassender Kommentar

@ Karl Letis
Bleiben sie doch bitte sachlich, Hr. Letis: praktisch ihr gesamter Kommentar besteht aus haltlosen Unterstellungen - da wird von ihrer Seite nicht ein einziges stichhaltiges Argument vorgebracht. Die von ihnen behauptete Tendenz, welche in Richtung Aufhebung aller Urheberrechte gehen soll, existiert nur in ihrem Kopf - dem Programm der PP können sie das jedenfalls nicht entnommen haben.

Auch für sie nochmals: „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“ sind Konstrukte der Neuzeit und kein Naturrecht. Was in dieser Hinsicht als kriminell gilt oder eben auch nicht, bestimmen Gesetze. Gesetze die geändert werden können und es auch werden - und zwar zunehmend in Richtung „Verschärfung“ (z.B. Verlängerung der Schutzrechte für Tonaufnahmen von bislang 50 auf 70 Jahre, http://www.heise.de/tp/blogs/6/150459) und Kriminalisierung (z.B. Verbot der Umgehung eines Kopierschutzes, UrhG 2003 oder 2- bzw. 3-strikes-Modelle). DIESEM faktisch vorhandenen Trend Einhalt zu gebieten und wieder auf ein vernünftiges und die gesetzlich gebotene Verhältnismäßigkeit wahrendens Maß zurück zu führen ist nicht kriminell, sondern angezeigt und sinnvoll.

Auf was sich die von ihnen behaupteten „Ausreden“ beziehen wird wohl ihr Geheimnis bleiben: was hier im „Blog“ [meint wohl „Kommentare“] überwiegend wirklich genannt wurde, waren Korrekturen und Kritik an dem von Inkompetenz getragenen „Artikel“ Naumanns - von „Halbwissen“ zu sprechen, wäre noch geschönt.

Die von ihnen postulierte „Offenbarung“ ist nur ihre persönliche Umdeutung bzw. Unterstellung - welche sie wiederum nicht belegen können.

In ihrer abschließenden Bemerkung zeigt sich ihr eindimensionales „Denken“ um nicht zu sagen „Reflex“ - augenscheinlich haben sie sich noch nie ernsthaft mit Piraten und deren Anliegen beschäftigt - sonst wüssten sie, dass sich darunter jede Menge Menschen befinden, die sich für Bürgerrechte, mehr Demokratie und Transparenz engagieren und die mit „extensivem "PC-Konsum" rein gar nichts zu tun haben.

Aber eine aufrichtige Auseinandersetzung würde sicher einen gewissen Aufwand und Bemühen erfordern - da ist es doch viel einfacher und bequemer, haltlose Stammtischparolen abzusondern, nicht wahr Hr. Letis?

Gott sei Dank liegt es nicht an Ihnen, über die Überflüssigkeit einer Partei zu befinden - sondern jedem einzelnen Wähler für sich selbst: knapp 9% der Berliner und womöglich 7% der Gesamtbevölkerung sehen das anders. Und es werden [hoffentlich] mehr - zum Wohle unseres Landes. In diesem Sinne wünsche ich ihnen eine angemessenere und differenziertere Sicht der Dinge!

  • Antworten
Logos03.10.2011 | 17:09 Uhr

"Die Piraten", welch ein Name für eine Partei...

Ich weiß immer noch nicht, wozu man für jedes neue Fachgebiet eine Partei gründen soll. Das ist infach zu wenig.

"Die Grünen" für die Öko-Hype
"Die Grauen" für die älteren Leute
"Die Piraten" für die PC-Hacker
"Die NPD" für die Migrationsporbleme

Was kommt als nächstes: Eine Partei für das "iPhone"

Vorallendingen sind die Forderungen unrealistsich:

Die Piraten:
"Freies Kopieren und freie Nutzung
Da sich die Kopierbarkeit von digital vorliegenden
Werken technisch nicht sinnvoll einschränken lässt
und die flächendeckende Durchsetzbarkeit von Verboten
im privaten Lebensbereich als gescheitert
betrachtet werden muss, sollten die Chancen der
allgemeinen Verfügbarkeit von Werken erkannt und
genutzt werden."

"Patente als staatlich
garantierte privatwirtschaftliche Monopole stellen
grundsätzlich eine künstliche Einschränkung der
allgemeinen Wohlfahrt dar, die einer ständigen
Rechtfertigung und Überprüfung bedarf."

Völliger Wahnsinn.

International nicht durchsetzbar.

Geradezu Lächerlich, wenn man bedennkt, wie viele Stimmmen diese Partei bekommen hat.

