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Berliner Republik

Integration„Zu viel Verständnis entbindet von Eigenverantwortung“

Interview mit Betül Durmaz28. September 2012
picture alliance
Ausländische Kindernamen,Integration,Bildung,Schule
Integration muss mehr sein, als Namensschilder an der gleichen Wand
Schrift:

Beim Thema Integration wird sich dermaßen in die Tasche gelogen, findet Deutsch-Türkin und Lehrerin Betül Durmaz. Im Interview erklärt sie, warum die misslungene Integration die migrantische ebenso wie die deutsche Unterschicht betrifft und warum der Islam zur Humorlosigkeit neigt

Seite 1 von 3

Frau Durmaz, nach dem Integrations-Indikatorenbericht der Bundesintegrationsbeauftragte Maria Böhmer scheint sich besonders im Bereich Bildung ein positiver Trend abzuzeichnen. Wird die Diskussion um die Integration in Deutschland also zu hysterisch geführt?
Ich bin keine Wissenschaftlerin, deshalb kann ich nicht für die gesamte Nation sprechen. Aber bei mir in Gelsenkirchen hat sich gar nichts getan. Nichts hat sich verbessert – im Gegenteil. Momentan mag es zwar keine Aufreger geben, Thilo Sarrazin verhält sich ruhig, aber Fortschritte gab es nicht. Wir haben es nach wie vor mit gettoisierten Schulen in gettoisierten Stadtteilen zu tun.

Von den Migranten in zweiter Generation heißt es aber, die Bildungsorientierung würde steigen, Schulabschlüsse besser werden, viele Einwanderer würden sich Deutschland stärker zugehörig fühlen.
Überhaupt nicht. Ich arbeite mit der dritten und vierten Generation von Migranten und glauben Sie mir, die Bildungsabschlüsse werden bei uns nicht besser. Wir bekommen Briefe vom Schulamt, die sich wundern, dass nur wenige Migranten eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen würden. Mich wundert das nicht.

Warum?
Weil wir es hier meistens mit bildungsfernen oder sogar –ablehnenden Familien zu tun haben. Und das ist ein soziales Problem, das auch in der deutschen Unterschicht zu finden ist. In diesen Familien ist der Sprung aufs Gymnasium milieubedingt oftmals gar nicht vorgesehen.

Wo müsste man also ansetzen, dass das anders wird?
Ich plädiere schon seit Jahren dafür, dass der verpflichtende Kindergarten eingeführt wird. Kinder, die mit sechs Jahren eingeschult werden, brauchen eine Basiskompetenz. Und Schule kann das, was in den Jahren davor vielleicht versäumt wurde, nicht kompensieren. Das betrifft die deutsche ebenso wie die migrantische Unterschicht. Auf der anderen Seite brauchen wir eine andere Methodik, weg von diesem 45-Minuten-Rhythmus. Damit erfassen wir nur eine ganz kleine Gruppe von Schülern. Eine Chantal oder ein Ahmed, die vielleicht gut malen können, werden in diesem vorherrschenden System immer scheitern, weil es auf Auswendiglernen und nicht auf ihr individuelles Potenzial ausgerichtet ist. Auch hochbegabte Schüler brechen hier aus, weil sie sich langweilen. Wir brauchen kleinere Klassen, grundsätzlich doppelt besetzt, die darauf schauen, welche Fähigkeiten unsere Kinder bergen.

Das ist der Gerald-Hüther-Ansatz, der sagt: „Jedes Kind ist hochbegabt.“ Aber kann eine Schule, die nicht entsprechend strukturiert oder konzipiert ist, das überhaupt leisten?
Nein. Ich arbeite seit über einem Jahr im gemeinsamen Unterricht, in dem Förder- und Regelschüler so lange wie möglich gemeinsam beschult werden. Inklusion ist ein wichtiges Thema. Und ich kann Ihnen sagen: Da wird sich dermaßen in die Tasche gelogen! Wir orientieren uns an erfolgreichen skandinavischen Ländern, wie Finnland, wo man in der Oberstufe zu sechst in einer Klasse mit zwei Lehrer nach individuellen Stundenplänen unterrichtet wird. Aber investieren will hierzulande keiner!

