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 > Der Druck auf die etablierten Parteien wächst

Berliner Republik
Piratenpartei

Der Druck auf die etablierten Parteien wächst

von 
Alexander Hensel
6. Dezember 2011
picture alliance
Piratenpartei, Bundesparteitag
Auch so können Bundesparteitage aussehen

Ob die Piraten in den Bundestag einziehen, ist vorerst nicht so wichtig. Als Kleinpartei nimmt sie bereits jetzt erheblichen politischen Einfluss. Seit ihrem Parteitag in Offenbach gilt dies umso mehr 

Seite 1 von 2

Lauscht man dem medialen Echo des Offenbacher Parteitags der Piratenpartei, ist dieses auffällig positiv. Nach dem Wahlerfolg in Berlin scheint die Piratenpartei auch auf Bundesebene auf dem Weg der politischen Etablierung zu sein. Der starre Blick auf einen möglichen Einzug in den nächsten Bundestag übersieht jedoch leicht ihre aktuellen politischen Potentiale: Die Partei wirkt auch außerhalb des Parlaments bereits als Motor für die Entwicklung von alternativen politischen Inhalten und für die Modernisierung der politischen Kultur. Die Ereignisse und Ergebnisse des Parteitags in Offenbach könnten nun den Erneuerungsdruck auf die etablierten Parteien nochmals erhöhen.

Zum einen beschlossen die in Offenbach angereisten Parteimitglieder eine Erweiterung des politischen Programms um Forderungen, die im klassischen Koordinatensystem der etablierten Politik als eher links oder sozialliberal gelten. Hier sind vor allem die Einführung eines bundesweiten Mindestlohns und eines bedingungslosen Grundeinkommens, der Abbau von Hartz-IV-Sanktionen, eine Eingrenzung von Leiharbeit, die Durchsetzung einer strikteren Trennung von Religion und Staat und einer liberaleren Sucht- und Drogenpolitik sowie das grundlegende Bekenntnis zu einem geeinten, aber demokratischen Europa zu nennen.

Wichtig hieran ist zweierlei: Auch wenn sich die Parteiführung der Piratenpartei auf rhetorischer Ebene dagegen verwehrt und ihren Charakter als „liberale Grundrechtspartei“ betont, ist festzuhalten: Die Piraten wildern mit dieser Programmausweitung nun deutlich stärker in thematischen Feldern und ideologischen Positionen, die traditionellerweise von den Grünen, der Linken und partiell bzw. früher einmal der SPD besetzt wurden. Damit ist als Konsequenz zu erwarten, dass die genannten Parteien versuchen werden, ihre eigenen Forderungen so weit wie möglich zu profilieren und zuzuspitzen, um weitere Wählerwanderungen zu den Piraten zu verhindern. 

Zudem setzt die Piratenpartei vor allem mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) einen strategisch bedeutsamen Akzent: Denn die Forderung nach einem BGE ist in dieser Form bislang im Programm keiner der etablierten Parteien offiziell zu finden, wenngleich fast überall – v.a. im linken Spektrum – unter verschiedenen Schlagwörtern darüber diskutiert wurde. Indem die Piraten diese Forderung nun plakativ in ihr eigenes Programm aufnehmen, drängen sie die anderen Parteien dazu, in dieser Frage nachzuziehen. Insofern können die Piraten durchaus inhaltliche Neuerungen provozieren, unabhängig davon, ob sie im Bundestag sind, oder nicht.  

Zum anderen entwickeln die Piraten neue Formen und Verfahren der politischen Organisation und Kultur. Wesentlich hierfür ist die Verschränkung von basisdemokratischen Prinzipien und der Nutzung digitaler Kommunikationstechnologien. Zwar hat die Piratenpartei schon seit geraumer Zeit einen weitläufigen digitalen Kommunikationsraum entwickelt, in dem ihrer Mitglieder gleichberechtigt an der innerparteilichen Willensbildung und Programmfindung mitarbeiten können. Auf bisherigen Parteitagen ist die Übersetzung der Ergebnisse in ein politisches Programm im Rahmen basisdemokratischer Prinzipien jedoch allzu oft misslungen: Die akkreditierten Mitglieder überhäuften sich vor Ort mit oft destruktiven formalen Anträgen; unsachliche Diskussionen polarisierten sich bis hin zur kollektiven Selbstblockade.  

