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Berliner Republik

Wulff und SchrammJetzt sind Menschen zum Abschuss frei

Von Petra Sorge 20. September 2012
picture alliance
Bettina Wulff,Julia Schramm,Urheberrecht,Klick mich,Jenseits des Protokolls
Bettina Wulff und Julia Schramm sind die jüngsten Opfer von Urheberrechtsverletzungen
Schrift:

Erst der Abmahn-Skandal um die Oberpiratin Julia Schramm, jetzt der illegale Download von Bettina Wulffs Buch „Jenseits des Protokolls“: Der Streit ums Urheberrecht im Netz ist zu einer veritablen, persönlichen Kampagne geworden und hat jedes Maß verloren

Seite 1 von 2

Dass die Piratin Julia Schramm und Ex-First-Lady Bettina Wulff einmal in einem Satz erwähnt werden würden, hätten beide sicher nicht gedacht. Aber in dieser Woche verband die Frauen, die gerade erst biografische Bücher vorgelegt haben, ein gemeinsames Schicksal: Sie wurden Opfer der Netzkriminalität.

Auch wenn sie sich mit umstrittenen Handlungen ins Gerede gebracht haben, eine derartige Hasskampagne, wie derzeit im Internet über sie rollt, haben sie nicht verdient. Dabei geht es weniger um stilistische Schmähkritiken, die tausendfach in Blogs und auf Onlineportalen zu lesen sind. Es geht vielmehr um die Frage, ob man illegale Urheberrechtsattacken noch als geeignetes Mittel der politischen Auseinandersetzung bezeichnen kann – wie es etwa die Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg tut –, wenn damit massiv Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Was war passiert?

Julia Schramm galt einst als Internet-Exhibitionistin, sie hat die datenschutzkritische Gruppe „Spackeria“ gegründet. Noch bis vor Kurzem nannte sie sich auf ihrem Blog „Prokrastiniererin“ und „Privilegienmuschi“. Geistiges Eigentum bezeichnete die 26-Jährige einst als „ekelhaft“, Verleger und deren Interessenvertreter als „Content-Mafia“. Sie machte eine steile Karriere bei den Piraten und wurde sogar in den Bundesvorstand gewählt.

Doch ihre politische Meinung trat schnell zurück, als sie selbst Autorin wurde und vom Urheberrecht profitieren wollte. Ihr neues Buch „Klick mich“ ließ sie im Albrecht Knaus Verlag in München, der zu Random House gehört, veröffentlichen. Die gebundene Version kostet 16,99 Euro, das eBook immerhin 13,99 Euro. Als Vorschuss soll sie 100.000 Euro erhalten haben.

Der Ärger unter den Piraten muss groß gewesen sein: Denn bereits am Montag, als das Buch erschien, tauchte im Netz eine illegale Raubkopie auf. Der Link verbreitete sich rasant via Twitter. Daraufhin wehrte sich der Verlag rechtlich – wie es in einer Mitteilung hieß, auf Wunsch der Autorin Schramm selbst.

Die Netzgemeinde kübelte Häme über die junge Frau aus, ein wahrer Shitstorm flog ihr um die Ohren. Auf Schramms Blog warf ihr ein Nutzer „Doppelmoral“ vor. Sie schade „damit nicht nur sich selbst, auch nicht nur der Piratenpartei“, sondern dem kompletten politischen System.

Seite 2: Lesen Sie, wie das Buch der Ex-Präsidentengattin im Netz auftauchte

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zum Abschuß frei

Die Geister, die sie rief, wird sie nun nicht los. Und weil's Frauen sind, die wetterwendig ihre Meinung wechseln, springt ihnen die frauenservile Medienphalanx husch, husch zur Seite. Wieso eigentlich? Sie haben's sich doch höchst selbst verdient. Qui amat periculum, in eo peribit!

  • Antworten
FraJo Mahr20.09.2012 | 14:43 Uhr

Worum geht es hier eigentlich?

Hallo Frau Sorge, mir ist nicht klar, was sie mit dem Artikel genau aussagen möchten, ausser dem etwas diffusen Gefühl, BW und JS seien irgendwie Opfer einer ausfernden Diskussion um das Urheberrecht. Das sehe ich anders.

Der Shitstorm um Frau Schramm begann schon im April, als bekannt wurde, dass sie ihr Buch an die "Content-Mafia" verkauft hatte (das war zu dem Zeitpunkt auch schon in der PP bekannt, die sie interessanterweise trotzdem in den Bundesvorstand gewählt hat) und ist jetzt durch die Veröffentlichung wieder aufgeflammt.

Ein Manuskript an einen Verlag zu verkaufen, halte ich für völlig ok, aber wer vorher so vehement gegen eben diese "Conten-Mafia" polemisiert hat wie Frau Schramm, darf sich über eine ebenso vehemente Gegenreaktion nicht wundern, schon gar nicht, wenn man sich mit den Strukturen und Möglichkeiten des Internet so gut auskennt, wie JS das angeblich tut.

Das Buch von JS online zu veröffentlichen, ist meines Erachtens nicht als Versuch zu werten "einer öffentlichen Person bewußt zu schaden", sondern war ein Testballon um herauszufinden, wie Frau Schramm/der Verlag reagieren wird. Das halte in Anbetracht des eklatanten Widerspruchs im öffentlichen Verhalten von JS für völlig legitim, zumal ihre Reaktion ja auch hätte anders, nämlich piraten-konformer, ausfallen können.