Sie haben die Versäumnisse angesprochen, bei denen es bis zur Einschulung kommen kann. Was ist so wichtig an der frühkindlichen Förderung?
Kinder lernen spielend die deutsche Sprache. Wer sie erst ab dem sechsten Lebensjahr erlernt, lernt sie wie eine Fremdsprache. Wer im Kindergarten einen deutschen Freund hat, wird sich niemals abwertend über Deutsche äußern. Hier werden soziale Kompetenzen gefördert, Beziehungen entstehen, auch zwischen den Eltern. Derweil bietet die hiesige Regierung eine Herdprämie an, die meiner Meinung nach ein gänzlich falsches Signal sendet.

Seite 2: Die Herdprämie setzt das falsche Signal

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Dank...

... an die kluge Frau Duramz. Alles was sie ansprach traf den Nagel auf den Kopf. Kindergartenpflicht für alle ist die wichtigste Forderung. ich hoffe das eine rotgrüne Regierung das auch umsetzt.

  • Antworten
RenaGo28.09.2012 | 13:28 Uhr

"Zu diesem Artikel existieren keine Kommentare"

Was sehr zu bedauern ist, denn es ist ein kluger und lobenswerter Artikel. Auch wenn vieles schon hier und dort gesagt worden sein mag, so muss es doch immer und immer wieder wiederholt werden. Erfolgreich ihren Anlagen entsprechend sozialisierte Kinder werden in der Regel als Erwachsene Positives zur Gesellschaft beizutragen haben. Eine frühzeitige Investition in die Begabung jedes Kindes mag Kosten verursachen. Die sich aber garantiert auszahlen werden.

  • Antworten
Jonardo Tenner28.09.2012 | 13:47 Uhr

Reformation ist nicht gleich Aufklärung

Naja, also Luther und Aufklärung - da liegen nochmal zweihundert Jahre dazwischen ...

  • Antworten
Ignaz Feuerlicht28.09.2012 | 14:04 Uhr

Ohne Luther keine Aufklärung

Voraussetzung der Aufklärung ist die Erkenntnis, dass der Mensch ein Individuum ist. Also nicht in erster Linie Teil von etwas - Nation, Familie, Religion etc. Das war neu und ist in der Tat Martin Luther zu verdanken - er hat diese Erkenntnis mutig gegenüber einem dunklen Mittelalter und einer allmächtigen Kirche vertreten. Die Entdeckung des "Ich" und die damit verbundene Aufgabe, sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien und des eigenen Verstandes zu bedienen - ohne Bevormundung durch dritte - steht in den meisten islamischen Ländern noch aus. Wie reformfähig der Islam ist, da habe ich meine Zweifel. Der Islam ist in Europa nicht europäischer geworden, sondern Europa islamischer.
Kritik gilt im Islam als Untugend und Gotteslästerung. Autoritätsgläubigkeit und Unterordnung als Tugend.

  • Antworten
Abraham03.10.2012 | 04:48 Uhr

Kritik

Ein schöner Sonntag und ich habe Zeit, deswegen nehme ich mir mal einige Aussagen aus dem Interview heraus, um dieser einer Kritik zu unterziehen.

Fragen und Antworten der Seite 3

/Was regt Sie denn auf?
Die Zurückhaltung der deutschen Politiker. In Deutschland gibt es eine Presse- und Meinungsfreiheit, und ich finde, der Islam neigt zu einer solchen Humorlosigkeit. Es gibt so viele Karikaturen über Frau Merkel und andere große Politiker. Da werden keine Häuser angezündet oder gar ein Konsul getötet./
Wie kann man Allah und Frau Merkel gleichsetzen? In Marokko lacht man über den König Mohammed und in Syrien sind Witze und Karikaturen über Assad alltäglich, selbst im Iran macht man sich über die Mullahs witzig.
Hier sollte man sich fragen, ob Allah die Bestrafung überlassen sein soll und der Mensch sich nicht einmischen darf. Das ist ein theologisches Problem und lässt sich nicht durch eine billige Polemik einfach verkürzt darstellen.

/Was wir also an Luther hatten, wird dort noch vermisst?
Ja, wir brauche eine geistige Revolution! Bisher hinken wir noch etwas nach…/
Der Antisemit und Herrenknecht Luther? Der Begründer der Erbfeindschaft von Deutschland und Frankreich und Denker des Rassismus auf deutschem Boden. Ich fühle mich langsam in meiner Intelligenz beleidigt. Luther ist eine sehr ambivalente Figur, jedoch kein Vorbild.