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Neues Dossier anlegen:

Revolutionierung unserer Sozialsysteme

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist keine "Erfindung" der Piratenpartei, sondern entstammt einem Vorschlag des Gründers der dm-Drogeriemarktkette, Götz W. Werner.

Werner hat "die Machbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens" in einer Taschenbuch-Veröffentlichung detailliert skizziert und erläutert.

Das BGE ist also keine "linke" Forderung, sondern die zündende Idee eines etablierten Kaufmanns, mittlerweile Honorarprofessor an der Universität in Karlsruhe (Institut für Unternehmensgründung/Entrepreneurship).

Dieses BGE würde unsere Sozialsysteme revolutionieren, aber auch durchsichtiger und gerechter gestalten, denn dann wären Elterngeld, Kindergeld, BAföG, Wohngeld, Hartz-IV-Leistungen, Arbeitslosengeld und vieles mehr entbehrlich.

Dadurch könnte die gesamte Sozialbürokratie auf ein Minimum reduziert werden, also ein echter Schritt zur Entbürokratisierung.

Auch die übrigen Parteien in Deutschland werden sich über kurz oder lang mit dem BGE beschäftigen müssen, ob sie dies nun wollen oder nicht.

  • Antworten
Yvonne Walden06.12.2011 | 14:57 Uhr

Stimmt nicht ...

... einfach mal recherchieren in 5 min hättest du es herausgefunden. Das Grundeinkommen gab es schon lange als Idee bevor Götz Werner aufgesprungen ist, vor alle ist das Modell welches er favorisiert ein rückschrittliches ...

  • Antworten
PeterProtest06.12.2011 | 20:33 Uhr

Die Piratenpartei ist doch wohl ein schlechter Scherz!

Null Konzept bei wichtigen Dingen und leeres Geschwafel = Piratenpartei.
Wer eine solche Kindergartenpartei wählt, der interessiert sich immerhin schonmal im Ansatz für Politik. Nur VERSTANDEN hat er davon leider noch nichts.

  • Antworten
Physics06.12.2011 | 15:13 Uhr

Vorratsdatenspeicherung,

Vorratsdatenspeicherung, Aufhebung der Unschuldsvermutung, Kameraüberwachung an öffentlichen Plätzen, Verkehrsmitteln und an Arbeitsplätzen, Bankabkommen SWIFT, Speicherung aller Fingerabdrücke in zentralen oder dezentralen Dateien, Überwachung aller öffentlichen Fluchtwege über Tollcollect (Mautdaten), Einrichtung einer Zentraldatei, z.B. ELENA, biometrische Personalausweise, biometrische Gesundheitskarte plus angepasster Gesundheitsreform, Onlinedurchsuchung, Bundestrojaner, usw., desweiteren eine lebenslange Steuernummer, ein wenig Arbeitszwang über Hartz4, dazu das Forbestehen des Schulzwangs mit vielen „pädagogischen Maßnahmen“ und „Erziehungsmitteln“, Geldbußen und Feststellung einer „Ordnungswidrigkeit“ bei Mißachtung plus Haftstrafen bei alternativer Umgehung des Schulzwangs, außerdem demokratische Kriegsbeteiligungen im Ausland, aber auch den Einsatz der Bundeswehr im Innern in Form von Kriegsmaschinerie bei Demonstrationen (G8) und natürlich die fortwährende Durchführung des Mikrozensus unter Androhung von Bußgeldern und Beugehaft, dem dann bald auch der Makrozensus folgt und so weiter.

dann doch lieber die piraten ...

  • Antworten
Grilleau06.12.2011 | 19:06 Uhr

Vielen Dank für ihre indirekte, unfreiwillige Bestätigung

Wenn sich Gegenrede unserer politischen Gegner in bloßen Behauptungen ohne die Spur stichhaltiger Argumente erschöpft, dann müssen wir wohl eine Menge richtig machen!
In diesem Sinne: siehe Betreff und vielen Dank!

