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 > Loyalität entsteht nicht durch Zwang

Berliner Republik

Doppelte StaatsbürgerschaftLoyalität entsteht nicht durch Zwang

Von Marie Amrhein11. November 2011
picture alliance
Doppelte Staatsbürgerschaft, Türkei, Gastarbeiter, Integration, Migranten
Zwei Nationalitäten zu haben, bedeutet nicht, dass man die eine weniger liebt.
Schrift:

Deutsch? Türkisch? Beides? Viele junge Menschen müssen sich mit ihrem 18. lebensjahr entscheiden, welchem Staat sie angehören wollen. Diese Praxis wollten die Oppositionsparteien durchbrechen - ohne Erfolg

Seite 1 von 2

Saulus wurde vor 2000 Jahren in der heutigen Türkei geboren, als Jude. Durch seinen Vater erhielt er das römische Bürgerrecht, so dass Saulus, der mit zweitem Namen Paulus hieß, von Geburt an zwei Staatsbürgerschaften hatte. Er war „Orientale und Okzidentale“, schreibt der katholische Theologe Ernst Leuninger. Und gerade diese Biographie als Doppelstaatler habe ihm den Weg geebnet, die Wandlung vom Saulus zum Paulus zu vollziehen und so für uns Europäer „wesentlich zu definieren, was christlich heißt.“ Paulus ist nur ein Beweis dafür, dass die doppelte Staatsbürgerschaft zu einer ausgeprägten Identität und einer Bereicherung für die Gesellschaft führen kann.

Unsere Regierung sieht das offenbar anders. Sie beharrt auf dem Optionsmodell. Das klingt erst einmal gut. So nach Wahlmöglichkeit, nach Freiheit, nach selbstständiger Entscheidung. Das Gegenteil ist damit gemeint. SPD, Grünen und Linke haben im Bundestag versucht, dieses Gesetz abzuschaffen. Danach müssen sich in Deutschland geborene Kinder von Ausländern zwischen dem 18. und dem 23. Lebensjahr für eine Staatsangehörigkeit entscheiden. Dabei geht es nicht nur um die türkischen Nachfahren unserer Gastarbeiter. Auf den Spielplätzen des Landes tummeln sich schwedische und dänische Kinder, in den Abiturjahrgängen feiern Franzosen, Belgier und Amerikaner ihre Abschlüsse. Florence, Karlotta und Ismael sollen sich also auch weiterhin bekennen müssen. Zu ihrer neuen deutschen Heimat – oder zu ihren Wurzeln.

Die Erklärung der schwarz-gelben Gegenseite: Eine doppelte Staatsbürgerschaft würde die Integration ausländischer Mitbürger erschweren, ihre Loyalität untergraben. Außerdem und überhaupt müsse am Grundsatz „zur Vermeidung von Mehrstaatigkeit“ festgehalten werden.

Die jungen Menschen sollen eben wissen, wo sie hingehören. Dahinter steckt der Gedanke, dass es einfacher ist, neue Wurzeln zu schlagen, wenn die alten abgeschnitten wurden. Dabei weiß doch jeder, der einmal einen Kirschbaum aus dem Topf in den Garten gepflanzt hat, dass der viel besser anwächst, wenn die alte Erde aus dem Topf mit der neuen Erde im Boden vermischt wird. Gerade Migrantinnen und Migranten der ersten und zweiten Generation haben „eine emotionale Verbundenheit zu ihrer Kultur und leben quasi zwischen den Welten“, sagt denn auch Cem Özdemir, Parteivorsitzender der Grünen, der sich für die doppelte Staatsbürgerschaft ausspricht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, bei welchen Punkten sich alle Parteien einig sind.