/Sie sind doch aber selbst Muslima.
Ja, aber eine ganz humorvolle./
Es gibt sehr wohl unter Muslimen Humor. Warum werden Muslime zu humorlosen Menschen abgestempelt. Wir wissen nicht, ob Tiere einen Humor besitzen, doch Menschen, seien es auch Misanthropen, haben einen Humor. Nasreddin sollte auch einer Lehrerin ein Begriff sein.

/Aber die Frage ist doch, warum es zu so einer derartigen Eskalation kommt. Könnte man der islamischen Welt nicht einfach etwas Humor beibringen?
Geschmack und Humor kann man nicht kaufen und schon gar nicht anerziehen. Da mangelt es ganz einfach an Aufklärung./
Muslime haben einen Geschmack und Humor, dafür bedarf es nicht mal einer Aufklärung, da jeder Mensch unabhängig von seiner kulturellen Umgebung Humor entwickeln kann. Diese Aussage impliziert zwei Falschheiten. Erstens die Behauptung, dass in der gesamten islamischen Welt, d.h. von Marokko bis Indonesien, Humor und Geschmack Fremdwörter seien und zweitens, dass dies noch von einer Aufklärung abhängig sei.
Übrigens, kennt jemand die Texte eines mittelalterlichen Dichters? Die haben alle einen Humor, selbst die Minensänger mit ihrer hohen Dichtkunst.

In der Uni habe ich die Erfahrung gemacht, das Lehramtsstudenten die schwächeren sind. Ich weiß natürlich, dass es ein Vorurteil ist, doch es will mir jetzt nicht aus dem Kopf gehen. Vielleicht ändert sich wenig, weil wir ja so tolle Lehrkräfte haben, die Meinungen vertreten, welche selbst einem Betrunkenen nicht gut stehen können.
Ihre Meinung zu Kindergartenpflicht und der misslichen Situation vieler Migrantenfamilien sind eigentlich Binsenweisheiten und banal, doch ich kann sie nur unterstreichen. Hier vertrete ich die selbe Auffassung.

  • Antworten
Ethan Yilmaz30.09.2012 | 10:51 Uhr

Ich bin es leid immer wieder ueber Intergations Probleme

mit Muslimen lesen und hoeren zu muessen. Tuerken kamen vor einem halben Jahrhundert nach D ,erst wollten sie zurueck.Dann beschlossen sie hier zu bleiben und trotzdem sprechen viele davon nur wenig Deutsch,leben wie in Anatolien und sind aergerlich dass Deutsche ihnen nicht mehr Toleranz entgegenbringen und dass sie auch noch die dt.Sprache lernen sollen.
In grossen Staedten gibt es bereites ganze Ortsteile wo keiner mehr Deusch sprechen muss,es geht alles auf tuerkisch oder arabisch.....Mit der zunehmenden Anzahl muslimischer Zuwanderer stiegen auch die Probleme an.... und immer wird das der dt.Gesellschaft in die Schuhe
geschoben...Integration ist eine Bringschuld und wer sich nicht bemueht ein Teil der Gesellschaft zu werden sollte aufhoeren sich zu beklagen.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant30.09.2012 | 15:33 Uhr

Wie steht es hier um die

Wie steht es hier um die „Deutschenfeindlichkeit“ in „deutschen“ Klassenzimmer? Stimmt der Eindruck, dass in den Klassenzimmer ethnische Kämpfe toben?
Ja, an meiner Förderschule bleiben einzelne Gruppen unter sich und die migrantische Unterschicht hackt auf der deutschen herum.

"Förderschule ist überall" oder wie? Will man etwa aus dieser Schule ein "Allgemeinzustand für deutsche Klassenzimmer" ableiten? Sehr schwach finde ich.

  • Antworten
Hitch Koch30.09.2012 | 17:50 Uhr

Förderschule

In Hamburg ist "Förderschule" überall. Es beginnt in der Grundschule mit Deutschenbashing, da es nur noch sehr wenige davon pro Klasse gibt. Viele Lehrer können dem sehr wenig entgegensetzten. Das Gleiche gilt, wenn deutsche(christliche ) Feiertage erklärt werden. Da bescheren sich muslimische Eltern über "Christentum".

  • Antworten
kultura02.10.2012 | 17:21 Uhr

Wieso?

Warum soll eine "Kindergartenpflicht für alle" bestehen? Wenn ich keine Lust habe, mein Kind der rot-grünen "Multi-Kulti-Gut"-Erziehung anheim zu geben, dann ist das mein gutes Recht. Die Zeiten staatlicher Umerziehungsprogramme sind ja wohl hoffentlich vorbei.
Ebenso ist es mein gutes Recht, den finanziellen Gegenwert der "Betreuung" (Erziehung kann man das ja wohl nicht nennen)in Bar einzuziehen und für die Erziehung des Kindes zu verwenden.