  • Antworten
Logos06.12.2011 | 22:26 Uhr

Politisch zu sein, heißt

Politisch zu sein, heißt nicht, vollumfänglich jeden politischen Acker bewirtschaften zu müssen. Mur weil viele etablierte Parteien vorgeben, das zu tun, heißt es noch lange nicht, dass auch nur eine dabei halbwegs erfolgreich ist.
Die Piraten versuchen neue Konzepte, haben auch nie behauptet, alle Themen auf der Agenda zu haben und haben trotzdem massiv Zulauf. Das liegt daran, dass sie lieber keine, statt falscher Versprechungen machen. Fehler eingestehen, statt sie aus Angst vor Gesichtsverlust zu zerreden oder wegzuargumentieren. Wer sagt, dass das demokratische Zukunftskonzept immer noch aus der großen Volkspartei besteht? Man mag ja von Liquid Feedback halten was man will, aber zumindest ansehen muss man sich das mal und versuchen, das Potential für eine Gesetzgebung/Interessenvertretung der Zukunft zu sehen.

  • Antworten
nik06.12.2011 | 22:29 Uhr

und nochmals

@Physics, wenn sie
- den Erhalt und die Wiederherstellung von Bürgerrechten
- den Widerstand gegen die Einführung einer technischen Zensurinfrastruktur
- die Bekämpfung einer demokratieabträglichen Überwachung http://www.diigo.com/user/pirat_logos/%C3%9Cberwachung (VDS, INDECT, Quellen-TKÜ/Bundestrojaner/Onlinedurchsuchung, Funkzellenabfragen, pauschales PKW-Kennzeichen-Scanning etc.)
- die Herstellung von sozialer Gerechtigkeit, angesichts des WIEDERHOLTEN Ergebnisses der OECD-Studie, dass die Kluft zwischen arm und reich in der BRD wie in kaum einem anderen Land aufklappt http://www.diigo.com/user/pirat_logos/OECD%20Schere-
- die Abkehr und Bekämpfung der neoliberalen Geißel mit ihrem Anliegen, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren
- die Bekämpfung eines gesellschaftsschädigenden Lobbyismus
- Tranzparenz des Staates gegen Korruption und Kungelei
- mehr Demokratie und Mitbestimmung gegen eine abgehobene Politik, die alles Mögliche vertritt (Banken, Unternehmen, Hoteliers, Contentindustrie etc.), nur nicht ihrer Pflicht als Volksvertretung gerecht wird

für "unwichtige Dinge" erachten, dann sagt das mehr über sie aus, als ihnen lieb sein kann. Im allerbesten Falle könnte man ihnen komplette Inkompetenz zu Gute halten: dass sie gar nicht wissen, worüber sie eigentlich reden. In sofern entbehrt ihr abschließender Vorwurf, nichts verstanden zu haben, nicht eines gewissen unfreiwillig selbstbezüglichen Momentes.

  • Antworten
Logos07.12.2011 | 13:00 Uhr

Produktivität der Parteitage

Der letzte programmatische Bundesparteitag in Chemnitz im November 2010 war mindestens genau so diszipliniert und produktiv. Nur war da fast keine Presse vor Ort, die das mitbekommen hat.

Viel Presse war im Mai 2010 in Bingen. Da waren Vorstandswahlen und die haben fast zwei Tage gedauert.

Generell: Seit der Bundestagswahl 2009 mit dem Sprung in den Mitgliederzahlen von unter Tausend auf 12.000, gibt es jährlich zwei Bundesparteitage. Einen mit Vorstandswahlen im Frühjahr und einen programmatischen im Herbst. Der programmatische ist jeweils der produktive.

  • Antworten
Oibelos06.12.2011 | 15:33 Uhr

Die Parteien und das Bedingungslose Grundeinkommen

Auch die bereits etablierten Parteien beschäftigen sich seit einigen Jahren mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen:
http://grundeinkommenbonn.de/wiki/index.php/Parteien_und_Grundeinkommen

  • Antworten
Henrik Wittenberg06.12.2011 | 22:43 Uhr

Druck auf die etablierten Parteien?