Mit dieser Erfahrung kann man die Idee "mehr Demokratie" in die Tonne kloppen.

  • Antworten
Kar Letis04.10.2011 | 15:59 Uhr

Wer sich am Namen stößt, der glaubt womöglich auch,

dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet. Gehts noch oberflächlicher?
Da fügt es sich ins Bild, dass auch ihre Parteien-Zuordnung Schubladendenken par excellence ist.

Macht ihnen eine komplexe Welt mit multifaktoriellen Zusammenhängen Angst? Ist das der Grund für ihre Flucht in ein erschreckend schlichtes Weltmodell? Augenscheinlich liegt eine angemessene Differenzierung außerhalb ihrer Möglichkeiten. Traurig.

Bitte entschuldigen sie, dass sie unsere Ziele so sehr überfordern. Wenn sie auch inhaltlich leider nichts beizutragen haben, so können wenigstens ihre unfreiwillig selbstbezüglichen Einlassungen wie "lächerlich" zum Amüsement dienen. thx!

PS: ihre antidemokratische Haltung hatten sie schon zur Genüge unter Beweis gestellt - eines weiteren Beleges hätte es nicht bedurft.

  • Antworten
Logos06.10.2011 | 23:16 Uhr

Mag alles stimmen

Dies mag ja stimmen. Dies macht aber den schlecht recherchierten Artikel von Herrn Neumann nicht besser. Er ist doch einen Steilvorlage für die Piratenpartei.

Eine "gewisse elitäre Selbsvorstellung" ist auf beiden Seiten zu finden. Aber einen neuen Kompromiss über die vom Urheberrecht abgeleiteten Geschäftsmodelle braucht diese Zeit trotzdem, alles andere ist sehr gestriges Denken, welches die Veränderungen die Technik mit sich bringt nicht akzeptieren kann oder will. Klar bringt dies Probleme für den Journalismus und die Verlage, aber eine Alternative ist nicht in Sicht, will man nicht alle Kommunikation unter staatliche Kontrolle stellen. Denken Sie es mal durch!

  • Antworten
Karlo Lewis04.10.2011 | 10:47 Uhr

Rechtemix?

Wenn ich so lese, dass jemand wie hier Urheberrecht und Verwertungsrecht in einen Topf wirft, als seien sie das gleiche, reagiere ich mitunter genervt. Wenn dann noch der gleiche, uninformierte Autor Gedanken WIRKLICH Informierter zu diesen Gesetzen als juristisch bedenklich bezeichnet, platzt mir der Kragen.

Es wird grundsätzlich und ausschließlich der Halter der VERWERTUNGSRECHTE geschützt. Und das hat mit dem Schutz geistigen Eigentums mal rein gar nichts zu tun. Das ist ausschließlich Schutz des Profits an den Leistungen anderer. Ein Konzern, der für "The Lion Sleeps Tonight" 17 Millionen Gewinn gemacht hat, musste von einem Gericht aufgefordert werden, dem Autoren dieses Titels etwas abzugeben. Die LETZTEN Rechte, die man schützen muss, sind die der Verwerter. Erst wenn diese aufhören, die SCHAFFER dessen, was sie uns als ihr Eignetum verkaufen, zu betrügen, haben sie das Recht, auch nur angehört zu werden. Verbrecher haben dieses Recht in meinen Augen verwirkt. Ein Konzern, der Politiker dafür bezahlt, dass diese Gesetze durchwinken, die die Rechte der Schaffer der Kunst und der Kunden einschränken, damit die Verwerter weiter für die Leistungen anderer ohne jede Gegenleistung Profit machen können, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Die Politiker ebenso.

Das VOLK und die betrogenen Künstler allerdings sollten sich meiner Meinung nach zusammen tun und Kunst an den Parasiten vorbei vermarkten. Ich kenne NIEMANDEN, der nicht für Kunst gerne den Schöpfer bezahlt. - Die gleichen Leute bezahlen den Missbrauch dieser Kunst allerdings mehr als ungerne. Und wenn die Piraten fordern, dass sich an der legalisierten Ausbeutung der Leister und Kunden etwas ändert, haben sie meine Stimme.

  • Antworten
Mirage03.10.2011 | 18:30 Uhr

Unterhaltsam

Wolfram Weimer hat sich nach unbestätigten Angaben sehr amüsiert. Danke, Herr Naumann. Das war -mal wieder- ein Lesevergnügen der besonderen Art.

  • Antworten
Thomas Tewe05.10.2011 | 10:47 Uhr

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