  • Antworten
Chrischan7401.10.2012 | 10:27 Uhr

Zu viel Verständnis entbindet von Eigenverantwortung

Hier wird aus einem bestimmten Schul-Alltag in einer bestimmten Gegend
berichtet. Es gibt aber noch ein tiefer sitzendes Problem: die "Deutsche Schuld". Meine Tochter (Jahrgang 1987)weiß alles über die deutschen Nazi-Verbrechen - was ja gut und richtig ist! - aber sie hat sonst so gut wie nichts über die deutsche Geschichte gelernt.
Sie gehört also einem Verbrechervolk an. "Deutsch ist die Sprache der Massenmörder von Auschwitz". Folgerichtig sagt ihre trkische Freundin
(In Deutschland geboren/Abitur/Studium in Deutschland): "Ich bin Türkin. Ich bin stolz eine Türkin zu sein. Ich habe einen deutschen Paß". Sie will doch nicht Deutsche sein. Warum auch? Für die Verbrechen, für alle Unzulänglichkeiten Deutschlands sind die Ethno-Deutschen zuständig. Das wird sich auch nicht ändern. Da ist auch der EURO vor, denn da braucht man noch einige Zeit einen "Schuldigen".

  • Antworten
Wolram Wiesel01.10.2012 | 16:05 Uhr

Frau Durmaz mag nur das sagen

Frau Durmaz mag nur das sagen was die Deutschen hören wollen. Die Preise und Ehrungen sind alle CDU-Freundlich. Warum werden sie nicht von Migranten geehrt? Ihre art die Migranten über einen Kamm zu scheren "Bildungsferne Familien" ist eine Sarrazin Polemik. Was haben sie schon dafür getan, damit sich die Migranten hier wohl fühlen? Außer das Sie sich an Ihrem Leiden Finaziel bereichert haben? Welche Integrations-fördernde Vereine unterstützen Sie? Wann waren Sie das letze mal bei einer Anatolischen Familie?

  • Antworten
HHanseat02.10.2012 | 22:11 Uhr

Wahrscheinlich wird die Frau Durmaz

von Migranten,d.h. tuerkisch und arabischstaemmigen nicht geehrt weil sie nicht kultursensibel die ganze Schuld fuer die Bildungsmisere dieser Migrantengruppe auf die dt.Gesellschaft ablaedt. Sollte sie das aendern,wird sie bestimmt mit Ehrungen ueberflutet.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant04.10.2012 | 15:16 Uhr

Ganz bestimmt

Ja sicher... Die deutsche Gesellschaft hat doch angst sobald sich 3 Migranten zusammen tun, auch wenn es nur ein Verein ist. Wie sollen die Migranten jemanden ehren, wenn sie sich nicht mal institutionalisieren können.

  • Antworten
HHanseat04.10.2012 | 18:48 Uhr

Schuld fuer die Bildungsmisere

O-Ton meiner Lehrerin: "Frau Yldiz, sie wollen doch bald zurück in die Heimat.., Gymnasialplätze sind rar, daher haben sie verständniß, dass ihre Kinder auf die Realschule besuchen werden."

  • Antworten
HHanseat04.10.2012 | 18:54 Uhr

tabuisierte Kritik

Gegen ein solches Verhalten könnten Sie mit Recht vorgehen, denn allein die Leistung sollte
zählen, die ihre Kinder im 4. Schuljahr zeigen. Schwierig wenn auch gleich beide die gleiche Lehrerin zu haben scheinen. Aber umgekehrt alle Deutsche über einen Kamm zu scheren, wie sie das in ihren Kommentaren tun, passt dann nicht so ganz :-) . Meine Erfahrung in Frankfurt ist, dass es kaum einen Austausch zwischen Schulen/Partner. Einrichtungen und Migranten Verbänden gibt, Kritik eher tabuisiert ist u. Die Vorstellung Migranten als (gute) Opfer, fuer die man sich uneingeschränkt als guter D eutscher einsetzen muss, eben ohne allzu viel Eigenverantwortung zu fordern, ist gerade auch unter Pädagogen weit verbreitet. Man wertet sich dadurch selber auf. Es bringt nur nichts voran, sondern blockiert Entwicklungen.

  • Antworten
kathrin siebert07.10.2012 | 11:08 Uhr

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