Frau Wulff hat sich ähnlich ungeschickt verhalten, um es milde auszudrücken. Als sie bekannt gegeben hatte, dass sie immer noch unter den verleumderischen Gerüchten leide und dagegen vorgehen wolle, fand ich das absolut nachvollziehbar. Ich habe mich nur gewundert, warum sie das erst jetzt macht, wo eigentlich keiner mehr über diese Gerüchte spricht. Und dann kam die Meldung, sie werde ein Buch herausbringen.

Soviel Chuzpe muss man erstmal haben: Fast vergessene persönliche Schmähungen wieder in den Blickpunkt der Öffenlichkeit bringen, dann Betroffenheit darüber simulieren, dass es diese Schmähungen gibt und das ganze dann als Werbung für das eigene Buch nutzen.

Die digitale Veröffentlichung des Buches von BW sehe ich in diesem Fall als Notwehr an, gegen den Versuch, den Buchverkauf durch (allzu durchsichtige) Manipulation der Öffenlichkeit zu fördern.

Sowohl JS als auch BW haben sich in ihrem öffentlichen Auftreten in dermaßen offensichtliche Widersprüche verwickelt, dass sie die teils sehr heftigen Reaktionen für mein Empfinden geradezu herausgefordert haben. Jeder, der über ein wenig gesunden Menschenverstand verfügt, hätte das beiden Damen voraussagen können. Wer aber nur auf Marketingleute und PR-Berater hört, muss halt mit den Konsequenzen umgehen können.

Mit der Diskussion um das Copyright hat das alles nur am Rande zu tun.

  • Antworten
Christian Siebje20.09.2012 | 15:56 Uhr

Hier geht es darum, öffentliche Personen bewusst zu schaden.

1. öffentlichen...
2. Stimmt, wer nur 100.000 bzw. 60.000 Euro Vorkasse (welch Wahnsinn!) macht, sich total entblößt, wie die Damen, sämtliche Prinzipien und das Ansehen der Familie und eines Amtes über Bord wirft, dem ist damit geschadet. Mit nichts sonst.

  • Antworten
netteurso21.09.2012 | 06:45 Uhr

........zum Abschuß frei

Ich versteh die ganze Aufregung nicht. Niemand ist gezwungen solchen Scheiß zu lesen. Ist es nicht schon übergenügen, wenn sich Millionen mörgens zu Kaffe und Brötchen die "BLÖD" reinziehen, somit Verdauung wie Grips in Gefahr bringen?!
c -cinribonax

  • Antworten
Heinz Boxan21.09.2012 | 10:46 Uhr

Zusammenhang?

Frau Sorge, was hat Anonymous mit den von Ihnen angesprochenen Urheberrechtsverletzungen an Frau Wulff und Frau Schramm zu tun? Nichts. Natürlich. Das was Sie hier tun ist, zwei einander völlig fremde Dinge zu verquicken, um den Anschein einer Verrohung der Zustände zu erzeugen. Diese Zustände existieren aber schon lange gleichzeitig, getrennt voneinander. Es gibt schon lange positiv auffassbare Hack-Aktionen, mit denen sich auch ein Neon lesender Wohnzimmer-Revoluzzer identifizieren konnte, ebenso wie es die Urheberrechtsverletzungen gibt. Da ist kein Wandel-Prozess im Gange, war es auch nie. Ihre These ist konstruierter Unfug.

Die lösch-Aktion von Frau Schramm bekommt aufgrund der Kernthemen Ihrer Partei so viel Häme. Nicht weil es inzwischen jeder für ok hält Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Und ebenso wie das Buch von Frau Wulff ist es literarischer Müll der als Offenbarung gepushed wird, was nicht gerade zur generellen Achtung der Autorinnen beiträgt.

  • Antworten
Devox21.09.2012 | 12:02 Uhr

menschen zum abschuss frei?`

das klingt ja als müssten frau schramm und frau wulff den todesstreifen durchqueren, dabei haben sie meines erachtens nur ihre position ausgenutzt, um ein minderwertiges buch herauszubringen und schnelles geld zu machen. wir werden ja dauernd verarscht aber gefährlich wirds, wenn mans so direkt mitbekommt. da könnte man dann evtl was gegen haben. das gilt übrigens auch für die medien.

  • Antworten
sHR00m21.09.2012 | 12:55 Uhr

Urfheberrecht

gilt natürlich auch für literarischen Müll. Viel Lärm um nichts. Was ist nur aus unserer Gesellschaft geworden, dass solche Neuerscheinungen eine so starke Aufregung auslösen? Traurig.

  • Antworten
rehse21.09.2012 | 19:03 Uhr

Julia Schramm schadet der Glaubwürdigkeit der Piratenpartei

Nachdem sie der Piratenpartei schon beim Thema Datenschutz und Bürgerrechte massiv Glaubwürdigkeit gekosten hat, hat sie jetzt auch beim Urheberrecht getan.
Inzwischen ist sie für die Piraten in einem Parteiamt oder als Abeordnete so wenig tragbar wie es Guttenberg zuletzt für die Union war. Ich bezweifle allerdings ob die Mehrheit der Piraten oder gar Frau Schramm die politische Reife haben das zu erkennen um die Konsequenzen daraus zu ziehen.

  • Antworten
manuel Schmitz22.09.2012 | 10:30 Uhr

Grundsatzfrage

Wer braucht überhaupt solche Bücher, und wer bestimmt den Wert solcher "Werke" ?
Jeder x-beliebige, der mal in eine Kamera gegrinst hat, muß heutzutage eine Biografie ausscheiden, die die Welt nicht gebraucht hätte.
Wenn irgendjemand das lesen möchte, sollten diese Personen nun wirklich recht dankbar sein.

  • Antworten
Wolfgang Dillenburger23.09.2012 | 11:25 Uhr

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