In der Presse werden linke Vorstellungen der Piraten beschrieben. Davon lassen sich höchstens die anderen linken Parteien beeindrucken. Ich denke hier auch an die SPD, die jetzt stärker nach links gerückt ist.

Offenbar hat sich die Berliner Position durchgesetzt und man möchte jetzt eine linke Vollpartei werden. Sorry, aber ich brauch keine weitere linke Partei.

  • Antworten
Robert07.12.2011 | 03:01 Uhr

Wo bleibt mein Kommentar?

Wo bleibt mein Kommentar?

  • Antworten
Grilleau07.12.2011 | 10:23 Uhr

Musste erstmal gelesen werden

Anders als viele andere arbeiten wir nicht 24 Stunden am Tag. Das tut uns sehr leid, wir werden in Zukunft auf Schlaf verzichten.

  • Antworten
Woody Mues07.12.2011 | 10:50 Uhr

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Piraten haben in einer für den Wähler ziemlich visionslosen Zeit gute Anstöße gegeben. Sie werden nun im "Sandkasten Berlin" beweisen müssen, dass sich ihre Vorstellungen -zumindest in Teilen- oppositionell einbringen lassen. Farbenfrohe Oppositionsarbeit ist hierfür zu wenig.
In den Themenbereichen Mindestlohn und Trennung von Kirche und Staat liegen die Piraten auf der Linie vieler Wähler. Bedingungsloses Grundeinkommen und die Sucht- und Drogenpolitik werden weniger Befürworter finden.
Positive Impulse setzen die Piraten in der Art, Politik umfassend zu kommunizieren und durchschaubarer zu machen. Die Standardparteien werden strukturell und organisatorisch viele Elemente von den Piraten übernehmen, um wieder näher an junge Wähler und vor allem an Nichtwähler heranzukommen.
Die Wählerströme werden sich allerdings wieder umkehren - soll heißen: Die abgewanderten Grünen-, SPD- und Linkenwähler werden zu den ihre eigentlichen Grundsätze vertretenen Parteien zurückkehren und an umsetzbarer Gestaltung interessierte "echte Piraten" dorthin mitnehmen.
Die Piraten werden sicher auf dem Weg bleiben, dem Staat klarzumachen, dass umfassende Informationen zu öffentlichen Themen kein Herrschaftswissen sind und so jedem zugänglich gemacht werden müssen. Beim Thema Transparenz laufen die Piraten seit ihren Anfängen offene Türen ein.
Noch im Aufbau von Partei und Organisation dürften sich die Piraten mit fallenden Umfrageergebnissen anfreunden müssen. Zu schnell wird der Piratenhype wieder abflachen. Die von außen als halbgeordnetes Chaos anmutende Parteiarbeit kann für viele junge Leute, für die Schnelllebigkeit zum Tagesinhalt geworden ist, langweilig werden.
Kurzum: Der Anfang des Endes der Piraten hat mit der Senatswahl in Berlin begonnen, Piraten werden die Kommunikationskultur massiv verändern und in andere Parteien tragen, Piraten werden auch nach einem Abgeordnetenintermezzo im Berliner Senat als positiver -wenn auch untergegangener- Komet am Politikhimmel in den Politikgeschichtsbüchern stehen.

  • Antworten
Buntstift07.12.2011 | 15:37 Uhr

... das Grundeinkommen

... ist auch keine per se "linke Erfindung", z.B. standen die Amerikaner mal in den 60ern (wenn ich mich richtig erinnere) davor das einzuführen. Gerade von Gewerkschaften wird es sehr kritisch gesehen, da gab es mal im Deutschlandfunk ein interessanten Bericht. Wenn dann noch der ehemalige Chefökonom der UBS damit sympathisiert ist das ein weiteres Indiz dafür, dass sich diese Idee nicht ohne weiteres in rechts/links Schemata pressen lässt. Einige interessante Filme gibt es unter grundeinkommen.tv

  • Antworten
Robert09.12.2011 | 12:06 Uhr

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