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Doppelte nationalität

Es geht noch lange nicht nur um deutsch-türkische Mitbürger! Ich bin Französin, war 2-mal in Deutschland mit einem Deutschen verheiratet, 2-mal geschieden. Ich lebe hier wie Zuschauer ohne Wahlrecht. Ich habe 6 Kinder in Deutschland geboren, mittlerweile alle erwachsen, die von Frankreich aus gesehen gern die französische und deutsche Staatsangehörigkeit hätten haben dürfen. Von der deutschen Seite aus hieß es, heißt es aber: entweder oder. Zudem gibt es hier eine generelle Haltung wonach wie selbstverständlich meine Kinder als einzig deutsches Eigentum betrachtet und behandelt wurden, mit allen Konsequenzen: Kindesentzug, Entfremdung, woraus Parents Alienation Syndrom entsteht inklusive Borderline. Währenddessen werde ich besonders seit der 2. Scheidung eher als rechtloser Störenfried behandelt. Meine Existenz ist von Willkür und Ausgrenzung geprägt. Irgendwann grenzt man sich selbst aus. Selbst ist die Frau/ Mann/ Ausländer. Dieses Phänomen gibt es tausend Male. Es zieht sich in sämtlichen Lebensbereichen durch, während von hier aus mit erhobenem Finger auf Menschenrechtverletzungen in allen Herrenländern gewettert wird. Es wird ungläubig reagiert, wenn man sein immer schweres Herz ausschüttet, falls es überhaupt dazu kommt. Die übliche Ungläubigkeit halt.

  • Antworten
Ariane S-F14.11.2011 | 10:13 Uhr

Doppelte Moral

In der Bundesrepublik gibt es ja die doppelte Staatsbürgerschaft, allerdings nicht für jeden. Diejenigen, die mit der Einbürgerungsurkunde ein Merkblatt für Doppelstaatler erhalten und ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft behalten dürfen, sind z.B. sogenannte Spätaussiedler.
Die Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft wird seit Jahrzehnten doppelzüngig geführt, es gibt sie, aber offenbar nur für priviligierte "Rassenverwandte".

  • Antworten
AJMazurek14.11.2011 | 12:35 Uhr

Doppelte Staatsangehörigkeit

Man mag mich für lernunfähig halten, aber Sinn und Nutzen der Doppelten Staatsbürgerschaft für den Staat BRD und seine Gesellschaft will sich mir nicht erschließen. Ich meine nicht den Nutzen für den einzelnen betreffenden Bürger. Ich meiene den Nutzen für die Allgemeinheit. Für den Einzelnen mag es zweifellos von Vorteil sein, zwei Pässe (oder noch mehr?) in der Tasche zu haben. Da ist es leichter, den Pflichten als Bürger des einen Staates auszuweichen und im gegebenen Fall darauf hinzuweisen, dass man ja auch noch Bürger eines anderen Staates sei. So etwas erleichtert das Leben. Aber ist es gerecht gegenüber den vielen Bürgern, die nur einen Pass haben können und den Forderungen ihres Staates ausweglos ausgeliefert sind? Sind Bürger mit mehr als einer Staatsangehörigkeit nicht in erster Linie egoistisch?

  • Antworten
Cephalin Blum01.02.2012 | 17:24 Uhr

Pass - Chaos in Dt.

Schwer verdauliche Kost : Ich bin Bio - Deutscher, meine Frau hat die schweiz. + frz. Doppelstaatsbürgerschaft .Die Kinder haben zur Zeit 3 Pässe....
Ich könnte aufgrund der Ehe einen 2. Pass ( den schweiz.) hinzufügen. Meine Frau verliert CH + Fr und wird Deutsche.
Die Kinder entscheiden sich später für ch + fr. Klingt etwas wirr, oder ??
Zumindest bis ein europ. Pass realisiert wird, sollte mehrer Pässe ak-zeptiert werden, alles andere ist von vor - vorgestern....
Gruß an Ariane : Sienhaben mein volles Verständnis !

  • Antworten
Matthias50a19.07.2012 | 20:58 Uhr

Das Problem ist eigentlich

Das Problem ist eigentlich nicht die Staatsangehörigkeit. Wenn eine Teilhabe für sämtliche Bewohner einen Staat vorhanden wäre, würde sich die Frage der Staatsangehörigkeit erübrigen. Die vorgesehene Erleichterung des Erwerbs des deutsche Staatsangehörigkeit die damals vorgesehen wurde ist eigentlich eine Erschwerung und eine Schikane der betroffenen.

  • Antworten
Jean-Jacques Sarton25.11.2012 | 14:23 Uhr

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