Cicero im Dezember - Der Blutrausch der Medien

Horst Köhler, Christian Wulff, jüngst hat es den Limburger Bischof erwischt: Ein Skandal jagt den nächsten. Das Medienspektakel wird zunehmend zur regelrechten Hetzjagd. Der Journalismus läuft Gefahr, das richtige Maß zu verlieren

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Oft reicht es, nach Großbritannien zu blicken, um zu ermessen, was gesellschaftlich auf uns zukommt. Die Bilder des gehetzten Limburger Bischofs in Rom erinnerten mich an den Fall Kelly.

David Kelly war ein britischer Biowaffen­experte und vor zehn Jahren vermuteter Kronzeuge für eine BBC-Geschichte, wonach die Blair-Regierung ein Irak-Dossier wahrheitswidrig aufgemotzt hatte. Der Wissenschaftler sah sich einem enormen Druck durch die Boulevardpresse ausgesetzt. Drei Wochen später lag er tot auf einem Acker. Selbstmord.

Sind wir so weit davon entfernt? Ist das rechte Maß noch gewahrt? War Horst Köhler wirklich ein „Horst Lübke“ und deshalb untragbar im Amt des Bundespräsidenten?

Musste man seinem Nachfolger Christian Wulff auch noch den Anspruch auf den Ehrensold absprechen? Darf Bischof Tebartz-van Elst keinen Kaffee auf der Piazza trinken?

War Rainer Brüderles dämlicher Ausfall wirklich diese Aufregung wert?

Der Journalismus ist außer Rand und Band


Da läuft etwas schief. Da läuft etwas heiß. Die Medien stehen unter existenziellem ökonomischen Druck, der dazu verleitet, Tabus fallen zu lassen. In Großbritannien hatte eine Boulevardzeitung auf der Jagd nach exklusiven Storys Mobiltelefone von Politikern und Royals systematisch angezapft. Das Presserecht wird jetzt deshalb dort verschärft.

Der rasende Takt der Online-Medien gibt Richtung und Tempo einer zunehmend besinnungslosen Hatz vor. Heraus kommt Hochfrequenz-Journalismus, der keine Zeit mehr zum Nachdenken lässt. Es geht zu wie an der Schießbude: Jeder darf mal draufhalten.

Der frühere Kulturstaatsminister und Philosoph Julian Nida-Rümelin macht sich Gedanken über die Folgen der permanenten Skandalisierung für die Demo­kratie (ab Seite 20).

Unsere Reporterin Merle Schmalenbach berichtet aus der Kampfzone führender deutscher Online-Portale (ab Seite 28).

„Weniger Hype, mehr Recherche“, fordert Georg Mascolo (ab Seite 34), fünf Jahre lang Chefredakteur des Spiegel und einer der namhaften Investigativ­journalisten des Landes.

Susanne Gaschke, gelernte Journalistin und zurückgetretene Kieler Oberbürgermeisterin, berichtet über ihre Wochen im Sperrfeuer der Medien (ab Seite 32).

Was tun? Besinnen, zur Ruhe kommen – und mehr Bücher lesen.

Von dieser Aus­gabe an finden Sie Literaturen jeden Monat auf vier Seiten in Cicero.
Und zweimal im Jahr als eigenes Heft.

 

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Lesen Sie die ganze Geschichte in der Dezemberausgabe des Cicero. Ab Donnerstag (21.11.) am Kiosk und in unserem Online-Shop erhältlich.

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